Dann mache ich mal gleich weiter.
Zwei Wochen war ich in Japan unterwegs, einen guten Freund besuchen, der zur Zeit in Tokio lebt. Zwei Adressen hatte ich als Tipps bekommen und mir vorgenommen, diese zu besuchen. Zum einen das Bonsaimuseum im Norden Tokyos und zum anderen eines der beiden Bonsaidörfer in Omiya. Beides lässt sich leicht für den Interessierten ergooglen. Und ich kann vorab zusammenfassend sagen: Ich war einfach nur baff über die Qualität der Bonsai! Manche Sachen habe ich mir anders vorgestellt, aber dazu vielleicht später...
Beim Bonsaimuseum handelte es sich - das hab ich im vornherein gar nicht gewusst (peinlich) - um den Garten von Kunio Kobayashi, wohl einem der größten Bonsaiisten weltweit, mit Schwerpunkt auf Azaleen. Ich war ziemlich überrascht, als ich das erfuhr und die großartigen Bäume sah. Aber fangen wir vorne an, denn eigentlich war der Garten geschlossen. In Vorbereitung auf einen großen Pflanzenmarkt standen überall im Garten rotblühende Trichterwinden herum, die kurz vor der Blüte standen und für Gäste war im Prinzip keine Zeit. Glücklicherweise hat sich ein Mitarbeiter erbarmt und ließ uns hinein. Als er hörte, wir kämen aus Deutschland, wusste er schon, wen er holen kann. Ein Arbeitskollege aus Japan hatte mir vorher gesteckt, dass es wohl zur Zeit einen deutschen Lehrling gibt und er kam auch gleich. Toll, was will man mehr! Einer der Ahnung hat und deutsch spricht. Ich hätt ihm wirklich stundenlang zuhören können, so spannend war es. Nachdem er uns durch den Garten mit den vielen Meisterwerken geführt hatte - es ging im Eiltempo durch - , zeigte er uns das Museum. Die Sammlung der antiken Schalen ist einzigartig. Die drei dort exemplarisch aufgebauten Tokonoma findet man in den Bücher vom Meister wieder. Hier hat uns Valentin das wichtigste zu Sinn und Bedeutung von Tokonoma erklärt. Es war noch viel mehr in diesem kleinen Haus, aber ich konnte auch nicht alles in dem kurzen Zeitraum fassen. Wen aber Schalen und Azaleen interressieren, für den ist dieser Garten ein MUSS. Nach dem Rundgang wurden wir noch freundlicherweise auf einen Grünen Tee und ein Stück Wassermelone eingeladen und der Meister persönlich schenkte uns u. a. ein Heft mit Autogramm.

Nun begann der (für mich) interessanteste Teil des Gesprächs, warum und wieso man nach Japan kommt und wie es so ist, Schüler bei einem japanischen Meister zu sein? Einerseits ist es wirklich zu beneiden, das Wissen ist einfach unheimlich wertvoll. Auf der anderen Seite sind 12-15 h Arbeit am Tag wohl die Regel... Sein geschilderter Arbeitsalltag hat mich ein bisschen an "Post-Dated" von Michael Hagedorn erinnert. (Zur Zeit in der BonsaiArt in Teilen veröffentlicht, Dank an Heike für die Übersetzung.)
Die Zeit lief schnell ab und nachdem ich mir ein bisschen Werkzeug gekauft hab (bei den Schalen hab ich nicht zugeschlagen, im Nachhinein bereut man das natürlich), hat er uns noch schnell seine "bescheidene" Bonsai-Sammlung gezeigt. Besonders stolz ist er auf eine Azalee, die für einen Fachartikel eines japanischen Bonsaimagazins hergehalten hat, windgepeitscht, mal was anderes. Da war so mancher Knaller dabei! Leider war für uns keine Zeit, so dass wir dann auch schon wieder gehen mussten.
Hierbei also nochmal ein herzliches Dankeschön an Valentin für die Führung durch das Museum und den Garten. Ich hoffe, man sieht sich nach der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung in Deutschland wieder. Sofern er mir einen Link zum flickr-Album schickt, werde ich es nachreichen.
Kobayashi Kunio wird übrigens im nächsten Jahr in Deutschland sein, wie ich mitbekommen habe, leider vergessen wo. Also Azaleenfreunde aufgepasst! Generell hat er schon viele Veröffentlichungen und plant weitere Bücher.
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Die Zweite Station war wie erwähnt "Bonsaivillage", nähe Omiya (Ort nördlich von Tokio). Hier sind diverse Bonsaischulen, die auf anderen Webseiten bereits gut erklärt sind. Viel kann ich nicht hinzufügen. Anreise ist wirklich leichter, als ich dachte, obwohl ich mir doch einen etwas größeren Ort vorgestellt habe. Nichts desto trotz kann ich es wärmstens empfehlen. Dort stehen wirklich Bonsaigärten in Abständen von 2-5 min zu Fuß, einzigartig! So etwas findet man sonst nirgendwo. Die Meister waren meistens gerade ausgeflogen (Mittag) und man traf in den Gärten fast nur Lehrlinge, schnaufend und ausruhend von der Plackerei. Die konnten wenigstens ein bisschen Englisch

Laut Beschreibung auf einer Website habe ich eigentlich mit mehr Werkzeug in den Läden gerechnet, aber es gab fast gar nichts... auf einer Anfrage in einer Schule ("Scissor?"), wurde mir eine Schere gebracht, die ich dankend wieder ablehnen musste (140€, Profi-Schere, bin kein Profi...). Ich wollte einfach nur die Scheren haben, mit denen sie dort arbeiten, so wie sie im Arbeitsbereich rumlagen!
Im Bonsaidorf hab ich noch ein paar Tokoname-Schalen geholt. Mit den Schalen bin ich insgesamt ganz glücklich. Sie gefallen mir. Einer Dame, von der ich sie gekauft habe, musste ich mit Händen und Füßen erklären, dass ich Schalen kaufen möchte. ... der Groschen fiel, bis mir das Wort "Tokoname" einfiel. Danach ging alles ganz leicht. Sie zeigte mir einfach alles. Bin mir zwar immer noch nicht ganz sicher, ob das nun wirklich welche sind, aber mit 10€-15€ pro Shohin-Schale kann man gut leben, denke ich.
Mit Fotos kann ich hier leider nicht dienen, da wir die Cam vergessen haben. In den Gärten war aber ohnehin meist das fotografieren untersagt.
So viel dazu. Ich wäre gerne noch mehr Bonsai-Stationen angegangen, aber wenn man nicht alleine unterwegs ist, macht man eben auch andere schöne Sachen, außer Bonsai. Ich habs jedenfalls nicht bereut. Japan ist eine Reise wert.
Hier die Fotos der ersten Station