Wie präsentieren wir?

Freie Baumgestaltungen. Wir nähern uns von einer anderen Seite. Junge Wilde inklusive.
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Re: Wie präsentieren wir?

Beitrag von abardo » 30.09.2017, 09:51

Mal Praxis:

Hier war ja die Idee der "Module" im Gespräch. Bedingt das nicht, das man sich die Art eines Moduls überlegt und dann Farben einfach "wählt" (nachdem schon einige andere Entscheidungen gefallen sind). Passend wählt ?

So ein Modul in einem (Teil eines) Raum(es), wird doch durch einen Entscheidungsprozess geschaffen, ein Beispiel mal aus dem Bauch heraus:

Ich habe klassisch, gestaltete Shohin und (Entscheidung 1) möchte Sie als Gruppe plazieren, damit der Besucher die z.B. vergleichen kann. Mir steht ein Bereich an einer Wand zur Verfügung (Hintergrund und alles eher eckig) oder im Raum (lieber rund, rein praktisch, damit sich keiner stösst oder etwas umwirft und kein einheitlicher Hintergrund). Ist es mir wichtig die Bäume innerhalb des Modul noch zu gruppieren (hm, vielleicht Podeste mit Etagen oder ein Regal mit Stufen) ? Führt zu Entscheidung 2. Will ich Bezug nehmen ? Z.B. eben auf die natürliche Umgebung ? Oder mich nur aus der Farblehre bedienen ? Entscheidung 3 bei den Farben. Entscheidung 4 bei den Materialien.

Fertig ist der Entscheidungsbaum.

Und habe ich vor Ort mitten im Raum eine Säule und Bonsai in modernen Gefässen sieht der Baum halt anders aus. Da werden die halt die Säule hochgestapelt, da orientiert man sich beim Bauhaus und fertigt passende Bretter und streicht es in Kandiski-typischen Farbkombis. Die Vorraussetzungen schaffen einen anderen Entscheidungsbaum.

Teil des Entscheidungsbaum ist natürlich auch, Chaos zuzulassen oder zufällige oder gar keine Entscheidungen zu fällen, unbewusst. Spontan. Dann kommt eben was ganz anderes raus und es wird lila Sand auf den Boden gestreut, die Bäume in die Mitte plaziert. Wertneutral, nicht kulturell aufgeladen, spontan, weil es dem trainierten Leiter gerade so in den Sinn gekommen ist. Bestimmt auch "schön".

Wie sagte mal das Orakel in Matrix: es geht nicht darum, dich zu entscheiden. Du hast dich bereits entschieden. Es geht jetzt nur noch darum, zu verstehen, warum du dich so entschieden hast.
Zuletzt geändert von abardo am 30.09.2017, 10:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie präsentieren wir?

Beitrag von HeikeV » 30.09.2017, 10:11

abardo hat geschrieben:
30.09.2017, 09:25

Es muss nicht. Es ist einfach so. Alles ist "aufgeladen", weil es uns sowieso umgibt, wir es erlernt haben, kulturell oder in allen Medien dauernd wahrnehmen.
Diesen Fakt auszublenden, zu denken, dass es etwas neutrales gibt, ist schon mutig :lol:
Davon kann man sich mit Übung lösen. Ist ganz nützlich, um nicht Spielball der dauernden medialen Manipulation zu sein.
Warum denn das nur ?
Dann hätte man einen Grundsatz der asiatisch geprägten Präsentation schon übernommen. Hätte schon etwas als Grundlage vorrausgesetzt, was gar nicht zur Thread-Übersicht passt.
Nein. Das ist deine Bedeutungsebene, die du auf meine Worte legst. Einen Baum kann man auch nicht asiatisch präsentieren.
Versteh ich jetzt was falsch ?
Es geht doch darum, "wie wir präsentieren". Und eben nicht asiatisch. Und das kann man doch nur aus seiner eigenen Kultur und Geschichte entwickeln, z.B. aus unserer Farblehre.
Du hattest dich über die Einfachheit der Fünf-Elemente-Lehre mokiert. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass diese Lehre alles andere als einfach ist. Seit einiger Zeit gibt es dafür sogar eigene Studiengänge. Nur weil etwas nicht aus unserem Kulturkreis stammt, sollten wir nicht meinen es aburteilen zu können.
@Andreas: kulturell gibt es bei uns z.B. die Sprichwörter, die sich auf Farben beziehen. Rot ist die Liebe, Gelb ist der Neid. Grün ist die Hoffnung (was ich bezogen auf Bonsai immer sehr passend fand). Du kannst Farben auch gerne technisch betrachten, passt auch zu uns Europäern. Setz dich zu einem Grafiker und der erzählt dir alles zum Farbraum, zu Komplimentärfarben, Kontrasten usw. Oder eben einen näturlichen Ansatz. Wasser ist bei uns blau (und eben nicht schwarz), genau wie der Himmel. Wiesen sind grün, Wälder sind braun und Berge sind grau. Meinetwegen nimm Landesfahnen oder Wappen als Bezugspunkt, Bezugspunkte und Systeme, die aus uns Europäern kommen, gibt es genug.
Da steckst du schon wieder im Anhaften an Erlerntem fest. Hier findet ein Wechsel vom asiatischen zum europäischen Bezugssystem statt. Ist das für eine gelungene Präsentation wirklich nötig?
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Re: Wie präsentieren wir?

Beitrag von abardo » 30.09.2017, 10:41

HeikeV hat geschrieben:
30.09.2017, 10:11
Da steckst du schon wieder im Anhaften an Erlerntem fest. Hier findet ein Wechsel vom asiatischen zum europäischen Bezugssystem statt. Ist das für eine gelungene Präsentation wirklich nötig?
Entweder mit einem europäischem Bezugssystem, oder man löst sich komplett (dann aber auch bitte auch von asiatischen Farbspielen und jahreszeit- oder Höhenlagen-bezogenen Darstellungen).

Wie eine Präsentation ohne irgendeine Grundlage unter kompletter Vermeidung von Kultur, Erlerntem, Sozialisation, Geschichte und Wissenschaft aussehen sollte ? Keine Ahnung, aber da höre ich gerne zu.

(ich hatte mich bestimmt nicht "mokiert". Habe nur angemerkt, dass eine Reduzierung auf wenige Farben in unserem Kulturkreis wohl eher untypisch und ein fremder Ansatz ist)
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Re: Wie präsentieren wir?

Beitrag von HeikeV » 30.09.2017, 11:00

abardo hat geschrieben:
30.09.2017, 10:41

Entweder mit einem europäischem Bezugssystem, oder man löst sich komplett (dann aber auch bitte auch von asiatischen Farbspielen und jahreszeit- oder Höhenlagen-bezogenen Darstellungen).

Wie eine Präsentation ohne irgendeine Grundlage unter kompletter Vermeidung von Kultur, Erlerntem, Sozialisation, Geschichte und Wissenschaft aussehen sollte ? Keine Ahnung, aber da höre ich gerne zu.
Die Nägel lösen und das Brett vorm Kopf entfernen, schlage ich an dieser Stelle vor.
(ich hatte mich bestimmt nicht "mokiert". Habe nur angemerkt, dass eine Reduzierung auf wenige Farben in unserem Kulturkreis wohl eher untypisch und ein fremder Ansatz ist)


Wenn du eine Ahnung von dem hättest worüber du hier schreibst, würdest du in diesem Zusammenhang nicht das Wort "Reduzierung" benutzen.
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Re: Wie präsentieren wir?

Beitrag von Andreas Ludwig » 30.09.2017, 11:56

Hanno – schau dir Suiseki-Dskussionen an oder welche zu Substraten. Es sind zu jedem Thema immer die üblichen verdächtigen, das ist ziemlich normal. Es geht auch nicht um eine «Massenbewegung» hier. Sonst hätte jeder zuhause z.B. sein eigenes Museum und würde jeden Abend ausstellen. Es müssen und können nicht immer alle über alles schreiben oder reden.

abardo – ich war selber Grafiker und brauchte lange, um dazu etwas Distanz zu kriegen (ich breche aber heute noch ein, wenn auf einem Lieferwagen der Firmenname nicht «ausgeglichen» ist oder die Bilder in der Zeitung offensichtlich für die Punktzunahme von gestrichenem Papier belichtet wurden etc.). Zu meinen, da gehe es rein technisch und rational zu, ist aber ein Fehler. Es ist zwar oft der Fall (darum ist die meiste Werbung auch schulmeisterlich und furchtbar langweilig), aber es sind selten die Gestalter, die das zu verantworten haben, eher die Kunden. Die haben irgendwo gehört oder gelesen, dass die Leserichtung von links nach rechts und von oben nach unten verläuft und prompt bestehen sie darauf, dass das Logo IMMER unten rechts sein muss. Obwohl ein «gutes Layout» auch funktioniert, sogar besser, weil es für den Betrachter ungewohnt ist und sich so besser bei ihm verankert. Die Frage ist eben, was gut ist – und die ist weitgehend offen. Grafikgeschichte ist Modegeschichte mit häufig wechselnden Stilen. Darum kann man auch meist auf fünf Jahre genau sagen, von wann eine Werbesache ist.

Damit sind wir bei deinen Bezügen. Du möchtest die definieren, wie das deine Art ist. Also den einen Regelsatz durch einen andern ersetzen. Klar gibt es da Möglichkeiten. Wir hätten den Farbsatz der Heraldik (so schmal wie der traditionelle chinesische übrigens), es wurde darüber auch wacker sinniert (nur hat Goethe z.B. gerade Grün als Farbe am geringsten geschätzt, blöd für die Bäume) und gegenüber im Esoterikladen hätten sie sicher auch ein Rezept. Es stimmt nicht, dass es bei uns keine Farbtraditionen gibt. Zu sehen an jeder Hochzeit, Beerdigung, gelegentlichen Krönung irgendwo und in vielen Alltagssituationen. Wir haben mehr traditionelle Farbwelten, als viele realisieren. Gewiss könnte man auch einen Form-Regelsatz austüfteln, modernes auf Bauhausklötzchen stellen, klassisches auf sonstwas. Also wie auf einem Tisch, wo die Gabel und das Dessertlöffelchen immer am «richtigen Ort» sind und das Salz in der Mitte. Das ist aber nicht der Punkt.

Heike schlägt vor, das Brett vor dem Kopf wegzunehmen, dem schliesse ich mich eher an. Denn wir sind ja immer mittendrin. In der Zeit, in den Tendenzen, in den Bezügen, im Leben. Das prägt uns, wir prägen es mit. Jedes mal, wenn einer sich beim Friseur die Haare raspelkurz schneiden, dafür einen Bart stehen lässt und danach eine Brille mit Holzgestell kauft, wird der Eindruck auf der Strasse grösser, das sei jetzt Mode. Man kann da voll mitmachen oder sich dem bewusst entgegenstellen oder sich nicht darum kümmern – völlig egal, man steht immer in Bezug dazu, und sei es, dass die andern das so sehen. Rückblickend ist das dann der «Stil der Zeit» oder eben «ein persönlicher Stil».

Irgendwo hier habe ich irgendwann mal sinngemäss geschrieben, man müsse sich beim Gestalten keine Stilfragen stellen, sondern bloss nach bestem Wissen und Gewissen (das ist etwa die Definition von «gut»...) arbeiten, der Stil entstehe von selbst. Egal wo, überall, wo gestaltet wird im weitesten Sinn, erkennt man mit der Zeit bei vielen, wenn nicht den meisten (guten) Werken den Urheber. Man hört, dass es Schubert ist, sieht, dass es Gerhard Richter ist. Das ist nicht, weil die wollten, dass man das hört und sieht, sondern es ergab sich, weil sie es gemacht haben. Das ist eigentlich alles. Stile werden nachträglich von Kunsthistorikern definiert, nicht im voraus von Gestaltern. Das ist genau der Haken, das ist das Brett: Im voraus nach einem Stil zu arbeiten. Das tut man, wenn man Angst hat, etwas falsch zu machen (oder Leute zu verärgern, auch eine sehr häufige Motivation). Der Preis ist Gleichförmigkeit, erwartungsgemässe Erscheinung.

Hanno – ich probiere als nächstes, mal ein «regelfreies Regelwerk» aus den ziemlich vielen Beiträgen hier abzuleiten.
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Re: Wie präsentieren wir?

Beitrag von abardo » 30.09.2017, 12:12

Es hilft bloss nichts darüber zu sinieren, dass man nichts definieren soll, sich freimachen soll und gleichzeitig etwas schaffen will.

Entweder man schafft etwas, das absichtlich einen Bezug hat oder schafft etwas aus sich heraus, ohne externen Bezug, dann hängt aber das Selbst, alle Erfahrungen und die gesamte Lebensgeschichte mit drin oder man löst sich auch davon, nur schafft man dann nichts mehr. Es ist unmöglich, etwas zu kreiren, dass in keinerlei Bezug steht. Selbst wenn man entscheidet, dass es zu nichts anderem Bezug haben soll, ist schon diese Entscheidung ein Bezug (zu seinen eigenen Erfahrung, Wünschen usw).

Ein Ergebniss kann nur geschaffen werden, indem der Prozess aktiv oder unbewusst gelenkt wird.

Wie schon gesagt. Entscheidungen sind zu fällen. Ansonsten sitzt man nur auf einem Stein und der Ausstellungsraum bleibt leer.
Zuletzt geändert von abardo am 30.09.2017, 12:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie präsentieren wir?

Beitrag von abardo » 30.09.2017, 12:14

(manchmal glaube ich, dass "Andreas Ludwig" ein Künstlerkollektiv ist. So viele Jobs kann doch nicht ernsthaft jemand in seinem Leben ausgeübt haben)
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Re: Wie präsentieren wir?

Beitrag von HeikeV » 30.09.2017, 12:33

abardo hat geschrieben:
30.09.2017, 12:12
Es hilft bloss nichts darüber zu sinieren, dass man nichts definieren soll, sich freimachen soll und gleichzeitig etwas schaffen will.
Doch, das geht. Sonst würde auf dieser Welt nämlich niemand meditieren können. :lol: Es geht nur nicht auf "Krampf", nämlich dann, wenn das Ziel wie z.B. allgemeiner Erfolg schon definiert ist.


Hanno,

alle Menschen empfinden doch etwas wenn sie ein Objekt betrachten. Abscheu, Bewunderung oder das ganze Spektrum, das dazwischen liegt. Nur suchen anscheinend die Wenigsten nach dem Grund für diese Wahrnehmung, gehen mal in sich und setzen sich mit der Emotion auseinander, die ein Bild in ihnen erzeugt. Aber die Voraussetzung genau das zu tun, bringen wir doch alle mit.

Momentan ist in diesem Thread der Weg doch das Ziel und gehen können wir fast alle. Warum also nicht mal etwas Neues probieren und einfach mitmachen ? Weh tut es nicht, Ausgang unbekannt, aber das kann ja nun auch nicht so schlimm sein.

Liebe Grüße
Heike
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Re: Wie präsentieren wir?

Beitrag von Andreas Ludwig » 30.09.2017, 13:01

abardo hat geschrieben: (manchmal glaube ich, dass "Andreas Ludwig" ein Künstlerkollektiv ist. So viele Jobs kann doch nicht ernsthaft jemand in seinem Leben ausgeübt haben)
Dieser Auffassung stehe ich vielfältig gespalten gegenüber. :lol:

Aber zum gelenkten Prozess: Allein die Tatsache, dass man sagt «ich stelle was aus» ist ausreichend. Dann kommen lauter Teilentscheide, situationsabhängig. Im Prinzip rückt man mit einem Werkzeugkoffer (Ausbildung, Vorstellung) an und schaut, wie die «Montage» möglich ist. Man hat ein paar grundlegende Vorstellungen, der Rest ergibt sich. Etwa so:

– bekannt ist, dass es XX Bäume sind, man hat eine Vorstellung von Art und Grösse.

– bekannt ist, welcher Raum zur Verfügung steht und der «Grundstock» an Material.

– die Bäume lassen sich so und so gruppieren. Man druckt die Bilder proportional aus und pappt sie auf Kartonstreifchen, definierte Elemente (komplette tokonoma, Shohinregal) nimmt man als jeweils eine «Einheit» dazu. Dann kann man den ganzen Abend rumschieben in einem Schachtelraum. Architekten machen das auch so.

– daraus ergibt sich, was man für Unterbauten braucht und wie viele Lämpchen.

– beim Rumschieben sieht man auch, ob eine Zwischenwand wünschbar wäre oder etwas «Hintergründiges».

– jetzt wird's brenzlig: Man teilt den andern mit, wieviel Kohle, Material und Hilfe man braucht für das Ganze. Vermutlich wird dann die Sache etwas vereinfacht. Beachte, dass bis jetzt die andern nicht wirklich einbezogen wurden. Auch das kann ein Knackpunkt sein.

– vor Ort wird sich herausstellen, dass eine Steckdose nicht funktioniert, die Gipsdecke die Lampenhalter nicht trägt und vier Bäume ganz anders sind als geplant. Dann muss man halt improvisieren. Manchmal sind Pannen viel schöner als Pläne, im Ergebnis.

– allen, die die Ausstellung gut finden, dankt man, allen, die sie ganz schlecht finden, versichert man, das nie wieder zu machen. Was auch stimmt. Man sollte nie zweimal dasselbe tun.

Zumindest denke ich, dass es auf das hinausläuft für das Gros der Ausstellungen.

So prosaisch stelle ich mir das alles vor. Ah so: Nach welchen Regeln man vorgeht? Nach denen der allgemeinen Sorgfalt, denen der gestalterischen Erfahrung, denen des besten Wissens und Gewissens. Du weisst schon, dieses Zen-Ding: Alles lernen, alles loslassen, machen und so. Woher ich das hab? Google mal nach Harald Szeemann. Der hat eigentlich alles so gemacht. Er hat, als ich an der Schule für Gestaltung war, Assistenten für eine Ausstellung gesucht. Wir haben rumgeschleppt, aufgebaut, abgebaut und neu aufgebaut, miserabel bezahlt. In den Sommerferien davor verdiente ich dreimal mehr als Hilfsmagaziner in einem Pharmalager. Aber ich würde es sofort wieder tun, lebte er noch. Hanno – das war auch so ein Eierkopf (in seinem war sogar wesentlich mehr als in meinem). Man muss es ihnen nachsehen, die sind einfach so.
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Re: Wie präsentieren wir?

Beitrag von abardo » 30.09.2017, 13:04

HeikeV hat geschrieben:
30.09.2017, 12:33
abardo hat geschrieben:
30.09.2017, 12:12
Es hilft bloss nichts darüber zu sinieren, dass man nichts definieren soll, sich freimachen soll und gleichzeitig etwas schaffen will.
Doch, das geht. Sonst würde auf dieser Welt nämlich niemand meditieren können. :lol: Es geht nur nicht auf "Krampf", nämlich dann, wenn das Ziel wie z.B. allgemeiner Erfolg schon definiert ist.
Absolut korrekt. Das Ziel ist aber schon definiert. Die Präsentation von Bonsai in einer Ausstellung. Da kann man jetzt meditieren, an irgendeinem Punkt muss man jedoch entscheiden, manches bevorzugen, anderes verwerfen, den Baum (seines Wissens und seiner Erfahrung) mit seinen Verzweigungen ablaufen.

(ich nenne das bei meinen Gestaltungen zwar nicht meditieren, sondern den "Klick". Und hab das mal bei der Hängelärche beschrieben -> viewtopic.php?f=4&t=43679 alles an Erfahrung, Gesehenem, Materialien, Tests usw wird für eine Weile in den Hinterhopf verbannt. Irgendwann ist das fehlenden Puzzlestück vorhanden und wie durch ein Wunder bastelt unser Hirn aus einigen dieser Teile ein Gesamtbild. Diesen Übergang von einer freien, intuitiven "Sammlung" (den Begriff kann man jetzt gerne mehrfach gedeutet nutzen) in ein Gesamtbild nenne ich den "Klick", für mich die beste Adrenalin-Asuschüttung, die es gibt. Und bei Bonsai passiert mir das so oft, dass ich davon einfach nicht mehr lassen kann)
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Re: Wie präsentieren wir?

Beitrag von HeikeV » 30.09.2017, 13:15

Frank,

wir schreiben gerade ganz herrlich aneinander vorbei. Meditation hat absolut nichts mit dem "Klick" zu tun, sie ist ein verbindender "Flow". Da die Ausgangsposition eine andere als die von dir beschrieben ist, erübrigt sich hier jede weitere Argumentation.

Liebe Grüße
Heike
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Re: Wie präsentieren wir?

Beitrag von Andreas Ludwig » 30.09.2017, 13:21

Frank – bezeichnenderweise brichst du es herunter auf einen deiner Bäume. Eine Ausstellung ist aber eher im Sinne Heikes die Verbindung vieler Bäume. Das ist etwas ganz anderes. In einem Stück von Oscar Wilde, «The importance of being Earnest» erklärt ein Butler, er sei in erster Linie «ein guter Rücker». Er rückt die Dinge auf den Kommoden und Ablagen sorgfältig zurecht, die nicht seine sind, von ihm nicht ausgewählt und gemacht.

Das ist die Grundlage eines Ausstellers - er rückt die Dinge zurecht. Geht er etwas weiter, fasst er Skulpturen zusammen und anderswo Dosen. Oder alle kleinen Sachen und alle etwas grösseren. Oder alle Behälter hier und alle Gebrauchsgegenstände da. Vielleicht wird er auch eine nur ihm deutliche Verbindung der Dinge sehen. Aber immer rückt er sie so zurecht, dass er allem gerecht wird.
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