Bonsai und der Betrachter

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Reiner
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Beitrag von Reiner » 12.01.2005, 03:37

Hallo Karl,
da bin ich ganz Deiner Meinung. Trotzdem möchte ich den Diskutierclub hier nicht verprellen, da ich mir solche Sachen auch ganz gerne durchlese.
Meine Gestaltungen kommen immer nur aus dem Bauch heraus. Ob ich da Kunst mache oder nicht ist mir ziemlich Wurscht. Wenn ich einen Baum auf einer Ausstellung zeige und es bleiben Leute länger davor stehen als bei anderen Bäumen, sie reden über den Baum, manche finden ihn gut, andere mögen ihn nicht, dann habe ich erreicht was ich wollte - Auseinandersetzung mit meiner Gestaltung.
Reiner

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holgerb
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Beitrag von holgerb » 12.01.2005, 17:34

Hallo zusammen!

@ Karl:

Werde mir mal in einer stillen Stund meine Kamera schnappen und ein paar photos schießen... das wird aber sicherlich ein paar Tage dauern, wie gesagt, bei mir ist das Digitalkamera-Zeitalter noch nicht vorgedrungen. Außerdem photographiere ich lieber konventionell.
Sicherlich werde ich dann anhand der Photos erklären können, wo ich denn hin will (mit meinen Pflanzen...).


Viele Grüße

Holger

gunter

Beitrag von gunter » 12.01.2005, 19:16

Hallo Karl,

es täte mir leid, wenn ich den Eindruck erweckt haben sollte, zu meinen, ich verstünde viel von Kunst. Ich kann da keine professionellen Sachen bieten. Aber manchmal denke ich gern ins Unreine und schreibe das dann auch noch. Wer es besser weiß, kann mich ja korrigieren.

Bäume, die ich vorzeigen möchte, habe ich leider noch nicht. Und gerade die emotionalen Aspekte, um die es hier geht, sind bei einem vorgestalteten Yamadori nicht zu erwarten. Aber was tun meine Bäume hier zur Sache? Über Bonsai reden und Bonsai gestalten ist zweierlei. Wenn ich in unserer Zeitung die Kritik der Aufführung von Mozarts "Figaro" lese, erwarte ich doch auch nicht, daß der Kritiker die Titelpartie singen kann. Und da die Kritik mäßig war, kann ich wiederum daran Kritik üben, selbst wenn ich noch schlechter singe. Große Künstler waren selten gute Kunstkritiker und das Umgekehrte erst recht nicht.

Dein Baum gefällt mir gut. Ich finde die Gestaltung interessant und originell, aber wenn ich den Baum sehe, setze ich mich nicht in Gedanken darunter und fange nicht an zu träumen. Gerade habe ich in der neuen BONSAI-art geblättert und dort einen Baum entdeckt, der mich sehr stark emotional berührt. In dem Artikel von Peter Krebs (Foto Josef Wiegand, S.54 ). Da kann ich den Wind in den Blättern säuseln hören und mir Geschichten ausdenken. Auch die nebenstehenden Zeilen von Peter Krebs passen hier gut zum Thema: Spiritualität des Ostens-Verbindung von Mensch und Natur; Ausstrahlung des Baumes- eigenes Erleben; Technik als Fundament, aber darüber hinaus andere "Facetten wie Farbsymbolik, Ästhetik, visuell gefühlte Dinge". Und schön wäre es schon, wenn der Künstler mir dazu einige Hinweise gäbe. Manchmal reicht schon ein Titel. Vielleicht ist es kein Zufall, daß die Japaner die chinesische Sitte der Titelgebung nicht übernommen haben.

Und damit Du nun nicht glaubst, ich sei ein hoffnungsloser Romantiker, sei versichert: Ich bin ein knochentrockener Naturwissenschaftler.

Gruß von Gunter Lind

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Karl T.
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Beitrag von Karl T. » 13.01.2005, 00:34

Hallo Reiner, ganz ehrlich, verprellen möchte ich keinen im Forum, noch dazu wenn die Beiträge und Ansichten manchmal sehr interessant sind. :!: Außerdem, wenn man das Forum als Plattform um persönliche Werke zu zeigen nützt, so ist das ganz normal das es nicht jeden anspricht. *schulter zuck*
Aber abgesehen davon, hätte ich auch gerne gewusst wie die Bäume von kritischen Betrachtern aussehen. Ich denke wenn man, auch zu Recht kritisiert oder Meinungen austauscht, so währe es doch auch sehr interessant die Bäume, ob nun in der Entwicklung, oder als Rohmaterial von seinen Diskussionspartnern zu sehen. :roll: Und wenn dann so wie Gunter jemand ein knochentrockener Naturwissenschaftler ist, 8) bin ich doppelt gespannt. *lechz* Obwohl mir Gunter mit den Hinweis auf P. Krebs Artikel im Bonsai-art schon zu verstehen gegeben hat was er sich unter Bonsai vorstellt. Dass währe auch in Einklang mit Walters Bonsaivorstellung. :wink: Wie gesagt, ich versuche (noch) klassische Bonsai aus meinen Rohmaterialien zu gestalten. Für mich währe die benannte Serissa ein Rohmaterial. *schulter zuck* Ich habe noch einiges zu lernen, deshalb ist Kritik auch was sehr positives, denn auch daraus kann ich was lernen, der Weg ist das Ziel. :!: :wink:
Herzliche Grüße aus Wien!
Ihr seit gerne eingeladen in meine http://www.bonsaiwerkstatt.at/
Karl Thier

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Beitrag von Reiner » 13.01.2005, 04:31

Hallo Karl,
Du wirst bestimmt niemanden verprellt haben, es ist ja schließlich nur eine Diskussion. Das Bonsaihobby ist sehr vielfältig. Es gibt Sammler, Gestalter, Indoorfans, Analytiker usw., usw.
In unserem Arbeitskreis haben wir auch jemanden, der außerordentliche analytische Fähigkeiten hat. Er kann jeden Bonsai wunderbar rhetorisch zerrupfen. Selber hat er, obwohl schon viele Jahre im Hobby, noch nicht einen vorzeigbaren Baum zustande gebracht. Manche Leute verärgert er sehr schnell, oft muß man sich aber eingestehen, dass er recht hat mit seiner Kritik.
Reiner

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Beitrag von Reiner Goebel » 15.01.2005, 08:36

Reiner hat geschrieben:Meine Gestaltungen kommen immer nur aus dem Bauch heraus. Ob ich da Kunst mache oder nicht ist mir ziemlich Wurscht.
Horrido!!!

:D
Reiner G.

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Beitrag von Reiner Goebel » 15.01.2005, 08:57

gunter hat geschrieben:Reiner Göbel scheint immer so zu denken und deshalb hat ihm vielleicht auch noch nie ein Baum etwas erzählt.
:D

Muss ich ehrlich zugeben: noch kein Baum hat mir etwas erzählt. Bei mir ist kein Raum für Gefühlsduselei der japanischen Art. Bei der Schaffung von Bonsai ist sie meiner Meinung nach eher hinderlich.

Aber gerne lasse ich mich durch Beispiele Deiner Bäume des Gegenteils überzeugen.
Reiner G.

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Beitrag von Reiner Goebel » 15.01.2005, 09:58

Karl T. hat geschrieben: Aber abgesehen davon, hätte ich auch gerne gewusst wie die Bäume von kritischen Betrachtern aussehen.
:D

OK.

Zwar kann ich mich diesem Gefühl nicht ganz verschließen, möchte aber zu bedenken geben, dass selbst die, die noch nicht über Zeigenswertes verfügen, berechtigt sind, ihre Meinungen zu äußern, ohne gleich ihr Können unter Beweis stellen zu müssen.

Überschreiten sie in ihrer Kritik allerdings eine erträgliche Schwelle, sollten sie schon darauf gefasst sein, "to put up or shut up".
Reiner G.

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Beitrag von Lindwurm » 15.01.2005, 14:55

Reiner Goebel hat geschrieben: :D

kein Raum für Gefühlsduselei der japanischen Art. Bei der Schaffung von Bonsai ist sie meiner Meinung nach eher hinderlich.
es gibt bestimmt unzählige bäume die nie ihr potentail entfalten weil die besitzer "ihren" baum so "akzeptiert" haben wie er ist ,anstatt ihn mal etwas distanzierter zu betrachten.
es wird ja auch gesagt das leute die sehr viel bäume im auftrag gestalten top sind,liegt vielleicht auch daran das sie in diesem fall nicht "persönlich" betroffen sind und den baum so objektiver analysieren.

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Beitrag von Reiner Goebel » 16.01.2005, 08:07

lindwurm hat geschrieben:es gibt bestimmt unzählige bäume die nie ihr potentail entfalten weil die besitzer "ihren" baum so "akzeptiert" haben wie er ist ,anstatt ihn mal etwas distanzierter zu betrachten.
Ohne Zweifel. Wenn man erst einmal einen Bonsai gestaltet und für etliche Jahre kultiviert hat, ist es nicht so einfach, ihn mir nichts dir nichts umzukrempeln. Da geht es mir nicht besser. :wink:
Reiner G.

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Beitrag von Reiner Goebel » 16.01.2005, 08:26

Reiner Goebel hat geschrieben:Aber gerne lasse ich mich durch Beispiele Deiner Bäume des Gegenteils überzeugen.
Gunter:

Nach gründlicherer Überlesung Deiner Beiträge zu diesem Thema möchte ich die obige Bemerkung zurücknehmen.

Entschuldige.
Reiner G.

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