F. benj. / Wohnz.-Yamadori / Reinald

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flu
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F. benj. / Wohnz.-Yamadori / Reinald

Beitrag von flu » 13.11.2006, 05:52

In diesem Thread dürfen nur der jeweilige Schüler
und das Lehrerkollegium posten!


Hier geht es zum offenen Diskussions-Thread zu diesem Thema.


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Bild

Hallo Reinald,

deinen Ficus benjamina habe ich als Beispiel für die Vorgehensweise bei einer normalen Wohnzimmer- bzw. Büro-Birkenfeige auserwählt.
Ich selber arbeite sehr gerne mit solchem Material. Zwei Beispiele dazu finden sich in meinem Profil.

Eine ehemals recht großen Pflanze wird stark zurück geschnitten. Damit daraus später auch tatsächlich ein wirklich ansprechender Bonsai wird, sollte der verbliebene Stammrest, also der untere Stammbereich und das Nebari schon irgendwie Charakter mitbringen. Viel gibt dein Material da aber augenscheinlich zunächst einmal nicht her. Zwei leicht unterschiedlich dicke, streng aufrechte Stämme, mehr nicht.
Dazu ein noch nicht wirklich ansprechendes Nebari mit sehr unterschiedlich dicken und sich teilweise überkreuzenden Wurzeln.

Bild

Um ehrlich zu sein, meinen Ansprüchen hätte dieses Material nicht genügt. Ich hätte es stehen lassen. Was soll daraus werden?

Nun, ich will dir nicht den Mut nehmen. Als Bonsaianer fällt mir da nur eine Gestaltung in Richtung Doppelstamm oder "Vater und Sohn" ein. Bei einer solchen Gestaltung haben wir einen großen Hauptbaum, begleitet von einem kleineren Nebenbaum, der entweder ganz nah an den Hauptbaum gepflanzt wird, oder besser noch, aus dem gleichen Wurzelstock wie der Hauptbaum entspringt. Den ersten Fall sehen wir bei deinem Material verwirklicht.

Der erste Schritt bei jeder Neugestaltung ist das Festlegen der Vordersseite!
Diese geben uns in diesem Falle zum einen die beiden Stämme vor. Sie sollen natürlich beide von vorn sichtbar sein und sich nicht überlagern. Zum anderen (und dabei nicht minder wichtig) entscheidet das Nebari. Dieses sollte von der Vorderseite betrachtet nach rechts und links auslaufende Wurzeln haben und nach Möglichkeit sollte keine Wurzel direkt auf den Betrachter zulaufen. Um zu entscheiden, welches die bessere Vorderseite ist brauchen wir also noch ein Foto von der anderen Seite, Reinald.

Ist die Vorderseite festgelegt, dann erst wird der Baum zurück geschnitten!

Nun stellt sich die Frage, an welcher Stelle soll geschnitten werden?
Dazu ist es wichtig, die Vorderseite schon im Vorfeld festgelegt zu haben. Denn schon mit dem Rückschnitt an einer entsprechenden Stelle entscheiden wir, wo der Baum später neu austreibt. Wir setzen den Schnitt immer oberhalb eines schlafenden Auges. An diesem oberen schlafenden Auge wird der Ficus später bevorzugt austreiben.
Das schlafende Auge sollte im Falle des Hauptstammes im Idealfall auf der Vorderseite liegen, so dass die Schnittwunde später von vorne nicht mehr sichtbar ist. Im Falle des Nebenbaumes, dessen spätere Krone sich dem Hauptbaum seitlich unterordnet, kann das schlafende Auge auch seitlich nach außen gerichtet sein. Niemals darf es zum Hauptbaum hin, also nach innen gerichtet sein.
Weder beim Haupt- noch beim Nebenbau darf das erste Auge unterhalb des Schnittes jemals nach hinten gerichtet sein, was zur Folge hätte, dass wir die Schnittwunde immer auf der Betrachterseite hätten.


Bei einer „Vater und Sohn“-Gestaltung wird der Baum mit dem dickeren Stamm immer der Hauptbaum, der dünnere Stamm wird der Sohn. In vorliegendem Fall muss also der dünnere Stamm noch weiter eingekürzt werden. Er muss niedriger sein als der Hauptbaum.
So wie ich das nun anhand deines Bildes einschätze, würde ich den linken Stamm um weitere ca. 5 cm einkürzen. Doch das machst du natürlich abhängig von der Ausrichtung des zukünftig oberen Auges.
Man sollte also niemals erst den einen Stamm schneiden und dann sehen, wo man den anderen kürzt, sondern immer die Ausrichtungen der Augen beider Stämme im Blick behalten und erst dann entscheiden.


Nun wird die Art der Schnittführung wichtig. Eine rechtwinklige Schnittführung ist nicht wirklich gut. Wir müssen versuchen, zwischen Stamm und späterer Krone einen fließenden Übergang zu modellieren. Vom oberen Auge ausgehend sollte also am besten in einer leicht nach hinten abfallenden, schrägen Linie geschnitten werden. Es resultiert ein nach oben hin spitzer Winkel.
Das ist nun allerdings eine heikle Angelegenheit. Durch diese Art der Schnittführung vergrößert sich natürlich die Wundfläche, was die Gefahr des Zurücktrocknens des Stammes vergrößert und unsere penible Auswahl des oberen Auges ad absurdum führen könnte. Man kann sich nun damit behelfen, die Wunde vor Austrocknung zu schützen. Dazu gibt es Wundknete, Vaseline tut’s aber genauso. Man kann aber auch erst einmal eine rechtwinklige Schnittführung durchführen und damit die Wundfläche möglichst klein halten. Nach dem erfolgten Neuaustrieb kann man dann gefahrlos die Wunde nachmodellieren.


Kurze Zusammenfassung meiner Analys:

- Ein eher langweiliger Doppelstamm mit bisher nur bescheidenem Potential.
- Bisher keine gute Schnittführung: am Hauptstamm möglicherweise an der falschen Stelle, am Nebenstamm ganz sicher an der falschen Stelle.
- Schlechtes Nebari.

Konsequenz:

- Neuorientierung bei der Auswahl des richtigen Schnittpunktes.
- Überarbeitung des Nebaris
- Aufbau der neuen Krone



Reinald, ich hoffe du hast bis hier hin alles nachvollziehen können.
Dem Nebari wenden wir uns erst beim nächsten Umtopftermin zu.
Zuletzt geändert von flu am 14.11.2006, 11:36, insgesamt 3-mal geändert.
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Rückseite (oder neue Vorderseite)

Beitrag von Reinald » 13.11.2006, 19:49

Hallo Ulf,
das war sehr ausführlich. Soviel Gedanken schwirrten mir bei der Auswahl nicht durch den Kopf, gelobe aber Besserung!!
Dafür erstmal vielen Dank.

Hier die Ansicht der Rückseite. Die ganz linke Wurzel ist abgeschnitten und geht nicht etwa ins Erdreich. Kann man auf dem Foto nicht richtig sehen.

Die sich überkreuzenden Wurzeln sind doch von zwei verschiedenen "Bäumchen". Ich dachte, es ist nicht erwünscht, wenn sich bei einem Baum die eigenen Wurzeln überkreuzen.

Gruß Reinald
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Beitrag von flu » 14.11.2006, 21:29

Wurzeln sollten sich nach Möglichkeit gar nicht überkreuzen. Bei Ficus kommt es allerdings auf das Gestaltungsziel an. Bei Gestaltungen mit sehr dominantem Wurzelwerk oder Luftwurzeln (siehe Ingos Ficus) ist es egal oder sogar erwünscht. Bei deinen beiden klar strukturierten Stämmen passen überkreuzte Wurzeln aber eher nicht ins Bild.

So wie ich das im Bild erkenne müssen die Wurzeln teilweise noch nicht einmal abgetrennt werden. Sie sind noch so dünn und womöglich flexibel, dass man sie bei der nächsten Wurzelbehandluch (was ein fiese Wort ;) ) auch noch anders positionieren könnte.


Wann hast du den Rückschnitt eigentlich vorgenommen?
Treibt die Pflanze schon wieder aus?
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Rückschnitt

Beitrag von Reinald » 18.11.2006, 12:41

Der Rückschnitt dürfte heute (18.11.06) ca. 6-8 Wochen zurückliegen. Ausgetrieben hat er leider (noch) nicht. Der Stamm ist aber noch grün, wenn man an der Rinde kratzt. Darf ich noch hoffen, oder hätte er längst austreiben müssen? Er steht direkt am Fenster.

Gruß Reinald
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Beitrag von flu » 18.11.2006, 12:52

Du darfst noch hoffen. ;)
Je wärmer die Unterbringung, desto schneller erfolgt der Austrieb. Jetzt nicht zu feucht halten um Wurzelfäule zu vermeiden.

Angesichts dessen, das er Baum noch nicht ausgetrieben hat, würde ich den linken Stamm jetzt noch größenreduzieren. Das wirft ihn womöglich in seiner Entwicklung noch einmal zurück, aber ich wüsste nicht, wann wir das sonst machen sollten.
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Beitrag von Reinald » 21.11.2006, 20:35

So, gekürzt ist er jetzt . Sobald er austreibt mach ich wieder ein Foto.
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Beitrag von Reinald » 10.12.2006, 18:50

Hallo Ulf,
leider ist der dickere Stamm im Bonsaihimmel angekommen. Die Rinde hat sich komplett abgelöst. Ich hab mal etwas Rinde angekratzt. Darunter ist es irgendwie matschig. Der dünnere Stamm hat erst ausgetrieben, dann sind die Blätter verkümmert/vertrocknet. Danach habe ich ihn vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer verfrachtet. Leider keine weiteren Triebe gekommen. Bei ihm ist die Rinde allerdings noch fest und auch hier habe ich sie mal angekratzt. Es ist noch grün unter der Rinde. Soll ich ihn wieder ins Wohnzimmer stellen oder umtopfen oder beides?

Gruß Reinald
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Beitrag von Reinald » 14.01.2007, 09:21

Hallo Zusammen,
leider war es das für mich. Mein Ficus hat´s nicht geschafft. Heute wollte ich ihn umtopfen,da er immer noch grün unter der Rinde war (zumindest der dünnere Stamm). Aber leider nicht eine einzige Wurzel die noch weiß war. Alles braun und vermodert.

Bedanke mich bei Ulf dafür, dass er sich als Lehrer zu Verfügung stellt und Wünsche allen anderen Teilnehmern mehr Erfolg.

Werde natürlich weiter mitlesen und (hoffentlich) dazu lernen.

Gruß Reinald

P.S.: Wenn ich mit einem anderen Ficus weitermachen kann, dann bin ich natürlich weiter dabei. Habe einige neue, die ich Ulf und Euch noch vorstellen könnte. Allerdings alles Pflanzen die mehr als 3-5 Jahre Gestaltungszeit brauchen. *z*
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Beitrag von Reinald » 02.03.2008, 19:57

Hallo (neuer) Lehrer, hallo Mitschüler,
ich bin wieder dabei, mit neuem Ficus, der hoffentlich etwas gesünder ist, als mein erster. Fotos folgen, wollte nur mitteilen, dass der Platz vorne beim Lehrer wieder freigemacht werden muß :wink:

Gruß aus Köln

sendet Mitschüler Reinald
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Beitrag von Wothan » 02.03.2008, 20:16

hallo reinald,

herzlich wilkommen im klassenzimmer. ich lege einen neuen ordner für dich an.

gruß frank

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