Projekt Nashi

Erfahrungsaustauscht und Dokumentation von Sämerein und Stecklingsanzucht von Gehölzen auf dem Weg zur Bonsai tauglichen Rohpflanze.
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Waya
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Projekt Nashi

Beitrag von Waya » 04.02.2014, 12:45

Für die, die sich Rohmaterial für einen kleinen "Exoten" ziehen wollen, der aber trotzdem recht robust ist, ist das hier genau das Richtige. ;)
Ich werde diesen Beitrag je nach Wissensstand aktualisieren. ;)


Name: Nashi (jap.: ナシ, dt.: Birne)
bot. Name: Pyrus pyrifolia
Herkunft: China
Hauptanbaugebiete heute: Südostasien, Japan
Samen Beschaffung: Nashis gibt es seit einigen Jahres fast durchgängig das ganze Jahr in Supermärkten und Discountern zu kaufen. Hauptsaison von Herbst-Frühjahr.
Frucht: Die Frucht ist meist eher Kugelförmig und erinnert an einen blassen Apfel. Der Fruchtkörper ist sehr fest, dafür aber sehr saftig. Die Süße hängt vom Reifegrad ab, ist aber meist weniger süß als unsere einheimischen Birnen.
Samen: Die Samen befinden sich auch hier im Kerngehäuse. Die Qualität der Samen schwankt dabei erheblich. Es gibt Früchte, bei denen man keine der Samen zur Aussaat verwenden kann. Die Ausbeute an gutem Saatgut ist daher je Frucht als gering einzustufen. Die besten Samen sind prall und von einem deutlichen braun. Die schlechtesten Kerne sind schwarz und schrumpelig. Samen die farblich zwischen einem dunklen braun und schwarz liegen, sowie nicht ganz so prall sind haben eine geringe Keimfähigkeit.

Letztes Jahr, im Februar 2013 hab ich einige Samen ausgesät. Während ich einen Teil extra noch mit Kamillentee desinfiziert und stratifiziert hatte, hab ich nachher weitere Samen in den gleichen Topf geworfen. Ich kann also die genaue Keimbedingungen derzeit nicht genau nachvollziehen, sammle aber gerade wieder um das nachzuholen. ;)
Die Samen lagen leicht zugedeckt oder offen auf dem Substrat und einige Samen keimten bereits nach wenigen Tagen. Von diesen 6-7 Sämlingen behielt ich 3, der Rest ging an 2 Leute aus dem Hamburg AK. ;)
Der Topf, in dem noch weit mehr Samen steckten, stand dann weiter draußen und wurde mit gegossen. Im Sommer keimten dann zeitgleich weitere Samen. Im Herbst, als es deutlich kühler wurde, (November) keimten nochmals zeitgleich einige Samen. Die genauen Bedingungen hierzu werde ich wie geschrieben nochmal untersuchen. ;)

Die Sämlinge vom Frühjahr wurden pikiert und ansonsten nur gegossen und gedüngt. Bis zum Herbst erreichten sie eine Größe bis 40-50 cm.
Die Herbstfärbung reicht von dunklem Weinrot bis zum kräftigen Rot zu Orange und Gelb. Die Blattgröße entspricht der normalen Größe von Äpfeln und Birnen. Diese kann man allerdings auch kleiner bekommen. Die Sämlinge vom Sommer wurden z.B. nicht pikiert und haben nur halb so große Blätter.

Die Nashis überwintern draußen, aber frostfrei. Inwiefern sie bei uns Frostfest sind, muss noch überprüft werden.
Dateianhänge
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Die Frucht
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Kerngehäuse
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Die Ausbeute aus 3 Früchten
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Nashis im Oktober 2013
CIMG6825.JPG (164.67 KiB) 4335 mal betrachtet
Gruß, Claudia

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n-taucher
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Re: Projekt Nashi

Beitrag von n-taucher » 04.02.2014, 13:09

Hallo claudia,

sehr schönes Projekt! *daumen_new*

Bitte wieder so gut dokumentieren! 8)

Beste Grüße,
Nils

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Re: Projekt Nashi

Beitrag von Kat » 04.02.2014, 13:40

Hallo liebe Claudia,

also das nenne ich auch mal eine tolle Dokumentation *daumen_new* Bitte unbedingt so weitermachen, ich finde das unheimlich spannend. Vielleicht hast Du ja noch das ein- oder andere Übungspflänzchen übrig...? *engel*

Viele liebe Grüße
Kat
Wenn man den ganzen Irrsinn des Lebens einmal für sich modifiziert hat, geht's.

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Re: Projekt Nashi

Beitrag von Waya » 04.02.2014, 14:00

Kat hat geschrieben:Hallo liebe Claudia,

also das nenne ich auch mal eine tolle Dokumentation *daumen_new* Bitte unbedingt so weitermachen, ich finde das unheimlich spannend. Vielleicht hast Du ja noch das ein- oder andere Übungspflänzchen übrig...? *engel*

Viele liebe Grüße
Kat
Klar, die Sämlinge vom Sommer muss ich ja noch vereinzeln und dann hab ich ja eh wieder zu viele... und was aussähen wollte ich ja auch noch. :D



Irgendo hab ich bestimmt auch noch andere Bilder, ich war nur bisher zu faul die zu suchen... :oops:
Gruß, Claudia

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Re: Projekt Nashi

Beitrag von SteSt » 04.02.2014, 19:42

Servus Claudia,

eine super Doku hast du da gemacht!

Und da ich ein grosser Birnenfan bin werde ich nächstes mal im Supermarkt gleich nach Nashibirnen ausschau halten.
Mal sehen ob es wirklich so leicht geht..... :lol:


LG Stefan
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Re: Projekt Nashi

Beitrag von Wil » 04.02.2014, 19:58

Interessantes Projekt, sehr gut dokumentiert, Klasse *daumen_new*

LG Wil
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Bertrand Russel

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Re: Projekt Nashi

Beitrag von Norbert_S » 04.02.2014, 20:19

Da freue ich mich schon jetzt über Fortschrittsberichte
Norbert

Was starke Wurzeln hat, muss den Sturm nicht fürchten!

twotower

Re: Projekt Nashi

Beitrag von twotower » 04.02.2014, 20:49

...
Zuletzt geändert von twotower am 24.06.2014, 23:39, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Projekt Nashi

Beitrag von Heike_vG » 04.02.2014, 20:58

Prima, Claudia! *daumen_new* Ich zeige dann beizeiten auch mal, was meine Pflänzchen aus Deiner Nashi-Anzucht so machen.
Zurzeit sehen sie ja unspektakulär aus, da lohnt sich kein Foto. Aber das kann sich ja mit der Zeit ändern.
Auf jeden Fall sind es kräftige, vitale Pflanzen. :-D

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Re: Projekt Nashi

Beitrag von Waya » 05.02.2014, 10:48

Ich hab nochmal etwas gestöbert und eine interessante Arbeit zu Nashis von 1991 (!) gefunden:

http://www.agroscope.admin.ch/publikati ... Ccmoau4w--


Da ich eh 1-2 Sämlinge dieses Jahr ins Bett pflanzen wollte, bin ich nun zuversichtlich, dass die das dann auch über den nächsten Winter schaffen. *dance*
Gruß, Claudia

Seiti
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Re: Projekt Nashi

Beitrag von Seiti » 05.02.2014, 14:24

Waya Yoshitaka hat geschrieben: Die Nashis überwintern draußen, aber frostfrei. Inwiefern sie bei uns Frostfest sind, muss noch überprüft werden.
Hallo
ich habe mir vor ein paar Jahren 3 Nashibirnen aus Samen einer Supermarktfrucht gezogen, die ersten Jahre habe ich sie frostfrei überwintert. Dann dachte ich mal im Herbst ich lass sie im Topf, nicht ausgeflanzt draußen stehen. Von den 3 Pflanzen hat leider nur eine überlebt. Seltsamerweiße die Pflanze die am kleinsten war und nicht so wüchsig wie die beiden anderen war. Schade um die anderen beiden, eine der Eingegangenen war bereits 1,2 m hoch und besonders kräftig gewachsen.
Die überlebende Nashi habe ich dann ausgepflanzt. Hat jeden Winter unbeschadet überstanden.
Bin am überlegen ob ich ihn ausgraben und zum Bonsai gestalten soll. Da ich ohnehin auch einen veredelten Nashibaum habe. Andererseits interessiert es mich aber sehr wie die Früchte dieser Sämlingspflanze sein werden. Zu blühen würde sie sicher ausgepflanzt schneller anfangen.

Bei dem veredelten Nashibaum die ich habe handelt es sich um die Sorte 'Kumoi', den habe ich mit etwa 1,50m gekauft, leider ist er im ersten Winter extrem zurückgefroren. Darauf hin hat die Unterlage ausgetrieben, die Nashi wurde anscheinend auf eine Quitte veredelt. Diesen Trieb habe ich weggeschnitten.
Seitdem wächst mein Baum ohne Probleme übersteht jeden Winter schadlos. Scheint einfach nicht richtig abgehärtet/oder eingewurzelt gewesen zu sein. Seitdem er zurückgefroren ist wächst er zweistämmig
Ende August/Anfang September sind die Früchte reif, sind sehr saftig.

hier sind ein paar Fotos von meinem veredelten Baum(bei den Fotos wo Seitinger dabei steht)
http://www.tropenland.at/trp/cont/exot/ ... ,%20Pflege
Zuletzt geändert von Seiti am 06.02.2014, 19:55, insgesamt 1-mal geändert.
Ein Bonsai kann zwar das Aussehen und die Anmut eines großen Baumes besitzen, aber nicht die Erfurcht, die man empindet wenn man unter dessen Antlitz weilt.

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Gary
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Re: Projekt Nashi

Beitrag von Gary » 06.02.2014, 17:55

Waya hat geschrieben:Da ich eh 1-2 Sämlinge dieses Jahr ins Bett pflanzen wollte, bin ich nun zuversichtlich, dass die das dann auch über den nächsten Winter schaffen. *dance*
Hallo Claudia,
da kannst Du sehr zuversichtlich sein. Nashis sind, wie eigentlich alle Birnen, recht frostfest.
Mein Freund wohnt zwar in der Pfalz, an der Südlichen Weinstraße, etwas klimatisch begünstigter als Du aber er hat seit ca. 10 Jahren Nashis auf dem Feld angepflanzt. Mittlerweile wohl 8-10 Sorten und die gedeihen prächtig nach dem was ich immer an Früchten angeboten bekomme.
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary

Arbeitskreis Karlsruhe

AK-Treffen jeden 1. Samstag im Monat

twotower

Re: Projekt Nashi

Beitrag von twotower » 11.02.2014, 19:03

...
Zuletzt geändert von twotower am 24.06.2014, 23:39, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Projekt Nashi

Beitrag von Waya » 12.02.2014, 09:33

Und wieder ein Grund, warum ich normal den IE nicht benutze: man macht einen Beitrag komplett fertig, schickt ihn ab und dann ist die "Webseite abgelaufen". -.- Vielen Dank MS. Also ein 2. mal schreiben. :evil:

Ich hab letzte Woche nochmal bei einem großen türkischen Händler geschaut und der hatte auch die beiden Nashi Varianten im Angebot. Einmal mit der hellen dünnen Schale und einmal mit der dunklen, dickeren Schale Da war ein Aufkleber drauf: Sorte Housui. Während man die Nashis mit der dünnen Schale ohne Probleme komplett essen kann, sollte man bei der dickeren die Schale vielleicht doch erst entfernen... So lecker war die nicht. :lol:

Am Wochenende hab ich mich dann mal den Sämlingen vom Sommer angenommen. Da sollen ja noch welche Anfang März den Besitzer wechseln, also lieber mal vereinzeln. Dabei konnte man deutlich sehen, dass ich nicht pikiert habe: lange Pfahlwurzeln, aber zum Glück auch einige Feinwurzeln, sodass ich die Pfahlwurzeln gut einkürzen konnte. Die Feinwurzeln wurden entsprechend flach ausgebreitet. Da das nicht bei allen Sämlingen gleich gut ging, muss man nächstes Jahr sicher noch mal Kontrollieren und ggf. nochmal nachschneiden. 8)
2 der Sämlinge landeten gleich in einen Torftopf, da diese dann später ins Beet gesetzt werden sollen. :-D


Dann ging es den Samen an den Kragen. Die sehr guten Samen und die "fragwürdigen" landeten erst mal in abgekühlten Kamillentee. Später dann auf ein Bett mit leicht angedrückter Anzuchterde. Um den Bodenschluss zu garantieren hab ich nur etwas Erde drüber gestreut, die Kerne blitzen aber noch teilweise durch.
Dateianhänge
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links eine der hellen, dünnwandigen Nashi Sorten, rechts die dickwandigere dunkle Variante (hier wahrscheinlich die Sorte "Housui"
CIMG7226.JPG (65.38 KiB) 3874 mal betrachtet
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Die Sommersämlinge. Den Topfe hatte ich beim umräumen fast vergessen und bemerkte ihn erst ich ihn schon umgestoßen hatte...
CIMG7234.JPG (80.59 KiB) 3874 mal betrachtet
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Insgesamt eine gute Wurzelbildung. Die Pfahlwurzeln sind teilweise so lang wie der oberirdische Teil. Getopft wurde wieder in mein grobes Standardsubstrat.
CIMG7235.JPG (167.81 KiB) 3874 mal betrachtet
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Die Töpfe stehen nun bei ca. 20 Grad im Wohnzimmer am Fenster.
CIMG7252.JPG (163.62 KiB) 3874 mal betrachtet
Gruß, Claudia

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Norbert_S
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Re: Projekt Nashi

Beitrag von Norbert_S » 12.02.2014, 09:56

Claudia,
willst du die Bäumchen durch Rückscnitt formen oder im Laufe des Jahres Draht anlegen und den noch biegsamen Stämmchen Bewegung einhauchen?
Norbert

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