Der Orangenthymian

Kleine Bäume ganz groß. Für alle Winzlinge, die schon Baum sind und nicht Sämling, also einen gewissen Entwicklungsgrad haben. Treu dem Motto "der kleinst mögliche Baum".
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joseph
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Der Orangenthymian

Beitrag von joseph » 04.09.2009, 22:31

meiner Guten den auch ich pflege und mache...Schale von mir

MfG Joseph
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Chris25
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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von Chris25 » 04.09.2009, 22:59

Hi,
kkönntest du mal eine Naheaufnahme reinstelen? Würde ich geren mal sehen, sieht von weitem schon s..gut aus.
Gruß,
Chris
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joseph
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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von joseph » 05.09.2009, 17:49

Hallo Chris kein Problem

MfG Joseph
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marius
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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von marius » 06.09.2009, 20:36

uhi, eine wahre schönheit. kam auf dem anderen foto gar nicht so gut rüber. wenn die laubpolster eventuell noch ein stück weit klarer rausgearbeitet sind, st das ein echter hingucker. wirkt auf mich aber schon jetzt sehr harmonisch,-bzw. stimmig. besonders auch durch die schale und die pflanzposition. das war wirklich eine gute wahl.

gruß marius

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joseph
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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von joseph » 06.09.2009, 22:12

Vielen Dank Marius, ja etwas feiner soll es schon noch werden, ich möchte ihn dieses Jahr jedoch erst mal in ruhe lassen. Mal schauen was das nächste Jahr so bringt? Wie würdest du dir das Laub vorstellen? Weil ich finde es darf nicht perfeckt werden, man muss denke ich schon eine gewisse Jugend dabei verspüren aber auch knoriges Alter.Der Mediterane Überlebenskampf halt. Also das ist mein Plan, ich lasse mich aber auch gern eines besseren belehren. Bild von der anderen Seite.

MfG Joseph
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Andreas Ludwig
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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von Andreas Ludwig » 06.09.2009, 23:06

Ein, zwei Hinweise zum «Thymus fragrantissimus»:

- Nie, aber nie durchtrocknen lassen. Er sieht zwar aus wie ein Wüstendulder, ist aber diesbezüglich empfindlich.

- es ist kein Baum, bloss ein Oberflächenkriecher. Er mag darum ein eher feines, humoses Substrat. Mit durchlässigen Substraten ist die Gefahr des Durchtrocknens auch grösser.

- drahtbar ja, extrem aber nicht. Zwar brechen die Äste nicht gleich durch, aber sie reissen in den Gabeln gerne ein. Da die Holz- und Kallusbildung sehr gering ist, verheilt sowas schlecht.

- viel Zuwachs darf man nicht erwarten, darum sind kleine und kleinste Gestaltungsgrössen ideal. Gearbeitet wird wie bei Yamadori - man konzentriert sich auf Nebari, Stamm und Hauptäste, das Grün gestaltet man «nett dazu».

- Eine Art Polsterbildung ist möglich, man muss aber reichlich zupfen, um das zu erreichen. Die bei Laubbäumen übliche Methode des «Durchwachsenlassens» taugt nicht viel, sie führt bloss zu langen Ruten. Die sind nur in der Grillsaison praktisch, aber nicht für die Gestaltung.

- ähnlich wie Wacholder bilden sich an allen denkbaren Punkten an den Ästen neue Triebchen. Die sollte man früh auswählen/wegmachen. Und immer schön vorsichtig, das Ding ist und bleibt brüchig.

Mehr siehe auch hier.
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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von joseph » 07.09.2009, 20:40

Vielen Dank Andreas für diese ausführliche Beschreibung, das er nicht austrocknen darf hätt ich nicht gedacht. Wobei jetzt wo du es sagst bei Lavendel und co. ist es ja nicht anders. Man lernt halt nie aus.

MfG Joseph
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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von Andreas Ludwig » 08.09.2009, 09:24

Das sind diesbezüglich echte Dramatiker: Man hat den Eindruck, sie stecken einiges weg, geht es aber unter eine Grenze, werden die äussersten Triebe braun, der Rest trocknet innert Tagen einfach aus und Ende, «Weihnachtsbaum im Februar». Das ist eigentlich typisch für Stockpflanzen, die geben in Not oberhalb der Erde ganze Bereiche oder alles auf und schlagen neu aus. Was in der Natur ganz praktisch ist, aber bei kleinen Bonsai manchmal schiefgeht, wenn zuwenig «Stock» da ist.

Keine Aufregung dagegen, wenn im Spätherbst die weisslich-grünlichen Stiele und Blätter merklich dunkler werden, so etwas «krank» braunrot - das ist die normale Winterfärbung. Milde Winter steckt er hier in der NW-Schweiz gut draussen weg, Kalthaus ist auch möglich.

Kulinarisches: Alte Triebe sind eher bitter und als Gewürz eine arg herbe Sache. Will man sie brauchen, muss man sie etwas durchwachsen lassen.

Blüten: Im Herbst/Frühjahr nicht alles ganz zurücknehmen, sonst gibts keine Blüte und die ist eigentlich hübsch.

---

Das isses nu'.
:wink:
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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von Bergi » 09.09.2009, 13:32

Hallo Andreas,
toll erklärt - sehr wertvolle Punkte zur Pflege und Gestaltung von Thymian (und ich vermute mal, auch von ähnlichen Pflänzchen wie Rosmarin, Salbei, Artemisia...).
Hört sich an, als hättest du da eine Menge Erfahrung --- Bilder ???

Gruß,
Stefan
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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von Andreas Ludwig » 10.09.2009, 13:40

Bergi - Orangenthymian ist mir mal begegnet in einer «Bio-Kräuterei». Fand ich spannend, nahm ein halbes Dutzend mit. Die haben unterschiedliches erlebt: Ein paar wurden als bonsaiunwürdig eingestuft und tun seither Fronarbeit in einem Kräutergarten, andere wurden gestaltet.

Z.B. der hier, der aber bereits gehimmelt wurde. Ich hatte gesagt, dass er nie austrocknen darf...
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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von Andreas Ludwig » 10.09.2009, 13:44

Dann gabs den hier im Maxit-Betonmischer. Der war da ganz zufrieden drei Jahre lange, aber einen Sturz aus ziemlicher Höhe machten weder das Zinkdruckguss-Mischerchen noch der Thymian mit: Die Krone war nachher weg. Also musste ich umbauen.

Man sieht, wo er im Moment steht, in etwa 5 x soviel Erde wie vorher, um etwas zulegen zu können (zut er zwar kaum, aber wenig ist besser als nichts...). Den Abfall habe ich gleich als Stecklinge verwendet. Das werden dann (siehe Grössenvergleich Zündholz) sehr, sehr kleine Sachen...
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So war das mal
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Nach der Sturz-Kur...
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Dann halt so
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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von Andreas Ludwig » 10.09.2009, 14:34

Äh so... hätt' ich beinahe vergessen: Natürlich sind die Thymianbrösel im senfgelben Chinatöpfchen mit dem sattgrünen Moos irgendwie hübsch.

Ist aber nicht der Grund, warum das so ist: Stecklinge dieser Grösse haben ein enormes Problem mit dem Wasserhaushalt. Die sind so nahe am Substrat, dass sie sofort verschimmeln, wenn man sie in Erde steckt. Darum stecke ich die in einen «Moss-Pad», einen Moos-Fleck, den ich von einem Dach hole. Der speichert die Feuchtigkeit und sorgt für ein fast aseptisches Klima. Das Ganze kommt unter eine transparente Haube und wird noch vor Ende September wurzeln. Dann wird es im Kalthaus überwintert und steht im Frühjahr als «Briefmarkenbonsai» zur Verfügung.
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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von zopf » 11.09.2009, 11:22

Hallo Andreas
"dann halt so" gefällt mir richtig gut,
überhaupt ist Dein spielerischer Umgang mit dem Thema
ausgesprochen wohltuend.
mfG Dieter
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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von joseph » 11.09.2009, 16:56

Hallo Andreas

Manchmal kann so ein Sturz auch etwas gutes haben. Also mir gefällt er jetzt richtig gut. Könntest du uns noch mal ein Foto von der kompleten Schale und Baum zeigen?

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Re: Der Orangenthymian

Beitrag von Andreas Ludwig » 11.09.2009, 18:40

ui, joseph - das ist ein «Nottopf». Der ist jetzt (gärtnerisch) genau richtig, aber nicht schön. Darum sieht man auch nur die Hälfte davon. Aber versprochen: Die nächste Gestaltungsstufe wird abgebildet.

zopf - massgeblichen Anteil hatte der spielerische Umgang von Nachbars Jungkater mit einem Schmetterling. Ich habe bloss aufgeräumt.
*engel*
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