Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

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Robert S.
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Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von Robert S. » 02.09.2013, 16:51

Hallo zusammen,

einige, hoffentlich recht viele, hier lesende Bonsaifreunde haben sicher den Thread Zur Ethik bei Yamadori mitverfolgt.

Wir wollen alle Interessierten nun auffordern in diesem Thread an der Ausarbeitung solch eines Kodex mitzuwirken.
Ich bitte nur um Postings, die der Entwicklung eines solchen Kodex dienen. Dass es Bonsaifreunde gibt, die so einem Kodex die Tauglichkeit absprechen ist uns bewußt und wurde ja bereits an anderer Stelle erläutert.
Deshalb werden Beiträge der Art "bringt doch eh nix" ohne weitere Diskussion von der Moderation gelöscht.

Als erste Vorschlagsform biete ich das an, was an anderer Stelle ja schon mal vorgetragen wurde.
Fallen euch weitere Punkte ein?
Sollten aufgeführte Punkte präzisiert oder sonst irgendwie modifizert werden?

Im Vorraus bedanke ich mich schon mal bei jedem, der hierzu etwas beitragen möchte.

Servus,
Robert
Yamadori - Ehrenkodex

Dieser Kodex ist ein Appell an alle Bonsaifreunde, sich gewissen selbst auferlegten Regeln zu unterwerfen, um den teilweise frevelhaften Umgang von Bonsaianern mit der Natur beim Yamadorisammeln Einhalt zu gebieten.

Sammle nur mit Genehmigung
Alles ist irgend jemandes Eigentum. Ob einem das gefällt oder nicht. Es ist so. Also Stadt-, Ortsverwaltung, Forstamt, Grundstückseigentümer kontaktieren und um eine Sammelerlaubnis nachfragen. Es gräbt sich übrigens auch entspannter und erfolgversprechender, wenn man sich nicht ständig umsehen muß, ob man beobachtet wird.

Sammle alleine und nicht in der Clique
Yamadori zu mehreren betrieben artet leicht aus. Wer entdeckt als erster "den Hammerbaum"? Es fehlt dann die Muse sich jeden Baum in Ruhe hinsichtlich seines Potentials genau zu betrachten.

Grabe nur aus, wenn Du über das nötige Wissen verfügst Bäume der Natur zu entnehmen.
Und wenn der Baum noch so schön ist und über genügend Bonsai-Potential verfügt. Wenn Dir die Erfahrung fehlt, wie ein Baum der Natur zu entnehmen ist, wird er wahscheinlich sterben. Du hast dann nur Zeit und Aufwand verschwendet. Mit dem Resultat, daß ein Baum weniger existiert.

Grabe nur Bäume aus, die eine Chance haben zu überleben
Beim Freilegen des Wurzelwerks kommt es vor, daß man feststellen muß das sich keine Wurzeln in Stammnähe befinden. Hier gilt. Entweder stehen lassen, oder den Baum mehrjährig auf die Entnahme vorbereiten (z.B. Umstechen oder Abmoosen am Naturstandort)

Findest Du Bäume, die von anderen auf das Sammeln vorbereitet wurden, lass sie stehen.
Oder möchtest Du, daß Dir jemand Bäume ausgräbt, die Du unter Umständen jahrelang auf das Ausgraben vorbereitet hast?

Prahle nicht in Internetforen über Deine Ausgrabeaktionen / "Beutezüge"

Gebe dein Wissen über das Ausgraben weiter
So kannst Du verhindern, dass etliche Bäume sterben, bis der Yamadori-Neuling durch die selbst gemachten Fehler das gleiche Wissen hat wie Du selbst.

Beschränke dich beim Ausgraben
Wenn du gehst, sollte der Ort immer noch dem Landschaftsbild entsprechen. Stehen mehrere gute Anwärter dicht beieinander, entscheide ich für einen, grabe nicht die ganze Gruppe aus. Hinterlasse keine kahlen Stellen.
Wenn du meinst du musst X Bäume mitnehmen, nimm lieber weniger mit.

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Delamitri
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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von Delamitri » 02.09.2013, 17:47

... liest sich schon mal gut, allerdings muss ich den Ausscheider getrockneter Südfrüchte geben: Bitte den Begriff "Besitz" durch "Eigentum" ersetzen! Denn derjenige, der ohne Genehmigung Bäume ausgräbt, also Diebstahl begeht, ist Besitzer aber nicht Eigentümer. Der Käufer dieser Bäume wird nicht Eigentümer, er wird nur Besitzer! Erkennt der Eigentümer den Baum zufälligerweise wieder (was sicherlich sehr sehr selten vorkommen dürfte), hat der derzeitige Besitzer den Baum herauszugeben. Man sollte also schon sicher sein, von wem man einen Baum erwirbt!
Bis bald!

K.

"Was machen Sie da?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich gestalte Bonsai."

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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von Sigrid » 02.09.2013, 20:09

Robert S. hat geschrieben: Alles ist in irgend jemandes Besitz.
Genau wie Delamitri schon schrieb: solche Verwechselung zwischen Besitz und Eigentum schmerzt die Juristenseele :o

Besitz ist eben nur das, was man gewissermaßen gerade in der Hand oder gerade ausgegraben hat - Eigentum ist das wirkliche Recht an der Sache - unabhängig vom Besitz :P
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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von Robert S. » 02.09.2013, 20:29

Danke Delamitri und Sigi. Ich hab den Besitzer zum Eigentümer gemacht :-D

Servus,
Robert

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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von TobiasR » 02.09.2013, 20:32

Abend alle miteinander,
ich stimme allen punkten zu außer den mit dem sammeln in Gruppen.
Es gibt doch fast nichts schöneres els mit guten Freunden 1-3 Bäume pro Jahr zu sammeln.
Mfg Tobias
NeuerStarkeLahmRafiBoaBadsDanteAlaBuytenDiegoJavíShweiniGustCanRibRobShaqiKrosTymoMülerPizaGomezManu

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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von Herbert A » 02.09.2013, 22:03

Servus an alle.

Nach Gesprächen mit Forstbehörden und Landwirten kann ich sagen dass es keinesfalls erwünscht ist irgendwelche Jungpflanzen an Stelle des entnommenen Baumes auszusetzen. Da sind die sehr penibel.

lg
Herbert
Schön dass es dieses Forum gibt.

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Norbert_S
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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von Norbert_S » 03.09.2013, 13:31

Herbert,
die österreichische Rechtslage ist mir nicht bekannt. In Deutschland ist es nicht nur nicht erwünscht sondern verboten!
Norbert

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Robert S.
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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von Robert S. » 03.09.2013, 13:36

Danke Herbert & Norbert.
Dann entferne ich den letzten Absatz.

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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von Anja M. » 05.09.2013, 11:00

All die Punkte, die da aufgelistet sind, sind eigentlich nicht neu. Öffentlich zumindest haben alle diese Einstellung zum Ausgraben für sich als relevant bezeichnet. Die Amateure, die für sich selbst hier und da einen Baum bergen auf jeden Fall.

Somit liegt das Hauptproblem eigentlich beim professionellem Sammeln. Diejenigen, die im Stress möglichst viele Bäume auszubuddeln und dabei nicht entdeckt zu werden, Umgebung und Grabungsort hinterlassen, als hätt sonstwer da gewütet. Die nicht einzelne Bäume sorgfälltig aussuchen, sondern konzentriert einen Ort plattrampeln und leer hinterlassen. Zu denen sicher auch die Händlier gehören, die z.B. auf einer der letzten Noelanders anscheinend halb Europe mit Mugos versorgt haben, die offenbar alle bei ihren neuen Eigentümern innerhalb eines Jahres krepiert sind. Diejenigen, die den Ruf der Bonsaileute im allgmeinen und der Yamadorisammler im besonderen beschädigen.

Die Frage wäre also auch, wie stehe ich zum Kauf evtl. gewilderter Bäume. Zumindest sollte man ein gesundes Mißtrauen auch in Hinblick auf den eigenen Geldbeutel an den Tag legen bei mehr oder weniger unbekannten Händlern. Und kann man das Wildern als Kavaliersdelikt sehen oder sollte man Anzeige erstatten, wenn man jemanden bei frischer Tat erkennt.
73 Anja

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Norbert_S
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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von Norbert_S » 05.09.2013, 14:09

Anja, wie stellt sich das auf frischer Tat erkennen denn dar?

Gehst du hin und fragst nach einer Genehmigung zum ausgraben fragt er dich ob es dich etwas angeht und ob du zu einer Srtafverfolgungseinhheit CSI irgentwas gehörst und buddelt weiter. Soll jetzt jeder in der Natur umherlaufende Erholungssuchende Polizei spielen und fortan grundsätzlich bösgläubig durch die Wälder streifen?

Glaubst du wirklich, ich würde meine Genehmigung jedem der danach fragt unter die Nase halten. Ich bin Niemanden rechenschaftspflichtig außer den dazu beauftragten Behörden.

Das ist jetzt etxtra provokant formuliert um die Situation zu verdeutlichen.
Norbert

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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von Robert S. » 05.09.2013, 16:17

Hallo Anja,

neu ist der eingangs gepostete Vorschlag nicht. Das spielt meine Erachtens auch keine Rolle. Intention war und ist ein klitzekleines Mini-Rgelewerk zu erstellen, welches dann an prominenter Stelle (rechte Spalte, oder oben im Menü) als Anlaufpunkt dient.
Zumindest für Anfänger wäre so eine Liste u.U. hilfreich, wenn sie sich dem Gedanken anschließen.
Erfahrene Leute hier im Forum könnten, wann immer es Sinn macht, darauf verlinken.

Und noch mal zur Klarstellung an alle. Ich geh nicht mit der rosa Brille durch die Welt und denke, dass das "Yamadoriproblem" mit so einem Kodex beseitigt wird. Aber schaden wird er nicht. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Servus,
Robert

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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von Anja M. » 05.09.2013, 16:44

Norbert_S hat geschrieben:Anja, wie stellt sich das auf frischer Tat erkennen denn dar?
....
Das ist jetzt etxtra provokant formuliert um die Situation zu verdeutlichen.
Na ja, wenn du bei uns auf der Wiese am Knick stehen tätest mit Spaten und Container, wüßt ich schon, was die Uhr geschlagen hat. ;-)

Ansonsten: Es sind mindestens 2 Fälle hier zitiert worden, bei denen jemand diese Wilderei bezeugen hätte können. Es ist vielleicht auch eher eine Frage der Einstellung bei uns. Spreche ich das Problem an, falls ich mal außenstehende Verantwortliche beim Wickel hab oder umgehe ich so etwas?
Robert S. hat geschrieben:Hallo Anja,

neu ist der eingangs gepostete Vorschlag nicht......
Und noch mal zur Klarstellung an alle. Ich geh nicht mit der rosa Brille durch die Welt und denke, dass das "Yamadoriproblem" mit so einem Kodex beseitigt wird. Aber schaden wird er nicht. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Servus,
Robert
Wär aber auch nicht verkehrt, wenn noch ein paar Punkte ausgearbeitet werden würden oder dazukämen.
73 Anja

sylvan_spirit
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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von sylvan_spirit » 05.09.2013, 21:06

Entschuldigung, aber Neulinge und auch Erfahrene ohne Yamadori Kentnisse sollten keinen Kodex brauchen. Entnahme von alten Bäumen ist sehr schädlich für die Natur und sollte nur in Betreuung von erfahrenen Lehrer und mit eine Genehmigung des Eigentümers erfolgen. Und die erfahrenen Sammler dürften sich nur als solche bezeichnen, wenn Sie die Art vom Ausgraben an mehrere Jahre begleitet haben.

An unweltbewute, 'humanitäre' Appele werden sich jedoch nur pflichtbewusste Menschen halten und trotzdem benötigen Sie fachliche Begleitung. Die weniger Pflichtbewussten werden sich nur vor moglichen rechtlichen Konsequenzen beeinflüssen lassen. Hier wäre es hilfreich zu Abschreckung die Rechtslage genauer aufzuführen. Hat jemand genaue Kenntnisse darüber?

Gruß Waldgeist.

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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von Thierry » 06.09.2013, 08:28

sylvan_spirit hat geschrieben:Die weniger Pflichtbewussten werden sich nur vor moglichen rechtlichen Konsequenzen beeinflüssen lassen. Hier wäre es hilfreich zu Abschreckung die Rechtslage genauer aufzuführen. Hat jemand genaue Kenntnisse darüber?
In Frankreich, im "Extremfall" (=Wiederholungstäter), 45.000 € Geldstrafe.
(und Ausrüstung, Bäume, usw. werden selbstverständlich beschlagnahmt)
In D, CH, A, weiss ich nicht.
Viele Grüße,
Thierry

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Re: Ausarbeitung eines Yamadori-Ehrenkodex

Beitrag von Robert S. » 09.09.2013, 08:45

Hallo zusammen,

per Mail hat mich noch ein Vorschlag für einen weiteren Punkt des Kodex erreicht
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Bezwing das Bonsai-Fieber, wenn du in einem Feld stehst und alle diese Möglichkeiten siehst. Denk daran, wieviel - oder wie wenig - Bäume du tatsächlich mit gutem Gewissen langfristig hegen und pflegen kannst. Lieber ein paar wenige sehr gute Bäume als 100 belanglose.

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