Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Kleine Bäume ganz groß. Für alle Winzlinge, die schon Baum sind und nicht Sämling, also einen gewissen Entwicklungsgrad haben. Treu dem Motto "der kleinst mögliche Baum".
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Robert S.
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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von Robert S. » 18.04.2013, 11:19

Hallo zusammen,

beim letzten Sommerfest habe ich aus Reiner's Nachlaß eine Schwarzkiefer von Christian übernommen.
Ich bin mir jetzt zwar nicht sicher, ob Reiner einer der Teilnehmer an diesem Projekt war, würde den Thread aber gerne mit meinem Bäumchen nun fortführen. Schön wäre es natürlich wenn sich weiter noch andere Teilnehmer hier wieder einmischen.

Ich hab gestern mal ein Bild vom aktuellen Baum geschossen. Der Baum misst ab Teichkorbkante 115 cm und hat einen Stammumfang von 12 cm an der Basis. Die Knospen in den Spitzentrieben sind groß und prall.

Mir stellen sich nun ein paar Fragen.
- Die Knospen der Zweige (rote Pfeile) die sich knapp über der Basis befinden (und mit denen der Baum ja weiterentwickelt werden soll) sind extrem mickrig. Sollte ich den Baum nun an einer der beiden Stellen(rote Linien) kappen um einen Wuchskraftausgleich in die unteren Triebe zu bekommen? Einer der gelb markierten Zweige sollte dann zum neuen Leittrieb umfunktioniert werden.
- Wann wäre der geeignete Zeitpunkt hierfür?

Servus,
Robert
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raga
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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von raga » 18.04.2013, 21:58

Hallo Robert,

eins vorweg: was ich über die Pflege und Gestaltung Kiefern weiß habe ich mir (vor allem hier im Forum) angelesen. Mit eigenen Erfahrungen stehe ich da noch am Anfang.

Mit dem gelesenen und meinen wissen zur allg. Pflanzenpflege würde ich sagen:
- der Schnitt bei zwei ist gewagt ob die Pflanze diesen Grünmasseverlust verkraftet ist fraglich
- der Schnitt bei eins ist sicher gefahrlos möglich aber ob du den gewünschten Erfolg erzielst *schulter zuck*

Ich würde nicht schneiden sonden die Bereiche die du nicht für die weiter Gestaltung nutzen willst durch das Einkürzen und/oder entfernen der Kerzen solange ausbremsen bis die Kiefer "eingesehen hat", dass es sinnvoller ist die unteren Triebe kräftig wachsen zu lassen. Im Anschluss kannst du vermutlich gefahrlos den Schnitt bei zwei wagen.

Gruß Ralf
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Robert S.
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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von Robert S. » 24.04.2013, 22:49

Hallo Ralf,

sorry für meine späte Antwort. Ich wollte noch ein wenig abwarten, ob noch andere Antworten kommen. Egal.
Das was Du schreibst leuchtet mir ein. Und deshalb werd ich auch so vorgehen. Pressiert ja nicht :-D

Servus,
Robert

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raga
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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von raga » 26.04.2013, 06:20

Hallo Robert,

wir haben hier etliche Kiefernspezialisten, da bin ich dir nicht böse wenn du auf eine kompetentere Antwort wartest ;) .

Berichte aber bitte weiter ich beschäftige mich erst seit letztem Jahr intensiver mit Kiefern und bin selber gespannt ob deine Kiefer so reagiert wie erwartet und in welchem Zeitraum sie dies tut.

Gruß Ralf
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klauso
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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von klauso » 26.04.2013, 12:58

Hallo Robert,

ein ausgesprochener Kiefernspezialist bin ich jetzt nicht, aber enige Kiefern besitze ich schon eine Weile :) Mir wäre das Einkürzen oder Ausbrechen der Kerzen in den nichtbenötigten Bereichen zu wenig. Dort werden dann eben wieder neue Knospen angeregt und Du erhälst dort Verzweigung und Zuwachs, wo Du das gar nicht willst. Ich gebe Ralf Recht, dass ein Schnitt bei 1 kein Problem darstellt, bei 2 unter Umständen schon. Wenn Dir die Kiefer dick genug ist würde ich sofort bei 1 Schneiden und je nach Stärke des Wachstums in den von Dir gewünschten Bereichen, die übrigen Äste nach und nach Bremsen, Einkürzen bzw. Entfernen.

Lass Dir nur einmal durch den Kopf gehen wie viele Kieferngestaltungen Du gesehen hast, bei denen mehr als 50 % des Laubes entfernt wurde. Ich schon viele....

MrBigWednesday
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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von MrBigWednesday » 27.04.2013, 06:43

hallo robert

mein vorschlag ist zwar ungewöhnlich, aber ich würde es in diesem fall wie folgt machen: ein netz über die subtratoberfläche spannen und dann den teichkorb umkippen, dass die ganze kiefer am boden liegt (wie bei einer kaskade). der gedanke dahinter ist der, dass im moment der gesamte obere bereich starkwüchsig ist und die gefahr besteht, dass die unteren zweige verkümmern. wird die kiefer gekippt, sind sozusagen alle äste gleichwertig, das heisst, der ehemals obere bereich ist nicht mehr am höchsten punkt und hat auch keine berechtigung am stärksten zu wachsen. knsopen würde ich ca anfang juni alle abschneiden, ausser bei den beiden untersten ästchen. die sollen voll durchtreiben und stark werden. wenn diese dann in 2-3 jahren richtig stark sind, dann würde ich bei punkt 2 kappen.

liebe grüsse
gérald

Joseph Conrad
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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von Joseph Conrad » 25.05.2013, 20:06

Hallo Robert,

ich würde folgendes machen : 1. Wahrscheinlich wurde der Baum längere Zeit nicht umgetopft.
Also in einen eine Nummer größeres Nudelsieb/Teichkorb topfen, ohne den Wurzelapparat zu stören.
Dann dürfte er bei guter Düngung gut loswachsen.
2. Ende Juli würde ich dann auf Höhe von 1. roter Strich den Leittrieb kappen.
3. Einen darunter entspringenden starken Ast würde ich als neuen Opferleittrieb am Stummel des alten Leittriebes hochbinden.
4. Dieser Schock dürfte, vorangegangenes starkes Triebwachstum vorausgesetzt !, die unteren Äste stärken.
Leider sind dir die untersten kleinsten Äste bereits am absterben. Es wäre besser gewesen schon letztes Jahr die 3er Gabel des aktuellen Leittriebes auf einen einzigen Trieb auszudünnen um die apikale Dominanz ein wenig zu bremsen und Kraft nach unten zu leiten.
Eigentlich müsstest du die gelb markierten bleibenden Äste bald ein wenig zurücknehmen um ihre Verzweigung einzuleiten. Sonst werden sie kahl, lang und unbrauchbar. Zur Zeit sind sie dafür aber zu schwach.
Das alles entscheidende ist den Baum in starkes Wachstum zu bringen und zu halten.
In der Bonsai-art Nr.110 "Kiefer auf Speed "ist das alles perfekt erläutert.

LG Joseph
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Max L
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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von Max L » 23.01.2014, 20:04

Joseph Conrad hat geschrieben: In der Bonsai-art Nr.110 "Kiefer auf Speed "ist das alles perfekt erläutert.
Ein sehr schöner Artikel! Allerdings ist es schade, dass darin nicht über die Arbeiten an den Wurzeln berichtet wird.

Wäre es denkbar eine Pinus mugo auf diese Art zu entwickeln?
zB mit folgender Ausgangspflanze: Pinus mugo, 3 Jahre alter Sämling, Höhe 16cm, Stammdurchmesser 1,15cm
Pinus mugo.jpg
Pinus mugo.jpg (189.45 KiB) 2522 mal betrachtet
Grüße, Max

Joseph Conrad
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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von Joseph Conrad » 25.01.2014, 16:02

Bestimmt ist das im Prinzip möglich. Allerdings ist die Mugo ja eher ein Strauch denn ein Baum. So ist auch ihr Dickenwachstum im Vergleich zur Waldkiefer und insbesondere gegenüber einer japanischen Schwarzkiefer sehr schwach. Die dicken Brummer der Bonsai-Szene sind ja allesamt jahrhundertealte Mugosträucher aus den Bergen. Es wird also wohl länger dauern ähnliche Effekte mit Mugo zu erzielen.
Guck dir auch mal den Bonsai-Blog " Bonsaitonight" an. Der lässt auch hinsichtlich der Wurzelbehandlung keine Fragen offen.

LG Joseph
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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von Bonsai-Bene » 25.01.2014, 17:04

Hi, ich würde es einfach machen. Denn ich mache es schon :-D Es stimmt dass die Mugo etwas langsamer dickt als Sylvestris, Nigra&Co. aber es bingt schon gut was.
MfG Benedict

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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von Max L » 29.01.2014, 10:45

Hallo Joseph und Benedict,

vielen Dank für Eure Antworten.
Ich werde im Frühjahr das Projekt mit einer Sylvestris und der oben gezeigten Mugo (Benedict, danke für's Mut machen) starten. Mal sehen was draus wird...

Grüße, Max

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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von Max L » 20.02.2014, 11:09

Ich habe jetzt mal die Vorgehensweise von drei Artikeln (BA7, BA72, BA110) bezüglich der Entwicklung von Schwarzkiefersämlingen zu Shohin verglichen.

Interessant ist, dass bei BA7 und BA110 das Nudelsieb am Anfang der Entwicklung eingesetzt wird um die Stammverdickung fördern soll.

Bei BA72 hingegen erfolgt die Phase der Stammverdickung in Styroporkisten. Das Nudelsieb kommt erst ab dem 7ten Kulturjahr zum Einsatz, wo es primär um die Entwicklung der Äste geht.

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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von Max L » 06.03.2014, 20:55

So, nun kann das Projekt losgehen.
Ich habe zwei Mugos (zweijährig) und eine Sylvestris (vierjährig) inTeichpflanzkörbe getopft und den unteren Stammbereich gedrahtet.

Viele Grüße,
Max
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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von Max L » 09.03.2014, 12:15

Bonsai-Bene hat geschrieben:Hi, ich würde es einfach machen. Denn ich mache es schon :-D Es stimmt dass die Mugo etwas langsamer dickt als Sylvestris, Nigra&Co. aber es bingt schon gut was.
Hallo Benedict,

würdest Du vielleicht mal Fotos von deinen Zöglingen einstellen? Wäre interessant zu sehen wie die Entwicklung vorangeht.

Grüße, Max

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Re: Der Shohin aus dem Nudelsieb – ein lohnendes Projekt ?

Beitrag von Bonsai-Bene » 09.03.2014, 16:56

Hallo Max,

wenn ich es zeitlich schaffe mal wieder Bilder zu machen, dann stelle ich gerne welche hier ein.
MfG Benedict

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