Die Schattenseiten des Yamadoritums

Alles andere was zu Bonsai passt.
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Igor
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Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von Igor » 10.10.2010, 09:47

Liebe Leser,

schon seit langem frage ich mich, ob ich dieses heikle Thema hier im Forum anschneiden soll. Irgendwie glaube ich aber, dass es an der Zeit ist, die Dinge hinsichtlich „Yamadori“ von einer ganz anderen Seite zu zeigen. Diejenigen, die meine Beiträge mitverfolgen - werden wissen, dass ich auch ein leidenschaftlicher Yamadori-Sammler bin.

Mir fällt auf, dass das Thema „Yamadori“ gerade im Internet immer mehr an Präsenz gewinnt. Viele Leute werden dadurch noch stärker motiviert Ausflüge in die Natur zu unternehmen, um nach Material zu suchen. Insbesondere Anfänger sehen in jedem, auch noch so jungem Bäumchen einen potentiellen Kandidaten und würden am liebsten alles ausgraben was ihnen unter die Augen kommt. Die Fortgeschrittenen und Profis hingegen, trachten jedes Jahr auf´s neue, ein besseres Material zu holen.

Leider gibt´s dann auch noch diese skrupellosen Bonsai-Leute, die mit leeren Lieferwagen in die Natur fahren und erst dann wieder zurückfahren, wenn der Wagen bis zum Dach voll ist. Und das nicht nur einmal, sondern Jahr für Jahr. Schließlich so lange bis ganze Hänge von Gebirgsgegenden aus Schlaglöchern, Müll und abgesägten Baumteilen bestehen.

Ich frage mich, warum man so etwas macht!? Kann die Gier nach Rohmaterial wirklich so groß sein, dass es viele Bonsai-Freaks dazu zwingt, schonungslos, zerstörend und respektlos durch die Natur zu ziehen?

Oftmals werden Gummihandschuhe, Plastiksäcke, Klebeband, Bierdosen, PET-Flaschen etc. am Standort zurückgelassen. Einmal habe ich eine ausgegrabene Mugo entdeckt, dessen Wurzelballen schon im Nylonsack verpackt war. Der komplette Baum wurde vor Ort zurückgelassen. Als ich den Baum gesehen habe, war er schon hinüber. Ich habe bis heute keine Ahnung, warum man die Mugo dort verrecken ließ. Jahrhunderte alte Bäume werden auf diese Art und Weise sinnlos vernichtet!

Die letzten Jahre wurde ich schon von einigen Forumsmitgliedern wegen den Yamadoris kontaktiert. Manche wollen auf meine Touren mitgehen. Andere wollen wissen ob man wirklich mit Genehmigungen ausgräbt oder ob dies doch nur ein „Scherz“ ist, unter dessen Vorwand man die Ausbeute öffentlich rechtfertigen kann.

Zitat aus einer E-Mail, die vor einigen Wochen an mich gesendet wurde:
„Wie kommt man unerkannt mit Beute vom Berg? Und braucht man wirklich eine Erlaubnis? Ich weiß nicht, ob ich in einem Forum dazu eine Antwort bekomme, deshalb frage ich dich auf diesem Weg!“

Solche Aussagen unterstreichen genau das, was mich an der gesamten Sache so gewaltig anwidert. Ich kann es kaum in Worte fassen, wie sehr mich so etwas aufregt!

Ich glaube, dass Bilder mehr wie tausend Worte sprechen. Mehr brauche ich nicht mehr zu kommentieren. Schaut her, wie diese besessenen Fanatiker Kiefern "ausgraben" und eine schöne Gebirgsgegend behandeln. Eine Schande eigentlich ...

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Was haltet Ihr denn davon? Die Schäden, welche in diesem Gebiet angerichtet worden sind, sind großflächig und so schnell nicht wieder behebbar. Landschaftsbilder möchte ich keine herzeigen. Was würdet ihr denken, wenn sich eine Landschaft in eurer Umgebung in so etwas verwandelt?

Es mag hier in Europa sicherlich noch viele ergiebige Yamadorigebiete geben, wie so manch einer glaubt! Aber nur für wie lange noch? Wenn derartige Raubzüge in diesem Tempo fortgesetzt werden, dann sehe ich schwarz. Was hat denn eigentlich so etwas mit "Naturverbundenheit" oder mit dem Gedanken von "ZEN" zu tun, von dem so viele Bonsai-Freaks in den Foren klugscheißen?

Das traurige an diesem Thread ist, dass ich weiß, dass auch bestimmte Mitglieder dieses Forums zu diesen Typen gehören. Über die Sinnhaftigkeit einen solchen Thread zu erstellen, habe ich lange nachgedacht. Auch wenn mich dafür viele hassen mögen, aber solche Bilder gehören in die Öffentlichkeit! Vielleicht öffnet´s dem einen oder anderem doch noch die Augen ...

Gruß,
Igor


P.S.:
In letzter Zeit werden auch in diesem Forum vermehrt Bilder von Yamadoris und dessen Fundorten aus den Threads gelöscht. Eigenartig, nicht wahr?
Dateianhänge
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Zuletzt geändert von Igor am 10.10.2010, 10:22, insgesamt 1-mal geändert.

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joseph
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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von joseph » 10.10.2010, 10:21

Moin Igor

Das ist ein gutes Thema was du anschneidest. Ich sehe das auch so wie du, und das mit dem ZEN ist ja vielen eh nicht klar. Und ich finde auch das es Beiträge gibt die einen frischen Yamadori in einen Maurerbotisch zeigen und absolut geheipt werden. Auf der anderen Seite Beiträge mit " normalen Material " die Sang und klang los unter gehen, obwohl diese Bäume schon Jahre lang Gestaltet und Gepflegt werden. Ich finde das manche ihren Ego damit super auffrischen können. Natürlich auf kosten der Natur.
MfG Joseph / Tilo

menne
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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von menne » 10.10.2010, 10:37

Hallo Igor,

ich denke, da hast du ein wesentliches Thema angesprochen. Von daher melde ich mich - der ich sonst eher still und leise an diesem Forum teilhabe - auch mal zu Wort.
Es ist wie immer die alte Geschichte: Haben oder sein. (Erich Fromm) Die Jagd nach dem immer besseren Baum, davon ist ja auch hier im Forum viel zu viel zu spüren. (Der Jubel über manch ausgegrabenen Baum ist mir hier oft zu groß im Vergleich zu dem, was derjenige zu lesen bekommt, der sich zum Beispiel die Mühe macht über viele Jahre ein Bäumchen aus Samen heran zu ziehen.)
Das ist nicht mein Weg. Yamadori - oder besser Ausgangsmaterial für einen Baum in der Schale - findet sich doch an jeder Ecke. Und erfreulicherweise werden die Wege zu diesem Material (Vorgärten, Park- und Heckenrodungen, Grünabfallentsorgungsstellen oder die Resteecke im Baumarkt) hier im Forum auch immer wieder gewiesen. Legale, schonende Wege.
Und darüber sich auf den japanischen Weg zu machen und sich mit einer Reihe von Stecklingen über einen langen Zeitraum zu beschäfftigen statt mit mehr oder weniger viel Geld den Raubbau zu unterstützen, sollten die Menschen nachdenken, die wirklich Bonsai betreiben wollen. Vielleicht kann ein Forum wie dieses dabei unterstützen. Denn Bonsai hat meiner Meinung nach weniger mit Haben denn mit Sein zu tun.

Danke für deinen Beitrag.

Gruß
Martin

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Lioth
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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von Lioth » 10.10.2010, 10:52

Oha Igor, Diskussion über Yamadori.
Hatten wir hier vor Jahren schonmal, war nicht so ganz erfreulich!
Gott schuf die Zeit, von Eile hat er nichts gesagt...!

Allegra
Gerd
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Paul S.
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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von Paul S. » 10.10.2010, 11:33

Ich melde mich auch mal zu Wort.

Ich bin voll un ganz deiner/ihrer Meinung. Geht es bei Bonsai nicht um Harmonie zwischen Mensch und Natur? Soweit ich weiß, schon. Deswegen sollte man sich erstens sicher machen, ob der Baum das überhaupt überleben kann (wegen Wurzeln und so) und zweitens sollte man sich genau überlegen, ob man den Baum wirklich möchte. Und nicht einfach ausgraben und dann liegen lassen. Und schonmal garnix "freilegen", indem man Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte Jahre alte Bäume einfach so wegschneidet. Denn auch die Krüppelkiefern können einen wichtigen Beitrag leisten, und zwar nicht nur für die Natur. Sie stabilisieren ja z.B. auch in manchen Fällen den Berg und schützen vor Lawinen. Dieses Zack-und-weg-Prinzip gefällt mir garnicht. Danke für die Bilder, sowas hätte ich nie erwartet.
Soy Pinolero!

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achim73
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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von achim73 » 10.10.2010, 12:57

igor, danke für diese aufschlussreichen bilder.
das problem ist nur, eine diskussion darüber ist absolut fruchtlos.
die leute, die so etwas tun, werden das auch weiterhin.
und wenn jemand einen ausgegrabenen baum zeigt, werden wir auch in zukunft davon ausgehen, dass er oder sie das auf einem legale, verantwortungsvollen weg getan hat. was wäre die alternative ?
yamadori-verbot im bff ?
und davon ab - ich habe nicht das gefühl, dass sich zweifelhafte fälle in der letzten zeit häufen.
im gegenteil, die zeiten von stolzen fotos voller kofferräume sind eher vorbei.
zu dieser spekuliererei mit herausgenommenen fotos - fragt die leute doch am besten selbst.
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit

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Spunk
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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von Spunk » 10.10.2010, 18:36

Ich denke dass Bonsai und Yamadori nicht immer getrennt zu betrachten sind. Wir alle kennen die Bilder von ansehlichen Kiefern und Wacholdern die man per Zucht aus Jungpflanzen so nicht bekommt. Also beschafft man sich Pflanzen, auch wenn es Mühsam ist und nicht selten ein kleins Stück Natur verloren geht dass manchmal Hundert Jahre und mehr brauchte um zu wachsen.

Ohne Yamadori Material würde die Bonsai Szene nicht solche Bäume hervorbringen wie wir die Klasse der "grossen" Okkolythen nun mal kennen, ich finde das gehört dazu und muss nicht immer mit einem Schaden an der Natur enden (oder dem Tod des Rohmaterials).

Das es rücksichtslose Sammler gibt denke ich schon, aber ich deke dass ein Grossteil in der Deutschen Community die Grundreglen beim Yamadori beherzigt:
  • die richtige Jahreszeit zum Ausgraben (Spätherbst oder das zeitige Frühjahr)
  • Genehmigung zum Ausgraben besorgen (fragen kost nix sagte Christian S. passend dazu)
  • keinen Baum auf Gedeih und Verderb wenn das Ausgraben fatale Folgen für den Baum haben würde (zuviele Wurzeln kappen, kränkelder Baum etc.)
Von selbst versteht sich dass man am Grabungsort die Stelle wieder zugräbt und keinen Müll zurücklässt.
Ich denke dass man auch nichts falsch macht wenn jeder der einen Baum ausgräbt auch einen neuen hinterlässt. In jeder Baumschule bekommt man Jungpflanzen die man ohne Bendenken am Grabungsort hinterlässt um der Nachwelt keinen Kahlschlag zu hinterlassen. Das geht natürlich nicht überall (im Gebirge ist das nur bedingt möglich), aber wer etwas nimmt und auch etwas zurückgibt brauch sich zumindest nicht den Vorwurf stellen sich der Natur zu bedienen ohne an kommende Generationen von Bonsai Liebhabern zu denken.

Ob das die Rambos in der Szene zum gewissenhaften Handeln auf Vorbildbasis annimiert weiss ich nicht, aber im Sinne eines Generationenvertrages haben wir alle die Verpflichtung unseren Kindern ein Welt zu hinterlassen die es wert ist und bleibt dafür zu kämpfen. (s. E. Hemingway)
Die Mitel dazu sind:
  1. Aufklärung was man da macht
  2. Ausbildung wie man es richtig macht
  3. zu zeigen wie man es nicht macht
Ich habe im Netz viele Nützliche Anleitung zum Thema gelesen und die meisten kennen diese auch:
Walter zum Thema Yamadori:
http://walterpallbonsaiarticles.blogspo ... erman.html
Und Wolfgang Putz zur Thematik (mit vielen Bildern):
http://www.yamadori-bonsai.info/Putz_roh.html

gruss

Spunk
Gruß
Oliver
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Bonsai is not: You working on the Tree,
it´s the Tree working on you

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Stephan mit ph
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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von Stephan mit ph » 10.10.2010, 19:30

Wir Menschen haben es geschafft die Weltmeere leer zu fischen.
Da kann es doch kein Problem sein die Alpen leer zu räumen.
Dieser Gedanke geht mir seit langer Zeit durch den Kopf.
Auch ich würde gerne in die Berge fahren und nach einem Baum Ausschau halten.
Nach 30 Jahren arbeiten an und mit Bäumen habe ich viel zu viele Skrupel, ob der Baum bei mir wirklich weiter lebt. Am Berg wird er es. Hoffe ich.
Ich denke, wenn verantwortungsbewußte Liebhaber, Bäume sammeln, wissen sie mit der Natur umzugehen und auch ihre eigenen Kapazitäten richtig einzuschätzen.
Leider scheint es aber mit der Verantwortung, welche wir Menschen gegenüber der Natur, unseren Nachkommen und auch uns selbst gegegnüber haben, nicht all zuweit her zu sein.
Verbote denk ich sind der falsche Weg. Aufklärung! genau solche Diskussionen wie diese hier und das Anfassen an die eigene Nase: Was tue ich? Was richte ich an?
Ich finde es sehr gut, dass du das Thema aufgegriffen hast. Dies sollte immer und immer wieder geschehen. Es sind ständig Neulinge hier und ich glaube da ist Aufklärungsarbeit am Fruchtbarsten und den "Alten Hasen" schadets bestimmt auch nicht.
Stephan

zwanziger
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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von zwanziger » 10.10.2010, 20:58

Hallo Igor,
das sind ja schreckliche Bilder.

Ich kann mir das nur schwer vorstellen wie das bei dir ausschaut.
Das ist warscheinlich auch das Problem.
Die die den Schaden anrichten sind nich direkt betroffen,
die setzen sich ins Auto nach Hause und alles is vergessen.
Da is eben wieder der Egoismus am Werk.
Solche Bilder öffentlich zu zeigen, scheint mir der beste Weg zu sein,
da man ja sonst nix davon mit bekommt was bei dir so passiert.
MfG André

Hummel Hummel, Mors Mors

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mohan
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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von mohan » 10.10.2010, 23:01

Hallo Igor,
vielen Dank für deinen Gedankenanstoß!
Das ist nur gut und richtig um sich eine Meinung zu diesen schockierenden Verhältnissen zu bilden.
Manche Dinge, bei denen man vielleicht ein Glied in der Kette ist, muss man sich erst mal bewußt machen, bevor man sie verändern kann!
Viele Grüße
monika

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zopf
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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von zopf » 11.10.2010, 08:43

Von 1000 ausgegrabenen Bäumen überleben 500 ein Jahr.
Von den 500 Bäumen gehen in den nächsten 5 Jahren 400 ein.
Wenn das Wort Bonsai-Kultur nicht nur ein Wort sondern auch Realität wäre,
könnte man den Raubbau auf ein kleineres Übel reduzieren.
Da der Bedarf wohl gleich bleibt
würde eine höhere Überlebensqoute mit weniger Naturentnahmen einher gehen.

Da ich einerseits selbst ab und zu ein Bäumchen der Natur entehme
andererseits Yamadoris kaufe oder tausche, wäre eine Ablehnung nur Heuchelei.
Man sollte auch nicht die negative Rolle der Internetforen
unter den Tisch kehren, wo der Ratschlag sich im Wald zu bedienen recht normal ist.
cogito ergo pups

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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von Andreas Ludwig » 11.10.2010, 18:04

zopf hat geschrieben:Man sollte auch nicht die negative Rolle der Internetforen
unter den Tisch kehren, wo der Ratschlag sich im Wald zu bedienen recht normal ist.
Dann halten wir uns doch damit künftig etwas zurück, ok?

(Was meine Sammelplätze angeht - geht nicht dahin. Ich habe diese Leute informiert, was da so geht und sie wissen es jetzt.)
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)

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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von ericjoo » 11.10.2010, 18:58

Moin,


ist wohl die Natur vieler Menschen, wenn sie sehen, lesen etc. das man mit einer Ware Geld verdienen kann, geht es los. :?

Glaube weniger daran, dass der Schaden durch den einzelnen Bonsaifreund "groß" ist/wird. Der sucht und findet doch eher mal am Waldesrand oder sonstwo einen vereinzelten Baum in der Natur.

Vermute eher, dass es Leute sind, die damit das schnelle Geld verdienen wollen. Da kann der Bonsaifreund entgegenwirken, indem er bei genau diesen Naturräubern keine Yamadoris mehr kauft !?!



Das sind Gedankengänge eines Anfängers der den Bericht von Igor schon ziemlich erschreckend findet. :(

Frank

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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von Salvatore » 11.10.2010, 19:01

mein wunsch einmal eine kiefer von einem berg zu bergen und ihr ein neues zhuhause zu schenken hat sich mit den bildern erübrigt.

ich möchte nicht zu solchen leuten dazugezählt werden.
lg
Salvatore

http://www.youtube.com/user/SalvatoreBonsai
ist im Experimentierstadium (nur junge Indoors)

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Igor
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Re: Die Schattenseiten des Yamadoritums

Beitrag von Igor » 12.10.2010, 00:04

Servus,

um Missverständnisse aus den Weg zu räumen, möchte ich nochmals klar machen, dass ich selbst auch ein leidenschaftlicher Yamadori-Sammler bin! Ich könnte mir keine Bonsaiausstellung oder Sammlung ohne diese altehrwürdigen Krüppel vorstellen. Alleine schon deswegen, weil es sich um unsere eigenen, heimischen Baumarten handelt. Außerdem sind sie das Klima besser gewohnt, als alle anderen Pflanzen.

Das was ich mit diesem Bericht zum Ausdruck bringen will, ist das, dass viele nicht wissen wann genug ist. Solch rücksichtslose Verhaltensweisen mögen sicherlich vielerlei Gründe haben, wie schon so manch einer richtig erkannt hat. Trotzdem rechtfertigt dies nicht die Verwüstung, die zurück bleibt. Auf den Landschaftsbildern, welche ich nicht zeigen will, sieht man die Schäden großflächig und noch brutaler. Auf den gezeigten Bildern sind lediglich einzelne Sequenzen zu sehen.

Da ich selbst keinen großen Garten habe, muss ich mir genau überlegen, welchen Baum ich ausgraben will. Ich versuche die Sammlung so klein wie möglich zu halten und achte darauf, dass nur "bessere" Bäume den Weg in die Sammlung finden.

Wenn ich neues Rohmaterial suche, dann ist der Fotoapparat stets mit dabei. Finde ich einen Kandidaten, dann werden -zig Fotos aus verschiedensten Perspektiven geschossen. Meistens ist´s doch so, dass der erste Eindruck immer ein "WOW" ist. Später nachdem man den Baum am PC zum X-ten Mal analysiert hat, kommt man darauf, dass der Baum doch nicht so "WOW" ist. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass man in der Zwischenzeit sicher einen noch besseren Baum gefunden hat, den man auch haben möchte.

Ergo:

Gräbt man den ersten Baum sofort aus und den zweiten (besseren) danach ... dann hat man schließlich 2 Bäume. Aber doch nur einen einzigen wahren, der so richtig viel Spaß macht.

Gruß,
Igor

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