Spezielle Behandlung der Sämlinge

CamKnight 1
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Spezielle Behandlung der Sämlinge

Beitrag von CamKnight 1 » 20.03.2007, 00:49

Innerhalb von knapp drei Wochen hat sich einiges getan. Aus kleinen vertrockneten Samen aus einem schmackhaften Stück Obst vom Supermarkt am anderen Ende der Stadt hat sich etwas hübsches kleines Entwickelt. Ein kleiner Stengel, an dessen Ende zwei kleine hübsch zusammengerollte Keimblätter, gefolgt vom ersten Blattpaar. Sehr hübsch anzusehen.

Doch was passiert denn noch? Was is denn unter der Erdoberfläche passiert? Ja, logisch, Ne Wurzel. Unser Pflänzchen will sich ja auch fest verankern und will sich aus dem Boden um sich rum auch bedienen. Und wie verankern wir uns am Besten? Und wo ist meist schöne feuchte Erde? Richtig! Möglichst weit unten. Und schon schießt eine lange Wurzel nach unten.

Aber da schreitet der Hobby-Bonsaianer ein. Wir wollen ja nun den kleinen vorschreiben wie er seine Wurzeln bilden soll. Eine dicke Pfahlwurzel an einer alten verholzten Pflanze zu entfernen ist schwierig. Häufig die letzte Möglichkeit: Abmoosen. Doch da muss es doch auch eine andere Möglichkeit geben: Und die gibt es!

Was passiert wenn wir einen Ast oder ein Stück Wurzel von einer Pflanze entfernen? Richtig. Sie verzeigt sich. Die Pflanze treibt wieder aus. Aus einem Wurzelstumpf entspringen mehrere kleine neue Wurzelfäden. Und das tun wir nun in einem möglichst frühen Stadium der Entwicklung der Pflanze.

Ich habe mich hier Hauptsächlich an die Anleitung aus dem Buch "Vom Grundkurs zum Meister" von Horst Stahl gehalten. Viel Spaß beim Lesen.


CamKnight 1
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Beitrag von CamKnight 1 » 20.03.2007, 00:58

1. Die Vorbereitung

Was brauchen wir?

- Einige Sämlinge, bei denen sich schon das erste echte Blattpaar zeigt
- Zimmergewächshaus
- Substrat, je nach eigenen Erfahrungen
- Schüssel mit Wasser
- Zahnstocher
- Pinzette
- Rasierklinge
- diverse kleine Gegenstände für Mini-Erdarbeiten

Zum Substrat möchte ich keine Vorschriften machen. Dabei habe ich persönlich wieder Cocohum als Hauptbestandteil, da ich schon bei der Keimung gute Erfahrungen gemacht habe. Diesmal aber habe ich mit feinem Kies gemischt. Verhältnis Cocohum/Kies etwa 3:1. Außerdem habe ich eine Hand voll Komposterde beigemengt. Das auflockern des Substrats durch den Kies und die Huminsäuren in der Erde sollen Wuzelwachstum fördern

Wenn ihr alles Bereitgestellt habt kanns losgehen.
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Mein Arbeitsplatz
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CamKnight 1
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Beitrag von CamKnight 1 » 20.03.2007, 01:15

2. Das "Ausgraben"

Nun gehts los. Wir suchen uns eine geeignete Jungpflanze aus und gucken uns diese an. Ich bin bei den ersten Pflanzen sehr vorsichtig vorgegangen, wodurch sich eine andere Technik anbot. Dazu später mehr. Wir entfernen also ganz vorsichtig das Substrat rund um den Stengel. Dies macht sich ganz gut, wenn man mit dem Zahnstoche von der Pflanze weg kratzt. Relativ schnell sollte man auf den Kern stoßen, den man mit der Pinzette rausholt.

Es ist eine wahnsinnig filigrane und zeitaufwendige Arbeit. Vorsicht ist geboten, wenn man die Pflanzen nicht verletzen will. Also zum Mitschreiben:

Ruhe Bewahren, Geduld und keine zittrigen Finger bekommen!


So treiben wir das Loch um den Sämling immer tiefer, bis wir auf die ersten weißen Wurzelfäden stoßen.

Wenn genug von der Wurzel freigelegt ist fasst man die Pflanze möglichst weit unten (nicht quetschen) und zeieht sie vorsichtig heraus.

Das warst eigentlich. Bei den ersten drei Pflanzen bin ich wirklich sehr sehr vorsichtig vorgegangen. Dadurch konnte ich die obersten Bereiche der Wurzel gut erhalten. Diese drei Pflanzen habe ich gesondert behandelt. Dazu später mehr. Ob sich die große Sorgfalt gelohnt hat werden wir sehen.
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Der oberste Bereich der Wurzel: Vier Wurzelhaare in allen vier Himmelsrichtungen
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Wir buddeln bis wir die Wurzelhaare sehen können (weiß)
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Unser Kandidat
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CamKnight 1
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Beitrag von CamKnight 1 » 20.03.2007, 01:24

Der Schnitt

Wir haben nun also unsere Pflanze ausgegraben und wollen die lange Pfahlwurzel kappen. Ich habe drei Pflanzen mit schönem oberen Wurzelbereich ausgegraben und kappe daher nicht die gesamte Wurzel.

Nach Anleitung kappen wir alles was Zitat: "0,5 bis 1,5 cm" unter dem Keimblättern liegt. In der Realität würde ich da keine genauen Zahlen zu Grunde legen. Ich habe ein bisschen rumprobiert. Ich kann leider noch nicht sagen, was sich also optimal herausstellen wird.

Zum Schneiden kann ich sagen, dass es ich am besten macht, wenn man den Sämling auf eine glatte Unterlage mit einer Kante legt. Man legt geraden den Teil, wo der Schnitt erfolgen soll auf die Kante. Alle Wurzelhaare die dran bleiben sollen kommen auf die eine Seite, was weg muss auf die andere Seite und dann mit der Rasierklinge einen hübschen sauberen Schnitt machen.

Etwas fummelig aber im Vergleich zum Ausgraben ein Klacks!

Nachdem wir die Wurzel abgetrennt haben kommen die Sämlinge in die bereitgestellte Wasserschüssel, damit sie nicht austrockenen bis wir sie einpflanzen.

Schwimmen nun alle Pflänzchen im Wasserbad geht es weiter.
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Und Schnitt !
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Hier die ausgegrabene Pflanze.
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Beitrag von CamKnight 1 » 20.03.2007, 01:43

3. Das Einpflanzen

Und der letzte Schritt ist auch schon erreicht. Für die Pflänzchen bei denen noch ein Teil der Wuzel erhalten blieb müssen wir ein Löchlein ausheben, was mindestens genauso groß wie die Wurzel ist. In die mitte von dem Loch noch ein kleines Häufchen Substrat schütten. Darauf setzen wir das Pflänzchen, richten die Wurzelhaare aus und bedecken sie mit Erde. Das wars. Ein bissel andrücken und fertig.

Bei den ganz entwurzelten Pflanzen gehts sogar noch einfacher. Mit dem Zahnstocher ein Loch gebohrt. Darauf achten, dass man nicht bis zum Boden des Gewächshauses bohrt. Den Stengel rein und leicht andrücken. Fertig! Auch hier stand im Buch, dass die Pflanzen bis kurz unter den Keimblättern im Substrat stecken sollen. Dies habe ich allerdings auch ein wenig variiert. Mal sehen was dabei rauskommt.

Zum Schluss wird noch gut gewässert, schön besprüht Deckel drauf und Fertig!

Ich hoffe ich konnte alles gut rüberbringen und der Herr Lehrer ist damit zufrieden. Dann lasst euch durch den Bericht mal inspirieren und getreu dem alten Motto:

"Machts Mit
Machts Nach
Machts Besser"

Und nochwas zum Schluss. Das wichtigste ist wirklich immer Vorsichtig mit den Sämlingen umzugehen. Die Arbeit is nix für Grobmotoriker. Also: Wie rohe Eier behandeln die Kleinen. Sie werdens euch danken.

Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig » 20.03.2007, 08:28

Sehr schön, CamKnight 1!

Ich hänge nur ein, zwei Überlegungen an, bevor alle Keimlinge gekürzt werden.

- Dein Bild zeigt sehr schön, dass Punica granatum sehr schnell kleine Seitenwurzeln bildet. Ein ausgeprägter Pfahlwurzler ist es nicht.

- das Bodenvolumen in einem Anzuchtschälchen oder Torftöpfchen ist klar begrenzt.

Fazit: Es wird sich zwar eine Art Pfahlwurzel bilden, die stösst aber bald an und dann werden oben automatisch Verzweigungen entstehen.

Dazu haben wir gesehen, was grundsätzlich so möglich ist mit Punica. Grosser Baum, kleiner Baum, starker Baum, feiner Baum. Wurzeln über den Stein. Was bedeutet das für den Wurzelansatz? Will ich wirklich immer einen flachen Teller? Ist es tatsächlich sinnvoll, einen Keimling, der schnell lange Wurzeln bilden sollte, gleich erst mal radikal zu kürzen?Und - Gegenprobe - führt das Belassen der Keimlinge wirklich zu einem «Schaden»?

Einmal mehr wird man abwägen müssen. Ich kann nicht bestätigen, dass das extrem frühe Abwurzeln immer klappt und in jedem Fall zum gewünschten Resultat führt, da die Keimlinge eine kurze Zeit extrem austrocknungsanfällig sind. Dagegen habe ich noch nie erlebt, dass auf den ersten zwei Zentimetern der Wurzeln keine Seitenwurzeln entstünden, egal, wie man damit umgeht.

Meine Empfehlung ist darum: Obiges Verfahren bei einem Teil der Keimlinge anwenden, um diese Erfahrung zu machen, aber sicher mindestens die Hälfte der Keimlinge unbehandelt lassen zum Vergleich. Das Verfahren ist bei Punica granatum nicht zwingend notwendig, darum schenke ich es mir die Fummelei meist oder schneide erst einige Wochen später gute zwei Zentimeter tiefer.

Jarla
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Beitrag von Jarla » 06.04.2007, 18:30

Hallo,
ich wollte mal nach Erfahrungen zu dieser Methode fragen:
Haben die Keimlinge das Entfernen der Wurzeln gut überstanden? D.h. leben sie noch? Haben sich schon neue Wurzeln gebildet?
Gruß
Jarla

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Beitrag von CamKnight 1 » 06.04.2007, 22:16

Also bei mir sieht alles gut aus. Die ersten Tage sollte man die Sämlinge schattig aufstellen. Also bei mir sehen alle Pflänzchen Top-fit aus und im Vergleich zu den unbehandelten Pflanzen sind sie in ihrer Entwicklung auch nicht großartig gebremst worden.

Aber als ich mir die Wurzeln einer Pflanze mal angesehen habe, war ich doch ein wenig enttäuscht ... aus einem langen verzweigten Faden ... wurden vier lange verzweigte Fäden. Also wie Andreas schon gesagt hat, ist die Methode am Granatapfel nicht unbedingt empehlenswert, da er eh schon über gut verzweigte Wurzeln verfügt.

Wer es dennoch machen möchte, macht damit sicherlich nichts falsch. Aber gewinnen tut man so auch nichts.

Gruß Martin.

Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig » 08.04.2007, 11:10

Martin hat das richtig erkannt.

Das Problem ist, dass es nicht eine Methode geben kann. Dazu sind die Keimverhalten verschiedener Bäume viel zu unterschiedlich. Manchmal vergessen die Buchautoren, darauf hinzuweisen, manchmal liest man im Eifer darüber hinweg.

Dieser Tage hat es sich ergeben, dass ich zwei schöne Beispiele dafür gefunden habe. Das Bild zeigt zwei Keimlinge, links eine Eiche, rechts ein Granatapfelbaum. Die Eiche ist ein Vertreter der hypogäischen Keimer - Die verhältnismässig riesigen Keimblätter (was wir als Eichel sehen) bleiben im Boden und speisen eine kräftige Wurzel, die vor dem Austrieb loslegt, und wie. Das Bild hier ist harmlos. In anderen Töpfen habe ich einen Zentimeter Spross und eine Zwanzig-Zentimeter-Wurzel, die bereits durch das Plastiknetz und das Bodenloch auf Wanderschaft geht.

Wenn ich das früh in Richtung Bonsai treiben will (was bei einer Eiche auch vom Alter des Gestalters abhängt, aber warum nicht), muss ich was tun. Man sieht unterhalb des Wurzelansatzes einige Seitenwurzeln. Das ist meine Chance. Da muss ich jetzt (ganz nach Stahls Rezept wie oben beschrieben) die Pfahlwurzel kappen. Dann werden sich die Seitenwurzeln gleichmässig entwickeln. Mache ich das nicht, schiebt sich die Pfahlwurzel in den Boden und verzweigt sich weit unten. Das kann ich dann in geduldiger Arbeit Stück um Stück reduzieren. Darum ist es auch nicht ganz ohne, Eichen aus der Natur zu bergen.

Ganz anders Punica. Keine Spur mehr vom Kern, der hat seine Aufgabe getan. Die Hülle ist abgegangen, die Keimblätter stehen weit oben in der Luft. Die Wurzel ein feiner Faden. Überhaupt ist alles fein, verglichen mit der Eiche. Genau darum bin ich kein Freund des frühen Rückschnitts - es ist mir zu oft schiefgelaufen. Hauptgrund: Trockenheit. Ich habe jetzt (Ostersonntag, 11 Uhr), 20 Grad bei 35 Prozent Luftfeuchtigkeit. Das ist nicht viel. Man siehts auch an den Töpfchen, ich latsche bereits mit der Giesskanne rum. Das Risiko, dass die kleinen Keimlinge vertrocknen, sei es bei der Behandlung, sei es anschliessend, ist mir zu gross.
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig » 08.04.2007, 11:19

Nachtisch für Eichenfans: Hier einer, dem ich die Wurzel vor ein paar Tagen gekappt habe. Man sieht sehr deutlich, wie jetzt die Seitenwurzeln dicker werden.

Achtung: Wer seine Keimlinge auch so auswäscht und auf den Scanner legt, muss wissen, dass es evtl. das letzte Bild ist, das er von diesem Baum hat. Ich werfe diesen Keimling nachher weg, wie die beiden anderen auch. Es ist Ausschussware, die ich für den Schulbetrieb ausgesondert habe.
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Beitrag von Andreas Ludwig » 08.04.2007, 11:50

Zurück zur Punica.

Im Sinne einer vertauensbildenden Massnahme zeige ich mal, was uns in einem Jahr etwa erwartet.

Ihr erinnert euch an die einjährigen Stöpsel im hübschen Topf (40 Cent im Kaufhaus). Schauen wir die mal an. Bewusst habe ich einen weiteren hübschen Topf aufs Bild genommen (französischer Vanilleyoghurt-Topf). Da hats Wasser drin. Banal, aber wichtig: Holt man die Keimlinge aus der Erde und fummelt da so dran rum, sollte man sie einstellen, sonst ist der Spass schnell vorbei.

Im Topf war eine banale Erdmischung, 1/3 Akadama, 1/3 Seramis, 1/3 Pflanzerde (ich verzichte auf Torf, weil ich Moore etwas Schönes finde). Sie standen sonnig und wurden täglich bis zum Abfliessen gegossen und gefüttert. Sonst nichts, erst im Sommer gabs einen einzigen Schnitt. Man sieht, wie sich das Wurzelwerk entwickelt - gleichmässig, feinverzweigt.

Mein zweiter Grund, auf komplizierte Keimlings-Chirurgie zu verzichten: Es drängt sich nicht auf. Auch die oberen Seitenwurzeln haben sich gut entwickelt. Das ist gut, denn dann kann ich unten mehr weghauen. Wieviel, sieht man auf dem Bild. Stellt man sich das wiederholt über einige Jahre vor, ist das Nebari beachtlich (ich habe ja erwähnt, Punica sei dankbar).

Vor einer Woche habe ich gekappt. In der Zwischenzeit hat sich bestätigt, was ich befürchtet habe: Das Ausbreiten auf schwarzer Pappe hat trotz Wässerung nicht gut getan. Einer der drei Stöpsel sieht ziemlich kaputt aus. Aber er treibt bereits wieder, also habe ich vielleicht Glück. Also - man achte darauf, die Wurzeln so kurz wie nötig trocken zu halten!
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Beitrag von ChenZ » 08.04.2007, 12:16

hi
du sagtest ja wir sollen hier mit wurzeln und so weitermachen.

auch ich habe mir überlegt die von stahl beschriebene methode mit dem brett mit löchern anzuwenden, da wir ja sowieso einige keimlinge haben.

ich habe da so an eine gruppe mit 3-5 keimlingen gedacht. der rest ( ca. 15 pflänzchen) sollte dann noch reichen andere sachen auszuprobieren.
Gruß Henning

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Beitrag von Andreas Ludwig » 08.04.2007, 12:25

Hi ChenZ

«Probieren hilft massiv beim Studieren».

Wahrscheinlich wird die Brettchen-Sache nicht soviel bringen wie bei Ahornen und anderen Arten. Die neigen auch eher zum «Eichentyp». Würgt man da die Hauptwurzel ab (was ja der Effekt des gebohrten Brettchens ist), wachsen die Seitenwurzeln wie irr.

Hat jemand schon mal mit Buchs gearbeitet? Da haben wir einen anderen Typ - netzartiges, gleichmässig starkes Wurzelgeflecht, das zu einem klumpigen Ballen wächst. Da ist die Nebari-Entwicklung eine zeitraubende Sache. Flachwurzler halt.

Punica ist irgendwo dazwischen, aber schon eher auf der Buchs-Wacholder-Seite. Man sollte darum nicht zuviel von der Brettchen-Massnahme erwarten. Das Dickenwachstum fehlt, das bei diesem Trick den Effekt ausmacht.

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Beitrag von Yannick » 09.04.2007, 11:04

Soweit ich mich erinnere, hat Stahl die Brettchen Methode doch auch für Stecklinge, nicht für Sämlinge vorgesehen, oder irre ich mich? Denn es könnte vielleicht ein Problem geben, Sämlinge mit Wurzeln durch das Loch im Brett zu zwingen, im Gegensatz zu Stecklingen, die ja zu dem Brettchen-Zeitpunkt noch gar keine Wurzeln haben...

Yannick

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Beitrag von Andreas Ludwig » 09.04.2007, 11:31

Yannick

stimmt schon - bei Stahl sind es Ahorn-Stecklinge. Übrigens gezeichnete. Das ist in wissenschaftlichen Büchern oft ein Hinweis auf Idealisierung, oder anders gesagt: So einfach ist es offenbar doch nicht. Man probiere ruhig selber.

Mit Keimlingen, dafür geeigneten jedenfalls, geht es auch, nicht nur theoretisch, auch praktisch. Nussbaum und Eiche sind jedenfalls machbar. Diese Pfahlwurzler entwickeln sich so einfach und buchstäblich schnörkellos. Nur eben - wozu soll man, ausser zur Beweisführung? Ich hab fünf Eichen verbunden und werde testamentarisch bestimmen, wer dieses Rohmaterial haben darf (ich bin 40).

Dein Einwurf ist darum klug und richtig: Nicht alles, was machbar ist, bringt etwas. Ich denke, dass im Gegenteil viel zuviel gemacht wird. Beispiele: Kaum lebt ein Ficus so halbwegs, muss er einen experimentellen Blattschnitt mitmachen. Äste, die mit Sicherheit eines Tages das strenge Auge eines Kursleiters nicht überleben, werden jahrelang zweimal pro Jahr gedrahtet. Man diskutiert wochenlang über die richtige Schale zu einem Präbonsai, der kaum ein Drittel seines Volumens hat...

Damit sind wir wieder bei der Sache an sich: Mich hat erstaunt, dass niemand auf die Frage zurückkommt, was wir denn jetzt mit den Granatapfelkeimlingen machen, nachdem wir wissen, was wir nicht machen.

Ich werde es so machen: Ab Mai kommen die in einen kleinen, billigen Pflanztopf. Der einzige Entscheid, der da ansteht, ist, ob ich die rotbraunen oder die schwarzen nehme... Warum? Weil es viel einfacher ist, im zweiten Jahr an einer einigermassen entwickelten Wurzel zu arbeiten. Ich muss da Material haben, also werde ich mich hüten, jetzt schon an einen Bonsai zu denken.

Nachtrag für Ungeduldige:
Ich denke, dass jetzt klar geworden ist, wie langwierig diese Geschichte wird. Den Instant-Bonsai gibt es einfach nicht. Beschleunigen kann man biologische Prozesse nur bedingt im von der Pflanze vorgegebenen Rahmen. Hm. Das geht uns natürlich gegen den Strich. Kein Superdünger, keine Wahnsinnsmassnahme? Was also tun? Ganz einfach: Wir werden uns beizeiten umsehen, wann und wo diese skurrilen Bauernfänger-Töpfchen in den Super- und Baumärkten auftauchen. Sie haben klangvolle Namen wie <Bonsai mediterran> oder <Zimmerbaum, stets feucht halten>. Im Moment sind die Koniferen und Oliven dran, die Granatäpfel kommen gewöhnlich etwas später. So einen werden wir uns krallen (wie und wo und so folgt). Während der Keimling dann in Ruhe wachsen kann, werden wir damit den umgekehrten Weg gehen, den der Reduktion. Granatäpfel sind dafür ganz gut, man kann abmoosen, zurückschneiden, drahten, das ganze Programm. Also seid lieb zu den Keimlingen...

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