"Der kleine Troll" - Morus alba

Kleine Bäume ganz groß. Für alle Winzlinge, die schon Baum sind und nicht Sämling, also einen gewissen Entwicklungsgrad haben. Treu dem Motto "der kleinst mögliche Baum".
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Heike_vG
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Re: "Der kleine Troll" - Morus alba

Beitrag von Heike_vG »

Vielen Dank, lieber Res. Besagtes Buch habe ich mir gerade im Internet angesehen, das ist wirklich sehr inspirierend! :-D *daumen_new*
Barbara hat geschrieben: 07.02.2021, 14:28 Die Maulbeeren sind aber auch richtige Zicken. Meine hat die ersten Jahre Vollgas gegeben, sodass ich sie schnell vorwärtsbringen konnte. Inzwischen lässt sie immer mal wieder einen (wichtigen) Ast absterben, ohne dass ich sagen könnte, woran es liegt......und das, trotz aufrechter Position.
Liebe Barbara, vielleicht kannst Du Deine Maulbeere ja auch mit einem Kuraufenthalt in einem größeren Pott wieder zu neuer Vitalität bringen? Manchmal ist das nach ein paar Jahren in einer optisch passenden Bonsai-Schale nötig. *kopfkratz* Unabhängig von der Art werden Bonsai manchmal schwächer und dann ist solch eine Kur gewinnbringend. :idea:

Liebe Monika, vielen Dank für die guten Wünsche für den kleinen Troll und für Deine sehr treffende Anmerkung. Viele Kaskaden und auch andere Bonsai, verschiedene Arten und Gestaltungsformen, machen im Laufe der Jahre einige Höhepunkte und Täler durch. Es ist nicht immer einfach, über Jahre und Jahrzehnte eine kontinuierliche Verbesserung der Form bei perfekter Vitalität zu erzielen. Wichtig ist, auf ein kleines "Unwohlsein" des Baumes rechtzeitig zu reagieren und die passenden Maßnahmen zu ergreifen, damit keine größere Krise entsteht. *schulter zuck* Es ist schon erstmal ärgerlich, wenn ein guter Baum plötzlich schwach wird und man einen Schritt zurück machen, ihn in einen hässlichen Pott setzen und frei wachsen lassen muss, wo er doch schon mal so schön war. Aber ehe man den Baum verliert oder er einen Schaden nimmt, der nicht mehr zu kompensieren ist, beißt man in den sauren Apfel. Bei Shohin erlebe ich das allerdings häufiger als bei den größeren Bäumen.

Liebe Grüße,
Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland
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Manfred Jochum
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Re: "Der kleine Troll" - Morus alba

Beitrag von Manfred Jochum »

hi zusammen,

Andreas hat geschrieben:
Manfred – es gibt diese «Wasserwaage» nicht, die Kapillarkraft ist allemal stärker. Es ist bloss die Apikaldominanz, die ihrerseits vom Licht gesteuert wird. Positive Phototaxis – wozu sollte man im Wald Triebe fördern, die unten im Dunkeln wachsen?
Dass es die klassische Wasserwaage in dem Sinn nicht gibt , kann natürlich sein, und die Kapillarkraft ist in der Tat nicht zu unterschätzen...... die Schwerkraft aber auch nicht....

Was es aber gibt, sind ganz spezielle Zellen in einer Pflanze, die ein Abkippen und ein Oben und Unten erkennen können.
Diese Zellen reagieren halt wie eine Wasserwage... so habe ich es zumindest irgendwo gelesen.
Alles unterhalb der Waage wird von der Pflanze als "ungeeignet" abgestempelt...... , alles oberhalb der Waage bekommt eine Chance...
Selbst ein leichtes Kippen wird registriert und kann sich positiv , wie negativ auswirken.
Das nennt man dann wohl Apikaldominanz.
Die Pflanze hat nämlich nur einen Grundsatz .... so viel Licht wie möglich abbekommen ( und Licht ist meistens oben )
Dass das aber nur vom Licht gesteuert wird ist mir neu..... bin aber auch kein Pflanzenphysiologe

Letztendlich muss man sich mit dem "Willen" der Pflanze arrangieren....... arbeitet man dagegen..... gibt`s meistens Probleme.

Solle jemand mehr dazu wissen, würde mich das in der Tat interessieren.

Gruß Majo
der wirklich wichtigste Teil einer Arbeit, ist damit anzufangen.
Andreas Ludwig
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Re: "Der kleine Troll" - Morus alba

Beitrag von Andreas Ludwig »

Manfred – ich will keineswegs anmassend erscheinen, dafür schätze ich dich zu sehr.

Meine Eltern waren Biologen, darum habe ich schon als Kind am Esstisch das eine und andere mitgekriegt, das prägt. Aus dieser Erinnerung soviel: In den Pflanzenzellen hat es Stärkekörner, die gravitationsbedingt absinken. So «weiss» die Pflanze, wo unten ist. Genau erforscht wurde das etwa in der ISS – da kamen Pflänzchen buchstäblich ins Schleudern.

Dazu gibt es aber andere von Pflanzen rezipierte Reize – Feuchtigkeit, Licht, auch chemische Substanzen. Die «positive Phototaxis», also die Hinwendung zum Licht kann man etwa mit Orchideen sehr einfach erfahren: Ihre Blütentriebe wachsen strikt zum Licht hin. Dreht man die Pflanze um, orientiert sich der Trieb innert Tagen neu. Die Wurzeln aber wachsen strikt nach unten.

Die Pflanze muss mindestens drei Dinge wissen: Wo unten ist, wo es Licht hat und woher sie Feuchtigkeit kriegt. Diese Probleme «lösen» verschiedene Pflanzen recht unterschiedlich. Sphagnum zum Beispiel hat bloss einen Vegetationspunkt, nämlich oben und wächst gewissermassen auf einem «Friedhof seiner selbst» ständig ans Licht. Der Rest stirbt und wird zu Torf. Da spielt «unten» offenbar kaum eine Rolle. Ähnlich verhalten sich manche Bromelien, etwa die «tillandsia aeranthos», die einfach nur ständig vorwärts wächst und keine Wurzeln hat. Wie sie es aber genau hinkriegt, sich im Urwald um Baumäste zu kringeln, kann ich auch nicht sagen. Vielleicht hat sie einen weiteren Mechanismus, der Kontakt registriert, vielleicht kringelt sie einfach aus Prinzip vor sich hin. Anders bei Holzpflanzen, denn man muss schon gute Füsse haben, wenn man mehrere Tonnen Gewicht nach oben entwickelt (was bei Laubbäumen die Regel ist). Also haben die obere Vegetationspunkte, die zum Licht streben und Wurzeln, die nach unten gehen.

Diese Dinge spielen besonders beim Keimvorgang eine grosse Rolle: Da gibt es Temperaturkeimer, die erst starten, wenn die Tagestemperatur einen Wert erreicht hat oder auch Lichtkeimer, die nur keimen, wenn sie ausreichend Licht empfangen. Das machen sie mit einem System,dass man «Phytochrom» nennt, eine der bemerkenswerten Entwicklungen der Natur, Proteine, die Lichtquanten messen können und dann entsprechende Signale für Wachstum oder andere Vorgänge weitergeben. Darum keimen diverse Pflanzen erst ab einem gewissen Datum – das Phytochrom meldet, die Sonnendauer sei jetzt ausreichend.

Das nur so am Rande, ich bin – wie ihr alle wohl auch – damit beschäftigt, mich im Lockdown zu beschäftigen und darum wohl etwas geschwätzig.
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(Thoreau)
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Manfred Jochum
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Re: "Der kleine Troll" - Morus alba

Beitrag von Manfred Jochum »

hi Andreas,
Manfred – ich will keineswegs anmassend erscheinen
....... hab da absolut kein Problem.... und fasse das auch nur in ganz seltenen Fällen als Anmaßung auf ..

Ich lerne auch gerne von Leuten, welche Details besser wissen als ich...
Mein "Wissen" basiert tasächlich mehr aus gemachten Erfahrung.... und da interpretiert man schnell mal etwas hinein, was nicht 100% stimmt.

Dabei belassen wir aber jetz..... das eigentliche Thema will ich damit nicht stören ;-)

Gruß Majo
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