Punica granatum im Portrait

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Andreas Ludwig
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Punica granatum im Portrait

Beitrag von Andreas Ludwig » 19.01.2007, 18:43

Hier ein Kurzportrait unserer Pflanze, kopiert hier:
http://www.uni-duesseldorf.de/MathNat/B ... tanik.html

Familie : Punicaceae
Verbreitung : von Vorderasien bis zum Himalja
Anbau : Afghanistan, Israel, Spanien, Italien, Israel, Kalifornien sowie auf den Kanaren, auf Madeira und Zypern


Der Granatapfel ist die Frucht des Granatapfelbaumes, der 5 - 8 m hoch werden kann und ca. 10 cm große, immergrüne lanzettförmige Blätter trägt. Die großen, meist orangeroten Blüten wachsen einzeln aus den Blattachseln. Die Blüte hat zahlreiche Staubblätter und einen unterständigen Fruchtknoten, der von einem ausdauernden Kelch bekrönt bleibt. In einer Frucht sind 2 - 3 Wirtel von Fruchtblättern vereint;so entstehen mehrere Fruchthöhlen. Am unteren Wirtel sind 3, an den oberen 5 -7 Fruchtblätter beteiligt. Der Granatapfel ist eine apfelgroße Scheinbeere von gelblichbrauner bs dunkelroter Farbe. Die ca. 5 mm dicke Schale umhüllt das geleeartige Fruchtfleisch, in dem die ca. 5 mm großen Kerne (Samen) eingehüllt sind. Die Samenschale besteht aus einem inneren harten Teil (Sclerotesta) und einem äußeren fleischigen Teil (Sarcotesta). Dieser äußere Teil der Samenschale ist saftig und rot - durchsichtig; er ist der eigentlich eßbare Teil des Granatapfels; der Geschmack erinnert an den von Johannisbeere.


Je nach Herkunft sind die Granatäpfel grün-gelb bis rot. Grün oder gelb sind Granatäpfel vom Mittelmeer; scharlachrot und besonders aromatisch ist eine spezielle Sorte, die vorwiegend aus Afghanistan stammt. Granatäpfel werden unreif geerntet, denn lässt man sie bis zur Vollreife am Baum, platzen sie auf.

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Soweit die Uni Düsseldorf. Was weiter an botanisch interessanter Information gefunden wird, bitte hier anhängen. Danke.

Andy

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Beitrag von Andreas Ludwig » 20.01.2007, 17:17


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Beitrag von flu » 21.01.2007, 20:33

Wahrlich - der Granatapfel ist schon eine sonderbare Frucht.

Ich behaupte mal ganz freimütig, dass von 10 Biologen höchstwahrscheinlich 9 nicht erklären können, wie die Blüte und die Frucht von Punica granatum aufgebaut ist, bzw. was wir da eigentlich verzehren. Auch ich muss gestehen, ohne einen Gang in meine Bibliothek wäre ich sicher genauso ins Schwimmen geraten.
Der Aufbau von Blüten ist im Grunde sehr konservativ, wir finden immer wieder die gleichen Strukturen vor. Die Plastizität dieser einzelnen Strukturen bei der Fruchtbildung ist aber dermaßen mannigfaltig, dass der Biologiestudent im Seminar "Spezielle Botanik" regelmäßig ins Stöhnen gerät. Mal übernimmt die Blütenachse die Rolle des Fruchtfleisches (Erdbeere, Apfel), mal wird aus dem Blütenkelch ein Fallschirm (Löwenzahn) oder aus der Samenschale wachsen Flughaare (Baumwolle) und manchmal wird gar der gesamte Blütenstand samt Blütenstandsachse, Kelch-, Hochblätter und Einzelblüten zur fleischigen Frucht (Ananas). Es gibt eigentlich nichts, was es nicht gibt, im Pflanzenreich. Ein Quell der Inspiration und des uneingeschränkten Staunens.

Bezüglich Granatapfel sind viele Aspekte in der Fragestunde schon ganz richtig benannt worden. Es viel der Begriff Sammelfrucht und der1 hat die äußerliche Ähnlichkeit zu einer Hagebuttenfrucht hervorgehoben.
Beides ist gut beobachtet und richtig.


Andreas hat ja schon einen botanischen Extrakt der Uni Düsseldorf zitiert, der sich dem Laien beim ersten Lesen aber sicherlich nicht so ohne weiteres erschließt. Drum versuche ich die Frucht an dieser Stelle noch ein wenig verständlicher zu erläutern:


Die Blüte von Punica sind zwittrig. Sie verfügen über einen Kelche, 5 bis 8 feuerrote Kronenblätter, viele Staubblätter und 8 Fruchtblätter. Die Fruchtblätter sind unterständig, d.h. der Blütenboden ist krugförmig um sie herum gewachsen. Deswegen liegen die ausdauernden Kelchblätter auch am oberen Ende der Frucht (ein solcher krugförmiger Blütenboden ist auch bei der Hagenbuttenfrucht gegeben).

Innerhalb dieses Kruges liegen die 8 Fruchtblätter in 2 Wirteln übereinander (eine Eigenart, die im Allgemeinen nur als Ausnahme oder Abnormität von anderen Pflanzengruppen bekannt ist). Ein Wirtel ist ein Punkt an der Sprossachse, an dem mehr als 2 Blätter entspringen. So liegen im unteren Wirtel dann auch 5 Fruchtblätter, im obern 3. Schneidet man die Frucht in zwei verschiedenen ebenen quer, so kann man die 5 bzw. 3 Fruchtfächer gut erkennen. Die ledrig-fleischigen Fruchtblätter sind verwachsen mit der krugförmig erweiterten Blütenachse.

Eine Frucht mit fleischigem Fruchtblatt ist per Definition eine Beere.
Eine Beere besteht aber immer nur aus einem einzigen Fruchtblatt - Punica hat aber 8 Fruchtblätter. Wir haben hier also keine Einzelfrucht vorliegen, sondern eine Sammelfrucht, und zwar eine Sammelbeerenfrucht (zum Vergleich: Erdbeere = Sammelnussfrucht; Apfel = Sammelbalgfrucht usw.).

Innerhalb der Fruchtblätter liegen nun die Samen. Jeder Same ist von fleischigem Gewebe umschlossen. Hierbei handelt es sich nicht um Fruchtfleisch, welches immer nur aus einem Fruchtblatt hervorgeht, sondern um den äußeren Teil der Samenschale. (Homolog hierzu könnte man noch die Frucht des Ginkgos oder der Eibe erwähnen. Der Ginkgo als Nacktsamer verfügt nicht über ein, den Samen umhüllendes Fruchtblatt, bildet aber dennoch eine fleischige Frucht. Auch hier ist es die äußere Samenschale, die fleischig wird.)


Was wir bei dem Granatapfel also essen ist die äußere, fleischige Samenschale, die Sarkotesta.


Kulturgeschichtlich gibt es noch so unglaublich viel zu berichten, man ahnt ja gar nicht, wo der Granatapfel überall seine Früchte im Spiel hat. ;)
Nicht nur, dass er als Herrschaftssymbol das Vorbild für Zepter und ins Besondere den Reichsapfel darstellt, nein, als eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit (Kulturgeschichte für mehr als 5000 (!) Jahre belegt) muss man wohl davon ausgehen, dass der Granatapfel der eigentliche, biblische "Baum der Erkenntnis" ist, an dem die Menschheit ja bekanntlich so kläglich gescheitert ist. ;)
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