Jede Präsentation die man macht bringt einem einen persönlichen Erfahrungsgewinn. Wird sie hier auch noch öffentlich gezeigt, so können auch andere daran partizipieren und etwas für sich selbst mitnehmen.
Allgemein stelle ich fest, dass "der Deutsche an sich" (welche Phrase!) immer nach einem Regelwerk fragt und strebt. Sorry, Bonsai und Präsentationen laufen nicht nach Regeln ab. Okay, da gibt es Erfahrungswerte welche helfen können - aber REGELN - Nein. Also löst Euch davon denn ein Bonsai, eine Präsentation ist der Ausdruck /die Darstellung einer Emotion.
In diesem Zusammenhang gefällt mir besonders Rainers Herangehensweise. Und wenn ich das lese, so drückt es vieles von dem aus was ich und wohl auch viele andere Betrachter ebenso empfinden.
Doch vielleicht erst mal zu Sanne. Sie macht ja schon in Ihren "Vorbemerkungen" einige Einschränkungen, stellt aber auch konkrete Fragen.
Bild 2 gefällt mir persönlich klar besser.
Und was die zweite Frage angeht wird oft von der Tischkante gesprochen. Doch auch dies ist keine Regel und schon gar nicht absolut, eben nur ein weiterer Erfahrungswert. Ein zartes Gras beispielsweise könnte da problemlos ohne störend empfunden zu werden eins, zwei, drei Halme deutlich über Tisch- oder Schalenkante emporragen lassen.
Gefühlmäßig ist doch hier das schöne Geschenk von Rainer viel zu groß, egal ob Tisch- oder Schalenkante. Überhaupt empfinde ich diesen Akzent als viel zu Aufmerksamkeit heischend. Ein Grundproblem bei blühenden Akzenten, was mit steigender Anzahl der Blüten bzw. Farbintensität sich exponiert. Zusätzlich konkurriert hier in für mich unangenehmer Weise die Blütenfarbe mit der Schalenfarbe des Dreispitzahorn.
Und ja, wenn wir gerade vom Dreispitzahorn sprechen, so stufe ich ihn als etwas "schwierig" in dieser Präsentation ein. Die schöne Heinzlreiter-Schale, gut zum Baum passend, bindet optisch sehr durch ihre Farbintensität. Als Baum Nummer Zwei im Display m.E. deutlich zu viel. Auch sonst ist der Baum recht groß/hoch und erscheint durch seinen hohen optischen Schwerpunkt noch höher. In einem Punkt steht er da aber für mein Verständnis absolut richtig.
Hier empfinde ich eben garnicht wie Frank. M.E. sollen zwei Bäume die ich auf so ein Regal stelle miteinander kommunizieren (sich zuwenden). Ganz egal ob die "Fließrichtung des Regals" nach rechts oder links geht. Letzteres kann nur den Anhaltspunkt für die Platzierung des separaten Akzents geben.
Wie schon eingangs erwähnt gefällt mir persönlich diese zweite Inszenierung viel besser als die erste. Den von Frank angesprochenen Problemen, resultierend aus der Miniaturisierung der Tokonoma, möchte ich keinesfalls widersprechen, empfinde sie ebenfalls, würde sie aber angesichts der Endlichkeit zur Verfügung stehender Hilfsmittel nicht dramatisieren. Ebenso bin ich bei Rainer und den von ihm angesprochenen Wiederholungen, überhaupt viel Symmetrie anstatt Asymmetrie zur Spannungserzeugung in dieser Präsentation.
Das der Akzent durch seine Farbenpracht hier sofort den Blick anzieht empfinde ich wiederum ganz okay, schließlich ist er der Star dieser Präsentation. Was uns abschließend zu Franks Frage nach dem Baum bringt.
Für mich nur wieder eine Frage der Betrachtungsweise. Der Miniaturisierung geschuldet sehen wir einen Akzent, welcher beim vorherigen Display als Shitakusa zu groß und auffällig war, hier nun in der Rolle eines üblicherweise viel größeren Kusamono. Und für solche Kusamono ist es eben keineswegs unüblich sie als Hauptattraktion in einer Tokonoma zu präsentieren.
Bevor ich es vergesse: Die allgemeine Farbkomposition im Tokonoma-Bild empfinde ich sehr gelungen, auch wenn mir Licht und Schatten seitenverkehrt erscheint.


