QUO VADIS Bonsai

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Joerg

QUO VADIS Bonsai

Beitrag von Joerg » 09.03.2005, 17:03

Irgendwie denke ich stehen wir hier alle momentan stark unter dem Eindruck von Walters Bildern und den gezeigten Bäumen und wohl keiner der es ernst meint mit seinen "Kleinen" kann doch behaupten, dass ihn das kalt läßt.

Mir stellt sich dabei die Frage: Ist das nur ein regionaler Abriss aus einem Teil der Staaten oder die Zukunft von Bonsai oder etwa schon das Ende einer, wie sooft schnellen Entwicklung in der westlichen Welt? Was kommt danach? Fängt alles irgendwann wieder von vorn an und wo ist vorn?

Machen wir uns nichts vor aber ganz zu leugnen ist ja diese Entwicklung auch in unseren Breiten nicht. Ich habe mir in den letzten Tagen mal am Stück die Bonsaihefte des Clubs der letzten 15 Jahre durchgesehen und da ist es schon interessant in welchem Tempo die Entwicklung ablief.

Adererseits frage ich mich, wer macht dann in 10 Jahren noch Bonsai von uns. Ich meine dabei nicht das herumkrautern zu Hause so für sich sondern Bonsai in der Öffentlichkeit bei Ausstellungen, etc.

Sind Pall, Notter & Co die einzigsten und letzten die dann noch mithalten können oder wird es ein mehr oder weniger "friedliches" nebeneinander geben mit gelegentlichen aber letztendlich unwesentlichen Grabenkämpfen, eher wie in den letzten Jahren?

Wo ordnet ihr das gesehene für Euch und Eure Bäume ganz persönlich ein?

Ok, das sind erst mal genug Fragen, haut mal in die Tasten.

Michael T.
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Beitrag von Michael T. » 09.03.2005, 18:59

Hi Jörg,

zielt Deine Frage auf die Dimensionen der Bäume ab, oder was findest Du so beängstigend?
Viele Grüße aus dem Sauerland,
Michael

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A.Muenz
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Beitrag von A.Muenz » 09.03.2005, 19:03

Hallo jörg,
Mir stellt sich dabei die Frage: Ist das nur ein regionaler Abriss aus einem Teil der Staaten oder die Zukunft von Bonsai oder etwa schon das Ende einer, wie sooft schnellen Entwicklung in der westlichen Welt? Was kommt danach? Fängt alles irgendwann wieder von vorn an und wo ist vorn?
Danach gehts einfach weiter.

Meinst du die Entwicklung in der westlichen (Bonsai)Welt im Gegensatz zur japanischen Tradition? Auch in Japan ändert sich der Bonsaigeschmack. Schau dir doch mal zehn Jahre alte japanische Bonsai an. Die sehen auch noch anders aus als heutige. Wieso das von Walter Gezeigte ein Ende darstellen soll, kann ich gar nicht nachvollziehen. Die Bäume sehen doch größtenteils sehr traditionell aus. Ich sehe da keine revolutionär neuen Ansätze. Nur viele tolle Bäume. Auch ein paar die mir gar nicht gefallen. Die vielen Wacholder sind natürlich beeindruckend. Gäbe es bei uns Regionen, wo man solche Teile finden könnte, sähen die hiesigen Bonsaibestände wohl auch anders aus.
Adererseits frage ich mich, wer macht dann in 10 Jahren noch Bonsai von uns. Ich meine dabei nicht das herumkrautern zu Hause so für sich sondern Bonsai in der Öffentlichkeit bei Ausstellungen, etc.
Ich selbst ordne mich den Krautern zu. Und ich hoffe in zehn Jahren noch fleißig dabei zu sein und eine ordentliche Sammlung aufgebaut zu haben.
Aber Leute wie Walter sind was anderes. Die sind besessen von ihrem Tun und ticken anders. Und von der Sorte gibt es auch in Zukunft sicher welche, die man jetzt noch gar nicht kennt.

Gruß,

Andreas

Joerg

Beitrag von Joerg » 09.03.2005, 19:56

Hallo,
Michael T. hat geschrieben:zielt Deine Frage auf die Dimensionen der Bäume ab, oder was findest Du so beängstigend?
sicher die Dimension in jeder Hinsicht, sowohl die Grösse, als auch das Alter, Dramatik, Potential, Abstraktion, etc.
A.Muenz hat geschrieben:Meinst du die Entwicklung in der westlichen (Bonsai)Welt im Gegensatz zur japanischen Tradition? Auch in Japan ändert sich der Bonsaigeschmack. Schau dir doch mal zehn Jahre alte japanische Bonsai an. Die sehen auch noch anders aus als heutige.
Genau die Entwicklung meine ich, sicher hat sich der Geschmack über Zeiten auch in Japan geändert aber ich sprach deshalb ja auch von der Geschwindigkeit.
Was soll da noch kommen von der Dramatik her.... :?: ich weiss es nicht.
Aufs Alter gesehen... :?: weiß ich auch nicht und die Grösse brauchen wir ja nicht ansprechen.

Vielleicht fehlt mir auch nur die Phantasie.
A.Muenz hat geschrieben:Wieso das von Walter Gezeigte ein Ende darstellen soll, kann ich gar nicht nachvollziehen. Die Bäume sehen doch größtenteils sehr traditionell aus.
Traditionell? Ok, vielleicht die von Kathy Shaner aber dann hörts auch schon für mich bald auf mit Tradition.
A.Muenz hat geschrieben:Gäbe es bei uns Regionen, wo man solche Teile finden könnte, sähen die hiesigen Bonsaibestände wohl auch anders aus..
Das ist mir ja ebenfalls die Frage, bei den Mengen, Walter sprach z.T. von zehntausenden Bäumen, glaube ich nicht das es nur ein terretoriales Phänomen ist.

A.Muenz hat geschrieben:Ich selbst ordne mich den Krautern zu. Und ich hoffe in zehn Jahren noch fleißig dabei zu sein und eine ordentliche Sammlung aufgebaut zu haben.
Aber Leute wie Walter sind was anderes. Die sind besessen von ihrem Tun und ticken anders. Und von der Sorte gibt es auch in Zukunft sicher welche, die man jetzt noch gar nicht kennt.
Ok Andreas, du hast also deinen Platz für dich gefunden. Für mich war oder besser gesagt ist, die Frage nach der Standortbestimmung auf Grund der Bilder irgendwie neu entflammt und das beileibe nicht nur für mich, denke da an so manch anderen besessenen unter uns, mich inklusive. ;-)

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A.Muenz
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Beitrag von A.Muenz » 09.03.2005, 20:07

hallo Jörg,
Für mich war oder besser gesagt ist, die Frage nach der Standortbestimmung auf Grund der Bilder irgendwie neu entflammt und das beileibe nicht nur für mich, denke da an so manch anderen besessenen unter uns, mich inklusive.
Na dann halt dich ran. Was sind schon zehntausend Bäumchen. Das schaffst du. :wink: :lol:

Andreas

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Delamitri
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Beitrag von Delamitri » 09.03.2005, 20:12

Wenn das die Zukunft von Bonsai sein sollte, bleibe ich in der Gegenwart und entwickle mich selbst weiter (ich halte beim Thema "Bonsai" von Modeeinflüssen überhaupt nichts). In zehn Jahren mache ich immer noch Bonsai (vom heutigen Standpunkt aus gesehen, mit persönlichen Entwicklungen). Wenn Bonsai zukünftig anders definiert werden sollte, dann werde ich offensichtlich irgendetwas "Abweichendes" machen.

Im übrigen, was ich an Bildern gesehen habe, "beängstigt" mich persönlich überhaupt nicht. :P Amerikaner brauchen es halt etwas größer (zumindest im Durchschnitt) :P
Bis bald!

K.

"Was machen Sie da?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich gestalte Bonsai."

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Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang » 09.03.2005, 20:29

Delamitri hat geschrieben:Im übrigen, was ich an Bildern gesehen habe, "beängstigt" mich persönlich überhaupt nicht. :P Amerikaner brauchen es halt etwas größer (zumindest im Durchschnitt) :P
Mir gefallen einige der Bäume sehr gut.
Am meisten diese natürlich wirkende Pflaume!
Manche der Yamadoris beeindrucken mich sehr.

Größe ist nicht alles! *floet* *lach*

Und 10.000 Bonsai sind auch nicht mein Ziel.

Fazit: MICH beängstigt da gar nichts. *schulter zuck*

Joerg

Beitrag von Joerg » 09.03.2005, 21:39

irgendwie muss ich falsch verstanden worden sein. Die zehntausende meinte ich in Bezug darauf, dass die eben gerade nicht einer bei sich im Garten stehen lassen wird sonder sie in "Umlauf" bringt. Womit ich klar machen wollte, das es dann eben keine regionale Sache mehr ist oder bleibt.

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Thomas P.
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Beitrag von Thomas P. » 10.03.2005, 20:30

ja, Jörg, Du hast recht, die Entwicklung ist enorm, nur sehe ich die Entwicklung zu immer spektakuläreren Gestaltungen, mit immer größeren Yamadoris (die Altersangaben, die da oft gemacht werden ziehe ich da oft in Zweifel) mit immer mehr Todholzgestaltungen und Extrembiegungen mit einer gewissen Skepsis. Und wenn man die Entwicklung im Mutterland Japan anspricht, so sollte man nicht vergessen, daß da auf den großen Austellungen die Tradition überwiegt und Leute wie Kimura nur in Europa der Star sind und dort nicht unter den Top-Ten rangieren, u.a. darum, weil ein Großteil der spektakulären Extremgestaltungen nicht überlebt.

Es hat hier mal jemand geschrieben, daß man einen Bonsai mit halbgeschlossenen Augen, sozusagen mit Weichzeicheneffekt betrachten sollte. Wenn ich mit der Methode nicht mehr einen Baum, sondern ein bizarres Todholgebilde erkennen kann, sehe ich darin nicht keinen Fortschritt in der Bonsai-Kunst, allerhöchstens in der Gestaltungstechnik.
Im Klartext nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Ziel wird im warsten Sinne des Wortes auf Biegen und Brechen angestrebt. Das geht schon beim Ausgraben los.

Deshalb ist es auch kein Wunder, daß Shohins und Mame hierzulande kaum ein Thema sind und kaum Beachtung finden.
Ein bischen " Zurück zu den Wurzeln" könnte also nicht schaden, zu den Prinzipien von Wabi und Sabi, d.h. Reduktion aufs Wesentliche, Schlichtheit,
mit einfachen Gestaltungsmitteln ein Maximum an Aussage.

Nur brauch es dazu auch viel Ruhe und viiieeel Geduld und die haben wir Europäer wohl nicht.
Viele Grüße
Thomas Pallmer

Bonsai-Wandkalender 2018

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Walter Pall
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Beitrag von Walter Pall » 10.03.2005, 21:21

Wir sind all so sehr gewohnt, dass Amerika in den meisten Dingen voraus ist, dass viel denken, das müßte bei Bonsai genau so sein. Noch dazu, wenn man bedenkt, dass das was heute Bonsai in der westlichen Welt ist, von Südkalifornien ausging, namentlich von John Naka.

Es wird einige interssieren, dass nicht nur ich der Ansicht bin, dass Amerika und gerade Südkalifornien inzwischen eher hinter Europa liegt in der Entwicklung von Bonsai. Amerika lernt inzwischen von Europa. Kein einziger amerikansicher Bonsaikünstler hat heute nennenswerten Einfluß in Europa. Umgekehrt sehr wohl.

Es ist also müßig, nach Kalifornien zu schauen und zu meinen, dass das auf uns zukommt. Genau umgekehrt. Das ist für die Amerikaner auch eine ziemlich neue Erkenntnis und durchaus nicht alle finden das gut. Wie kann es sein, dass Europäer die Amerikaner in einer ursprünglich japanischen Kunstform unterrichten? Wieso mache ich vor ausverkauften Häusern in Kalifornien Baumbesprechungen, Demos und Vorträge? Wieso muß Marco Invernizzi, ein 29jähiriger Italiener, den Kaliforniern moderne Bonsaigestaltung beibringen? Aber Amerika wird aufwachen und ich sehe eine gewaltige Entwicklung in den nächsten zehn Jahren. Der Kessel pfeift bereits, er wird bald explodieren.

Wer wissen will, wie es in Deutschland weitergehen wird, der sollte zum Gingko Award kommen und sich schlau machen. In Amerika wird er es derzeit nicht erfahren.

Joerg

Beitrag von Joerg » 10.03.2005, 21:30

In Anbetracht dessen was du uns da gerade gezeigt hast Walter, sehr bemerkenswerte Worte. Allerdings ist mir auch schon aufgefallen, dass deine Bilder hauptsächlich beeindruckendes Rohmaterial zeigen, weniger die legendären Gestaltungen obwohl aber auch zweifelsohne einige bereits erwähnte Stücke wirklich beachtenswert sind.
Trotzdem danke für diesen Einblick. Warten wirs ab.

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Beitrag von Walter Pall » 10.03.2005, 21:45

Viele der besten gezeigten Gestaltungen sind entstanden unter dem direkten Einfluß ausländischer Gestalter, oder solcher, die direkt in Japan studiert haben. Die neuen Richtungen kommen von außerhalb nach Kalifornien und nicht umgekehrt.

Es gibt eine traditionelle traditionelle Richtung, die so etwa dem Stand von 1960 bis 1970 in Japan entspricht, das ist der Großteil von Amerika

Dann gibt es eine moderne traditionelle Richtung, die dem heutigen traditionellen Stand in Japan entspricht, das ist eine stark wachsende Minderheit, die deutlich bessere Gestaltungen bringt.

Dann gibt es eine moderne Richtung, die in Amerika nur von einem einzigen Menschen betrieben wird, der totgeschwiegen wird. Das ist die Richtung, die in Europa 90 aller großen Namen betreiben. Was wir seit 15 Jahren machen gilt in Amerika als revolutionär.

Dann gibt es New Age, postmoderne Richtungen, wie naturalsitischer Stil, Skulpturen und anderer Wahnsinn, der in Kalifornien auf fruchtbarsten Boden fällt.

Warten wir es ab

Nur so nebenbei: Ich mache alle Richtungen. Wer verwirrt ist, dass meine Bäume oft anders aussehen als meine Predigten, der hat nicht verstanden, dass alles gleichzeitig möglich und sinnvoll ist. Man muß das machen, was das Material hergibt und was man kann. Nicht das was man möchte.

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Beitrag von donaurieder » 10.03.2005, 22:33

Walter Pall hat geschrieben:Man muß das machen, was das Material hergibt und was man kann. Nicht das was man möchte.

*clap* Wie wahr !
Grüße
Hermann.

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Beitrag von Gary » 11.03.2005, 10:33

Walter Pall hat geschrieben:Wer wissen will, wie es in Deutschland weitergehen wird, der sollte zum Gingko Award kommen und sich schlau machen. In Amerika wird er es derzeit nicht erfahren.
Hallo Walter,
wäre es denn so verkehrt wenn Du, Wolfgang, Robert und auch ich dieses Jahr beides tun? :roll:

Mai 5th World Bonsai Convention, Washington, USA
September 5. Gingko Award, Laarne, Belgien

Bis dahin und dazwischen kann man sich ja noch wo anders umsehen. 8)
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary

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AK-Treffen jeden 1. Samstag im Monat

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Beitrag von Thomas P. » 11.03.2005, 14:09

Walter Pall hat geschrieben: ..., postmoderne Richtungen, wie naturalsitischer Stil, Skulpturen und anderer Wahnsinn,
Was sind denn das für Töne....
:lol: :lol: :lol:
Viele Grüße
Thomas Pallmer

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