F. retusa / Mehrfachstamm / helge4u

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flu
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F. retusa / Mehrfachstamm / helge4u

Beitrag von flu » 15.11.2006, 16:48

In diesem Thread dürfen nur der jeweilige Schüler
und das Lehrerkollegium posten!


Hier geht es zum offenen Diskussions-Thread zu diesem Thema.
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Hallo Helge und willkommen im Club!

Mit diesem Material habe ich mal absolut gängigen Blume2000 Ficusplunder für die Bonsaischule ausgewählt. Derartige Mehrfachstämme finden sich immer wieder palettenweise im Handel. Wenn man darin ein wenig stöbert findet man mitunter ganz interessant bizarr geformte Wurzeln und Stämme darunter. Teuer ist sowas nicht, also warum nicht mal probieren.

Was haben wir hier nun vor uns?
Ein kleines Gestrüpp, das mit Bonsai allenfalls so viel zu tun hat, als dass es in einer blau glasierten, flachen Schale wächst und damit dem europäischen Bauhauskunden sofort als vermeintlicher Bonsai erkennbar ist. Im Folgenden versuchen wir daraus wirklich einen Bonsai zu machen.

Auch bei dieser Pflanze ist es das Nebari, welches unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die langen, dünnen Stämmchen, die dem aufsitzen, verlieren sich irgendwie im Raum und nehmen dem Nebari Ausdruckskraft, scheinen gar nicht recht zu ihm gehören zu wollen. Was tun?
Bonsai ist auch die Kunst der Reduktion (auf's Wesentlich). Nun fragt man sich unweigerlich, was will man bei diesem kleinen Pflänzlein denn noch reduzieren? Warten wir's ab. ;)

Bevor wir weiter manchen bitte ich dich, Helge, den im Bild markierten Ausschnitt von den beiden Breitseiten neu zu fotographieren und uns zu zeigen.
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helge4u
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Re: F. retusa / Mehrfachstamm / helge4u

Beitrag von helge4u » 17.11.2006, 22:15

flu hat geschrieben: Bevor wir weiter manchen bitte ich dich, Helge, den im Bild markierten Ausschnitt von den beiden Breitseiten neu zu fotographieren und uns zu zeigen.
Mache ich sehr gerne. Ich habe mal einen Rundumblick gemacht und hoffe, es ist nicht zu übertrieben - wenn einzelne Bilder nicht benötigt werden, kann ich sie später aus Platzgründen wieder entfernen.
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Grüße aus Hattersheim,
Helge

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flu
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Beitrag von flu » 18.11.2006, 12:37

Hallo Helge,

wenn auch 300% mehr Bilder als angefordert, so liefet deine 360° Grad Ansicht doch einen guten Überblick über das Material. Und das finde ich sehr interessant.
Interessant daran ist hier einmal mehr der Stamm, der eigentlich gar keiner ist. Dieser vermeintliche Stamm besteht nämlich aus Wurzeln – zum einen dicke Speicherwurzeln im Zentralbereich, zum anderen Luftwurzeln, die sich in lockerer Struktur um diese zentrale Wurzelsäule legen. Diese ungestüm wachsenden Wurzeln verleihen dem Wurzelstamm ein knorriges, urwüchsiges Aussehen. Dieser Teil des Baumes ist die eigentliche Attraktion des Materials.
Mit einem herkömmlichen Nebari hat diese Wurzelstruktur nur bedingt zu tun, so dass wir die idealisierten Vorstellungen eines guten Nebaris, wie sie Zopf hier skizziert hat, getrost über Bord werfen können. Bei diesem Material sind die sich überkreuzenden und in ungelenkten Bahnen ins Erdreich stiebenden Wurzeln ja gerade das Interessante.

Abbildungen fms-1 und fms-6 sind die Breitseiten. Da der Stamm hier das größte optische Volumen aufweist, wird eine von diesen Ansichten unsere Vorderseite. Im direkten Vergleich ist der ersten Ansicht (fms-1) den Vorzug zu geben. Auf dieser Seite weist der Ficus die meisten Luftwurzeln auf, die dem Wurzelstamm seinen einzigartigen Charakter geben.

Sobald er zu diesen Einsichten gelangt ist, stellt sich dem Gestalter die Frage, wie er diese Positivmerkmales ins rechte Licht und in den Focus des Betrachters bringt. Um den Blick auf diesen Bereich der Pflanze zu konzentrieren muss die Krone zweifelsfrei deutlich größen- und vor allem höhenreduziert werden. Anvisiertes Ziel ist also die Gestaltung eines Shohins oder Mame (je nach Endhöhe).

Eines vorweg: ich habe selber noch keinen Ficus retusa in solch einer Größe gestaltet, noch habe ich je einen F. retusa als Mame gesehen. Aufgrund meiner Erfahrungen mit F. benjamina aber weiß ich, dass die Blattgröße bei Ficus durchaus sehr stark reduzierbar ist. Ich denke nicht, dass sich F. retusa in dieser Hinsicht unterscheidet.
Was wir also anstreben müssen ist eine Reduktion der Blattgröße aufs Minimum. Wie wir zu diesem Ziel gelangen soll später erörtert werden.


Zunächst also heißt es die Krone in Proportion zum Stamm zu setzen.
In den angehängten Bildern versuche ich zu verdeutlichen, wie ich die Sache angehen würde. Die blauen Linien stehen für die gedachte Schnittführung.
Sie sollte in Bild 1 halbkreisförmig verlaufen, wobei wir Ast 1 und Ast 2, die beiden unteren zu den Seiten laufenden Äste, zunächst einmal aussparen. Diese Äste sollten eigentlich die dicksten sein. Davon sind sie aber noch etwas entfernt. Wir sollten sie zunächst also noch frei durchwachsen lassen. Von einem der unteren Äste (möglicherweise Ast 2) sollten wir uns später vielleicht ganz verabschieden, da wir ansonsten eine gerade Zahl an dominanten Hauptästen (4 Stück) erhalten. Warten wir das jedoch vorerst noch einmal ab.
In Bild 2, der Seitenansicht, wird deutlich, dass der hintere Teil der Krone flacher geschnitten werden sollte. Dieser Teil bildet später die rückwärtigen Äste und füllt den Leerbereich zwischen den Vorderstämmen später optisch aus, so dass eine gewisse Tiefenwirkung erzielt wird.


Soweit zur Theorie. Zur Praxis sollten wir aber aus folgendem Grund nicht zu dieser Jahreszeit übergehen. Schneiden wir jetzt, also im November zurück, dann wird der winterliche Neuaustrieb aufgrund des Lichtmangels sehr wahrscheinlich große Blattabstände, also lange Internodien aufweisen. Das ist nun aber etwas, was wir uns bei der Gestaltung eines Shohins absolut nicht leisten können. Im Gegenteil sollten die Internodien möglichst kurz sein um später eine kompakte Verzweigung aufbauen zu können. Bevor wir also an diesem Baum weiter machen würde ich empfehlen, das Frühjahr abzuwarten.



Kurze Zusammenfassung meiner Analyse:

- interessanter Wurzelstamm (das Highlight des Baumes)
- bisherige Krone passt nicht zum Wurzelstamm - zu lang und gagelig, unproportional.

Konsequenz:

- Herausarbeitung des Wurzelstammes durch Kronenreduktion - Gestaltung eines Shohins / Mames
- Rückschnitt im Frühjahr um optimalen Neuaustrieb mit kurzen Internodien zu erhalten
- vorerst kein Rückschnitt der unteren Äste um deren Dickenzuwachs zu fördern
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Zuletzt geändert von flu am 18.11.2006, 15:20, insgesamt 5-mal geändert.
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Beitrag von flu » 18.11.2006, 12:59

PS: Dieser Thread ist auch für Chriwi interessant, die ja ganz ähnliches Material hat.
Ich würde hier ähnlich vorgehen.

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Beitrag von helge4u » 19.11.2006, 03:06

flu hat geschrieben:Hallo Helge,
Kurze Zusammenfassung meiner Analyse:

- interessanter Wurzelstamm (das Highlight des Baumes)
- bisherige Krone passt nicht zum Wurzelstamm - zu lang und gagelig, unproportional.

Konsequenz:

- Herausarbeitung des Wurzelstammes durch Kronenreduktion - Gestaltung eines Shohins / Mames
- Rückschnitt im Frühjahr um optimalen Neuaustrieb mit kurzen Internodien zu erhalten
- vorerst kein Rückschnitt der unteren Äste um deren Dickenzuwachs zu fördern
Hallo Ulf,

ich freue mich, wenn ich mit meinen Fotos einen guten Überblick über das Material geben konnte. Denn ich finde, so macht die Sache mehr Spass: man sollte gut erkennen können, wie es aussieht. Unnötige Bilder kann ich (oder Mohan) später immer noch löschen.

Deine Analyse finde ich sehr genau auf den Punkt gebracht. Nichts anderes hatte ich von meinem Indoor-Lehrer-Experten erwartet. :D Ansicht FMS-1 ist mein Favorit, daher der Index "1". Es gibt da noch eine sich rundherum schlängelnde Wurzel, die mir tatsächlich erst auf den Fotos auffiel, und die mir missfällt. Aber die eigentliche Gestaltung dieses Materials muss sich m.E. in der Krone abspielen, und da bin ich unsicher, was zu tun ist.

Es wurde als Gestaltungsidee Shohin genannt. Das hat mich etwas erschreckt. Wie gross darf ein Shohin denn sein ? Die Blätter des Ficus variieren zwischen 6 cm Länge und 1 cm Länge. Kleiner als 1 cm gibt´s nicht (bisher). Aber gar MAME ?!?! :shock: Alles, was in winzigen Schalen wuchs, ist mir bisher verreckt. :x Und ich weiss auch nicht, wie klein ich die Blätter kriege, wenn ich eine kompletten Blattschnitt mache.

Fazit: vor dem Frühjahr mache ich GAR NIX. Also wie bisher. Ich möchte erstmal mehr Zuwachs, und mehr Wuchskraft. Wenn ich sicher bin, daß ich gesunden Wuchs bekomme, bin ich bei Ficus auch zu sehr radikalem Rückschnitt bereit. Dafür wurde ich im Büro von meinem Chef schon fast gesteinigt. Heute (1 Jahr später) steht sein geliebter Büro-Ficus (2 Meter hoch) besser da als je zuvor.

ps: bitte eine hochdeutsche Übersetzung des Wortes "gagelig".
pss: ich weiss, was Du mit "gagelig" meinst, aber ich suche seit 2 Jahren nach einer hochdeutschen Bezeichnung, und niemand konnte mir eine nennen, also frage ich jeden, der sie benutzt... :twisted:
Grüße aus Hattersheim,
Helge

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Beitrag von flu » 19.11.2006, 21:52

helge4u hat geschrieben:Es wurde als Gestaltungsidee Shohin genannt. Das hat mich etwas erschreckt. Wie gross darf ein Shohin denn sein ? Die Blätter des Ficus variieren zwischen 6 cm Länge und 1 cm Länge. Kleiner als 1 cm gibt´s nicht (bisher). Aber gar MAME ?!?! :shock: Alles, was in winzigen Schalen wuchs, ist mir bisher verreckt. :x Und ich weiss auch nicht, wie klein ich die Blätter kriege, wenn ich eine kompletten Blattschnitt mache.
Helge, mir ist es so ziemlich egal, ab welcher Größe eines Bonsais man von Shohin oder Mame spricht. Ich wollte damit nur einen Anhaltspunkt geben, wie groß ich mir den Baum später ungefähr vorstelle.
Woran sind dir die kleinen verreckt, Helge?

Die Blätter kriegen wir vermutlich nicht unter 1-2 cm. Das soll aber auch reichen. Blattschnitt zum Zwecke der Blattgrößenreduktion halte ich bei Ficus nicht für das Mttel der Wahl. Ein kompletter Blattschnitt schwächt die Pflanze sehr. Besser ist es den Neuaustrieb allenfalls auf 3 - 4 Blätter heranwachsen zu lassen und dann auf das letzte Blatt zurück zu setzen.
Fazit: vor dem Frühjahr mache ich GAR NIX. Also wie bisher. Ich möchte erstmal mehr Zuwachs, und mehr Wuchskraft. Wenn ich sicher bin, daß ich gesunden Wuchs bekomme, bin ich bei Ficus auch zu sehr radikalem Rückschnitt bereit.
Den Winter über wirst du keine große Wuchskraft mehr erleben. Welche Wuchskraft ein Ficus aber tatsächlich hat, das zeigt er dir erst überzeugend nach unserem starken Rückschnitt im Frühjahr.

ps: bitte eine hochdeutsche Übersetzung des Wortes "gagelig".
pss: ich weiss, was Du mit "gagelig" meinst, aber ich suche seit 2 Jahren nach einer hochdeutschen Bezeichnung, und niemand konnte mir eine nennen, also frage ich jeden, der sie benutzt... :twisted:
Meines Wissens gibt es kein hochdeutsches Wort dafür.
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Beitrag von flu » 20.11.2006, 09:03

Helge,

so könnte dein Ficus nächstes Jahr schon aussehen.
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ficus_helge.jpg
ficus_helge.jpg (69.93 KiB) 5994 mal betrachtet
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Beitrag von helge4u » 20.11.2006, 12:53

flu hat geschrieben: Woran sind dir die kleinen verreckt, Helge?
Obwohl ich ein fleissiger Giesser bin, passiert es mir immer mal, daß ich es bei der einen oder anderen Pflanze für einen Tag schlichtweg vergesse. :oops: Die stehen halt so verteilt in der Wohnung und auf dem Balkon herum. Im Hochsommer war das dann das Todesurteil. :(

ps: zu meiner Ehrenrettung sollte ich erwähnen, dass es sich um die allseits beliebten Anfängerbäumchen Serissa, chin. Ulme, chin. Liguster und Fukientee handelte. Ficus ist ja deutlich härter im Nehmen. :P
Grüße aus Hattersheim,
Helge

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Beitrag von flu » 20.11.2006, 13:44

Helge, dazu ein Tipp:

Stell deine Kleinen auf ein Seramis gefülltes Tablett. Im Nu haben sich Wurzeln durch de Abzugslöcher geschoben und ziehen das Wasser aus dem Tongranulat. Ein Filzstreifen, der aus die Abzugslöcher geschoben wird, also halb im Substat, halb im Seramis hängt, tut auch gute Dienste (könnte evtl. jedoch zu dauerhaft zu feuchtem Substrat führen).
Aber sicher brauchen die ganz kleinen etwas mehr Aufmerksamkeit beim Gießen, als die Großen.

Was sagst du denn eigentlich zu dem Virtual? 8)
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Beitrag von helge4u » 20.11.2006, 23:36

flu hat geschrieben:Helge, dazu ein Tipp:
Was sagst du denn eigentlich zu dem Virtual? 8)
Das Virtual hatte ich noch nicht gesehen, als ich die letzte Mail schrieb. Die Kronenform gefällt mir sehr gut und geht genau in die Richtung, die ich mir vorstelle. Sehr gelungen :!: :!:

....nur muss ich die Blätter dann schön klein bekommen. Also eher sehr sparsam giessen nach dem Rückschnitt im Frühjahr ?

ps: mit "Dochten" zur Notfall-Wasserversorgung hatte ich vor knapp 2 Jahren angefangen. Ich hatte jedesmal innerhalb 2 Monate verfaulte Wurzeln. Das könnte aber auch am Substrat gelegen haben, das wenig durchlässig war.
Grüße aus Hattersheim,
Helge

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Beitrag von flu » 21.11.2006, 08:03

Man hört ja immer wieder davon, dass sparsames Gießen zu kleineren Blättern führt. Das mag ja sogar sein, doch halte ich eine solche Methode für fragwürdig, wenn nicht grenzwertig. Uns geht es vor allem um die Gesunderhaltung der Pflanze und dazu gehört das regelmäßige und ausreichende Gießen.

Nach einem radikalen Rückschnitt ist der Wasserbedarf der Pflanze natürlich stark herabgesetzt, da sie praktisch über keinerlei Transpirationsfläche mehr verfügt. Wird jetzt zu viel gegossen, dann riskieren wir Wurzelfäule. Darin sehe ich den eizigen Grund, nach einem Rückschnitt die Gießintervalle zu verlängern, nicht darin, die Blättgröße des Neuaustriebes dadurch verkleinern zu wollen.

Die Blattgröße regulieren wir alleine über den richtigen Schnitt und darauf gehe ich bei Zeiten noch genauer ein.


Die Problematik bezüglich der Dochtbewässerung hatte ich ja schon angedeutet. Dauerhaft zu feuchtes Substrat. Der beste Weg ist natürlich die Pflanze täglich (im Hochsommer auch mehrmals täglich) zu kontrollieren. Bei vorübergehender Abwesenheit behelfe ich mir mit einer Glashaube (eine durchsichtige Tüte tut es auch) und stelle die Pflanze darunter und in den Schatte. Hier drunter ist die Pflanze durchaus ein paar Tage bestens versorgt.

Es nützt nichts, Helge, du hast dir diese Pflanze zugelegt, nun musst du auch mit ihrer Pflege als Bonsai klar kommen! ;)
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Beitrag von helge4u » 21.11.2006, 23:24

flu hat geschrieben: Es nützt nichts, Helge, du hast dir diese Pflanze zugelegt, nun musst du auch mit ihrer Pflege als Bonsai klar kommen! ;)
Das geht schon irgendwie. :lol:
Ich wachse doch mit jeder Pflanze, die ich dauerhaft am Leben halte. Immerhin habe ich diesen Ficus jetzt seit einem guten Jahr, und es gibt keinen Grund, warum er nicht überleben sollte, solange ich ihn pflegen kann.

Eine Frage stellt sich mir noch. Wie ich schon schrieb, habe ich ihn nach dem Kauf in pures Akadama gesetzt, nachdem ich die Wurzeln komplett von Erde befreit habe. Ich traue mich daher kaum, ihn mineralisch zu düngen, und habe bisher meistens auf Bio-Gold vertraut. Aber ich hätte im Sommer mehr Zuwachs erwartet. Die ganze Aktion mit dem Akadama hatte nur den Hintergedanken, daß sich die Wurzeln in lockerem und nährstoffarmen Substrat stärker entwickeln sollten. Denn unter dem "Stamm", der eigentlich aus Wurzeln besteht, hätte ich gerne eine Verbreiterung mit seitlichen Wurzeln angestrebt.

Was tun im Frühjahr ? Nur Rückschnitt ? Oder auch gleich noch in humoses Substrat setzen, und dabei auch mal gucken, was sich bisher an Wurzeln entwickelt hat ?
Grüße aus Hattersheim,
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Beitrag von flu » 22.11.2006, 16:01

Was die Auswahl des vermeintlich richtigen Substrates angeht, da gehen die Meinungen gewaltig auseinaner. Die einen schwören auf rein anorganische Substrate, die nächsten raten gerade dem Anfäger sehr davon ab.
Intuitiv würde ich Akadama niemals pur verwenden, willst du das aber tun, dann musst du dem Düngen ganz besondere Aufmerksamkeit schenken, da Akadama selbst so gut wie keine Nährstoffe enthält (Zitat Walter Pall: "pures Akadama ist Gift").
Meine Empfehlung wäre daher Akadama immer nur als Beimengung zu benutzen. Ich persönlich bevorzuge für Indoors eine 1:1 Mischung von Akadama und handelsüblicher Bonsaierde.
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Beitrag von helge4u » 25.11.2006, 00:03

flu hat geschrieben:In Bild 2, der Seitenansicht, wird deutlich, dass der hintere Teil der Krone flacher geschnitten werden sollte. Dieser Teil bildet später die rückwärtigen Äste und füllt den Leerbereich zwischen den Vorderstämmen später optisch aus, so dass eine gewisse Tiefenwirkung erzielt wird.
Hallo Ulf,

ich habe diesen Abschnitt Deiner Mail mehrmals gelesen und jetzt oute ich mich willig: ich kann nur raten, warum ich hinten tiefer schneiden sollte als vorne ?!? :oops: Soll es zwischen den Lücken der Vorderäste von hinten grün durchschimmern ? Hast Du vielleicht sogar Beispiele ?
Grüße aus Hattersheim,
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Beitrag von flu » 25.11.2006, 16:42

Ja, genau so hatte ich mir das gedacht.
Letztendlich soll im Kronenbereich eine Vorderseite gestaltet werden. Im unteren Bereich dieser Vorderseite macht es sich dann gut, wenn man in die Krone hinein schauen kann. Das ergibt eine gewisse Tiefenwirkung. Erreichen tut man dies, indem man einen Rückwärtigen Ast auf dieser Höhe hat. Daher die Idee.
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