Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

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avicenna
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Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von avicenna »

Nach der Etablierung einer Masterclass (MC) in diesem Forum vor rund drei Jahren, von mir mal ein Vorschlag für eine Diskussionsrunde ...

Was macht denn einen "Master" in der Gestaltung von Bäumen aus ?

- ist es , wie in Japan, eine über Jahre dauernde Ausbildung mit fragwürdigen Zielsetzungen und Ausbildungsschwerpunkten wie z.B. erst Jahre andauerndes Drahten und Entdrahten von Master-Bäumen ?
- einer zur Ausbildung gehörenden respekterweisenden und fast unterwürfigen Anerkennung der Anweisungen des Meisters ohne überhaupt den Ansatz machen zu dürfen auch eigene, kreative Ansätze als Schüler umsetzen zu dürfen?
- Muss man, wie Ryan o Neil, sich erst in Japan einer unbezahlten Zeit widmen oder bei einem Meister eine gewisse Zeit ins Praktikum gehen ...
- muss man eine gewisse Zahl von Seminaren , Fortbildungen und Workshops besuchen bei verschiedensten sog. "Gestaltern" ? die selber tolle Bäume in ihrem Besitz haben und selber gestaltet haben ?
- muss man selbst viele gute Rohlinge haben ? sie gestalten und auf Ausstellungen präsentieren?
--welches Maß an eigenem muss in dem Baum stecken ? ... reicht es, Masterrohlinge zu kaufen , sie zu besitzen und sie von anderen gestalten zu lassen um sich als Eigentümer Master nenn zu können? oder gar fertige Bäume zu kaufen und sie am leben zu erhalten ?
- muss man die Bäume die man vorstellt, gestaltet etc. selber gesucht und gestaltungsbereit gezogen haben ( also gärtnerisches Talent und Erfahrung haben)?
- Welche Kriterien werden für "gutes Rohlingsmaterial" angesetzt ?
- und und und ...
Es ergeben sich so viele Aspekte die man trefflich diskutieren kann ...
um dann letztlich zu entscheiden ...Kann man den Titel für sich selbst erheben oder muss er einem verliehen werden ... :)

ich bin gespannt ob sich eine Diskussion entwickelt ;-)


saludos
avicenna
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Dirk K. aus L.
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von Dirk K. aus L. »

Ein "Master" ist man dann, wenn man von den Anderen als solcher bezeichnet wird. Punkt.
Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. (Franz Kafka)
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AlexDuerr
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von AlexDuerr »

Hallo miteinander,
nach meiner Meinung wird durch dieses Fernstudium hier wohl niemand ein "Master" werden.
Ich finde den Namen "Masterclass" für dieses Projekt sehr passend, denke aber nicht, dass man als Masterclassmitglied gleich den Ritterschlag zum "Bonsaimaster" erwartet oder erwarten kann.
Der Gedanke der MC ist auf jeden Fall klasse gute Leute mit gutem Material öffentlich arbeiten zu lassen und vom Lehrmeister das Ergebniss bewertet zu bekommen, so dass auch die Normalos davon lernen können.
Ich hoffe natürlich auch, dass dieses Projekt nicht einschläft, wovon ich aber (noch) nicht ausgehe.
LG Alex
Viele Grüße Alex
Kanna
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von Kanna »

Ein "Master" ist man dann, wenn man von den Anderen als solcher bezeichnet wird. Punkt.
Da muss ich Dir voll und ganz beipflichten - zumindest was den "Master" innerhalb des Subforums betrifft.

Um in den "Masterstand" erhoben zu werden müssen den Mitgliedern ja wohl die Gestaltungen so sehr gefallen das sie irgend wann so gnädig sind einen selbst in diesen Stand zu heben.

Wenn ich das allerdings mit einen Meister im Handwerk vergleiche - und nicht viel mehr ist es auch hier - hat sich dieser Fertigkeiten, Wissen und ein gewisses Maß an Professionalität angeeignet was ihm eben zu diesem Titel bringt (mal abgesehen von der Prüfung innerhalb der Handelskammer). Weiterhin zeichnet ihm wohl aus, dass seine Arbeiten von solcher Sorgfalt und Genauigkeit sind das man nach einem Fehler nur suchen kann und im besten Fall nie finden wird.

Sei das Gefallen der endgültigen Arbeit mal dahingestellt und immer als Subjektiv wahrzunehmen (egal ob ein Möbelstück oder ein Schwert etc.) sind es die Kleinigkeiten, die Arbeit bis hin zum vollständigen Werk, die ihn als Meister unschätzbar machen. Dinge, die man nur mit jahrelanger Erfahrung und dem Lernen aus Fehlern erhalten kann.

Für mich ist demnach ein Master niemand der mit ein paar Bildern einen neuen Baum präsentiert oder ihn gar in einer Ausstellung zeigt, sondern vielmehr die Arbeit die dahinter steckt, die Erfahrung die er damit mitbringt und die Fingerfertigkeiten mit der er nicht zögernd an ein neues Werk heran schreitet und durch wenige Blicke das Gesamtwerk klar vor Augen hat.

Selbst wenn die Arbeiten einem selbst nicht gefallen kann er dennoch ein Master/Meister in seinem Handwerk sein und dies kann man nicht durch die Darstellung von Bildern erkennen sondern nur durch die Beobachtung seines Handwerks.

Es heißt z. B. in Japan ja nicht umsonst "Mit den Augen stehlen"

Da dies aber wohl schlecht zu realisieren ist, ist es wohl am einfachsten diejenigen zu "befördern" die am meisten Erfahrung in diesem Bereichen mitbringen.

Viele Grüße
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camaju +
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von camaju + »

Dirk K. aus L. hat geschrieben:Ein "Master" ist man dann, wenn man von den Anderen als solcher bezeichnet wird. Punkt.
Und wer sollten diese "Anderen" sein und nach welchen kriterien sollte dies festgelegt werde ?? Es kann halt nicht reinpfuschen und ähm, ja Kommentare abgeben.

Die Bezeichnung "Master Class" sollte für dieses Subforum nicht sooooo hoch angesiedelt werden. Auszug aus dem 1. Beitrag von Walter Pall
Der Zweck des Ganzen ist es, ein Klassenzimmer für Fortgeschrittenen und sehr Fortgeschrittene zu bieten, in dem sich die Teilnehmer mit ihren Bäumen weiter entwickeln können.
Gruß Jürgen *wink*

Wer nicht mit Pflanzen und Tieren kann, kann auch nicht mit Menschen.

Ich moderiere in blau, der Rest ist nur meine Meinung
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Dirk K. aus L.
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von Dirk K. aus L. »

camaju hat geschrieben:
Dirk K. aus L. hat geschrieben:Ein "Master" ist man dann, wenn man von den Anderen als solcher bezeichnet wird. Punkt.
Und wer sollten diese "Anderen" sein und nach welchen kriterien sollte dies festgelegt werde ?? Es kann halt nicht reinpfuschen und ähm, ja Kommentare abgeben.
Jürgen,

mit den "Anderen" meine ich vornehmlich Personen mit Renommee, also solche, deren Urteil in der Szene Gewicht hat.

Jetzt im Einzelnen nach "Master-Kriterien" zu suchen, halte ich ich für müßig. Da kann man gleich versuchen, "Raum" und "Zeit" zu definieren ...

Grüße, Dirk
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mohan
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von mohan »

Das sind interessante Ansichten.

Ich persönlich habe das "Master" aus der Master Class gar nicht in Bezug auf die Person gesehen, die dort Teilnehmer ist, sondern auf seinen jeweils vorgestellten Baum. Eine geschlossene Klasse in der man/frau den Baum unter mehr oder weniger Anleitung eines "Masters" ( wenn überhaupt dann dieser) ungestört zum "Master"piece geleitet.

Aber schön, dass sich eine Diskussion zu entwickeln scheint :) .
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Norbert_S
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von Norbert_S »

Warum sollten wir über so etwas Unwichtiges diskuttieren?
Norbert

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Thorsten1504
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von Thorsten1504 »

Norbert_S hat geschrieben:Warum sollten wir über so etwas Unwichtiges diskuttieren?
*daumen_new* *daumen_new* *daumen_new*

Ich finde es ist vollkommen egal!!! Hauptsache man hat Spaß an der Sache.
Klar hat jemand mit schönen Bäumen und gestalterischen Fähigkeiten einen gewissen Respekt verdient. So wie andere Künstler die gute Arbeit abliefern die einem gefällt.
Aber letztendlich sind Geschmäcker auch verschieden und so beurteilt vielleicht jeder die Gestaltung wieder anders.

Also Master hin oder her.
Mir ist es wurscht ob sich jemand so nennen will oder wie auch immer.
Ich lege auf solche Sachen keinen Wert!!!

Gruß

Thorsten *wink*
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Kyrilla
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von Kyrilla »

Ach würde ich mich freuen,wenn es wirklich als so unwichtig gehalten würde.
Mir geht es zur Zeit gerade sehr auf die Nerven,das alle Gestaltung,alle Pflege nur daran gemessen wird um "ausstellungswürdige " Bäume zu erhalten.
Da fehlt der "Master" gerade noch dazu.
So jetzt bemühe ich mich aus der Disskussion heraus zu halten.
Sonst steckt meine Negativstimmung noch an.
Bonsai ist die Kunst,die Perle einer Muschel sichtbar zu machen ohne die Muschel zu zerstören.
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Sigrid
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von Sigrid »

Norbert_S hat geschrieben:Warum sollten wir über so etwas Unwichtiges diskuttieren?
Wichtig oder nicht: Jedenfalls müsste man zunächst mal genauer wissen, worüber man denn diskutieren soll :?

@avicenna: Geht es dir tatsächlich ganz allgemein um die Frage, wer sich Meister nennen darf?
Oder sollen, wie man aufgrund deines Bezugs zur Masterclass annehmen könnte, die Kriterien des Subforums "Masterclass" bzw. dessen Berechtigung an sich diskutiert werden?

Wie die bisherigen Beiträge zeigen, wird dies offensichtlich nicht einheitlich verstanden und daher schon nach ein paar Antworten aneinander vorbei geredet :roll:
think pink
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Norbert_S
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von Norbert_S »

Ich bin nach wie vor der Meinung Dietmar richtig verstanden zu haben.
Meine etwas provokante Aussage sollte eigentlich einen Schritt tiefer führen.
Denn nur wer den Titel "Master" als wichtiges und anzustrebendes Qualitätskriterium ansieht, muss sich mit der Frage beschäftigen, wie er denn verliehen, erarbeitet etc. werden kann.
Wenn ich mich mit dem "ob" ausgiebig beschäftige, ist das "wie" häufig sehr einfach.
Norbert

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zopf
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von zopf »

Hallo

Als erstes sollte man vielleicht aus dem Master einen Meister machen,
auch wenn es fast antiquarisch wirkt
sich in Unserer doch so ausdrucksstarken Sprache
artikulieren zu wollen.
Wenn man sich beim Meisterbegriff auf das Handwerk bezieht,
gibt es 2 Hauptaspekte,
die Fähigkeit einen Betrieb zu führen
und die Befähigung Lehrlinge auszubilden.
Sich auf Letzteres konzentrierend
ist das Ziel der Lehrlingsausbildung
die Gesellenprüfung zu bestehen.
Eine Prüfung gleich ob Gesellen- oder Meisterprüfung
bedarf einer Kommission die über das Bestehen und die Benotung urteilt.
In Deutschland setzt sich die Kommission der Meisterprüfer
aus Meistern zusammen, die der Innung angehören.
Ob diese Meister allerdings die fachliche Qualifikation besitzen,
wird nicht in Frage gestellt, da Sie ja Meister sind.
Könnte man jetzt weiter spinnen, ist aber irrelevant.

Insofern bezieht sich die Meisterschule auf den Titel des "Lehrers",
der in Unserem Fall in der Person von Walter Pall
wohl ohne jeden Zweiffel die Befähigung besitzt Lehrlinge auszubilden.

Wenn wir den Begriff des Meisters
in seiner wohl ursprünglicheren Bedeutung
und weniger in seiner Titelbasierung betrachten,
kann man davon ausgehen,
das damit wohl etwas wesentlich umfangreicheres gemeint ist.
Ein Meister sollte in erster Linie der Meister seines Selbst sein,
denn es obliegt Ihm, seinem Schützling nicht nur in Fachlichem
zur Seite zu stehen, sondern auch....

mfG Dieter

ps Eine Ausbildungszeit von 7 Jahren ist durchaus angebracht,
wobei dies nur als Durchschnitt zu betrachten ist.
Nach über 20 Jahren bin ich immer noch im Lehrlingsstadium
und fühle mich sehr wohl bei dem Gedanken
noch die nächsten 30,40,50,... Jahre lernen zu dürfen.
cogito ergo pups
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Andreas R.
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von Andreas R. »

Im Zuge des Bolgna-Prozesses wurde eben auch bei Bonsai Bachelor und Master eingeführt.
Und ein Bachelor ist einer der keine Frau hat. *kopfkratz*

Spaß beiseite, ich habe einmal irgendwo eine Erklärung gelesen, was man in Japan als einen Meister ansieht.
Dort stand sinngemäß, ein Meister sei der jenige, der über das was er tut nicht mehr nachzudenken braucht.
Gut, das mag jetzt eine unzulässige Verallgemeinerung oder auch völliger Unsinn sein, aber ich finde es doch eine ganz interessante Betrachtungsweise.
Demnach wäre es in unterschiedlichen Bereichen unterschiedlich schwierig ein Meister zu werden.
Die meisten von uns wären z.B. Meister im Zähneputzen (oder denkt ihr dabei nach wie das geht?).
Manche sind vielleicht Meister im Autofahren, auch wenn sie nicht an der Formel 1 teilnehmen.
Und da gilt dann auch "Übung macht den Meister". Je öfter man etwas tut, umso weniger muss man dabei nachdenken.
Es spielt also weniger eine Rolle ob man jetzt seit 10, 20 oder 30 Jahren Bonsai macht. Wenn man jeden Tag nichts anderes macht, dann wird es sicher relativ schnell gehen.
Übrigens ist diese Betrachtung unabhängig von der Qualität der Produkte.
Manche werden vielleicht Meister im Bonsai-schlecht-gestalten. Aber das können die dann richtig gut.
Da ist es doch besser man ist nur Bachelor, dafür aber im Bonsai-gut-gestalten. Dann muss man zwar während der Arbeit nachdenken, dafür kommt auch was Gescheites dabei raus.
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Kyrilla
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Re: Wann ist man ein " Master" in der Baumgestaltung?

Beitrag von Kyrilla »

:lol:
Andreas:you made my day *up*
Der Beitrag ist mal wirklich genial.
Bonsai ist die Kunst,die Perle einer Muschel sichtbar zu machen ohne die Muschel zu zerstören.
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