Einheimische und importierte Bäume

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Walter Pall
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Einheimische und importierte Bäume

Beitrag von Walter Pall » 26.12.2004, 15:59

Für eine breite Bevölkerungsschicht, die je etwas von Bonsai gehört hat, handelt es sich heute noch um „japanische Zwergbäume“. In Europa wie auch in Amerika war Bonsai am Anfang eine rein japanisch geprägte Kunst. Es wurden ausschließlich japanische, höchstens noch chinesische Baumarten verwendet. Die Gestaltung folgte japanischen Mustern, die Präsentation, einfach alles. In den 80-er Jahren begann ein kleiner Kreis sowohl in den USA als auch in Europa, vornehmlich in Großbritannien an einheimischen Gehölzen zu arbeiten. In den ersten zwei Jahrzehnten des Bonsaibooms in Deutschland, bis gegen Ende der neunziger Jahre war es eine ausgemachte Sache auch unter den meisten echten Bonsailiebhabern, dass Bonsai die Kunst ist, japanische und ev. auch chinesische Importbäume weiterzupflegen. Viele Künstler, die immer mehr selber machen wollten, griffen zu importierten Rohlingen oder suchten in europäischen Baumschulen nach japanischen und chinesischen Baumarten. Für die meisten war ein Bonsai aus europäischem Material höchstens eine Zugabe zu ihrer stolzen asiatischen Sammlung. Bei vielen bestand das Sammeln von Bonsai darin, möglichst viele verschiedene mehr oder weniger exotische, auf jeden Fall ausländische Arten zusammenzutragen. Bonsai war weithin ein „exotisches“ Hobby. Inzwischen blicken wir auf einen Erfahrungsschatz von zehn bis zwanzig Jahren Bonsaigestaltung mit einheimischen Gehölzen zurück.
In Japan und in China gibt es mehr und mehr Bonsaigärtnereien, die auch nicht-asiatische Arten anbieten, jedoch praktisch nur für den Export. Die eigenen Kunden sehen Bonsai nämlich durchaus als ein bodenständiges Handwerk, bei dem in allererster Linie Pflanzen der Heimat gestaltet werden. Große Bonsaisammlungen in Japan bestehen häufig aus nur ganz wenigen Arten, jedoch jeweils in auserlesener Qualität.
Noch in den achtziger Jahren konnte man das Wort „Bonsaifälschung“ hören, wenn jemand aus einem europäischen Baum etwas machte, was den importierten Bonsai ähnlich sah. Ein Bonsai war nämlich per Definition ein Zwergbaum aus Japan. Also konnte ein europäischer Baum kein Bonsai sein. Es gab Bleiplomben mit japanischen Schriftzeichen an den Bäumen, die beweisen sollten, dass es sich um „echte“ Bonsai handelte. Waren es am Anfang noch Außenseiter, die zunehmend zu europäischem Material griffen und notgedrungen die Bäume in der Natur sammelten, ist gegen Ende der neunziger Jahre in ganz Europa das Halten von einheimischen Bäumen mindestens als gleichberechtigt akzeptiert. Nur auf Ausstellungen, die einem breiten sachunkundigen Publikum zugänglich sind, kann man immer wieder sehen, dass die Leute sich wundern, dass auch europäische Bäume ausgestellt werden.
Zunehmend kann man von einem Paradigmenwechsel sprechen, also von einem radikalen Wertewandel. Paradigma A: „Nur in Japan oder ev. China geschaffene Bonsai sind sammelwürdig und wertvoll; die Arbeit mit europäischem Material ist eine reine Spielerei“. Paradigma B: „Das ernsthafte Bonsaischaffen kann sich nur auf einheimisches Material beziehen; Europäische Arten, vor allem gesammeltes Material sind viel wertvoller als importierte Ware; die gleichzeitige Beschäftigung mit japanischen Bäumen ist eher eine Spielerei.“ Natürlich sind das zwei Extreme; die Realität liegt meist irgendwo in der Mitte. Aber es ist eindeutig ein Trend von Paradigma A zu Paradigma B zu erkennen. Während nur eine Handvoll Insider früher Findlinge für Spottbeträge gekauft oder eingetauscht hatten, gibt es heute einen ausgedehnten Markt für einheimisches Material. Ja für wirkliche Spitzenbäume werden bereits Preise bezahlt, die denen für importierte Solitäre nahe kommen.
Inzwischen hat sich auch ein Schatz von Kenntnissen und Erfahrungen gebildet. Dabei sind durchaus regionale Tendenzen zu erkennen. Natürlich weiß man mehr über mediterrane Gehölze in Italien und Spanien als in Deutschland. Auch haben sich Tendenzen in der Gestaltung herausgebildet, die in etwa die einheimische Flora widerspiegeln. Es gibt auch immer wieder Ansätze, einen „nationalen“ Stil zu entwickeln, sowohl in Europa als auch in Amerika. Das ist wohl Unsinn; die Welt ist soweit zusammengewachsen, dass sich höchstens weltweite Stilarten entwickeln können, die ihr Eigenleben führen. Wie wäre es mit einem „Liechtensteiner“ Bonsaistil?
Die Tendenz zu einheimischen Bäumen hin wird von asiatischen Meistern nicht abgelehnt, wenn auch kommerzielle Interessen eine Rolle spielen mögen. Es wird sogar mehr oder weniger deutlich gesagt, dass dies genau der richtige Weg ist. Dies ist kein Bruch mit der japanischen Bonsaiphilosophie, sondern deren konsequente Fortsetzung. Man soll nicht einen Baum machen, der wie ein Bonsai aussieht, sondern einen Bonsai, der wie ein Baum aussieht – wie ein Baum, den man gut kennt, ein einheimischer Baum. Genau das machen die, die einheimische Gehölze verwenden. Was für den Einzelnen ein typische Baum ist, hängt von seinem kulturellen Hintergrund ab und der Gegend in der er aufgewachsen ist .
Der Schüler soll den Meister überholen. Er muss nicht unbedingt besser werden, aber seinen eigenen Werg gehen. „suche nicht in die Fußstapfen der weisen Männer zu treten, sondern suche was sie suchten“ (Matsu Basho). Ein westlicher Bonsaikünstler sollte auch nicht meinen, dass er besser ist, als die Asiaten, aber durchaus dass er anders ist.

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Delamitri
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Re: Einheimische und importierte Bäume

Beitrag von Delamitri » 26.12.2004, 16:27

Walter Pall hat geschrieben:Paradigma A: „Nur in Japan oder ev. China geschaffene Bonsai sind sammelwürdig und wertvoll; die Arbeit mit europäischem Material ist eine reine Spielerei“. Paradigma B: „Das ernsthafte Bonsaischaffen kann sich nur auf einheimisches Material beziehen; Europäische Arten, vor allem gesammeltes Material sind viel wertvoller als importierte Ware; die gleichzeitige Beschäftigung mit japanischen Bäumen ist eher eine Spielerei.“
Wer hat diese Hypothesen, die Du Paradigmata nennst, aufgestellt? ICH persönlich halte von beiden überhaupt nichts!

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mohan
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Beitrag von mohan » 26.12.2004, 17:40

Inzwischen blicken wir auf einen Erfahrungsschatz von zehn bis zwanzig Jahren Bonsaigestaltung mit einheimischen Gehölzen zurück.
:shock: :shock: Das dies eine soo junge "Bewegung" ist, erstaunt mich zutiefst! :shock: :shock:
Und erklärt einige Diskussionen, finde ich.
(Interessiere mich für Bonsai erst seit 2000 und von Anfang an fast ausschliesslich für einheimische Arten)

Reiner Goebel
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Re: Einheimische und importierte Bäume

Beitrag von Reiner Goebel » 27.12.2004, 11:03

Walter Pall hat geschrieben:Man soll nicht einen Baum machen, der wie ein Bonsai aussieht, sondern einen Bonsai, der wie ein Baum aussieht – wie ein Baum, den man gut kennt, ein einheimischer Baum.
Bis auf das obige Zitat hast Du mir mit diesem Beitrag aus der Seele gesprochen. Entschuldige, wenn ich nur auf diesem kleinen Teil herumhacke. :wink:

Das Zitat von John Naka ist zwar griffig, aber auch nicht mehr. Mir ist noch nie ein _Bonsai_ untergekommen, der wie ein _Baum_ aussah. Auch John Nakas Bonsai sind mehr Bonsai als Bäume. Wie er sich realistisch betrachtet zu diesem Erguss versteigen konnte ist mir schleierhaft.

Aber er hat auch gesagt:"Selbst Affen fallen aus Bäumen."

Soll wohl sein. :wink:

Meiner Empfindung nach schließen die beiden Begriffe einander aus. Wenn ich mir preisgekrönte Gestaltungen betrachte, dann sehen sie nie aus wie 'natürliche' Bäume, sondern immer wie deren Idealisierung - Bonsai halt.
Was für den Einzelnen ein typische Baum ist, hängt von seinem kulturellen Hintergrund ab und der Gegend in der er aufgewachsen ist.
Hm.

Mein kultureller Hintergrund ist etwas zwitterhaft, aber wohl mehr deutsch als kanadisch, denn aufgewachsen bin ich in Deutschland. OK, West-Deutschland. :lol:

Aber das ist 50 und mehr Jahre her. :cry:

Für mich kann ich sagen, dass weder mein kultureller Hintergrund, oder die Gegend in der ich aufgewachsen bin (Ruhrgebiet), noch die Gegend in der ich mich den größten Teil meines Lebens getummelt habe, auch nur den geringsten Einfluss darauf gehabt haben, wie ich meine 'Bonsai' gestalte.

Meine ich jedenfalls. :wink:

Ich gestalte sie, damit sie so aussehen, wie ich mir sie als Bonsai vorstelle. Ob sie wie wirkliche Bäume aussehen oder nicht ist mir schnurzpiepe egal.

Nicht nur das. Sähen sie wie wirkliche Bäume aus, wäre ich zutiefst entteuscht. Denn dann hätte ich keinen Bonsai geschaffen, sondern nur versucht, etwas nachzumachen, was die Natur besser kann.

Die Natur macht Bäume.

Menschen machen Bonsai.

And never the twain shall meet!
Reiner G.

gunter

Beitrag von gunter » 27.12.2004, 18:59

Harmonisierungsversuch der Ansichten über das Naka-Zitat: Vielleicht haben die unterschiedlichen Deutungen etwas mit dem kulturellen Hintergrund zu tun?
Wenn man "aussehen wie" im europäischen Sinn als "Abblidung von" interpretiert, ist der Satz falsch.
Aber Naka war Japaner. Er könnte gemeint haben, daß der Bonsai das Wesen des Baumes ausdrücken soll. Jedenfalls steht für Naka der Bonsai nicht für sich selbst, sondern für einen Baum. Die Natur macht Bäume; Menschen machen Bonsai, um in die Natur einzudringen, um den großen Baum, der nicht in den Garten hineinpaßt, wenigstens in der Vorstellung dorthin zu holen.

Viele Grüße von Gunter Lind

Joerg

Beitrag von Joerg » 27.12.2004, 19:09

mag sein gunter, solange Walter hier jedoch versucht fotografierte Bäume via Photoshop in die Schale zu zaubern und auf diese Weise "Bonsaikunst" zuschaffen hat das eher was mit der bloßen Imitation zu tun. Demzufolge eine "fotorealistische" nachbildung im wahrsten Sinne des Wortes. Und Fotorealismus ist ja nun schon seit langem aus dem Sektor kunst verbannt, weil einfach nur naiv.
Ich habe ja Grundsätzlich nichts dagegen, verstehe hier nur die vehemente Disskusion um Kunst nicht in dieser Beziehung.

Constantin

Beitrag von Constantin » 27.12.2004, 19:43

Reiner Goebel hat geschrieben: Das Zitat von John Naka ist zwar griffig, aber auch nicht mehr.
Auch wenn man es ganz wörtlich nimmt liegt für mich die Betonung auf "try". Es kommt also wohl eher auf die Herangehensweise an, nicht auf das konkrete Ergebnis.
Reiner Goebel hat geschrieben: Mir ist noch nie ein _Bonsai_ untergekommen, der wie ein _Baum_ aussah.
Wenn sich deiner Meinung nach diese Begriffe ausschließen sollte dich das nicht wundern. :twisted: :twisted:

Reiner Goebel hat geschrieben: Meiner Empfindung nach schließen die beiden Begriffe einander aus. Wenn ich mir preisgekrönte Gestaltungen betrachte, dann sehen sie nie aus wie 'natürliche' Bäume, sondern immer wie deren Idealisierung - Bonsai halt.
Das kommt darauf an wer die Preise vergibt. :wink:

Reiner Goebel hat geschrieben:Für mich kann ich sagen, dass weder mein kultureller Hintergrund, oder die Gegend in der ich aufgewachsen bin (Ruhrgebiet), noch die Gegend in der ich mich den größten Teil meines Lebens getummelt habe, auch nur den geringsten Einfluss darauf gehabt haben, wie ich meine 'Bonsai' gestalte.
Das wundert mich nicht. Ich frage mich vielmehr, ob man dich überhaupt beeinflussen kann.

Reiner Goebel hat geschrieben:Ich gestalte sie, damit sie so aussehen, wie ich mir sie als Bonsai vorstelle. Ob sie wie wirkliche Bäume aussehen oder nicht ist mir schnurzpiepe egal.
Das sieht man. :wink:
Reiner Goebel hat geschrieben:Nicht nur das. Sähen sie wie wirkliche Bäume aus, wäre ich zutiefst entteuscht. Denn dann hätte ich keinen Bonsai geschaffen, sondern nur versucht, etwas nachzumachen, was die Natur besser kann.
Vielleicht erschaffst du auch nur etwas, was jemand anders besser kann. :wink: :wink:


Sorry, Reiner. Aber du bevorzugst ja wie du es nennst "das offene Streitgespräch". Zufrieden? :wink: :twisted:

MfG
Constantin

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Beitrag von Tom E. » 28.12.2004, 08:41

Hallo Constantin!

Ich kenne Reiner zwar nicht, aber ich finde es ziemlich provokant wie Du ihm entgegentrittst. Ich habe mir seine Homepage angesehen und finde seine Bäume ziemlich gut.

Wie sehen denn Deine aus...? :wink: In Italien gibt es einen Spruch: Wer nach oben spuckt sollte sich nicht wundern wenn er's selber wieder abbekommt... :arrow: Frei übersetzt jedenfalls....

Schließlich geht es sich "nur" um eine Meinung. Ich finde es furchtbar dass im Moment - sobald einer seine Meinung kund tut - es direkt so ein gehacke gibt. Allem in allem ist es "nur" eine Meinung...

Viele Grüße,
TOM ENGELN

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Beitrag von Thomas P. » 28.12.2004, 09:58

Ja liebe Leute,
die bonsaifreie Zeit schlägt schon ganz schön auf die Seele und
das Germüt.
Mir sind Herrn Palls gepostete Bäume ehrlich gesagt lieber als
seine theoretischen Abhandlungen.
Wenn die Diskussion dann in der Ausage gipfelt:
"Zeig mir Deinen Baum und ich sage Dir wer Du bist und ob Du hier überhaupt mitreden kannst!" , dann können wir den Laden hier gleich dicht machen.
Wenn hier ständig der Kunstanspruch ins Spiel gebracht wir, ist, ich hatte das schon mal andernorts geschrieben, in jedem Fall auch der Kunstkritiker gefragt, sonst endet das in permanenter Selbstbeweihräucherung.
Ich weiß nicht, ob Herr Reich-Ranitzky außer evtl. seinen Memoiren jemals ein Buch geschrieben hat.
Viele Grüße
Thomas Pallmer

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Sebastian
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Beitrag von Sebastian » 28.12.2004, 10:16

Thomas P. hat geschrieben:Ja liebe Leute, die bonsaifreie Zeit schlägt schon ganz schön auf die Seele und das Germüt.
*lach*

Allerdings! Man merkts deutlich.
Es ist ein bisschen mehr hier als: Im Sommer die Praxis und im Winter die Theorie...

Also, schnell wieder Bild
Grüße,
Sebastian
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Beitrag von Reiner Goebel » 28.12.2004, 11:37

Constantin hat geschrieben:
Reiner Goebel hat geschrieben: Das Zitat von John Naka ist zwar griffig, aber auch nicht mehr.
Auch wenn man es ganz wörtlich nimmt liegt für mich die Betonung auf "try".
Wo in Walters Zitat ist von 'try' die Rede?

Aber OK, wer ewig strebend sich bemüht, .... :wink:

Jedoch: sich nur strebend zu bemühen ist wohl nicht gut genug. Sich ewig strebend zu bemühen, schwimmen zu lernen, mag zwar ehrenwert sein, rettet den ewig Strebenden im Notfall aber nicht vor dem Ertrinken. Das Streben sollte also schon in einem Minimum von Erfolg enden. Finde ich.

Aber wenn für Dich die Betonung auf dem unerwähnten 'try' liegt: so sei es.
Constantin hat geschrieben:
Reiner Goebel hat geschrieben: Meiner Empfindung nach schließen die beiden Begriffe einander aus. Wenn ich mir preisgekrönte Gestaltungen betrachte, dann sehen sie nie aus wie 'natürliche' Bäume, sondern immer wie deren Idealisierung - Bonsai halt.
Das kommt darauf an wer die Preise vergibt. :wink:
Mag sein, aber ich kann mich natürlich nur daran halten, was ich so an Preisgekröntem sehe. Wer die Preise vergeben hat, entzieht sich in den meisten Fällen meiner Kenntnis.

Es ist unwahrscheinlich, dass alle preisgekrönten Bäume von den gleichen Preisrichtern 'gekrönt' wurden. Allerdings würde es mich wundern, wenn alle Preisrichter genau die gleichen Bäume krönen würden. Aber in engen Grenzen werden sie schon übereinstimmen.

Besonders möchte ich betonen, dass John Nakas eigene Bonsai durch und durch Bonsai sind. Von 'Bonsai mehr wie Bäume' keine Spur!
Constantin hat geschrieben:
Reiner Goebel hat geschrieben:Für mich kann ich sagen, dass weder mein kultureller Hintergrund, oder die Gegend in der ich aufgewachsen bin (Ruhrgebiet), noch die Gegend in der ich mich den größten Teil meines Lebens getummelt habe, auch nur den geringsten Einfluss darauf gehabt haben, wie ich meine 'Bonsai' gestalte.
Das wundert mich nicht. Ich frage mich vielmehr, ob man dich überhaupt beeinflussen kann.
Vielleicht nicht mehr? :wink: Sicherlich wirst Du mir zugestehen, dass auch ich irgendwann irgendwie beeinflusst worden bin. Wohl leider mehr von Bonsai als von Bäumen. :wink: Kürzlich ist das hier geschehen http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... highlight= Hast Du in Deiner Hast zur Vorverurteilung wohl verpasst. :wink: :twisted: :wink:
Constantin hat geschrieben:
Reiner Goebel hat geschrieben:Ich gestalte sie, damit sie so aussehen, wie ich mir sie als Bonsai vorstelle. Ob sie wie wirkliche Bäume aussehen oder nicht ist mir schnurzpiepe egal.
Das sieht man. :wink:
Na, endlich mal ein Kompliment! :wink:
Constantin hat geschrieben:
Reiner Goebel hat geschrieben:Nicht nur das. Sähen sie wie wirkliche Bäume aus, wäre ich zutiefst entteuscht. Denn dann hätte ich keinen Bonsai geschaffen, sondern nur versucht, etwas nachzumachen, was die Natur besser kann.
Vielleicht erschaffst du auch nur etwas, was jemand anders besser kann. :wink: :wink:
:lol:

Wer? Du?? :lol: :lol: :lol: :wink: :wink: :wink:

Dankbar wäre ich Dir gewesen, wenn Du im obigen Satz an kritischer Stelle ein 'noch' eingebaut hättest. :wink:

Ohne Zweifel. Deines Vorurteils ungeachtet bilde ich mir nicht ein, Bonsais letzter Schluss zu sein. Nicht einmal dessen vorvorletzter. :wink:
Constantin hat geschrieben:Sorry, Reiner.
Kein Grund zur Entschuldigung. :wink:
Constantin hat geschrieben:Aber du bevorzugst ja wie du es nennst "das offene Streitgespräch". Zufrieden? :wink: :twisted:
Nee. :twisted:

Noch ist alles nicht verloren. Übung macht den Meister. :wink: Das gilt für Streitgespräche wie für Bonsai. :lol:

Good try, but no cigar. :wink:
Reiner G.

Constantin

Beitrag von Constantin » 28.12.2004, 18:58

Hallo Freunde!

Allerdings muss ich mich jetzt wohl fragen ob ich hier noch Freude habe bzw. jemals welche hatte. Es liegt mir fern hier im Forum bewusst Unruhe zu stiften. Aber Reiner, machmal habe ich den Eindruck du nimmst dein gegenüber nicht ernst und nimmst absichtlich manche Sachen zu wörtlich. Gelegentlich könnte man fast behaupten du begibst dich in die Nähe platter Beleidigungen. Habe Nachsicht mit uns, wir sind den feinsinnigen kandadischen Humor nicht gewöhnt. Da ich noch jung und ungestüm bin darf ich ja alles was ich jetzt tue später als Jugendsünde abtun, wenn es sich als unvorteilhaft erweisen sollte. Deswegen habe ich mal versucht dir einen Spiegel vorzuhalten, was natürlich schiefgehen musste. Deine Art ist nicht zu kopieren. Da würde ich versuchen etwas zu erschaffen was jemand anders besser kann. Außerdem ist mir das ständige zitieren zu anstrengend. Und überhaupt, auch wer es nicht besser kann hat trotzdem das Recht alles zu kritisieren was die anderen machen. Sehen wir ja
in der täglichen Bundespolitik. :wink:
Bin schon gespannt in welche Absätze mein Pamphlet zerpflückt wird. Um es etwas schwerer zu machen, habe ich bewusst keine selbst gesetzt.
Jetzt ist aber Schluss. Ich hab keine Lust mehr auf aggressive Diskussionen, der Schnee draußen stimmt mich milde. Das soll nicht heißen ich knicke ein und rudere voll zurück. Aber ich diskutiere lieber etwas weniger emotional. Ich bin nun mal kein Italiener. :wink: Und: Isch abe gar keine Bonsai. Bis man diese "Krücken" so bezeichnen kann, wird noch viel Zeit vergehen. :cry:

So. Jetzt können wir uns alle wieder vertragen. Oder eben nicht.

MfG
Constantin


Ps: Danke, aber ich bin Nichtraucher. :wink:

gunter

Beitrag von gunter » 28.12.2004, 22:36

Vielleicht darf ich daran erinnern, daß John Naka im zweiten Band seines Buches ( das doch sicher allen hier gut bekannt ist ), genau das gleiche macht, wie Walter Pall: Er fotographiert Bäume und zeigt anschließend einen dem nachgestalteten Bonsai ( als Zeichnung ). In der englischen Ausgabe die Figs. 317-338, 406-431 und 570-606. Er wollte also offenbar Bonsai schaffen, die wie Bäume aussehen. Und den Unterschied zwischen einem Bonsai und einer fotorealistischen Abbildung eines Baumes kann man auf den Bildern bestens studieren.
Einen Gruß und schönen Abend noch,
Gunter Lind

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Beitrag von donaurieder » 29.12.2004, 00:09

Hallo zusammen.
Falls ich ein bißchen zur Harmonie beitragen kann:
Ein Lebensjahr meiner Linde:
Bild 1: August 2003
Bild 2: Juni 2004
Bild 3: August 2004
Bei dem Baum hätte ich die Wahl gehabt:
Besenstiel mit gutem Nebarie und grünem Mop drauf-oder
(für mich) ein strucktuierter Baum.(wie ihn die Natur auch schafft)
Ich kenne auch in der freien Natur keinen "grünen Mop".
Bitte keine Kommentare zur Schale ! Ich hatte damals keine andere!
grüße
Hermann.
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Re: Einheimische und importierte Bäume

Beitrag von Karl T. » 29.12.2004, 01:50

Walter Pall hat geschrieben: „Das ernsthafte Bonsaischaffen kann sich nur auf einheimisches Material beziehen; Europäische Arten, vor allem gesammeltes Material sind viel wertvoller als importierte Ware; die gleichzeitige Beschäftigung mit japanischen Bäumen ist eher eine Spielerei.“ Natürlich sind das zwei Extreme; die Realität liegt meist irgendwo in der Mitte. Aber es ist eindeutig ein Trend von Paradigma A zu Paradigma B zu erkennen. Während nur eine Handvoll Insider früher Findlinge für Spottbeträge gekauft oder eingetauscht hatten, gibt es heute einen ausgedehnten Markt für einheimisches Material. Ja für wirkliche Spitzenbäume werden bereits Preise bezahlt, die denen für importierte Solitäre nahe kommen.
Ich hoffe dass dieser Findling eine Linde, einmal ein ernsthafter Bonsai wird. *kopfkratz* Wertvoll ist er für mich jetzt schon und es hat mich einige Mühe gekostet den zu bergen, Höhe ca. 100cm Breite ca. 50cm. Für manche wahrscheinlich ein Monster, aber ich habe einen Hang zu Monsterbäumen. :wink:
Herzliche Grüße aus Wien!
Ihr seit gerne eingeladen in meine http://www.bonsaiwerkstatt.at/
Karl Thier

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