Bonsai-Tische

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hwolf
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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von hwolf » 04.08.2018, 09:53

Okay, aber was machst Du denn ohne Lack? Bei geölten/gewachsten Oberflächen oder zur Vorbereitung einer Schellackpolitur?

LG
Heinrich
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Kircherl

Re: Bonsai-Tische

Beitrag von Kircherl » 04.08.2018, 11:04

Meinst du jetzt auch mit Beize oder im Naturlook?

Andreas Ludwig
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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von Andreas Ludwig » 04.08.2018, 13:01

hwolf hat geschrieben:
04.08.2018, 09:53
Okay, aber was machst Du denn ohne Lack? Bei geölten/gewachsten Oberflächen oder zur Vorbereitung einer Schellackpolitur?

LG
Heinrich
Eben. Der Bims.
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Marco_H
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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von Marco_H » 04.08.2018, 17:26

Ich danke euch sehr für eure lieben Kommentare und die wertvollen Tipps und Hinweise!

Ich habe in der Tat schon Stahlwolle ausprobiert, Heinrich, aber das sah hinterher immer sehr schlecht aus und hinterließ Farbveränderungen am Holz. Vielleicht habe ich sie auch falsch angewendet. Ich bin ja ABSOLUTER Laie, bitte nicht vergessen! Aber mir macht das Arbeiten mit Holz mittlerweile richtig viel Spaß! Darum bin auch sehr froh über diese konstruktive Diskussion und eure Hilfestellungen!

Wenn ich meine Tische mit professionell gefertigten vergleiche, fällt mir eben genau diese Unebenheit der Oberfläche auf. Stefan, das Wässern und Schleifen des Holzes könnte die Lösung sein!!! Super Tipp! Auch dem Begriff Negativbeize werde ich mal nachgehen.

Was den Kaskadentisch mit den geschwungenen Beinen betrifft, Stefan, da hast du ein super geschultes Auge. Ich habe die Tischbeine aus Rechteckstäben lediglich mit einer Feile bearbeitet. Das ging tatsächlich leichter als ich dachte, aber gelingt halt nicht hundertprozentig exakt.
Außer einer Kappsäge, mit der ich die Gehrungsschnitte mache, stehen mir nur einfache Handwerkzeuge zur Verfügung.

Leide habe ich in meinem Tatendrang bisher keine Fotos zwischendurch gemacht, aber wenn es euch interessiert, fertige ich sehr gerne mal eine Fotodokumentation mit Beschreibungen meiner Arbeitsschritte beim nächsten Tisch an.

Andreas, mir ist nicht klar was du mit Bims in diesem Zusammenhang meinst?!
Gruß aus dem Westerwald

Marco

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raga
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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von raga » 04.08.2018, 18:11

Marco_H hat geschrieben:
04.08.2018, 17:26
Andreas, mir ist nicht klar was du mit Bims in diesem Zusammenhang meinst?!
nun *konfus*
- Bims ist porös
- hat eine raue Oberfläche
- und hinterlässt keine Verfärbungen

gleich ... gleich fällt er der Groschen ... ich kann ihn schon fast hören :mrgreen:
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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von Kircherl » 04.08.2018, 19:19

Das stimmt Andreas. Bimsmehl zum Füllen der Poren bei Politur.
Das Politieren würde ich aber niemanden ohne Erfahrung empfehlen.
Angefangen von der Mischung über die richtige Technik ( Achterkreise, usw...) bis hin zu mind. 10 Schichten zur perfekten Oberfläche....

Beim Ölen vorher schon feiner schleifen.
Öl über Beize sollte mit Fixierer gearbeitet werden.
Besser nicht beizen, einfach farbiges Öl nehmen.

Andreas Ludwig
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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von Andreas Ludwig » 04.08.2018, 20:14

raga hat geschrieben:
04.08.2018, 18:11
- Bims ist porös
Geht nur darum. Bims ist ein Füller, der Bindemittel annimmt. Das wird als ganz feines Puder (verschiedene Korngrössen) angeboten. Das vermischt man mit Schellack, (geht auch mit anderen Bindemitteln, etwa Leinöl) und streicht es über die fein geschliffene Holzoberfläche. In den Poren sammelt sich das und füllt sie auf. Das Bimspuder ist danach nicht mehr sichtbar, der Auftrag ist hauchdünn und nimmt Lack auf. 10 Schichten braucht es nicht, beim «Füllern» reichen zwei bis drei eigentlich.

Ich habe darum geragt, weil die aufstehenden Fäserchen, die sich durch Benetzen und Abtrocknen bilden (Zugkraft der Faser) nicht das grosse Problem sind. Irgendwann hat man die ja mal abgeschliffen und kann die verbliebenen Fasern mit einem wasserabweisenden Auftrag imprägnieren. Aber die Poren – wenn man die weghaben will, muss man sie füllen mit irgendwas. Ich dachte, vielleicht gibts da Alternativen.
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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von Kircherl » 04.08.2018, 21:53

Andreas....hast schon mal eine Schellackpolitur gemacht?
Ich meine Oberflächen wie man sie auf Klavieren kennt.
Wennst das mit 2-3 Schichten schaffst bist ein Wunderwuzzi.

Andreas Ludwig
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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von Andreas Ludwig » 04.08.2018, 23:07

Wr hatten's bloss vom Bims. Da genügen drei Aufträge. Für den Lack würde ich dann eher 15 bis 20 rechnen als zehn.
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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von Kircherl » 04.08.2018, 23:58

Sorry Andreas, das hab ich falsch verstanden. :oops:
Da liegst du natürlich komplett richtig.. *daumen_new*
Wir haben bei Restaurationen immer zwischen 8 und 15 Durchgänge nach dem Füllen und Grundauftrag.

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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von Andreas Ludwig » 05.08.2018, 05:15

Der, der mir das beigebracht hat, trug zwischendurch noch Polieröl auf. Dann musste man warten, bis das an die Oberfläche kam und abgewischt werden konnte. Ein anderer zeigte mir dann, wie man mit dickem Lack und viel Bewegung (aber grösserem Risiko durch «Hängenbleiben» mit dem Poliertuch) auch arbeiten kann. Offenbar gibt es ein paar verschiedene Methoden. Flügel sind m.E. nach «high-end». Das würde ich mir nicht zutrauen, zu grosse, ebene Flächen und dann noch die ganzen Zierleisten und Kanten. Dann steht der auf der Bühne und alle kucken ihn an... Ich kriege so den kleinen Bedarf hin, da ein paar Schubladenstirnseiten, dort ein Rahmen.

Nur eben: Für die Porenfüllung eine Alternative zu Bims-Paste (oder ebenso endloser «Schleiflackiererei») zu finden, fände ich schon interessant, darum meine Frage.
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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von Kircherl » 05.08.2018, 10:57

Schellack verwenden wir eigentlich nur mehr bei Restaurationen.
Ich habe den Vorgang noch von meinem Vater gelernt.
Dann im Laufe der Jahre immer wieder mal Oberflächenfortbildungen...
Vor grösseren Flächen hab ich aber auch meistens Respekt.
Bei neuen Möbeln arbeite wir mit den Produkten unseres Lacklieferanten.
Der Hochglanzaufbau ist dann in etwa so:
https://www.adler-lacke.com/at/service- ... lanz-1147/

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hwolf
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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von hwolf » 05.08.2018, 15:34

Es gibt ja viele hochmoderne Fülltechniken, aber meist sind die auf Kunststoffbasis, und dann wars das mit der traditionellen Oberfläche nach dem Füllen. Ich habe mal Cyanacrylat-Pulver probiert. Das geht sehr schnell und macht tolle Ergebnisse, wenn hinterher zB lasiert werden soll. Ist quasi quick&dirty. Man hat dieses sehr feine, recht schwere Puder, das reibt man mit einem trockenen Tuch großzügig in die geschliffene Fläche ein, pustet oder fegt überstände weg und sprüht dann sehr feinen Wassernebel, der das Pulver abbindet. Ergebnis ist eine gute Füllung, die einmaligen Nachschliff erfordert, aber eben auch die Bindung von Harzen oder Ölen zunichte macht, weil die Oberfläche ja nun mit vielen kleinen Kunststoff-"inseln" versetzt ist.
Epoxi ist auch eine Welt für sich.
Was ich noch sehr interessant finde, aber nie probiert habe, ist das Füllen/versiegeln mit Leim. Hasen- oder Knochenleim soll dabei mit einem harten Spachtel über die Oberfläche gezogen werden, um die Poren quasi abzuspachteln.
Allerdings ist meine Präferenz, allgemein das Füllen zu vermeiden. Bei Weichhözern oder dem Spezialfall Eiche ist das so eine Sache, aber ich habe bisher noch mit sehr großer Sorgfalt bei der Vorbereitung und ausreichend Schichten für mich befriedigende Ergebnisse erzeugt. Ich mache aber auch Kleinzeug in Holz, keine Konzertflügel.

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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von Sven T » 04.10.2018, 08:41

hi Marco
Ich finde deine Tische echt super und ich versuche grad selber welche zu bauen.Dabei bin auf der suche nach genau diesen fragen .Eine Frage an dich ,bei den Tischen, machst du den rahmen und läst die platte in der mitte ein oder ist die tischplatte aus einem stück ?Also wenn du mal einen tisch baust und dieses mit Bildern dokumentieren magst, wäre das echt super .Weiter so *daumen_new*

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Marco_H
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Re: Bonsai-Tische

Beitrag von Marco_H » 07.10.2018, 11:18

Hallo Sven,

danke dir! Ich finde es toll, dass du auch versuchst, Tische zu bauen. Es macht wirklich großen Spaß! Um auf deine Frage zu antworten, zeige ich einfach mal in Bildern die Arbeitsschritte zu meinem neuen, etwas größeren Tisch.

Persönlich mag ich eher Bonsai-Tische mit einem Spiegel, das heißt ich stelle fast immer zuerst einen Rahmen her und lasse die Tischplatte dann ein. Nur bei ganz kleinen Tischen verzichte ich manchmal darauf.

Mittlerweile weiß ich nun auch, was es mit dem Bimsmehl auf sich hat 8)
Aber mit Schellack zu arbeiten, überlasse ich dann doch lieber den Profis! Allerdings bin ich meinem Ziel nach einer sauberen und glatten Holzoberfläche durch eure Tipps schon viel näher gekommen. Danke dafür!

Nach dem Beizen trage ich mehrere Schichten Klarlack - jeweils mit Zwischenschliff – auf. Das Ergebnis wird nach jeder Lackschicht besser!

Ist schon ganz schön viel Arbeit, aber schließlich wird man doch reichlich belohnt, wenn man endlich den fertigen Bonsai-Tisch in den Händen halten kann.

Hier die Bilder...
Rahmen.JPG
Die Hölzer mit Falz werden für den Rahmen zugeschnitten und verleimt.
Rahmen.JPG (107.7 KiB) 519 mal betrachtet
Platte einlassen.JPG
Die Tischplatte/der Spiegel wird zugeschnitten und in den Rahmen eingelassen und verleimt.
Platte einlassen.JPG (90.21 KiB) 519 mal betrachtet
Tischbeine.JPG
In Handarbeit erhalten die Tischbeine ihr Aussehen.
Tischbeine.JPG (100.08 KiB) 519 mal betrachtet
Zierleiste1.JPG
Ebenso die Zierleisten.
Zierleiste1.JPG (100.13 KiB) 519 mal betrachtet
Einzelteile.JPG
Die Einzelteile werden vor der Montage noch sorgfältig geschliffen.
Einzelteile.JPG (92.01 KiB) 519 mal betrachtet
Montage.JPG
Der Tisch wird zusammengebaut und verleimt.
Montage.JPG (80.27 KiB) 519 mal betrachtet
Beizen.JPG
Nach dem Beizen sieht er so aus.
Beizen.JPG (103.38 KiB) 519 mal betrachtet
Lackieren.JPG
Anschließend erhält der Tisch mehrere Schichten Lack, jeweils mit Zwischenschliff.
Lackieren.JPG (96.12 KiB) 519 mal betrachtet
Bonsai-Tisch.JPG
Geschafft. Der neue Bonsai-Tisch ist fertig.
Bonsai-Tisch.JPG (61.64 KiB) 519 mal betrachtet
Gruß aus dem Westerwald

Marco

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