Ästhetisches I: Proportionen
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Andreas Ludwig
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Ästhetisches I: Proportionen
Es sind Bestrebungen im Gange, den Begriff der Ästhetik in bezug auf Bonsai fassbar und anwendbar zu machen.
In der Diskussion wurde der Wunsch geäussert, sie zu systematisieren, sie objektiver zu führen. Da habe ich wiedersprochen - intuitiv im Moment, weil ich nach 25 Jahren der beruflichen Gestaltung, unzähligen «Workshops» für interessierten Laien und noch viel mehr Sitzungen mit anderen Laien, Kunden, um die Schwierigkeit dieses Unterfangens weiss. Ganz glücklich war ich damit aber auch nicht, weshalb ich heute nachfasse und es zumindest versuche. Denn eigentlich betrübt es mich, wie die Bonsaiszene in ihrer selbstverschuldeten Isolation stets das Rad neu erfinden will und doch stets nur um ihre kleinen Bäume kreist.
Wieviel daraus wird, weiss ich nicht. Oft genug habe ich heute den Drang, etwas anzustossen und morgen überfällt mich bleierne Müdigkeit, weil ich es ja doch bloss für mich zu tun scheine. Da frage ich mich dann, was das soll, denn mir ist das alles ja nicht neu, ich müsste es nicht haben. Es sei darum jede und jeder freundlich eingeladen, sich zu beteiligen, dazuzustossen und beizutragen.
Ästhetik ist sinnliche Wahrnehmung. Ich habe vor nicht allzulanger Zeit jemandem geraten, der fragte, wie man sich Raffinement - und darum geht es - aneignen könne, einfach täglich bewusst zu sehen, hören, riechen, schmecken und tasten. Das ist die Basis aller Ästhetik - Schulung der Sinne, Zugriff auf «den kleinen Unterschied» zu schaffen. Gänzlich willkürlich beginne ich mit Proportionen, ich hätte genau so gut «Mimesis und Mimikri», «Perspektivenfragen» oder auch «Bonsai als Möglichkeit im urbanen Kontext von morgen» wählen können. Alles Dinge, die sich aus ästhetischer Sicht untersuchen liessen. Aber die Frage der Proportionen scheint mir immer wieder so sträflich vernachlässigt, dass ich sie vergezogen habe.
Gibt man heute, am 2. 2. 2012 in der Suchfunktion ein «Proportionslehre», erhält man nichts. Wie kann das sein? Wie ist es möglich, dass dieses Wort noch nicht einmal erwähnt wurde? Nun - ganz so ist es nicht. Da waren gefühlte 10'000 Erwähnungen des goldenen Schnitts, auf Platz zwei die Fibonacci-Folge, dann noch ein paar Erwägungen zur Proportion Bonsaihöhe zu Stammdurchmesser. Aber nicht mehr. Das reicht nun nicht. Wie soll man gestalten können, wenn dieses ganz grundlegende Thema so gar nicht erwähnt wird?
---
Als «Printdesigner» (früher hat es uns durchaus gereicht, Grafiker zu sein...) wurde ich täglich mit Proportionen konfrontiert. Jedes bedruckte Gut, das nicht in einer Fantasieform gestanzt wurde, war rechteckig und damit schon mal festgelegt - Breite zu Höhe. Darüber machen sich viele kaum je Gedanken, es herrscht sowieso die Tendenz, nur noch in DIN-Stufen zu denken: Plakate sind A2, kleine Plakate A3, Broschüren A4 und Info-Heftchen A5. Nun - dieses heute allgegenwärtige DIN-Format entstand nicht, weil man es für besonders schön hielt, sondern aus ganz anderen Gründen. Es war praktisch. Die spezifische Eigenart dieser Proportion, die mathematisch genau 1:√2 lautet, ist die, das genau gleiche Format hervorzubringen, wenn man es mittig faltet. Das taten alte Papierbogen nicht. Diese hatten meist das Format 2:3. Faltete man sie, ergab das die Proportion 3:4. Diese beiden Formate nennt man Oktav und Quart. Schon mal gehört? Vielleicht schon. Sie stammen aus einer Zeit, in der man sich viele Überlegungen machte zu solchen Dingen. So achtete man darauf, ein «Handbuch» schmal zu halten, damit einem die Seiten nicht zurückklappten beim lesen, während ein «Tischbuch» breiter sein durfte, es lag ja.
Schauen wir uns diese Proportionen doch mal an. Sie sind in der untenstehenden Abbildung nebeneinander gestellt, 2:3, 1:√2 und 3:4. Für viele vielleicht jetzt nicht direkt ersichtlich, ist für mich das mittige DIN-Format ein «praktischer Bastard», während ich die «reinen» Proportionen 2:3 und 3:4 jederzeit vorziehe. Und weil wir gerade so schön in der Geometrie stecken, habe ich um eine weitere Darstellung ergänzt. Es ist ein Rechteck, das sich ergibt, wenn man eine Seite eines Fünfecks hochzieht, bis es dessen Spitze berührt. Die Proportion ist 1:1,538. Darauf kommt man nie mit dem Taschenrechner, mit einfachsten Mitteln der darstellenden Geometrie aber schon. Man lerne: Es geht nicht um Zahlen, es geht um Formen in der Proportionslehre! 1:1,538 nenne ich «elegant», 2:3 «schmal» und 3:4 «gedrungen» - sinnliche Begriffe, weil Ästhetik eben «sinnliche Wahrnehmung» ist.
In der Diskussion wurde der Wunsch geäussert, sie zu systematisieren, sie objektiver zu führen. Da habe ich wiedersprochen - intuitiv im Moment, weil ich nach 25 Jahren der beruflichen Gestaltung, unzähligen «Workshops» für interessierten Laien und noch viel mehr Sitzungen mit anderen Laien, Kunden, um die Schwierigkeit dieses Unterfangens weiss. Ganz glücklich war ich damit aber auch nicht, weshalb ich heute nachfasse und es zumindest versuche. Denn eigentlich betrübt es mich, wie die Bonsaiszene in ihrer selbstverschuldeten Isolation stets das Rad neu erfinden will und doch stets nur um ihre kleinen Bäume kreist.
Wieviel daraus wird, weiss ich nicht. Oft genug habe ich heute den Drang, etwas anzustossen und morgen überfällt mich bleierne Müdigkeit, weil ich es ja doch bloss für mich zu tun scheine. Da frage ich mich dann, was das soll, denn mir ist das alles ja nicht neu, ich müsste es nicht haben. Es sei darum jede und jeder freundlich eingeladen, sich zu beteiligen, dazuzustossen und beizutragen.
Ästhetik ist sinnliche Wahrnehmung. Ich habe vor nicht allzulanger Zeit jemandem geraten, der fragte, wie man sich Raffinement - und darum geht es - aneignen könne, einfach täglich bewusst zu sehen, hören, riechen, schmecken und tasten. Das ist die Basis aller Ästhetik - Schulung der Sinne, Zugriff auf «den kleinen Unterschied» zu schaffen. Gänzlich willkürlich beginne ich mit Proportionen, ich hätte genau so gut «Mimesis und Mimikri», «Perspektivenfragen» oder auch «Bonsai als Möglichkeit im urbanen Kontext von morgen» wählen können. Alles Dinge, die sich aus ästhetischer Sicht untersuchen liessen. Aber die Frage der Proportionen scheint mir immer wieder so sträflich vernachlässigt, dass ich sie vergezogen habe.
Gibt man heute, am 2. 2. 2012 in der Suchfunktion ein «Proportionslehre», erhält man nichts. Wie kann das sein? Wie ist es möglich, dass dieses Wort noch nicht einmal erwähnt wurde? Nun - ganz so ist es nicht. Da waren gefühlte 10'000 Erwähnungen des goldenen Schnitts, auf Platz zwei die Fibonacci-Folge, dann noch ein paar Erwägungen zur Proportion Bonsaihöhe zu Stammdurchmesser. Aber nicht mehr. Das reicht nun nicht. Wie soll man gestalten können, wenn dieses ganz grundlegende Thema so gar nicht erwähnt wird?
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Als «Printdesigner» (früher hat es uns durchaus gereicht, Grafiker zu sein...) wurde ich täglich mit Proportionen konfrontiert. Jedes bedruckte Gut, das nicht in einer Fantasieform gestanzt wurde, war rechteckig und damit schon mal festgelegt - Breite zu Höhe. Darüber machen sich viele kaum je Gedanken, es herrscht sowieso die Tendenz, nur noch in DIN-Stufen zu denken: Plakate sind A2, kleine Plakate A3, Broschüren A4 und Info-Heftchen A5. Nun - dieses heute allgegenwärtige DIN-Format entstand nicht, weil man es für besonders schön hielt, sondern aus ganz anderen Gründen. Es war praktisch. Die spezifische Eigenart dieser Proportion, die mathematisch genau 1:√2 lautet, ist die, das genau gleiche Format hervorzubringen, wenn man es mittig faltet. Das taten alte Papierbogen nicht. Diese hatten meist das Format 2:3. Faltete man sie, ergab das die Proportion 3:4. Diese beiden Formate nennt man Oktav und Quart. Schon mal gehört? Vielleicht schon. Sie stammen aus einer Zeit, in der man sich viele Überlegungen machte zu solchen Dingen. So achtete man darauf, ein «Handbuch» schmal zu halten, damit einem die Seiten nicht zurückklappten beim lesen, während ein «Tischbuch» breiter sein durfte, es lag ja.
Schauen wir uns diese Proportionen doch mal an. Sie sind in der untenstehenden Abbildung nebeneinander gestellt, 2:3, 1:√2 und 3:4. Für viele vielleicht jetzt nicht direkt ersichtlich, ist für mich das mittige DIN-Format ein «praktischer Bastard», während ich die «reinen» Proportionen 2:3 und 3:4 jederzeit vorziehe. Und weil wir gerade so schön in der Geometrie stecken, habe ich um eine weitere Darstellung ergänzt. Es ist ein Rechteck, das sich ergibt, wenn man eine Seite eines Fünfecks hochzieht, bis es dessen Spitze berührt. Die Proportion ist 1:1,538. Darauf kommt man nie mit dem Taschenrechner, mit einfachsten Mitteln der darstellenden Geometrie aber schon. Man lerne: Es geht nicht um Zahlen, es geht um Formen in der Proportionslehre! 1:1,538 nenne ich «elegant», 2:3 «schmal» und 3:4 «gedrungen» - sinnliche Begriffe, weil Ästhetik eben «sinnliche Wahrnehmung» ist.
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Re: Ästhetisches I: Proportionen
Die darstellende Gemoetrie habe ich erwähnt. Hier noch ein Beispiel dafür, wie erfolgreich und effizient man damit arbeiten kann im Vergleich zum Taschenrechner. Ein «Satzspiegel» ist in der Grafikersprache die Fläche, in der sich der Text befindet innerhalb einer Seite. Man betrachtet immer Doppelseiten, denn so liegt das Druckgut ja vor einem.
Als «Stift» hatte ich die Unart, alles und jedes mit dem Taschenrechner zu lösen. Einer meiner Lehrmeister hat mir das ausgetrieben, indem er mir eines Morgens die Aufgabe stellte, einen solchen Satzspiegel für eine Broschüre zu machen - aber nur mit dem, was er bereitgelegt hatte. Das war ein aufgespannter Bogen Papier (der Computer kam erst später), ein Zirkel, eine Reissschiene und ein Reissblei. Ich versuchte das recht tapfer, musste aber aufgeben. Darauf zeigte er mir die unten abgebildete Figur. Wie man sieht - die Hilfslinien sind grau, der Satzspiegel grau eingefärbt, ist es möglich, mit wenigen Linien ein Rechteck im Rechteck zu erzeugen, dass alles kann, was ein Satzspiegel können muss: Er ist proportional zum Papierformat, lässt unten gute Griffränder für die haltenden Daumen (was viele Taschenbücher heute übrigens nicht tun), hält die Textflächen im Gesamtformat zusammen (wären die Abstände links und rechts jeweils gleich, hätte man den Eindruck, die Doppelseite falle auseinander) - und man muss nicht eine einzige Zahl kennen, nichts berechnen. Es klappt in jedem beliebigen Format, reine darstellende Geometrie. Mathematik kann schön sein, vor allem, wenn man nicht rechnen muss! Sollte ein Betriebswirt hier denken, das Papier sei mangelhaft ausgenützt: Diese Aufteilung schafft eine Neuntelung der Fläche. Man kann das weitertreiben bis zu einer Zwölftelung und noch feiner, wenn es nötig ist. Mit einer Reisschiene und einem Blei.
Mein Lehrmeister hatte dieses Rezept von seinem Lehrmeister vorkonstruiert gekriegt und gab es so an mich weiter, kommentarlos und ohne die Mathematik dahinter auch nur ansatzweise zu verstehen. Erst Jahre später fand ich es in einer wunderbaren Schrift von Jan Tschichold* wieder, woher es Meister des Meisters wohl hatte.
Ästhetische Übung für Anfänger: Feststellen, ob das Buch, das du gerade liest, wirklich ein schönes Buch ist, technisch gesehen. Sind die Abstände zum Papierformat harmonisch? Ragt der Daumen in den Text, wenn man es hält?
* Jan Tschichold: «Willkürfreie Massverhältnisse der Buchseite und des Satzspiegels», Basler Papiermühle, Nachdruck 1992, vergriffen
Als «Stift» hatte ich die Unart, alles und jedes mit dem Taschenrechner zu lösen. Einer meiner Lehrmeister hat mir das ausgetrieben, indem er mir eines Morgens die Aufgabe stellte, einen solchen Satzspiegel für eine Broschüre zu machen - aber nur mit dem, was er bereitgelegt hatte. Das war ein aufgespannter Bogen Papier (der Computer kam erst später), ein Zirkel, eine Reissschiene und ein Reissblei. Ich versuchte das recht tapfer, musste aber aufgeben. Darauf zeigte er mir die unten abgebildete Figur. Wie man sieht - die Hilfslinien sind grau, der Satzspiegel grau eingefärbt, ist es möglich, mit wenigen Linien ein Rechteck im Rechteck zu erzeugen, dass alles kann, was ein Satzspiegel können muss: Er ist proportional zum Papierformat, lässt unten gute Griffränder für die haltenden Daumen (was viele Taschenbücher heute übrigens nicht tun), hält die Textflächen im Gesamtformat zusammen (wären die Abstände links und rechts jeweils gleich, hätte man den Eindruck, die Doppelseite falle auseinander) - und man muss nicht eine einzige Zahl kennen, nichts berechnen. Es klappt in jedem beliebigen Format, reine darstellende Geometrie. Mathematik kann schön sein, vor allem, wenn man nicht rechnen muss! Sollte ein Betriebswirt hier denken, das Papier sei mangelhaft ausgenützt: Diese Aufteilung schafft eine Neuntelung der Fläche. Man kann das weitertreiben bis zu einer Zwölftelung und noch feiner, wenn es nötig ist. Mit einer Reisschiene und einem Blei.
Mein Lehrmeister hatte dieses Rezept von seinem Lehrmeister vorkonstruiert gekriegt und gab es so an mich weiter, kommentarlos und ohne die Mathematik dahinter auch nur ansatzweise zu verstehen. Erst Jahre später fand ich es in einer wunderbaren Schrift von Jan Tschichold* wieder, woher es Meister des Meisters wohl hatte.
Ästhetische Übung für Anfänger: Feststellen, ob das Buch, das du gerade liest, wirklich ein schönes Buch ist, technisch gesehen. Sind die Abstände zum Papierformat harmonisch? Ragt der Daumen in den Text, wenn man es hält?
* Jan Tschichold: «Willkürfreie Massverhältnisse der Buchseite und des Satzspiegels», Basler Papiermühle, Nachdruck 1992, vergriffen
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Andreas Ludwig
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Re: Ästhetisches I: Proportionen
So. Ich habe mit meiner Einleitung dargestellt, wie in einem ganz anderen Bereich Proportionen von Bedeutung sind, wie sie erarbeitet werden. ich hätte auch den Ursprung dieser Methode nehmen können, das Bauhüttenbuch eines gewissen Villard de Honnecourt, ein Architekt der ersten Häfte des 13. Jahrhunderts aus der Piccardie. Er hat nach solchen Kriterien Kirchen gebaut, was auch geht. 2:3, 3:4. etc. - ob Münster oder Dom, man wird diese Strukturen immer vorfinden. Mal sind die Seitenschiffe zwei Drittel des Hauptschiffs, mal ist der Turm drei Mal so hoch wie der Chor.
Noch viel älter ist eine sehr bekannte Anwendung dieser ganzzahligen Verhältnisse, die man übrigens phytagoreische Reihe nennt, nämlich die Stimmung von Musikinstrumenten. Das geht so: Man unterteilt eine gespannte Saite, indem man mit dem Finger irgendwo drückt. Misst man nach, erhält man:
Oktave: 2:1
Quinte: 3:2
Grosse Terz: 5:4
Quarte: 4:3
Kleine Sext: 8:5
Kleine Terz: 6:5
Grosse Sext: 5:3
Das ist buchstäblich Musik, nicht wahr? Ich will damit nur zeigen, wo diese Proportionen eine Rolle spielen - und warum sie für uns vielleicht so wichtig sind. Denn das ist zwar nicht erklärt, aber bewiesen: Wir reagieren darauf, in allen Bereichen, in allen Belangen: Wir ziehen proportionale Dinge vor. Auch wenn es so komische Verhältnisse sind wie 1:1,538, was ja an sich eine ziemlich irrationale Zahl ist. Weil sie aber aus so etwas Einfachem wie dem Fünfeck unmittelbar hervorgeht, klappts wieder.
Übung für Ästheten: Man mache sich Gedanken zu Proportionen an Bäumen. Zum Beispiel Gesamthöhe zu Gesamtbreite. Oder Stamm zu Krone. Oder schalenbreite zu Kronenbreite. Oder Kronenbreite zu Kronenhöhe. Man nehme Bilder und verzerre sie, mache sich Skizzen oder schneide nach langem Austrieb stufenweise zurück auf bestimmte Verhältnisse. Jede Wette: Ob schmal oder breit, ob Literat oder Mops - am Ende wird man vielleicht keinen goldenen Schnitt haben - aber Phytagoras wird dabei sein.
Noch viel älter ist eine sehr bekannte Anwendung dieser ganzzahligen Verhältnisse, die man übrigens phytagoreische Reihe nennt, nämlich die Stimmung von Musikinstrumenten. Das geht so: Man unterteilt eine gespannte Saite, indem man mit dem Finger irgendwo drückt. Misst man nach, erhält man:
Oktave: 2:1
Quinte: 3:2
Grosse Terz: 5:4
Quarte: 4:3
Kleine Sext: 8:5
Kleine Terz: 6:5
Grosse Sext: 5:3
Das ist buchstäblich Musik, nicht wahr? Ich will damit nur zeigen, wo diese Proportionen eine Rolle spielen - und warum sie für uns vielleicht so wichtig sind. Denn das ist zwar nicht erklärt, aber bewiesen: Wir reagieren darauf, in allen Bereichen, in allen Belangen: Wir ziehen proportionale Dinge vor. Auch wenn es so komische Verhältnisse sind wie 1:1,538, was ja an sich eine ziemlich irrationale Zahl ist. Weil sie aber aus so etwas Einfachem wie dem Fünfeck unmittelbar hervorgeht, klappts wieder.
Übung für Ästheten: Man mache sich Gedanken zu Proportionen an Bäumen. Zum Beispiel Gesamthöhe zu Gesamtbreite. Oder Stamm zu Krone. Oder schalenbreite zu Kronenbreite. Oder Kronenbreite zu Kronenhöhe. Man nehme Bilder und verzerre sie, mache sich Skizzen oder schneide nach langem Austrieb stufenweise zurück auf bestimmte Verhältnisse. Jede Wette: Ob schmal oder breit, ob Literat oder Mops - am Ende wird man vielleicht keinen goldenen Schnitt haben - aber Phytagoras wird dabei sein.
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Re: Ästhetisches I: Proportionen
Hallo Andreas,
vorab erstmal vielen Dank für deine Mühen.
Ich nehme Proportionen eher sinnhaft, bauchmäßig war, da es mir an Bildung und wohl leider auch an höherer Intellenz mangelt
Meine Sinne für Bonsaiproportionen wurden durch das Betrachten von ( du ahnst es schon) japanischen Hochglanzmagazin-Bonsais geschult ( oder verbildet).
Und natürlich durch besonders "schöne" Bäume in der Natur.
Das ist einwenig wie das Kindchenschema. Einen guten Bonsai erkennt man im Bruchteil einer Sekunde.
Die Bonsai Regeln (Naka, Murata etc.) wirst du ja alle kennen, so verschone ich dich mit ihrer Aufzählung.
Nur soviel: Wäre ein Stamm am Wurzelansatz am dünnsten empfände ich ihn, durch meine "Prägung wie ein Gössel", als hässlich. usw.
Ich habe in den ausgefochtenen Grabenkämpfen hier im Forum gelernt, das es andere Vorstellungen von schönen Proportionen geben muss.
Auch mir kommt etwa ein extremer Sumo-Stil Dreispitzer unförmig und abnorm vor.
Oder die oft schlangenhaft dünnen Bunjin.
Oder die Mugho-Totholz monster ebenso wie die bizarren Kimura-Fräs-Wacholder.
Warum ich aber bei einer perfekten, mächtigen japanischen Moyogi-Kiefer fast vor Ehrfurcht zittern und heulen möchte
würde
ich selber gerne wissen.
Haben wir nicht eine angeborene Anziehung zum Ebenmaß ? Untersucht man nicht reflexartig sein Neugeborenes nach Abnormitäten ?
Haben es "schöne " Menschen nicht oft leichter im Leben als vermeintlich hässliche ?
Alles , so scheint mir, eine Frage der richtigen Proportion.
Ich hoffe du gewährst uns Einblicke in dein Wisssen und vielleicht kann ich meine Horizont doch noch erweitern.
Gruß
Dirk
vorab erstmal vielen Dank für deine Mühen.
Ich nehme Proportionen eher sinnhaft, bauchmäßig war, da es mir an Bildung und wohl leider auch an höherer Intellenz mangelt
Meine Sinne für Bonsaiproportionen wurden durch das Betrachten von ( du ahnst es schon) japanischen Hochglanzmagazin-Bonsais geschult ( oder verbildet).
Und natürlich durch besonders "schöne" Bäume in der Natur.
Das ist einwenig wie das Kindchenschema. Einen guten Bonsai erkennt man im Bruchteil einer Sekunde.
Die Bonsai Regeln (Naka, Murata etc.) wirst du ja alle kennen, so verschone ich dich mit ihrer Aufzählung.
Nur soviel: Wäre ein Stamm am Wurzelansatz am dünnsten empfände ich ihn, durch meine "Prägung wie ein Gössel", als hässlich. usw.
Ich habe in den ausgefochtenen Grabenkämpfen hier im Forum gelernt, das es andere Vorstellungen von schönen Proportionen geben muss.
Auch mir kommt etwa ein extremer Sumo-Stil Dreispitzer unförmig und abnorm vor.
Oder die oft schlangenhaft dünnen Bunjin.
Oder die Mugho-Totholz monster ebenso wie die bizarren Kimura-Fräs-Wacholder.
Warum ich aber bei einer perfekten, mächtigen japanischen Moyogi-Kiefer fast vor Ehrfurcht zittern und heulen möchte
ich selber gerne wissen.
Haben wir nicht eine angeborene Anziehung zum Ebenmaß ? Untersucht man nicht reflexartig sein Neugeborenes nach Abnormitäten ?
Haben es "schöne " Menschen nicht oft leichter im Leben als vermeintlich hässliche ?
Alles , so scheint mir, eine Frage der richtigen Proportion.
Ich hoffe du gewährst uns Einblicke in dein Wisssen und vielleicht kann ich meine Horizont doch noch erweitern.
Gruß
Dirk
Re: Ästhetisches I: Proportionen
Hallo Andy,
Deine Sätze und Schemata zur Bedeutung der Proportionen habe ich mit Genuss und Freude gelesen. Danke dass Du das Thema aufgegriffen hast! Ich freue mich auf mehr dazu.
Mal sehen, ob ich die Proportionen meiner Bäume im Winterquartier in den nächsten Tagen tatsächlich noch nachmesse und aufschreibe. Es fängt ja an, mich zu interessieren, welche Längen- und Breitenverhältnisse sich da befinden.
Liebe Grüße,
Heike
Deine Sätze und Schemata zur Bedeutung der Proportionen habe ich mit Genuss und Freude gelesen. Danke dass Du das Thema aufgegriffen hast! Ich freue mich auf mehr dazu.
Mal sehen, ob ich die Proportionen meiner Bäume im Winterquartier in den nächsten Tagen tatsächlich noch nachmesse und aufschreibe. Es fängt ja an, mich zu interessieren, welche Längen- und Breitenverhältnisse sich da befinden.
Liebe Grüße,
Heike
Re: Ästhetisches I: Proportionen
hallo,
ich finde diese gedanken total spanend. aber ganz ehrlich. ich kann das nicht mathematisch angehn.
bei unseren bäumchen muss das intuitiv passieren. keiner gestaltet seinen bonsai mit dem metermaß. hinterher nachmessen wäre sicher spannend und bei bäumen, mit denen man irgendwie nicht ganz glücklich ist, könnte man auf die weise vielleicht zu einem neuen ansatz kommen.
aber geht beim aufbau irgendeiner mathematisch ran? bei der schalenwahl lass ich mir das gefallen.
ihr vielleicht?
ich möchte aber gerne noch einiges darüber lesen.
liebe grüße christian
ich finde diese gedanken total spanend. aber ganz ehrlich. ich kann das nicht mathematisch angehn.
bei unseren bäumchen muss das intuitiv passieren. keiner gestaltet seinen bonsai mit dem metermaß. hinterher nachmessen wäre sicher spannend und bei bäumen, mit denen man irgendwie nicht ganz glücklich ist, könnte man auf die weise vielleicht zu einem neuen ansatz kommen.
aber geht beim aufbau irgendeiner mathematisch ran? bei der schalenwahl lass ich mir das gefallen.
ihr vielleicht?
ich möchte aber gerne noch einiges darüber lesen.
liebe grüße christian
liebe grüße
christian
christian
Re: Ästhetisches I: Proportionen
Hallo Christian
Vieles was sich später in mit Worten beschriebenen "Regeln" niederschlägt
hat seinen Ursprung nicht in irgendwelchen Gedankenkonstrukten
sondern im Bereich frühkindlicher Erfahrungen/Prägungen.
Das einfachste Beispiel ist der Strahlensatz (Sonne/Strahlen)
der gut in den ersten Malereien von Kleinkindern zu finden ist.
Die "Regeln" ästhetischer Wahrnehmungen sind in uns,
oft unbewusst oder wie hier von Andreas beschrieben
als Hilfsmittel um über bewusste Wahrnehmung
die Ergebnisse mehr steuern zu können.
mfG Dieter
@Andreas - Entschuldige die Einmischung
Vieles was sich später in mit Worten beschriebenen "Regeln" niederschlägt
hat seinen Ursprung nicht in irgendwelchen Gedankenkonstrukten
sondern im Bereich frühkindlicher Erfahrungen/Prägungen.
Das einfachste Beispiel ist der Strahlensatz (Sonne/Strahlen)
der gut in den ersten Malereien von Kleinkindern zu finden ist.
Die "Regeln" ästhetischer Wahrnehmungen sind in uns,
oft unbewusst oder wie hier von Andreas beschrieben
als Hilfsmittel um über bewusste Wahrnehmung
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Re: Ästhetisches I: Proportionen
Das ist völlig richtig. Mache ich auch nicht, fände ich urkomisch. ABER: Genau wie die Tonleiter- und Griffübungen für den Musiker grundlegend wichtig sind, gibt es ein «gestalterisches Rüstzeug». Hat man das, fällt einem alles einfach etwas leichter. «Intuitiv» ist ein ganz heikler Begriff. Denn in der Realität haben die meisten diese Intuition gar nicht. Haben sie sie, wurde sie irgendwann irgendwie trainiert. «Geborene Künstler» sind ein romantischer Wunschtraum. Sicher sind die Begabungen unterschiedlich verteilt, aber vollendet kommt keiner zur Welt. Auch der mit dem absoluten Musikgehör muss üben, auch der mit dem eidetischen Gedächtnis muss an der Technik der Wiedergabe feilen. Um solche Dinge geht es in der Ästhetik - sich eine Erfahrung im feinen Vergleichen anzueignen, die einem hilft, nicht blind durch den Nebel zu latschen.fritze hat geschrieben:ich kann das nicht mathematisch angehn. bei unseren bäumchen muss das intuitiv passieren. keiner gestaltet seinen bonsai mit dem metermaß.
Ich vergleiche das jetzt mal mit dem kulinarischen Geschmack eines Kindes und eines reiferen Menschen, um damit auch eine Antwort darauf zu geben:
Als Kind war mein Lieblingsgericht Griessbrei mit Zimtzucker. Bei anderen sind es Pommes mit Ketchup, Fischstäbchen - immer einfache Sachen. Käse hasste ich. Heute liebe ich zu gewissen Momenten, vielleicht Jahreszeiten, gewisse Dinge, die ich als Kind nicht mal angerührt hätte - mit Bleu d'Auvergne gratinierte Birnenhälften, etwas Pecorino und ein Glas Montepulciano, Jakobsmuschelnüsschen an Sauce Hollandaise. Offenbar hat sich da etwas verändert und entwickelt beim Schmecken und Riechen. Das ist beim Sehen und Hören und durchaus auch beim Tasten nicht anders.Totoro hat geschrieben: Ich habe in den ausgefochtenen Grabenkämpfen hier im Forum gelernt, das es andere Vorstellungen von schönen Proportionen geben muss.
Auch mir kommt etwa ein extremer Sumo-Stil Dreispitzer unförmig und abnorm vor.
Oder die oft schlangenhaft dünnen Bunjin.
Oder die Mugho-Totholz monster ebenso wie die bizarren Kimura-Fräs-Wacholder.
Ein essentielles Hilfsmittel beim Sehen sind Proportionen. Proportional sehen zu können ist ein grosser Vorteil, wenn man sich mit ästhetischen Phänomenen beschäftigt und das zu üben soll einem eben ganz genau wegführen vom Metermass, einem eine «echte Intuition» verleihen, auf dass man freier und sicherer arbeiten kann. Ich bin zum Beispiel immer wieder froh, dass ich Schalengrössen oder Drahtlängen genau abschätzen kann. Dann muss ich nicht erst das Metermass holen gehen.
Ein letzter Punkt:
Ich war sehr gerührt, als ich von einer schwer behinderten Frau hörte, ihre Eltern seien bei ihrer Geburt fassungslos gewesen. Da habe ihr Grossvater sie auf den Arm genommen und gesagt: «Man kann es halten und gerne haben, also nehmen wir es an.» Das die einzig richtige Antwort auf den Sinn deiner reflexartigen Untersuchungen...Totoro hat geschrieben:Haben wir nicht eine angeborene Anziehung zum Ebenmaß? Untersucht man nicht reflexartig sein Neugeborenes nach Abnormitäten? Haben es "schöne " Menschen nicht oft leichter im Leben als vermeintlich hässliche? Alles , so scheint mir, eine Frage der richtigen Proportion.
Ich hatte wirklich viel mit «schönen Menschen» zu tun. Nein, sie hatten es nicht unbedingt leichter. Da waren Modelle, die sehr gerne für Schweizer Agenturen arbeiteten, weil es da nicht so schweinisch zugehe wie in der Mailänder Modeszene. Oder die bildschöne Assistentin, die vom Beratungsgruppenleiter immer nur «Präsentationsargument» genannt wurde. Dann die bildschönen Empfangsdamen und Telefonistinnen, die genau wussten, dass sie nur auszusehen hatten. Die waren oft unglücklich. Neulich erzählte mir eine Schulkollegin, die heute (bildschöne) Associate eines Anwaltsbüros ist, ihre Kollegen stünden gerne am Fenster, wenn sie Kunden empfangen, weil das «gut wirke». Wenn sie das täte, würde man sie wohl fragen, ob sie Kaffee holen könnte, während man auf den Anwalt warte. Sie sitze darum immer am Tisch.
Das sind leider auch Proportionen, die man sehen muss, wenn man von Schönheit reden will. Das Thema gehört aber nicht hierher: Die Betrachtung von Menschen wird durch soviel individuelle, kulturelle, modeabhängige, ja auch triebhafte Aspekte beeinflusst, dass sie nichts hergibt als Vergleich zu Bäumchen. Kein Argument.
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Re: Ästhetisches I: Proportionen
Hallo Andreas
Genuss hat wohl immer etwas mit Wissen zu tun.
Wein schmeckte mir schon immer. Seit ich etwas darüber weiß erheblich besser, vielstimmiger, umfassender...
Danke, dass du hier Grundlagen legen willst, dass meine Vorlieben für die kleinen Bäume und auch andere Dinge differenzierter und eingehender werden können, quasi zu einem inneren Übereinstimmen werden.
Genuss hat wohl immer etwas mit Wissen zu tun.
Wein schmeckte mir schon immer. Seit ich etwas darüber weiß erheblich besser, vielstimmiger, umfassender...
Danke, dass du hier Grundlagen legen willst, dass meine Vorlieben für die kleinen Bäume und auch andere Dinge differenzierter und eingehender werden können, quasi zu einem inneren Übereinstimmen werden.
Norbert
So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
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Re: Ästhetisches I: Proportionen
Fritze - mach ich gerne. Um dir zu zeigen, dass das gar nichts Mathematisches ist. Oder auf einem sehr einfachen Niveau. Man muss nur bis zehn zählen können und braucht auch keinen Massstab.fritze hat geschrieben:ich möchte aber gerne noch einiges darüber lesen.
Das Vorgehen ist immer dasselbe: Du nimmst einen Stift, eine Zigarette, ein Stöckchen oder was gerade da ist, stellst dich in einem sinnvollen Abstand vor das Objekt und misst es mit gestrecktem Arm aus. So machen das Zeichner und Maler: Sie suchen die einfachen Proportionen im Objekt, um seine Dimensionen begreifen zu können. Kann man intuitiv nämlich nicht gut. Man hält also das Messwerkzeug vor das Objekt, wie man halt einen Stift hält und nimmt mit dem Daumen die «Einheit» ab. Zum Beispiel die Breite. Dann dreht man den Stift und kuckt, wie oft die Breite in der Höhe Platz hat. Man kann auch die halbe Breite nehmen. Man muss manchmal etwas suchen, das Ziel ist, das sperrige Objekt in einfachen Proportionen zu erfassen. Dann hat man aber eine ganz wesentliche Hilfe, wenn man es etwa zeichnen möchte. Oder eben auch, wenn man es «ästhetisch erfassen» will. So lernt man dazu, mit der Zeit wird man merken, dass zum Beispiel die Proportion 1:1 selten viel bringt. Bei Bonsai: Ist der Stamm bis zur Krone gleich hoch wie die Krone selbst (und vielleicht die Schale auch noch genau so breit), muss das schon eine sehr edle Sache sein, wenn sie wirken soll.
Beispiele: Su siehst, es ist gar nichts mathematisches oder kompliziertes. Es ist im Gegenteil eine Eselsbrücke fürs Auge.
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Re: Ästhetisches I: Proportionen
Danke Andy, dass du dir soviel Mühe machst, Bonsai-Ästhetik als solches zu ergründen.
Viele Grüße,
Thierry
"A juniper without jin is like a dog without fleas : not natural..." - John Naka
Thierry
"A juniper without jin is like a dog without fleas : not natural..." - John Naka
Re: Ästhetisches I: Proportionen
Mir macht es auch viel Freude. Sehr anschaulich und spannend, Andy! Davon kriege ich so schnell nicht genug.
Liebe Grüße,
Heike
Liebe Grüße,
Heike
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Andreas Ludwig
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- Registriert: 29.03.2005, 16:50
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Re: Ästhetisches I: Proportionen
Oh - ich plaudere bloss ein bisschen aus meinem Nähkästchen. Das wurde gefüllt mit Dingen, die gar nichts mit Bonsai zu tun hatten. Ich habe es nicht erfunden - man hat es mir gegeben. Es ist das «Handwerk» jeder Gestaltung. Ich hoffe, dass manche so den Zugang zu Bonsai leichter finden. Mir ging es jedenfalls so.
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)
(Thoreau)
Re: Ästhetisches I: Proportionen
Ja, definitiv! Auch wenn ich das in der Gänze noch verarbeiten (und verinnerlichen) muss, so merke ich doch, wie diese "Winterpause" dazu beiträgt, mein Verständnis von Bonsai zu verändern - hoffentlich zum GutenAndreas Ludwig hat geschrieben:Ich hoffe, dass manche so den Zugang zu Bonsai leichter finden. Mir ging es jedenfalls so.
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Totoro
Re: Ästhetisches I: Proportionen
Hallo Andreas,
danke für deine extra für mich bestimmtes Bild der süssen Liegenden. Sie gefällt mir natürlich in ihren Proportionen besser als das Drachenkopf-Bonsai von Nick Lenz.
Du hälst also , zumindestens etliche, der japanischen bonsai Gestaltungen für kindlich und einfach ?
Ist aber nicht ein Schluck frischen Bergquellwassers einfacher, ursprünglicher und natürlicher als ein mit allen raffinierten Regeln der Winzerkunst kreierter Montepulciana.
Ist das nicht ein Widerspruch ? Der Eindruck von Einfachheit (mit Hilfe von Regeln geschickt erzeugt) ist doch eine besondere Qualität des bonsai.
Triebhaft kann man die Wirkung von bonsai wohl nicht nennen, aber doch hoch emotional. Neigen wir nicht dazu vieles zu vermenschlichen, in allem bekannte Formen und Muster(Gesichter u. Gestalten in Wolken z.b oder Drachenköpfe) zu suchen ?
Ein Kind wird, ohne deine Proportionslehre genossen zu haben, einen shohin intuitiv für drollig,knuffig, süß halten.
Das sehen wir als Erwachsene aber ähnlich. ( zumindestens ich
)
Das intensivste, unmittelbarste Erleben haben wir immer mit dem Krokodilanteil unseres Gehirns.
Gruß
Dirk
danke für deine extra für mich bestimmtes Bild der süssen Liegenden. Sie gefällt mir natürlich in ihren Proportionen besser als das Drachenkopf-Bonsai von Nick Lenz.
Du hälst also , zumindestens etliche, der japanischen bonsai Gestaltungen für kindlich und einfach ?
Ist aber nicht ein Schluck frischen Bergquellwassers einfacher, ursprünglicher und natürlicher als ein mit allen raffinierten Regeln der Winzerkunst kreierter Montepulciana.
Ist das nicht ein Widerspruch ? Der Eindruck von Einfachheit (mit Hilfe von Regeln geschickt erzeugt) ist doch eine besondere Qualität des bonsai.
Triebhaft kann man die Wirkung von bonsai wohl nicht nennen, aber doch hoch emotional. Neigen wir nicht dazu vieles zu vermenschlichen, in allem bekannte Formen und Muster(Gesichter u. Gestalten in Wolken z.b oder Drachenköpfe) zu suchen ?
Ein Kind wird, ohne deine Proportionslehre genossen zu haben, einen shohin intuitiv für drollig,knuffig, süß halten.
Das sehen wir als Erwachsene aber ähnlich. ( zumindestens ich
Das intensivste, unmittelbarste Erleben haben wir immer mit dem Krokodilanteil unseres Gehirns.
Gruß
Dirk


