Newby hat spezielle Fragen

Alles andere was zu Bonsai passt.
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jochen53
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Newby hat spezielle Fragen

Beitrag von jochen53 »

Moin moin zusammen,

ich bin der Jochen aus Hamburg, lebe aber seit einigen Jahren überwiegend auf den Philippinen. Dort betreibe ich zusammen mit der Familie meiner philippinischen Frau ein ziemliches komplexes Demofarm-Projekt. Wir haben auf der Farm u.a. ca. 2.200 Zitronenbäume und seit einigen Monaten auch eine kleine Baumschule.

Ich bin schon seit Jahrzehnten von Bonsais fasziniert, muß aber zu meiner Schande gestehen dass ich mich noch nie eingehend mit der Materie befasst habe. Das könnte sich jetzt aber, hoffentlich mit Eurer tatkräftigen fachlichen Unterstützung, schlagartig ändern.

Ich hatte kürzlich mal im Internet recherchiert ob sich Zitronenbäume grundsätzlich als Bonsais eignen und habe derart tolle Bilder gesehen das ich hin und hergerissen bin. Sozusagen vom Bonsai-Virus infiziert. Ich könnte mir gut vorstellen das es ein tolles Hobby für mich wird, vieleicht aber später auch eine Sache für die Farm.

Vieleicht erkläre ich einmal kurz die Ausgangslage: Wir haben derzeit ca. 3.000 Zitronen-Setzlinge, ca. 6 Monate seit Aussaat, 10-20 cm hoch. In etwa 2-3 Monaten werden die Setzlinge veredelt. Dazu werden Zweige von geeigneten Bäumen unserer Plantage verwendet, die aber nicht sortenrein sind. Wir können also beeinflussen ob die neuen Bäume große oder kleine Früchte haben werden, auch können wir mit kleinen, grünen Orangensorten veredeln. Es wäre auch möglich die Setzlinge ohne Veredelung wachsen zu lassen.

Die Zitronen sind grün und ziemlich klein, nur ca. 2-4 cm Durchmesser. Auf der Plantage wachsen die Bäume mittelschnell, ca. 80 cm pro Jahr. Die Bäume werden normalerweise nach ca. 15-20 Jahren gefällt, dann sind sie ca. 4-5 Meter hoch und tragen nicht mehr richtig. Wir haben ganzjährig feuchtes Tropenklima, immer zwischen 26 und 32 Grad, die Farm ist fast auf Meereshöhe. Hier gibt es Bilder und Infos zu der Baumsorte:

http://en.wikipedia.org/wiki/Calamondin

Wir sind in der Lage verschiedene Erdmischungen herzustellen, haben Erfahrung mit Mineral- und organischen Düngern, Schädlingsbekämpfung und viele Mitarbeit mit grünem Daumen. Das Rad muß also nicht komplett neu erfunden werden. Natürlich wollen wir nicht gleich 3.000 Bonsais produzieren, es geht zunächst darum mit einigen Setzlingen erste Erfahrungen zu machen.

Frage an die Runde: Was haltet Ihr von der Idee? Wie fange ich das am besten an? Habt Ihr Ideen für andere tropische Bäume? Hat schon mal jemand mit Moringa oder Neem experimentiert?

So, ich hoffe das ich Euch nicht mit den vielen Fragen auf die Nerven gegangen bin und würde mich über Antworten sehr freuen.

Beste Grüße vom Tropenbalkon, Jochen
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MarionS
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Re: Newby hat spezielle Fragen

Beitrag von MarionS »

Warum nicht? Grundsätzlich eine gute Idee und einen Versuch wert.

Jetzt kommt es auf die Frage an: wen wollt ihr mit den Bonsai erreichen?
Bei Profis sind Bonsai mit sichtbaren Veredelungsspuren verpönt, aber für die sogenannten "Baumarkt-Bonsai" - sprich: Massenware - ist alles normal, was schnelleres Wachstum und damit schnelleren Gewinn verspricht.
Für Bonsai eignen sich am ehesten Sorten mit kleinen Früchten und Blättern, die sich aber auch durch eine gewisse Aststruktur gut eignen.
Nun müssen die Bäume aber auch das Klima der neuen Heimat abkönnen - und zwar entweder wie Wohnung oder das Freie, und ich kenne mit mit Zitronen nicht aus: was können die ab?

Edit: Mir fällt gerade auch noch was anderes ein: fasse vielleicht auch mal das Abmoosen ins Auge. Ein-zwei Jahre, bevor gefällt wird, könnte man von einem gut gewachsenen Ast des Baums vielleicht einen neuen Bonsai gewinnen.
Gruß,
MarionS

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jochen53
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Re: Newby hat spezielle Fragen

Beitrag von jochen53 »

MarionS hat geschrieben: Bei Profis sind Bonsai mit sichtbaren Veredelungsspuren verpönt, aber für die sogenannten "Baumarkt-Bonsai" - sprich: Massenware - ist alles normal, was schnelleres Wachstum und damit schnelleren Gewinn verspricht.
Hallo Marion, danke für den Tipp. Wie gesagt, wir können die Setzlinge auch unveredelt wachsen lassen. Blätter und Früchte sind klein. Wenn es was zum verkaufen wird dann wohl nur hier auf den Philippinen. Bonsais sind hier ziemlich populär aber beim "Massenmarkt" ist es ähnlich wie in Deutschland, Geiz ist geil.

Das mit dem Abmoosen hört sich spannend an. Alte Calamansibäume gibt es in der Gegend mehr als genug. Ich denke mal die Strukturen der Verzweigungen könnten interessant sein, da muß man aber wohl ein geübtes Auge für haben. Na ja, was nicht kann noch werden. Könnte es evtl. eine gute Idee sein entsprechende Fotos zu machen und hier zu posten?

Es gibt bei der ganzen Sache noch einen wichtigen Aspekt: Arbeitskräfte sind hier zwar extrem billig, aber auf unserer Farm haben wir das Problem das bei Starkregen nicht gearbeitet werden kann. Das kommt hier ziemlich häufig vor. Dann sitzen die Jungs in der Service-Hütte und kippen sich einen hinter die Binde. Deshalb bin ich immer auf der Suche nach zeitintensiven Tätigkeiten die man im Innenbereich durchführen kann. Ich bin mir ziemlich sicher das der eine oder andere unserer Mitarbeiter Lust hätte sich auf Bonsais zu spezialisieren.
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camaju +
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Re: Newby hat spezielle Fragen

Beitrag von camaju + »

Hallo Jochen,

müssen es denn unbedingt Zitronen sein. Klar, die bieten sich in deinem Fall, aber du hättest doch "da unten" 1000 Möglichkeiten mit Arten die sich bei uns Indoor nennen.
Gruß Jürgen *wink*

Wer nicht mit Pflanzen und Tieren kann, kann auch nicht mit Menschen.

Ich moderiere in blau, der Rest ist nur meine Meinung
jochen53
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Re: Newby hat spezielle Fragen

Beitrag von jochen53 »

Hallo Jürgen, das ist wohl wahr. Ich bin ja nun mal kein großer Baumexperte und hatte bislang immer nur auf Nutzbäume geachtet die wir auf der Farm haben. Mit Wild- und Zierpflanzen haben wir noch nie etwas gemacht. Allerdings haben 2 meiner Schwager etwas Ahnung von Forstwirtschaft, jedenfalls kennen die so ziemlich jeden Baum hier beim (lokalen) Namen.

Auf jeden Fall werde ich jetzt die Augen offen halten und potenzielle "Kandidaten" fotografieren. Alleine auf der Farm haben wir einen ca. 600 Meter langen Grenzstreifen zum Nachbarn der seit Jahrzehnten mit wildwachsenden Bäumen und Büschen bepflanzt ist, sozusagen ein 5 Meter breiter Urwald. Das sollte eigentlich eine echte Fundgrube sein zumal Marion die Sache mit dem Abmoosen erwähnt hat.
level320
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Re: Newby hat spezielle Fragen

Beitrag von level320 »

nur so als kleiner tip.....bonsai in indonesien, was für arten verwenden die dort, was für ein
wachstum haben die (das ganze jahr über) und sieh dir mal die indonesische bonsaiszene an,
da wirst du augen bekommen..... :shock:


lg
ladi
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