Sämlinge (2. Jahr)

Andreas Ludwig
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Sämlinge (2. Jahr)

Beitrag von Andreas Ludwig » 09.05.2008, 17:19

Es ist Mai, bald sind die Eisheiligen vorbei, wir haben 24 Grad, ein Grad Celsius unter der Sommergrenze. Die Punica-Sämlinge werden getrieben haben, man müsste langsam was tun. Nur - geht das, nachdem gerade einer erzählt hat, wie schlecht das für seinen Baum war?

Ich bin fast froh, dass das passiert ist, man kann viel daraus lernen. Es ging da um einen 8 Jahre alten Baum, der bereits ein gewisses Gerüst aus Ästen und einem Stamm hat. Das ist etwas komplett anderes als unsere Sämlinge, weil wir dieses Gerüst erst haben müssen. Aber der Reihe nach:

Wir haben jetzt so begrünte Stricknadeln. Ziel ist es, ein baumartig verzweigtes Ding von vielleicht einer Handbreit Höhe zu erhalten. Jetzt darf man sich nicht täuschen lassen von allerhand Trieben, die entstehen, so erfreulich das ist. Davon wird nicht alles zu unserem Ziel beitragen. Nutzlos ist da das Höhenwachstum, das bringt sogar die Gefahr, dass erst weit über der Zielhöhe eines Minibonsai Seitentrebe ansetzen.

Es ist auch nicht so, dass die jetzigen Seitentriebe später die Äste sein werden. Sonst kriegt man einen Baum, der lauter durchgehend gleich dicke Äste hat. Nein, von dem, was dieses Jahr wachsen wird, werden wir im Endeffekt wenige Millimeter erhalten. Unser nächstes Ziel ist es, einen Stamm und die Anlagen von Äste zu kriegen. Wir können und sollen also viel abhauen.

Und das Nebari? Kommt schon. Es ist vielleicht etwas enttäuschend, aber ich empfehle nicht,den Wurzelteller jetzt schon ausbilden zu wollen. Man sieht auf dem Bild, wieso: Ausgeprägt ist erst eine lange Wurzel, nicht gerade ein Pfahl, eher ein langer Wurm. Manche Sämlinge haben kaum Seitenwürzelchen. Wer genug Sämlinge hat, möge sich auf die mit Seitenwurzeln konzentrieren, es ist dankbarer.

Auf dem Bild kann man abschätzen, wie wenig vom oberen Grün stehenblieb. Das reduziert natürlich die Verdunstung massiv und ich kann unten entsprechend auch etwas abhauen. Aber bloss nicht alles - für die Bildung des Nebari haben wir noch Zeit.

So gestutzt, kommt der Sämling wieder in ein Töpfchen und zuerst mal in den Schatten. Er wird mir mit Neuaustrieb zeigen, wann er reif ist für ein Sonnenbad.
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Maximal gestutzt und zurück im Topf.
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Sieht nach viel aus, sind aber bloss dünne Einzelwurzeln. Den rechts schmeisse ich weg, man muss nicht alles hochziehen wollen.
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Links und Mitte: Beide gesund. Links hat etwas mehr Sonnenschutz. Rechts: Der hat Sonnenbrand, ist aber gesund.
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ubik
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Beitrag von ubik » 12.05.2008, 22:25

Andreas, danke für den neuen Thread hier. Ich zeig dir mal ein paar von meinen Sämlingen aktuell. Die scheinen noch nicht soweit wie deine und ich frage mich ob ich vielleicht noch 2-3 Wochen warte ehe ich dran rumschnippele. Was denkst du ?

Ich glaub ich hatte die Pflänzchen im Winter ein wenig überschätzt, bei vielen sind die Spitzen samt oberen Knospen weggestorben, aber das wäre dann ja jetzt auch nicht mehr so schlimm.

ralph
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig » 12.05.2008, 23:30

ubik - die Zeit für «Ganzpflanzenbehandlungen» läuft ab, der Sommer kommt. Aber du verlierst nichts, wenn du dieses Jahr bloss «oben» arbeitest und es unten wachsen lässt. Es reicht, wenn man eine Bonsaiwurzel im zweiten jahr anfängt zu gestalten...

Das Abfrieren ist nicht unbedingt normal im Sinne von positiv, aber es gehört zum Alltag für Sträucher in der Natur. Schneelast, Frost, Eisregen und dazu die ganze Armee kleiner und grösserer Pelzmäher - Mäuse, Hasen, Rehe, Hirsche - machen es erforderlich, dass die meisten Sträucher in Staffeln treiben können. Sonst könnten wir ja unsere Bonsai auch nicht gestalten. Der Zukunft deiner Minis wird sich innerhalb einer Daumenhöhe ab Boden abspielen. Alle weiteren Triebe sind nicht Gestaltungsmaterial, sondern im Moment bloss «Wachstumsmasse», also keine Bange.

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BatzeMicha
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Beitrag von BatzeMicha » 13.05.2008, 11:11

Aha. Hmm...d.h wir sollen was jetzt machen?

Das ganze verwirrt mich jetzt nen bisschen. Könntest du vielleicht so nen kleiner Turtorrial machen zu den Schritten die du gemacht hast, denn ich möchte alles richtig machen. Hab ja nurnoch 9 Stück übrig. Wäre das möglich? Danke dir ;)

Edit: Das sind nen paar von meinen:

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MfG Micha

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Beitrag von Andreas Ludwig » 13.05.2008, 12:22

Jo... also das Verwirrende ist Folgendes (und das wird dich bei Bäumchen immer begleiten):

Alle sind auf der Suche nach einem Bonsaibauernkalender, in dem steht «Topfe am soundsovielten des Monats X um. Man nehme: 200 Gramm Erde, Mischung 5 (siehe Anhang)». Und so weiter, genaue Rezepte eben. Macht man das, geht's schief. Oder nicht. Oder zweimal und dreimal nicht. Dann weiss man nichts, hintersinnt sich, was falsch lief, macht sich oder dem Baum Vorwürfe und schreibt irgendwo im Internet: «Das geht nicht.» Hat man ganz grosses Pech, liest das einer, bei dem es gerade ging. Das geht dann bis zu Verwarnungen und Magengeschwüren.

Ich empfehle ein Lernen, bei dem nicht die Suche nach «Wissen», sondern die nach dem Verstehen der Zusammenhänge im Vordergrund steht. Das Wissen ist heute überall: Ich kann im Internet nachsehen, ob Bäume Kalk vertragen, welche Arten am Bach wachsen, welche Kronen sie bilden und wie ihre Blätter aussehen, aber das ist alles aus zweiter Hand und digitalisiert, gefiltert. Ich muss mit dem Wissen kritisch umgehen können.

Aus erster Hand kriegt man das: Ich untersuche grundsätzlich Sträucher, den Rasen und schaue Bäume an, wenn ich irgendwo bin. Ich glaube fest an den Vorteil dieser Methode, weil man so immer auch etwas vom Zusammenhang mitkriegt: Wo Süden ist, hat man schnell entdeckt, man kann Schattentäler von Südhängen unterscheiden, es reicht aber auch schon, die Umgebung zu vergleichen. Mit der Zeit sieht man daraus, wo das Moor anfängt, wie der Strassenbaum die Fichte geschädigt hat, wie die Weiden mit dem unterschiedlichen Wasserstand klarkommen usw. usw.

Wir wissen alle, dass man sich komplett bescheuert verhalten kann, wenn man «nur seine Pflicht» tut. Man muss - oder sollte - verstehen, warum man diese Pflicht tut, damit man dann in dem einen kritischen Fall erkennt, dass man sie jetzt verletzen muss. Macht man die Pflege der Bäume zum «Wissen, das man pflichtbewusst befolgt», kann man sich komplett bescheuert verhalten. Ich weiss z.B. wirklich oft nicht, wo ich anfangen soll, wenn wieder ein Weihnachtsficus nach drei Monaten Schlammschlacht auf dem Küchentisch alle Blätter verliert, ganz plötzlich und obwohl er doch Dünger hatte. Was sagt man jemandem, der eine Katze wie einen Fisch behandelt?

----

Na - dann machen wir es doch besser. Also rein in die Zusammenhänge, sie werden alle Fragen beantworten.

Vorab soviel: Diese Sämlinge kannst du genau so weiterpflegen. Da ist eine Wurzel, die seitlich überall so ein bisschen austreibt. Soll sie doch. Kappen kann man die auch nächstes Jahr. Die Gefahr von Schäden ist grösser als der Gewinn. Aber fang an zu überlegen, wo der Stamm bei deinem Baum eines Tages in die Äste übergeht. Da solltest du schneiden. Bist du dir unsicher, kannst du sogar das noch ein Jahr schieben.

(Kaffeepause)

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Beitrag von BatzeMicha » 13.05.2008, 13:24

Danke für den Roman ^^. D.h ich muss noch nichts wegschneiden? Wie groß sollten denn unsere Minibonsais werden. Hab da noch keine Ahnung von. Ich kann ja erst den Untersten Ast festlegen ( durch das erste Kappen?!? ) wenn ich weiß wie groß er mal werden soll. Thx
MfG Micha

Jarla
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Beitrag von Jarla » 15.05.2008, 10:07

So, hier ein kurzer Zwischenbericht meinerseits: Ich habe mich gestern Abend an die "Arbeit" gemacht. Da ich aus dem letzten Jahr noch recht viele Sämlinge habe (so um die 30) habe ich erst mal nur 20 so weit es ging gestutzt und die restlichen 10 in ein Beet gepflanzt, um ggf. noch Reserven zu haben. Hier regnet es zur Zeit, sodass ich mir vor zu viel Sonne zunächst wohl keine Gedanken machen muss. Nun erwarte ich geduldig den Neuaustrieb.
Gruß
Jarla

Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig » 24.05.2008, 01:39

So - endlich News. Zuerst zur offenbar dringendsten Frage von Micha, wo und wie er denn jetzt schneiden könnte.

Schau mal kurz hier auf die Detailbilder. Da sieht man etwas ganz Typisches: Ein Jungspund wird eingetopft und bloss zaghaft aussenrum im grünen Teil etwas gestutzt. Das machen viele so und wundern sich dann, dass das einfach nicht so recht nach Bonsai aussieht, auch nach Jahren nicht.

Um das richtig zu verstehen, muss man sich vom Gedanken verabschieden, ein Bonsai sei einfach ein Baum, der in einem Topf steht. Das mag hinhauen, wenn man ihn «in Baumform» erwirbt oder als Yamadori ausgräbt, da achtet man ja auch auf eine einigermassen taugliche «Vorform». Lässt man aber diese Linde einfach so weiterwachsen und schneidet bloss die Triebspitzen zurück, dann wird der Grössenunterschied zwischen Ästen und Stamm nie geringer. Damit entsteht nicht der Eindruck eines Baums, sondern der eines Busches auf Stelzen oder etwas in der Art.

Darum, Micha, haben wir es nicht besonders eilig: Wir warten eigentlich erst auf den Stamm, also den untersten Bereich unseres Mini. Das sind, wenn man daran denkt, dass ein Mini komplett so circa 10 Zentimeter gross ist, vielleicht fünf Zentimeter. Diese ersten fünf Zentimeter brauchen einen Vorsprung gegenüber allem, was danach kommt, damit es auch wie ein Stamm wirkt. Jetzt scharf überlegen: Schneidet man, ist man zwar dem Ziel, einen kleinen Baum zu haben, vermeintlich näher. Dafür darf man sich dann in Zukuft damit abmühen, die Äste wieder wegzukriegen, die unterhalb des Schnitts noch in diesem Jahr etwas gleich dick wachsen werden wie der Stamm. Man riskiert einen dünnen Stamm, der in einen dicken Knopf mündet, von dem dicke Äste abgehen. Zusätzlich bewirkt der Schnitt natürlich einen kurzen Unterbruch im Dickenwachstum.

Wir machen also eigentlich genau das, was ihr angelegentlich als «Opferast» kennengelernt habt oder kennenlernen werdet, bloss ist unser Opferast einfach der obere Teil des Schaschlikspiesses. Lässt man das (gar nicht wie einen Bonsai, sondern eigentlich wie eine x-beliebige Balkonpflanze) wachsen, werden unsere ersten fünf Zentimeter schön an Dicke zulegen. Abgesehen davon sind wir dann auch auf der sicheren Seite, was die ganze Fummelei mit den Wurzeln angeht. Ein junges Pflänzchen ist schneller ruiniert als ein etwas grösseres...

Soviel zu diesem Kapitel des Romans.

Aber nochmal zurück zur Frage des Kalenders: Schnapp dir mal einen Schulatlas und schau dir auf den Klimakarten an, wie es da so ist, wo diese Granatapfelbäume draussen wachsen. Stichwort Genua, ich nehme Iran, Spanien, Griechenland, Nordafrika und Peru dazu. Das sind Gegenden, wo diese Pflanze eine landwirtschaftliche Bedeutung hat. Gemeinsamkeiten: Kein Frost, gemässigtes Klima und entweder gut Regen oder künstliche Bewässerung, also gesamthaft eher feucht.

Es muss uns klar sein, dass wir uns etwas ausserhalb dieser Klimazone befinden, manche mehr, manche weniger. Im Rheingraben und anderen Nischen mag die Überwinterung draussen klappen, in Oberbayern würde ich davon absehen. Damit sind wir auch schon beim Haken der ganzen Sache: Es braucht eine Verschiebung von wenigen Grad Celsius und ich habe eine ganz andere Situation als Micha. Hat einer ein ganz leicht wärmeres Winterquartier, das noch etwas Sonne abkriegt, werden seine Bäume schnell mal zwei, drei Wochen vor denen von anderen austreiben.

Ist das der Fall, hat man zwar früher Laub, kann die Bäume aber noch nicht rausstellen wegen den Nachtfrösten. Resultat: Lange Frühtriebe, für die Gestaltung eigentlich unbrauchbar, die zudem in der Sonne gerne Sonnenbrand kriegen. Diese Bäume wird man also sehr früh zum ersten mal schneiden, nämlich wenn man sie rausstellt. Hat man ein kühles Winterquartier, sind die Knospen vielleicht nicht einmal offen, wenn der April/Mai da ist und alles ist entsprechend einfacher - rausstellen, fertig.

Das hat natürlich Einfluss auf alle übrigen Massnahmen. Im wärmeren Winterquartier wird man unter Umständen umtopfen, bevor man die Bäume rausstellt und auch bemüht sein, ihnen soviel Licht zu geben wie nur irgend möglich. Beim kälteren Quartier geht Rausstellen und Umtopfen dagegen in einem. Wichtigste Regel: Es gibt ein ideales Zeitfenster und ein Mindestalter für solche Eingriffe. Das Mindestalter wurde ja schon erwähnt. Operiert man an Keimlingen herum, wie ich es einmal bei Eichen demonstriert habe, ist man darauf vorbereitet, einige davon zu verlieren. Je weniger Holz, umso empfindlicher. Das ideale Zeitfenster liegt einfach gesagt zwischen der sichtbaren Knospenbildung (rote Spitzchen überall am Baum) und der Entwicklung des zweiten Blattpaares. Topft man später um, muss man die Pflanze bereits sehr schonend behandeln, das heisst ja nicht in die Sonne stellen, nicht düngen und einfach in Ruhe lassen, bis neue Triebe erscheinen.

Generell gilt wie immer: Unser Wunsch darf nicht Befehl werden. Pflanzen lassen sich nichts befehlen, sie tun, was sie können und das ist eine ziemlich sture Geschichte. Will man den Keimling zu früh und zu schnell zum Bonsai modeln, geht er ein.

Hm. Also ein Jahr lang Schaschlikspiesschen giessen? Nun, nicht nur bei Bonsai ist ein Jahr nicht viel. Niemand schickt Einjährige in die Schule.
Das bedeutet, dass wir uns wieder einmal Gedanken machen müssen, wie wir uns die Zeit so vertreiben. Der nächste Artikel wird darum wieder dem umgekehrten Weg gewidmet sein - den kleinen Punicas, die man eigentlich überall im Bonsaihandel um wenig Geld findet. Meist sind es kleine Wuschel, aber manchmal steckt bei näherer Betrachtung durchaus etwas Bäumiges drin.

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Beitrag von BatzeMicha » 24.05.2008, 13:39

Aaahhaaa?

Habs mir jetzt 2 mal durchgelesen und kann jetzt das daraus schließen:

1) Je früher ich meine kleinen jetzt so drastisch schneide desto höher ist die Gefahr das sie mir kaputt gehen. D.h wenn ich noch länger warte, dann bin ich aufm sicheren Weg?

2) Meine kleinen haben jetzt schon lange Blätter, d.h ich hätte sie schon umtopfen müssen bzw. sollte es jetzt mal machen und sie danach aber schonend behandeln?

3) Hab ja bis jetzt eig. garnicht gewusst wie groß wir die "Minibonsai" eigentlich machen, 10 cm :shock: . Müssen wir die so klein machen? ^^

Mein Problem ist, das ich klare Anweisungen brauche, da ich sonst einfach nicht weiß was ich nun machen soll -.- ^^.

Danke.
MfG Micha

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Beitrag von Andreas Ludwig » 24.05.2008, 14:09

Och Micha... du kriegst nie ein Diplom oder eine Note. Es ist immer dein Baum und hat darum immer viel mit dir zu tun. Befolge niemals Regeln, deren Sinn du nicht einsiehst und die dir niemand erklären kann. Ich gebe dir gerne klare Auskünfte, aber ich möchte, dass du dir selbst Klarheit verschaffst und gebe darum keine Anweisungen.

Deine Fragen:

1. Im ersten Jahr bildet sich meist bloss eine lange Pfahlwurzel. Na ja, eher ein Faden mit ganz wenigen Seitenwürzelchen. Im zweiten Jahr werden die ausgebaut, es entstehen so kleine Büschelchen hie und da längs des Fadens. Jedes Spitzchen daran kann weiterwachsen. Mehr Spitzchen - mehr Überlebenschancen. Darum ist später besser.

2. Hättest können, bringt aber keine Vorteile, siehe oben. Wenn es knapp wird im Töpfchen, kannst du praktisch jederzeit das Ganze in ein etwas grösseres Töpfchen setzen. Das nenne ich umsetzen und das geht im Gegensatz zum Umtopfen eigentlich immer. Nicht vergessen: Die letzten Bilder vom Umtopfen und Zurückschneiden zeigen Pflanzen, die bereits ein Jahr älter sind.

3. Ich persönlich finde, dass man nicht müssen sollte. Dazu folgende Legende: Ein Meister wurde jeden Abend von der Klosterkatze bei der Meditation gestört. Darum ließ er sie immer während der Abendmeditation anbinden. Nach dem Tode des Zen-Meisters wurde die Katze weiter während der Abendmeditation angebunden. Und als die Katze schließlich starb, wurde eine andere besorgt, damit man sie «ordnungsgemäß» während der Abendmeditation anbinden konnte... Merkst du was? Das erinnert irgendwie an meine Bemerkungen zur «Pflichterfüllung»...

Etwas weniger philosophisch: «Mini», «Mame», «Shohin» etc. sind Etiketten, die mit der Qualität eines Bonsai gar nichts zu tun haben. Sie dienen dazu, sich an einer grossen Ausstellung wie der Kokufu-Ten zurechtzufinden und sich in Gesprächen zu orientieren. Genau wie die Regalbeschriftungen im Kaufhaus - «Backzutaten», «Kleider», «Sportabteilung» (wozu gehören jetzt Sportkleider?). Es sind Konventionen und solche braucht man, wenn man sich in der Gruppe bewegt. Wenn aber dein «Mini» eines Tages 15 Zentimeter gross wird, ist das kein Problem, du musst bloss daran denken, ihn dann als «Shohin» zu bezeichnen, damit die «Insider» merken, dass du ganz gut mitreden kannst. Hier schreibt Gary etwas mehr dazu.

Ein Voschlag: Du hast ja mehrere Sämlinge. Machen wir aus einem etwas ganz Kleines und aus einem anderen etwas Mittelgrosses? Oder wie du möchtest - es sind deine Bäume und sie zeigen deine Welt.
Zuletzt geändert von Andreas Ludwig am 24.05.2008, 18:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von BatzeMicha » 24.05.2008, 14:33

Ok danke :) . Ach das sind Sämlinge die schon 2 Jahra alt sind :oops: Dachte das wären unsere, die ja auch im " 2. " Jahr sind.

Ja das mit dem Vorschlag verschieden große zu machen hört sich gut, das müsste dann halt erklärt werden wie man das erreicht. Ok danke.
MfG Micha

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Beitrag von Andreas Ludwig » 24.05.2008, 14:39

Damit hast du uns zum Thema «Proportionen bei Bonsai» geführt - das ist sozusagen der Kern der Gestaltungsarbeit. Davon demnächst mehr.

Jarla
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Beitrag von Jarla » 18.06.2008, 15:29

Nach einem Monat ist der Neuaustrieb schon recht beachtlich (3 - 4 neue Blattpaare), inzwischen stehen die Pflänzchen auch wieder ca. halbtags in der Sonne.
Als ich heute die Bonsais düngte, fragte ich mich: Was ist eigentlich mit den Sämlingen? Können/sollen/müssen sie auch schon gedüngt werden, hängt es davon ab, ob sie dieses Jahr schon in neue Erde getopft wurden, hängt es davon ab, wie viele Sämlinge in wie viel Erde stehen, oder oder oder? Grundsätzlich denke ich, dass wir ja in diesem Jahr einen Zuwachs der "Stamm"dick erreichen wollen und eigentlich kann doch ein wenig Dünger dabei nicht schaden. Oder würde der Dünger größere Internodien bewirken, was dem Ziel der kommenden Jahre widersprechen würde?
Vielleicht sollte ich nach dem Motto "Probieren geht über studieren." mit einem Teil der Sämlinge verfahren, aber vielleicht gibt es wichtige Gründe, die dafür bzw dagegen sprechen.
Es wären nett, wenn Du Andreas Dich dazu demnächst mal äußern könntest, um schlimmeres zu verhindern. Vielen Dank
Jarla

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Beitrag von Andreas Ludwig » 19.06.2008, 13:01

Noch diese Woche - versprochen.

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Beitrag von Jarla » 19.06.2008, 19:34

Mach Dir bitte keinen Stress.

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