künstliche "Yamadori"

Alles andere was zu Bonsai passt.
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cubus
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künstliche "Yamadori"

Beitrag von cubus »

Gibt es oder gab es Versuche Yamadori künstlich zu produzieren?

Also die auf den Baum einwirkenden Kräfte und Verhältnisse der Natur künstlich soweit eben möglich zu simulieren:

Von Jahr 1 - 2 kaum Sonnenlicht
Von Jahr 3 - 4 simulierten Wildbiss
Von Jahr 5 - 6 wird der Baum durch einen simulierten toten Ast runtergedrückt
In Jahr 7 ist der Ast weg, aber dafür bricht ein Ast durch einen gedachten Sturm halb ab

Feuchtigkeit, Nässe, Trockenheit und so weiter und so weiter .. der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Selbstverständlich wird das Ergebnis auch nach 30 Jahren kontinuierlichem Einwirken auf den Baum sicher niemals das Gleiche sein. Wenn ich mir aber die, wie ich finde, meist total langweilige und dafür teure Rohware anschaue, die so verkauft wird, dachte ich, vielleicht lohnt sich ein Versuch.

Hat jemand schon einmal von so einem Versuch gehört oder hat ihn vielleicht selbst durchgeführt?
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Schafrich
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von Schafrich »




Zuletzt geändert von Schafrich am 03.05.2021, 09:39, insgesamt 1-mal geändert.
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-Takashi Amano
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Schafrich
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von Schafrich »

Dann kann man doch gleich einen Bonsai mit einer Jungpflanze gestalten oder?

Wildverbiss= Rückschnitt

Simulierter Ast= drahten

Und fehlendes Licht führt doch nur zur Vergeilung. Keine Ahnung warum man das machen sollte.

Vielleicht habe ich aber auch den Gedanken nicht in Gänze erfasst, aber im Moment erschließt sich mir nicht so recht der Sinn der Sache.

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cubus
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von cubus »

Es geht nicht um die Gestaltung, die kommt erst in 30 Jahren.
Es geht um den Weg des Rohmaterials, um einen möglichst interessanten Baum als Ausgang zu haben.

Ziel ist hier nicht der "gewöhnliche" Lehrbuchbonsai, sondern etwas aussergewöhnliches zu kreieren.
cubus
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von cubus »

Naja das waren nur Beispiele, um zu verdeutlichen, um was es geht. Wie das entsprechend umgesetzt wird ist im Grunde egal. Draht kann hier sicherlich eingesetzt werden.
Ganz generell erfordert dieser Versuch ja eine Jahrelange detailierte Planung.

Ich drücks mal anders aus:

Aus nem normalen Steckling wird niemals ein Bonsai der die Qualität eines Bonsai hat, der aus einem Yamadori gestaltet wurde.

Daher das 30 jährige Einwirken auf den Steckling über das Übliche hinaus, um eben einem Yamadori nahe zu kommen.

Plump ausgedrückt: den Baum 30 Jahre lang fertig machen 😉
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maexart
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von maexart »

Guten Morgen,
Also rein theoretisch verstehe ich den Ansatz allerdings sind schon die Grundannahmen fehlerhaft.
1. Die guten yamadori werden nicht in dichtem Wald gefunden sondern an exponierten Stellen. Zusätzlich hätte diese Verminderung des Sonnenlichts ausschließlich nachteilige Folgen.
-lange internodien
-schwacher Wuchs

>Dies wäre schlichtweg Zeitverschwendung

Alle anderen Punkte klingen tatsächlich nach einer normalen Gestaltung eines Bonsai mit mehr oder weniger dramatischen Eingriffen.

Mal davon abgesehen dass solch ein Baum dann -per Definition- kein yamadori ist. Ob 'yamadori' allerdings per se ein Qualitätsmerkmal ist steht auf einem anderen Blatt.
VG Max

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Schafrich
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von Schafrich »

Der Weg des Rohmaterials für ein interessantes Ausgangsprodukt ist doch Gestaltung?

Ich wüsste auch nicht warum man 30 Jahre investieren sollte um das aussehen des Rohmaterials dem Zufall zu überlassen.

Ich denke das Material was es zu kaufen gibt sieht deswegen so "langweilig" aus weil es Massenproduktion ist. Wenn man sich selbst Rohlinge zieht kann man meiner Meinung nach schon mit Schnitt und drahten arbeiten, warum auch nicht.

Aber klar. Natürlich kann man auch einige Jahre einen Ast über seine Rohlinge legen und wahlos Äste herausbrechen um verbiss zu simulieren. Aber wenn das mit einer hohen Wahrscheinlichkeit gut aussehen würde, würde der Wald ja voll mit tollem Ausgangsmaterial sein.

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cubus
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von cubus »

Okay mal abgesehen davon dass wir offensichtlich verschiedene Geschmäcker und Ansichten haben was Rohmaterial und Yamadori angehen, ist die Kernfrage doch die, ob man den Prozess in der Natur künstlich simulieren kann.

Normale Gestaltung erzeugt nicht das was ich persönlich an Yamadoris spannend und interessant finde.
Ich rede hier ja auch nicht von einem normal gewachsenen Baum im Wald, sondern von einem Baum, der jahrzehntelang den Naturgewalten gestrotzt hat.

Nicht immer jedes Detail der Fragen auf die Goldwage legen, es geht hier um das grosse Ganze und nicht ob viel Licht jetzt sinnvoll oder nicht ist.
cubus
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von cubus »

und selbstverständlich ist das dann kein Yamadori, aber wie soll ich denn die Frage über künstliche Yamadori stellen ohne daa Wort Yamadori zu benutzen, weil es ja eig kein Yamadori ist?

Foren machen micht echt manchmal fertig, bleibt doch mal beim Thema.. ich drück mich doch echt net so undeutlich aus, oder? 😄
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Schafrich
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von Schafrich »

Wie gesagt. Ich hatte eh nicht das Gefühl den Punkt in Gänze verstanden zu haben. Hat jetzt finde ich auch nichts mit Geschmack zu tun da es ja erstmal um grundsätzlich Maßnahmen ging. Wenn nicht starte doch den Versuch und mach einen Langzeitbericht draus. Dann wird es vielleicht klarer.

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cubus
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von cubus »

Naja ganz einfach, würden die normalen Maßnahmen der Gestaltung den selben Effekt haben wie die Natur, würden wohl kaum so viele Leute in den Bergen rumrennen, um Yamadori zu suchen. Das könnten sich dann alle sparen. Allerdings hätte man dann auch nicht die vielen Meisterwerke, die man bei Ausstellungen um ihr z.b. fantastisch geschwungenes Totholz bewundert. Gibts eben nur noch die Besenform, is auch schön 😄
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Schafrich
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von Schafrich »

Ich denke der Benefit ist, dass man in ein paar Jahren einen sehr guten Rohling hat der zur Gestaltung bereit ist und nicht erst 50 Jahre warten muss. Selbstverständlich lassen sich alle Stilrichtungen inklusive die mit geschwungenen Totholz auch so gestalten.

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MerschelMarco
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von MerschelMarco »

Hallo Cubus,

deinen Ansatz/Idee verfolge ich schon lange und kann auch erste Ergebnisse (noch nichtig fertig gestaltet, aber auf gutem Weg dort hin) vorweisen.
Die Idee dahinter ist, bei der Anzucht gezielt dem Zufall einen Teil der Entwicklung zu überlassen (z.B Feldkultur). Damit umgeht man zu schematische Gestaltungen.

Hier mal zwei Beispiele.

Grüße,
Marco
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cubus
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von cubus »

Klar lässt sich das alles gestalten, jedoch fehlt da einfach die Reife. Der Vorteil des schnellen Erfolgs ist definitv gegeben. Ich suche aber etwas anderes und überlege hier meinerseits wie ich vielleicht schnellstmöglich an das Ziel komme. Sprich kann ich künstlich in vielleicht schnellerer Zeit ein ähnliches Ergebnis erreichen als die Natur. Hier stehen 100 Jahre Natur gegen 30 Jahre Garten. Meine Lebenszeit ist halt leider auch begrenzt 😉 (bitte jetzt nicht sagen, dass ich in 30 Jahren keinen 100 Jahre alten Baum züchten kann, das ist ein Gleichnis.)

Nenn es von mir aus majestätische Aura, die suche ich. Ich denke doch ich bin da nicht der einzige, der den Yamadori den höchsten Stellenwert zuschreibt.

Finde es tatsächlich eher spannend, dass ihr das anscheinend nicht so seht.

Aber vielleicht gibt es hier ja jemanden, der das genauso sieht wie ich und konstruktive Ideen hatt wie man ein solchen Langzeitprojekt umsetzen könnte.
Denn abgesehen, dass ihr meine Beispiele auseinandergenommen habt, habt ihr sie auch nicht verstanden. Selbstverständlich legt man keinen Ast auf seinen Steckling, sondern benutzt irgendwas als Ersatz, um z.B. das zu simulieren, wenn man überhaupt diese Art von Einfluss simulieren will. Kann sich ja jeder für die Natureinflüsse seiner Wahl entscheiden.

An der Stelle sollte eig die von mir erwähnte Kreativität einsetzen, denn wenn ich schon wüsste wie ich es mache und ob es überhaupt funktionieren kann, hätt ich ja auch nicht nach einem Gedankenaustausch gefragt.
cubus
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Re: künstliche "Yamadori"

Beitrag von cubus »

MerschelMarco hat geschrieben: 03.05.2021, 10:52
deinen Ansatz/Idee verfolge ich schon lange und kann auch erste Ergebnisse (noch nichtig fertig gestaltet, aber auf gutem Weg dort hin) vorweisen.
Die Idee dahinter ist, bei der Anzucht gezielt dem Zufall einen Teil der Entwicklung zu überlassen (z.B Feldkultur). Damit umgeht man zu schematische Gestaltungen.
Genau das is es, jetzt verstehen wir uns 😄

Wie hast du denn diesen Grad hinbekommen? Hast du gezielt irgendwas gemacht?
Die Sache ist ja die, dass wenn ich ganz normal in den Garten pflanze die Bedingungen so gut sind, dass die Bäume wie ne eins wachsen.
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