Gestaltungsideale: Nachtrag zu Palls "Vorbereitung auf.

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gunter

Gestaltungsideale: Nachtrag zu Palls "Vorbereitung auf.

Beitrag von gunter » 27.06.2005, 22:00

Liebe Forumsleser,

Walter Pall hat in einem Beitrag zur ”Vorbereitung auf die große Ausstellung” die Überarbeitung von einigen seiner Prachtbäume gezeigt. Es ist ein lehrreiches Kolleg über die Verfeinerung von bereits sehr guten Bäumen geworden. In den 9 Seiten Diskussion wird auch ausführlich über das Thema “moderne, klassische, naturalistische etc. Gestaltung” gehandelt und zu allem liefern die gezeigten Bäume Anschauungsmaterial. Ich habe mich nicht an der Diskussion beteiligt, weil ich das Ganze erst gelesen habe, nachdem mohan den thread bereits geschlossen hatte, weil er etwas abdriftete. War vielleicht ganz gut so, denn so habe ich erstmal nachgedacht, bevor ich geschrieben habe. Ich habe versucht, die Diskussion zusammenzufassen und etwas zu systematisieren. Nur für Leute, die noch gewohnt sind, drei Seiten zu lesen, ganz ohne Bilder. Die kann jeder aus Walters Beispielmaterial ergänzen.

Bonsai/Penjing ist zunächst einmal eine fernöstliche Kunst und auch wenn es inzwischen aus anderen Weltgegenden hervorragende Beiträge gibt, bewegen sie sich doch meist in den durch die fernöstliche Tradition vorgegebenen Gestaltungsansätzen. Wenn man über Bonsaistile redet, wird es deshalb sinnvoll sein, auch einen der fernöstlichen Kunst gemäßen Stilbegriff zugrunde zu legen. Es gibt dort nicht die einander ausschließenden, zeitlich einander folgenden Stile der europäischen Kunstgeschichte. Nehmen wir als Beispiel die Gartenkunst. Das klassische japanische Werk “Sakuteiki” stammt aus dem 11.Jhd. und man kann die japanische Gartengestaltung seit dieser Zeit als eine Auseinandersetzung mit den Prinzipien dieses Werks sehen. Bei aller Vielfalt der Gartentypen gibt es doch nie eine radikale Ablehnung der Tradition, sondern Reinterpretationen, Hervorhebungen, Vernachlässigungen, Einführung neuer Aspekte. Es ist ein Prozeß der Anpassung und Erneuerung der Tradition. Gestaltungsideale schließen einander deshalb nie aus. Sie ergänzen einander und Kompromisse sind fast immer möglich. Deshalb ist auch der Paradigmabegriff hier nicht so passend. Paradigmata im Sinne Kuhns haben immer einen Alleinvertretungsanspruch und Eklektizismus ist ein Mangel, das Fehlen einer Position. Bei Bonsai kann er hingegen auch das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit der Tradition sein.

Ich möchte als vorläufigen Vorschlag vier Gestaltungsideale unterscheiden: das naturalistische, das kalligraphische, das stilisierende und das skulpturale Ideal. Die Liste ist sicher nicht vollständig. Ich vermeide bewusst Begriffe wie klassisch oder modern. Jedes der Ideale hat traditionelle Aspekte und kann reinterpretiert und variiert werden, um zeitgenössischen Forderungen entgegenzukommen.

1. Die naturalistische Gestaltung

Ich nenne sie als erste, denn sie dürfte die älteste sein und alle andern Gestaltungsideale könnten sich daraus entwickelt haben. Ursprünglich ist der Penjing wohl geschaffen worden, um die Natur der Berge in den Innenhof des chinesischen Stadthauses zu holen. Dabei ging es nicht um irgendeine Naturlandschaft, sondern um eine, die dem chinesischen Paradies ähnelte, das ja auf Erden liegen sollte und mit schroffen Bergen und alten Bäumen besetzt war. Auch als der religiöse Hintergrund nicht mehr vorhanden war, blieb der Penjing eine Reminiszenz an die Einsamkeit der Berge und Wälder, an die unberührte Natur und ein Element der Sehnsucht nach einem Leben im Einklang mit der Natur. Er erlaubte dem Stadtmenschen sozusagen ein virtuelles Eremitendasein.
Man wird annehmen können, daß die Gestaltungen irgendwie naturalistisch waren. Das bedeutet in der fernöstlichen Tradition aber nicht eine bloße Abbildung einer Landschaft oder eines Baumes. Der Penjing repräsentiert das Dargestellte, will sein Wesen zeigen. Dabei kann das Schöne, Harmonische betont werden, aber auch das Erhabene oder Bizarre. Um dem Ganzen den Eindruck der Natürlichkeit zu geben, sollten die künstlerischen Eingriffe nicht unmittelbar sichtbar sein. Um Eintönigkeit zu vermeiden, werden völlig harmonische Kompositionen eher vermieden. Oft können naturalistische Kompositionen auch einem der folgenden Gestaltungsideale zugeordnet werden.
Es würde mich nicht wundern, wenn der Naturalismus modern würde. Wenn die andern Gestaltungsvarianten soweit ausgereizt sind, daß sie kreativen Leuten nicht mehr viele Anreize bieten, besinnt man sich gern auf die Ursprünge. Und die Natur bietet immer Anregungen genug.

2. Die kalligraphische Gestaltung

Ihren ersten künstlerischen Höhepunkt hat die Penjinggestaltung wohl unter dem Einfluß der Landschaftsmalerei der chinesischen Literaten-Beamten erlebt. Eine formalisierte Fassung dieser Kunst ist viel später als Literatenstil in die japanische Tradition eingegangen. Eigentlich war das ein Mißverständnis, denn die Literaten haben sich immer gegen jede Festlegung der Kunst in formalen Regeln gewehrt.
Charakteristisch für ihre malerische Konzeption und damit auch für die Gestaltung von Bäumen, ist die Nähe zur Kalligraphie. Wichtig ist das “Knochengerüst” des Baumes, die linearen Elemente und die Leerräume dazwischen. Die Bilder sind oft expressionistisch, emotional. Rhythmische Vitalität gilt als erstrebenswert. Jeder Baum ist ein Individuum. Sparsamkeit in den Mitteln der Gestaltung gilt als Qualitätsmerkmal, dekorative Elemente werden abgelehnt. Aber das muß vielleicht nicht so sein, wie man an Walter Palls Sabinawachholder sehen kann.

3. Die stilisierende Gestaltung

Die japanische Kunst hat generell eine Tendenz zur Stilisierung und formalen Vereinfachung. Deshalb wirkt sie auf uns oft so elegant. Das gilt am ausgeprägtesten für die von der Zen-Ästhetik geprägte Kunst der Oberschicht. Diese hat jedoch auch eine beträchtliche Wirkung auf die Volkskunst gehabt, so daß der Unterschied zwischen beiden viel kleiner ist als in China. Die traditionellen Bonsaiformen sind wohl dieser Volkskunst zuzurechnen, oder vorsichtiger: sie sind hieraus entwickelt worden. Der Baum ist der Natur nachempfunden, jedoch in bestimmter Weise stilisiert, so daß Prototypen von Bäumen entstehen, die in ihren Stilmerkmalen weitgehend festgelegt sind. Natürlich spiegeln diese Prototypen die japanische Natur und beim “Export” der Bonsaibewegung in andere Länder, sollte man erwarten, daß neue Prototypen entwickelt werden. Ceronio hat das mit seinen ”afrikanischen Stilen” versucht. Gibt es eigentlich solche Versuche auch in Europa?
Natürlich bietet eine solche Auffassung weniger künstlerische Freiheiten und verführt zur Stereotypie. Man sollte aber nicht vergessen, daß die Nachahmung in der fernöstlichen Kunst nicht negativ bewertet wird. Man denkt nicht an Plagiat, sondern an Nachfolge. Etwas noch ein wenig besser machen als ein Meister, ist ein anerkanntes künstlerisches Ziel. Daher rührt der Hang zur Perfektion.

4. Die skulpturale Gestaltung

Kimura knüpft zwar an eine der traditionellen chinesischen Formen an, die Treibholzform, der Baum ist bei ihm jedoch nur noch Anlaß zur Kunst. Der Baum wird nicht mehr dargestellt, symbolisiert, interpretiert oder was auch immer. Er wird zur Skulptur, zum autonomen Kunstwerk und es ist dann relativ gleichgültig, daß es sich um einen Baum handelt. Daß man einen Baum verwendet, ist sozusagen ein Zugeständnis daran, daß man auf einer Bonsaiausstellung präsent sein möchte. Eigentlich ist nicht einzusehen, warum man nicht auch reine Totholzskulpturen macht.
Mir scheint das eine konsequente Entwicklung zu sein, wenn man einen europäischen Kunstbegriff in die japanische Tradition einführt. Aber es ist irgendwie auch ein Endpunkt in den formalen Möglichkeiten. Vielleicht also wirklich zurück zum Naturalismus? Oder vielleicht Verfremdungstechniken ( wie bei Schudde)?

Allerdings: Vulgäre Muskelprotze sind Kimuras Bäume in meinen Augen nicht. Ich halte es deshalb auch für wenig hilfreich, die Fuji-Ahorne und Ähnliches in einen Zusammenhang mit den Skulpturen Kimuras zu bringen. An diesen Ahorn-Extremen gibt es keinerlei neue Gestaltungselemente, sie ordnen sich vielmehr ganz der stilisierenden Gestaltung unter. Das einzig Neue ist, daß sie unförmig dick sind. Ich betrachte sie als Karikaturen der stilisierenden Gestaltung. Sie zeigen, daß manche Japaner den Bezug zur eigenen Tradition verloren haben. Solche Karikaturen kann man auch bei den andern Gestaltungsidealen erkennen. Bei der kalligraphischen Gestaltung ist z.B. die Gestaltung von Bäumen in Form von Schriftzeichen eine solche Entgleisung. So was ist als Gag ganz hübsch, aber wenn man es einmal gemacht hat, ist der Gag hin.

Ich hatte den Eindruck, es gibt im Forum einige Leute, die sich für so was interessieren und deshalb habe ich das geschrieben. Vielleicht wird ja in der Diskussion noch mehr daraus. Ich hoffe, es ist klar, daß es mir nicht um eine Taxonomie von Bonsai geht, sondern um unterschiedliche Herangehensweisen an die Gestaltung. Ob man jeden Bonsai in eine der Schubladen packen kann, ist mir herzlich gleichgültig. Kann man sicher nicht. Ich könnte Beispiele zeigen, die nicht passen.

Viele Grüße von Gunter Lind

Lindwurm
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Re: Gestaltungsideale: Nachtrag zu Palls "Vorbereitung

Beitrag von Lindwurm » 28.06.2005, 00:42

gunter hat geschrieben: An diesen Ahorn-Extremen gibt es keinerlei neue Gestaltungselemente, sie ordnen sich vielmehr ganz der stilisierenden Gestaltung unter. Das einzig Neue ist, daß sie unförmig dick sind. Ich betrachte sie als Karikaturen der stilisierenden Gestaltung. Sie zeigen, daß manche Japaner den Bezug zur eigenen Tradition verloren haben. Solche Karikaturen kann man auch bei den andern Gestaltungsidealen erkennen. Bei der kalligraphischen Gestaltung ist z.B. die Gestaltung von Bäumen in Form von Schriftzeichen eine solche Entgleisung. So was ist als Gag ganz hübsch, aber wenn man es einmal gemacht hat, ist der Gag hin.
also diese text passage finde ich zu willkürlich-negativ geschrieben im vergleich zu den "sauber" argumentierten beispielen weiter oben im text.
geschmäcker sind verschieden und betrachtungsweisen immer subjektiv...
ein ferrari ist ein lächerlich überteuertes auto,das ändert aber nix an der tatsache das die leute hingucken wenn einer vorbeifährt....(und erstrecht hingucken wer ein- bzw. aussteigt.)

man sollte beim objekt "bonsai" vielleicht auch mal etwas mehr auf die blosse wirkung (weckung von emotionen etc.) die das machwerk auf den betrachter hat eingehen anstatt über kulturelle zusammenhänge zu reden,die niemanden interessieren der vor einem baum steht.

eine diskussion über die gestaltungsmöglichkeiten eines konkreten baumes ist immer notwendig und sinnvoll aber diskussionen über gestaltungsstile ,unabhängig von einem konkreten fall, sind meilenweit von der praxis entfernt,zwangsweise.

ganz einfach deshalb weil der gestalter eben NICHT wie in der bildhauerei,malerei etc. weitgehend gestaltungsfreiraum besitzt.
das material (als extrem beispiel ein hochgebirgs yamadori) hat nämlich extrem ausgeprägte individuelle eigenheiten oftmals...

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mohan
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Beitrag von mohan » 28.06.2005, 08:21

Hallo,
wenn ich auch etwas geknickt bin über den zwischenmenschlichen Umgang miteinander bei Diskussionen der letzten Tage und die Verluste die dem Forum dadurch entstehen, ist es mir doch immer wieder eine außerordentliche Freude, ab und zu darauf aufmerksam gemacht zu werden welches schöpferisches bzw. geistige Potenzial in diesem Brainpool verborgen liegt.

Gunter, auch wenn ich dieses Wissen scheinbar nicht brauche um still in meinem Garten an meinen Bäumen vor mich hin zu werkeln, kann ich mit deiner verständlichen Zusammenfassung und Ordnung der Gedanken sehr viel anfangen, es hilft mir Zusammenhänge nachzuvollziehen und 'european- Bonsai- Phänotypen' besser in einen Gesamtkontext einzuordnen. Ich danke dir für deine Mühe.

monika

KHarry
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Beitrag von KHarry » 28.06.2005, 16:23

Hallo Gunter,

auch ich möchte mich für Deine Mühe bedanken und für den Versuch, die Diskussion (mit etwas anderen Mitteln) wiederzubeleben. Ich bin nämlich sehr an der Auseinandersetzung über Gestaltungsstile und generell über ästhetische Überlegungen anhand der Bonsaikunst interessiert. Schade eigentlich, dass gerade solche Diskussionen hier leicht aus dem Ruder laufen.

Es ist ja interessant, einmal genauer dargelegt zu bekommen, inwieweit sich der Kunstbegriff in Asien von dem (modernen?) westlichen grundsätzlich unterscheidet. Inwieweit ist es für uns überhaupt sinnvoll bzw. notwendig, bei der Gestaltung von Bonsai - bewusst oder unbewusst - auch das fernöstliche Kunstverständnis mit zu übernehmen? Insbesondere den Bezug zur - hier notwendigerweise auch fernöstlichen - Tradition? Ein emotionaler Bezug zu Bäumen ist uns Europäern sicher nicht fremd. Aber gerade in der stilisierten Gestaltungsrichtung finde ich auch Elemente, die ich weniger natürlichen Baumformen als vielmehr z.B. chinesischer oder japanischer Architektur entlehnt finde. Inwiefern kann es dann für uns sinnvoll sein, nach diesen Vorbildern zu gestalten? Wird das bei uns dann nicht zu einer Art Fernost-Nippes?

Ich hätte übrigens einen ähnlichen Einwand zu der Passage, die lindwurm bereits zitiert hat. Die gezeigten Beispiele für den Fujiyama- oder den Sumostil finde ich nämlich durchaus eindrucksvoll. Die Verwendung extrem dicker Stämme sehe ich nicht als bloße Übertreibung an; in meinen Augen geben sie den Gestaltungen eine neue Qualität, auch wenn die zugrundeliegenden Formen schon bekannt sind. Vielleicht ist ja bei diesen Extrembeispielen auch vom westlichen Kunstverständnis etwas zu den Japanern übergesprungen. Wenn ich ein hiesiges Kunstmuseum besuche, habe ich auch mitunter den Eindruck, dass die moderne westliche Kunst manchmal zu einer Ansammlung von (Insider-)Gags wird. Ist das zu kritisieren?

Tja, Fragen über Fragen - etwas ungeordnet, aber vielleicht weiß ja irgendjemand zu irgendetwas irgendetwas zu sagen.

Gruß Harald

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Beitrag von Thomas P. » 28.06.2005, 19:33

mohan hat geschrieben:Hallo,
wenn ich auch etwas geknickt bin über den zwischenmenschlichen Umgang miteinander bei Diskussionen der letzten Tage und die Verluste die dem Forum dadurch entstehen,
Hallo Monika,
nimm`s nicht so ernst und Kopf hoch.
Ein Forum lebt doch von so was. Ich glaube nicht, daß das Forum unter solchen Diskrepanzen leidet, im Gegenteil, es wäre langweilig und würde , wie viele andere Foren irgendwann einschlafen.
Die Gefahr besteht hier nicht.

Zu Gunter,
Du hast Dir viel Mühe gemacht und der Beitrag ist sicher auch sehr informativ, nur so richtig sehe ich den Bezug zu dem gesperrten Artikel nicht.
Attribute wie Entgleisung finde ich im Zusammenhang mit Kunst für sehr bedenklich, da ist es nicht weit bis entartet.
Viele Grüße
Thomas Pallmer

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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig » 29.06.2005, 10:03

Thomas P. hat geschrieben:entartet.
:shock:
Da sind wir doch schon längst. Zwischen den Zeilen jedenfalls.

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Beitrag von hfbonsai » 29.06.2005, 10:32

Thomas P. hat geschrieben:
mohan hat geschrieben:Hallo,
wenn ich auch etwas geknickt bin über den zwischenmenschlichen Umgang miteinander bei Diskussionen der letzten Tage und die Verluste die dem Forum dadurch entstehen,
Hallo Monika,
nimm`s nicht so ernst und Kopf hoch.
Ein Forum lebt doch von so was. Ich glaube nicht, daß das Forum unter solchen Diskrepanzen leidet, im Gegenteil, es wäre langweilig und würde , wie viele andere Foren irgendwann einschlafen.
Die Gefahr besteht hier nicht.
Hy

Emotionen sind sehr wichtig, es zeigt doch das die Mitglieder hier mit Ehrgeiz und Freude bei der Sache sind.
Ich finde gut das du den thread rechtzeitig beendet hast bevor es zu persönlich wurde.
Diese Diskusion sollte aber sachlich weitergeführt werden, nur so kann man sich ein Bild machen, wie sich die Bonsaiszene in Zukunft bei uns in Good old Germany entwickeln wird.

Auch die Profis unter uns sollten sich das vor Augen führen, den hier ist ihr Kundenkreis und ihre Heimat, nicht in Asien und nicht in USA.

Gruß Frank
Gruß Frank

hfbonsai= Heike + Frank-Bonsai

Ein guter Bonsai braucht Zeit, so wie die Natur die uns erschaffen hat.

gunter

Beitrag von gunter » 29.06.2005, 11:23

Ja, das Wort "entartet" hat mich betroffen gemacht. Ich formuliere gern zugespitzt und habe nichts dagegen, wenn man mir gegenüber das gleiche tut. Aber dabei auf das Wörterbuch des Unmenschen zurückzugreifen, hat in meinen Augen eine andere Qualität.

Ich finde es schade, daß die Diskussion überwiegend um den Nebenaspekt der Fuji-Ahorne geht. Sie scheinen ja doch viele Freunde zu haben. Und das kann ja jeder halten, wie er will. Ich mag sie nicht, aber ich finde es sympatisch, wenn einer zugibt, daß er gern einen Porsche-Bonsai haben möchte. Jedenfalls gehören die Fujis nicht in eine Kategorie mit Kimura, und darauf kam es mir an. Im übrigen hätte ich erwartet, daß meine Kennzeichnung der Kimura-Schule als "skulptural" auf Widerspruch stößt. Ich bin mir gar nicht sicher, ob das besonders treffend ist.

Bei solchen Diskussionen kommt immer wieder mal die Frage: "Wozu das Ganze?" Sicher kann man Bonsai gestalten, ohne sich um Kulturgeschichte oder Kunsttheorie zu kümmern, genauso wie man Auto fahren kann, ohne von der Physik dahinter einen blassen Schimmer zu haben. Aber manchmal hilft das Hintergrundwissen, zu verstehen, was man tut. Und außerdem interessiert mich das einfach und ich hoffe immer, daß es noch einige Leute gibt, denen es genauso geht.

Gruß, Gunter Lind

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mohan
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Re: Gestaltungsideale: Nachtrag zu Palls "Vorbereitung

Beitrag von mohan » 29.06.2005, 13:01

gunter hat geschrieben:[....] Natürlich spiegeln diese Prototypen die japanische Natur und beim “Export” der Bonsaibewegung in andere Länder, sollte man erwarten, daß neue Prototypen entwickelt werden. Ceronio hat das mit seinen ”afrikanischen Stilen” versucht. Gibt es eigentlich solche Versuche auch in Europa? [...]
Auf die Gefahr hin, dass wieder ein paar Leser sich darüber entsetzen:
Mehrfach ist in diesem Forum schon versucht worden eine „freie Besenform“ einzuführen.

Desweiteren kann man in unserer Natur auch eine „Kandelaberform“ finden. Allerdings heute verständlicherweise nicht mehr so häufig wie früher. Mancherorts wurden damals öfter mal Plätze so benannt („Zur Kandelabereiche“ o.ä.). Eichen und unsere Ahorne wachsen gerne so.

Darüberhinaus könnte ich mir persönlich auch eine „Kulturform“ vorstellen. Bäume die so gestaltet sind wie Kopfweiden, Obstbäume einer Streuobstwiese oder die typischen alten Olivenbäume einer Plantage.

Inwieweit das bereits von irgendwem praktiziert wird, kann ich leider nicht sagen. Ich befinde mich gerade erst am Anfang der Bonsaigestaltung aber interessiere mich sehr für o.g. Formen. Zudem erscheint mir auf Dauer für mich nur ein naturalistischer Stil erstrebenswert. Jeder so wie er möchte.

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Beitrag von KHarry » 29.06.2005, 15:22

Doch, Monika, solche Formen interessieren mich auch; kandelaberartige Bäume kommen auch in meiner Sammlung vor (wachsen aber noch in der Wiese und sind z.Zt. schlecht zu fotografieren). Und die Esche, die Du uns kürzlich vorgestellt hast, kann man ja auch in diesen Dunstkreis einordnen.
Wenn man sich nur mit diesen Formen beschäftigen will, hat man es ja auch einfach, entsprechendes Material zu finden. Bäumchen, die ein- oder mehrmals gekappt worden sind, bieten sich ja geradezu dafür an.

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Beitrag von Martin_S » 29.06.2005, 20:44

Guter Beitrag Gunter.

Passt zwar nicht in jedem Punkt zu meiner Sicht der Sache Bonsai, aber ich kann das für mich(!) so stehen lassen.

Das Wörtchen "entartet" würde ich nicht aus dem Zusammenhang reißen. An der Stelle wo es steht tut es keinem wirklich weh, oder?
Martin S

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Beitrag von Thomas P. » 29.06.2005, 23:38

gunter hat geschrieben: Ich mag sie nicht,
Hallo Gunter,
hättest auch schreiben können, ich find sie sauhäßlich, einfach nur Sch.
Klingt alles besser als Entgleisung.
gunter hat geschrieben: Aber dabei auf das Wörterbuch des Unmenschen zurückzugreifen, hat in meinen Augen eine andere Qualität.
Nun bleiben wir mal auf dem Teppich, das ist doch billige Polemik.
Entgleisung stammt aus dem gleichen Wörterbuch .
War sicher von Dir nicht so gemeint oder nur unüberlegt, aber mir das jetzt vorzuwerfen, dem das Wort Entgleisung sauer aufgestoßen ist, und den Spieß umzudrehen, das ist ja nun ganz toll.
Viele Grüße
Thomas Pallmer

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gunter

Beitrag von gunter » 30.06.2005, 17:00

Ich möchte diese "entartete" Diskussion hier im Forum nicht weiterführen und habe Thomas P. deshalb privat geantwortet.
Gunter Lind

gunter

Beitrag von gunter » 30.06.2005, 17:39

Hallo mohan,

ich weiß nicht recht, was Du mit der Kandelaberform meinst. Walter Pall hat mal eine Kandelaberform kreiert, an einer Lärche. Aber die sieht ganz anders aus als z.B. ein Bild der Kandelaberfichte im Hinterzartener Moos, das im Buch "Deutschlands alte Bäume" drin ist. Hast Du ein Bild?

Was die Verwertbarkeit von "Kulturformen" als Vorbilder für stilisierte oder naturalistische Bonsai angeht, bin ich eher skeptisch. Sie sind ja meist aus wirtschaftlichen Erwägungen entstanden und stellen keine ästhetischen Ansprüche. Kopfweiden gibt es ja (selten) als Bonsai. Ich vermute, sie sind nicht leicht zu realisieren, weil an einem kleinen "Kopf" nicht jedes Jahr genügend Schösslinge austreiben. Andere Kulturformen kenne ich nicht, also etwa Tanzlinden oder Knickharfen.

Ich hatte eher an eine Pinienform oder eine Libanon-Zeder-Form oder eine Obstbaumform gedacht. Sicher auch die freie Besenform. Es gibt ja viele Bäume, die so wachsen, aber die Besenform einer Stieleiche ist anders als die einer Silberweide.

Wir sollten mal passende Bilder suchen.

Gruß von Gunter Lind

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mohan
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Beitrag von mohan » 30.06.2005, 20:12

Hallo gunter,
die Form-Vorschläge habe ich nicht gemacht, weil sie sich durch besondere Ästhetik auszeichnen, sondern weil sie vielmehr authentisch für Europa sind.
Aber auch alte Obst- u. Plantagenbäume oder andere Nutzhölzer, können sehr ästhetisch aussehen.

Falls jemand noch Bildbeispiele für die freie Besenform sehen möchte, wie sie vorwiegend in Europa zufinden sind kann ich jede Menge liefern.

Bilder von Kandelaberbäumen zu finden war hingegen nicht ganz so einfach. Aber vielleicht kann man ahnen in welche Richtung es geht. EinPrototyp ist nicht darunter, den muss man wahrscheinlich erst entwickeln.

Dieser hier ist als Prototyp bestimmt nicht geeignet weil er sehr hässlich ist, viel zu dünn, viel zu langen Stamm usw. aber die Form erkenn man gut.
Bild

leider nur ein kleines Bild
Bild

hier eine Linde die etwa 20 km von hier entfernt steht
Bild

habe ich auf der HP der Bonsaifreunde Illertissen gefunden
Bild


Bild



Bild



hier mal ein Kandelaberkiefer, leider nicht ganz drauf
Bild

shöner gewellter Kandelaber,(ok dann auch nur als Link; und noch ein versuch)
http://msdmeanors.tripod.com/
http://msdmeanors.tripod.com/mini-Old_T ... zania2.jpg


auch so vielleicht?
Bild


[Quelle des hochgeladenen Bildes: http://www.gulfislandswireless.com/JDav ... w-Life.jpg]



Bilder von der „Kulturform“ könnte ich auch bringen, wenn es gewünscht wird.
Dateianhänge
Old-TreeNew-Life.jpg
Old-TreeNew-Life.jpg (25.67 KiB) 10499 mal betrachtet
images.jpg
images.jpg (3.23 KiB) 10461 mal betrachtet
Zuletzt geändert von mohan am 30.06.2005, 21:29, insgesamt 1-mal geändert.

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