Ein Stückchen Heimat in der Schale - eine Buchen-Gruppe

Erfahrungsaustauscht und Dokumentation von Sämerein und Stecklingsanzucht von Gehölzen auf dem Weg zur Bonsai tauglichen Rohpflanze.
Antworten
Solace
Beiträge: 5
Registriert: 06.04.2021, 10:23

Ein Stückchen Heimat in der Schale - eine Buchen-Gruppe

Beitrag von Solace »

Hallo zusammen,

seit ein paar Wochen hat mich das Bonsaifieber gepackt und nach einem Bild von einer Waldpflanzung, welche mir zufällig auf Instagram angezeigt wurde, ist in mir die Idee entstanden, auch so eine herrliche Landschaftsschale zu gestalten.

Dazu habe ich nach der Lektüre eines Buches (Kosmos - vom Grundkurs zum Meister) verschiedene Blut-Buchen von der Baumschule Enger gekauft. Wohl wissend, dass die verschiedenen Pflanzen zwar schon ein paar Jahre und Verzweigungen mitbringen, aber auch Nachteile, wie verschiedene Färbung, Blattbildung und Stammbiegung inne haben. Dennoch bin ich sehr zufrieden mit der Auswahl und habe mir letztes Wochenende eine kleine Trainingsschale gebaut und nach vielen Schiebeversuchen nun die für mich richtige Form gefunden (sollte jemand hierzu Kritik haben, dann bin ich offen für weitere Vorschläge zur Anordnung).

Bild

Die Idee mich für Buchen zu entscheiden kam mir durch meine Leidenschaft zum Klettern und speziell durch mein Hausgebiet - den Ith. Der Ith im Weserbergland ist ein mythischer Ort voller Kalksandsteinfelsen und uhrig verschlungener alter Buchen, welche sich ringsum die Felsen schlingen.

Bild

Ansonsten möchte ich hier meinen Weg gerne dokumentieren und zudem am reichen Informationsschatz des Forums teilhaben.

Bild

Bild

Somit hätte ich auch gleich eine Frage, die ich gerne Stellen würde. Der Kauf der Pflanzen und der Bau der Trainingsschale haben nun ein bisschen länger gedauert und mir stellt sich die Frage, ob ein Umtopfen jetzt noch ratsam ist und ob ein Wurzelschnitt von 2/3 auch möglich ist? Oder sollte ich lieber bis in den Dezember warten und dann Umtopfen und den Wurzelschnitt zusammen machen?

Schönen Gruß

Christian
Benutzeravatar
migo
Freundeskreis
Beiträge: 4827
Registriert: 04.02.2006, 21:49
Wohnort: östl. Ruhrgebiet

Re: Ein Stückchen Heimat in der Schale - eine Buchen-Gruppe

Beitrag von migo »

Hallo Christian,

nach der Methode von Jürg ist der Dezember mit die beste Zeit. Also am besten dieses Jahr die Bäume einzeln pflegen und auf ihr Waldleben vorbereiten.
Dann hast du auch genug Zeit, dich ausgiebig mit dem Themen Buche und Wald zu befassen - gibt hier reichlich Lesestoff dazu.

PS: Pass auf die Drähte auf, gerade während des Austriebs können die schnell einwachsen und fiese Narben hinterlassen.
Tschüüss, Michael

Schützt unsere Wälder, eßt mehr Biber!
Benutzeravatar
Schafrich
Beiträge: 16
Registriert: 25.01.2021, 13:04

Re: Ein Stückchen Heimat in der Schale - eine Buchen-Gruppe

Beitrag von Schafrich »

Schönen guten Morgen!

Ich finde das sieht schon mal vielversprechend aus!

Ich würde versuchen die äußeren Bäume die mit ihrem Stammverlauf nach innen zeigen, so zu kippen oder zu drehen, dass sie tendenziell eher nach außen zeigen. Zumindest sieht man das bei anderen Waldgestaltungen so, dass die Bäume eher aufgefächert aussehen.

In der Natur ist das an Waldrändern ja auch der Fall da die Bäume ja eher aus dem Schatten ihrer Nachbarn treten wollen.

Wenn du mit dem umpflanzen eh noch warten musst/willst kannst du ja bisschen ausprobieren und jedes arragement ein paar Tage auf dich wirken lassen. Meiner Erfahrung nach fällt einem nach getaner Arbeit sowieso auf, dass man nicht so recht zufrieden ist und gerne noch mal alles verwerfen und neu positionieren möchte. :D

Zeig dann gerne mal wie du dich letztendlich entschieden hast!

LG

Gesendet von meinem Pixel 4a (5G) mit Tapatalk

„To know Mother Nature, is to love her smallest creations."

-Takashi Amano
Andreas Ludwig
Freundeskreis
Beiträge: 5672
Registriert: 29.03.2005, 16:50
Wohnort: Schweiz

Re: Ein Stückchen Heimat in der Schale - eine Buchen-Gruppe

Beitrag von Andreas Ludwig »

Schafrich – kann so sein, muss aber nicht. Hier ein Gegenbeispiel:
viewtopic.php?f=4&t=50820&p=577608&hili ... ld#p577608
(Seite 3, Mitte, Wald von Jürg Stäheli)

Regel zu Regeln: Sie sind verlockend, weil sie so schön «Ordnung» schaffen.
Sie sind aber auch eine Einschränkung, die zu Ideenarmut führen kann...
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)
Benutzeravatar
Schafrich
Beiträge: 16
Registriert: 25.01.2021, 13:04

Re: Ein Stückchen Heimat in der Schale - eine Buchen-Gruppe

Beitrag von Schafrich »

Absolut richtig. Wirklich toller Wald. Dennoch würde ich den Baum rechts außen noch mal überdenken da er wie gesagt mit dem Haupttrieb in den Wald hinein zeigt und das einen unnatürlichen Eindruck, zumindest auf mich, macht.

Aber ich stehe auch noch am Anfang und hänge mich vielleicht zu sehr an Regeln auf kann natürlich sein.

Gesendet von meinem Pixel 4a (5G) mit Tapatalk

„To know Mother Nature, is to love her smallest creations."

-Takashi Amano
Andreas Ludwig
Freundeskreis
Beiträge: 5672
Registriert: 29.03.2005, 16:50
Wohnort: Schweiz

Re: Ein Stückchen Heimat in der Schale - eine Buchen-Gruppe

Beitrag von Andreas Ludwig »

Fern-Gestaltungstipps sind zumal bei Gruppenpflanzungen und im voraus eher schwierig, finde ich. Auch ein «introvertiertes Buchen-Geplauder-Trüppchen» könnte reizvoll sein. Warum nicht mal probestellen, die Varianten ablichten und zeigen?

Mich interessiert eher, wie Solace damit umgehen will, dass auf seinem Waldbild diese Felsen im Kontrast zu den Bäumen den Effekt erzielen, nicht die Buchen allein.
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)
Solace
Beiträge: 5
Registriert: 06.04.2021, 10:23

Re: Ein Stückchen Heimat in der Schale - eine Buchen-Gruppe

Beitrag von Solace »

Hallo zusammen,

vielen lieben Dank für den regen Austausch!!!
migo hat geschrieben: 03.05.2021, 22:09 Hallo Christian,

nach der Methode von Jürg ist der Dezember mit die beste Zeit. Also am besten dieses Jahr die Bäume einzeln pflegen und auf ihr Waldleben vorbereiten.
Dann hast du auch genug Zeit, dich ausgiebig mit dem Themen Buche und Wald zu befassen - gibt hier reichlich Lesestoff dazu.

PS: Pass auf die Drähte auf, gerade während des Austriebs können die schnell einwachsen und fiese Narben hinterlassen.
Hallo migo, alles klar, dann ist der 100 Metersprint ade und ich werde mich erstmal mit der Pflege und Anordnung beschäftigen. Die Themen vom Jürgen Stäheli habe ich schon aufgesogen und derzeit lese ich grad alles zum Thema Buchen und Gruppenpflanzung hier im Forum. Danke für den Tipp mit den Drähten, kontrolliere sie grad täglich und werde sicher die Buche in der Mitte jede paar Wochen mit neuen geschützten Kabelbindern bestücken, um ein Einschneiden zu vermeiden. Leider passte mir die Form hier absolut nicht und ich musste stark die Stammbiegung verändern.

Zum Thema Anordnung - vielen Dank Schafrich und Andreas Ludwig für eure Hinweise. Ich habe mir es folgend vorgestellt und dies leider bisher nicht in der Tiefe erläutert. Ausgegangen bin ich von den Beschreibungen in "Kosmos von den Grundlagen zum Meister" wo beschrieben wird, dass Gruppen einen Hauptbaum haben und eine rundes Dreieck von ihnen ausgehen sollte (natürlich ist das ein festes Konzept und es gibt noch viele andere Wege zu einer schönen Pflanzung). Weiter habe ich eine ungrade Anzahl; die kleinen Jungpflanzen stehen im Hintergrund und kein Baum steht auf einer Linie. Dies alles ließ sich schon sehr gut mit allen Bäumen bewerkstelligen. Zu den weiteren Eingriffen:

Bild

1. Der Baum ist so schief und verwachsen, dass ich ihn so anordne als wäre er um einen Stein herumgewachsen. Dieses Wuchsbild konnte ich am Ith sehr häufig sehen und hier möchte ich die extreme Wuchsrichtung nutzen. Dazu werde ich im nächsten Jahr dann auch noch mal stark die Krone verändern, damit es wieder stimmig aussieht.

3. Der Baum im Hintergrund hatte die gleiche Korkenzieherbiegung wie der Baum Nr. 1. In diesem Fall möchte ich aber beide Bäume begradigen, damit das Gesamtbild harmonischer wirkt. Dazu habe ich mit Kabelbindern einen Stab in der Mitte unter Spannung gesetzt und provoziere so langsam die Begradigung. Wenn es bei dem hinteren gut klappt werde ich dies auch mit dem nächsten versuchen.

2. Dieser kleine Baum passt mir auch noch nicht ins Konzept und er soll in den nächsten Jahren zwar mit der kleinste Baum bleiben, aber von der Krone viele Verzweigungen nach links entwickeln, um ein harmonisches Abflachen zu erzeugen.

Generell sind die Steine nur welche aus dem Aquarienladen und sollen noch durch authentische aus dem Weserbergland ersetzt werden. Ich möchte gerne dunkle Kalksandsteine, welche dann auch besser zur Rinde passen. Die Steine derzeit sind zu hell und dienten mir nur als Beispiel. Generell orientiere ich mich an dieser Pflanzung (siehe unten) und finde die dezente Steinanordnung sehr ansprechend. Ein bisschen mehr in den Vordergrund sollen meine aber kommen, da der Ith eben ein Klettergebiet ist - ohne aber eine Felswand abbilden zu wollen.

Bild

Gerne poste ich in den nächsten Tagen verschiedene Konstellationen und spiele weiter mit der Anordnung - finde die Idee sehr ansprechend, hier über die Anordnung zu sprechen. Danke Andreas Ludwig für die Idee.

Schönen Gruß

Christian
Benutzeravatar
Tofufee
Freundeskreis
Beiträge: 2442
Registriert: 03.11.2011, 11:11
Wohnort: Göttingen

Re: Ein Stückchen Heimat in der Schale - eine Buchen-Gruppe

Beitrag von Tofufee »

Hallo Christia,

hier noch mehr Lesestoff aus dem Forum

viewtopic.php?f=13&t=510
viewtopic.php?f=9&t=6497

In einem allegmeinen Bonsaibuch wirst du eher nicht so viel über Waldgestaltungen finden, vielleicht nur ein einziges, sehr grundsätzliches Vorgehen. Da ist da Forum viel ergiebiger!

Am meisten haben mir Bilder von Gestaltungen geholfen. Ich habe versucht, ganz genau zu erfassen, was mir jeweils gefällt und wodurch der jeweils erstrebenswerte Effekt erzielt wurde. Perspektive beachten, Endgröße überlegen, soll es ein Hoch- oder Querformat werden? All das hat sehr unterschiedliche Wirkungen und muss genau geplant werden, damit das Ergebnis befriedigen kann.

Das Ausgangsmaterial hat größten Einfluss auf die Erscheinung der Gesamtgestaltung. Bäume wachsen in unterschiedlichem Umfeld sehr verschieden: im Wald, wo sie eng stehen, sind sie schlank, unten unverzweigt und kahl, haben aufstrebende Äste und erst oben eine schmale Krone. In manchen Bonsaibüchern ist zu lesen, dass man unbefriedigende Einzelbäume noch gut für einen Wald verwenden könne. Das gibt dann aber keinen Wald, wie wir unsere Forste kenne, mit schlanken, auf Holzproduktion ausgewählten Stämmen. Was einem gefällt, kann sehr unterschiedlich sein, wichtig ist, dass die Bäume, die man verwenden möchte, für das geplante Endbild geeignet und einigermaßen einheitlich sind.

Bei dem, was du jetzt aufgestellt und gezeigt hast würde ich denken, dass die Korkenzieherstämme, zumindest der rechte, nicht geeignet sind und vielleicht lieber für etwas anderes genutzt werden. Die Bäume sollten von der Erscheinung ähnlich sein, damit es eine Einheit ergeben kann. Lieber noch ein wenig weiter suchen, egal, ob im Wald oder Handel.

Viel Spaß beim Suchen, Betrachten, Lesen, Probieren, Planen.... all das ist "part of the fun" und keinesfalls eine Zeitverschwendung!
Grüße
Monika
Benutzeravatar
Der Maddin
Beiträge: 303
Registriert: 02.11.2012, 20:01

Re: Ein Stückchen Heimat in der Schale - eine Buchen-Gruppe

Beitrag von Der Maddin »

Hallo Christian,
ich würde auch gern etwas zum Thema beitragen.
Zuerst als Beispiel mein Wald aus Hainbuchen,
zusammengestellt aus 3€, 5€ und 10€ Baumschulware.
viewtopic.php?f=9&t=42411

Als nächstes mein Wald aus "Blutbuchen",
gepflanzt letztes Wochenende.

Hierzu die Frage an das Schwarmwissen:
Ist das normal das Die grün austreiben?

Angestrebt wird ein Wald aus Bäumen mit Besenform
mit durchgehendem Stamm.

Gruss,
Martin
Dateianhänge
9 Bäume
9 Bäume
20210504_180313.jpg (248.02 KiB) 258 mal betrachtet
Rote Knospen grüner Austrieb!?
Rote Knospen grüner Austrieb!?
20210504_180335.jpg (213.53 KiB) 258 mal betrachtet
Bonsai benötigt einen Plan und Geduld.
Andreas Ludwig
Freundeskreis
Beiträge: 5672
Registriert: 29.03.2005, 16:50
Wohnort: Schweiz

Re: Ein Stückchen Heimat in der Schale - eine Buchen-Gruppe

Beitrag von Andreas Ludwig »

Der Maddin hat geschrieben: 04.05.2021, 18:24 Hierzu die Frage an das Schwarmwissen:
Ist das normal das Die grün austreiben?
Hat der Händler «Blutbuche/Purpurbuche» angeschrieben oder «Rotbuche»? Letzteres ist nämlich die «normale» Buche (die so heisst wegen des rötlichen Holzes). Nur erstere haben die Rotfärbung der Blätter, die treiben aber meist kupferfarben aus.

Allerdings sehe ich auf dem Bild auf dem untersten, hintersten Blatt einen rötlichen Rand. Warte also mal ab – es soll Blutbuchen geben, die grün mit wenig rot an den Blatträndern austreiben.
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)
Benutzeravatar
migo
Freundeskreis
Beiträge: 4827
Registriert: 04.02.2006, 21:49
Wohnort: östl. Ruhrgebiet

Re: Ein Stückchen Heimat in der Schale - eine Buchen-Gruppe

Beitrag von migo »

Andreas Ludwig hat geschrieben: 04.05.2021, 23:37 Allerdings sehe ich auf dem Bild auf dem untersten, hintersten Blatt einen rötlichen Rand. Warte also mal ab – es soll Blutbuchen geben, die grün mit wenig rot an den Blatträndern austreiben.
Hallo Martin,
habe mal etwas recherchiert und sehe das wie Andreas.
Einige Blutbuchen treiben direkt rotbraun aus (meist veredelt), andere werden im Verlauf des Frühjahrs langsam rot - das ist eher die natürliche Art (Fagus sylvatica purpurea).
An deiner sind an den Blatträndern dunkle Verfärbungen zu sehen. Ich denke mal, das wird.
Tschüüss, Michael

Schützt unsere Wälder, eßt mehr Biber!
Antworten