Planung von Wacholder-Stecklingen

Kleine Bäume ganz groß. Für alle Winzlinge, die schon Baum sind und nicht Sämling, also einen gewissen Entwicklungsgrad haben. Treu dem Motto "der kleinst mögliche Baum".
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Manfred Jochum
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Planung von Wacholder-Stecklingen

Beitrag von Manfred Jochum » 20.02.2017, 19:27

hallo zusammen,

dass ich auch gerne mit Stecklingen und anderen Winzlingen arbeite, hat sich glaube ich schon rumgesprochen.
Wenn man konsequent die Wacholder Schnittlinge steckt, hat man immer wieder interessantes und kostenloses Ausgangsmaterial für Shohin und Mame....
Ich wollte euch hier mal einen 3jährigen Wacholder- Steckling (Itoigawa ) zeigen, der langsam in die Planungs-Phase kommt ( ist übrigens eine Pflanze und keine 2 Stecklinge )

Es soll ein ganz schlanker , literatenähnlicher Baum werden.
Das Grünmaterial ist so ziemlich alles dafür vorhanden.
Wenn ich mal viel Lust , die Finger zu brechen, gehe ich ans Drahten ( 0,8er) und Formen des Kleinen.
Das endgültige Erscheinungsbild des Virtuals dürfte er so in 2-3 Jahren haben, dann aber ohne Draht.
Der Vorteil der Stecklings-Gestaltung ist ganz eindeutig, der Wurzelansatz..... der ist meistens optimal, und man muss nicht nehmen was da ist....
Und man kann die Endhöhe und die ersten Astabgänge ohne große Schnittstellen, von Anfang an selbst beeinflussen.
Gerade für Shohin und Mame sehr von Vorteil.

nur mal so für zwischendurch.....

Gruß Majo
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Wacholder Steckling 2017.JPG
Zuletzt geändert von Manfred Jochum am 17.03.2017, 08:01, insgesamt 3-mal geändert.
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Michael 86
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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von Michael 86 » 20.02.2017, 19:55

Hallo Manfred

Deine Virtuals sind echt Hammer.
Ich will mich für die Idee bedanken. Hab im Bonsaifieber 2 Rohlinge "Blaauw" gekauft. Hätte den "Abfall" wohl entsorgt. Aber so kann man doch recht interessante Minis draus machen. Gefällt mir sehr. Wobei ich mir spontan die Frage stelle, wie man solch kleinen Schalen in Trockenperioden wie im letzten Jahr, tatsächlich vor dem austrocknen bewahren kann.
Jedenfalls reizt deine Idee zum Nachahmen an. Könnte mir spontan auch eine Felspflanzung mit mehreren Bäumchen vorstellen.
Danke,
Grüße Michael :)

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Manfred Jochum
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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von Manfred Jochum » 20.02.2017, 20:15

das mit der Felsenpflanzung im Mini Format habe ich mir auch schon überlegt.
Mit Stecklingen sollte das auch machbar sein...... aber das Handling beim Drahten ( bei mehreren Pflanzen ) könnte in der Dimension doch schwieriger sein...... muss man halt probieren.

Mit dem Gießen.... da hast du Recht, das ist im Hochsommer nicht wirklich easy.... ich stelle diese kleinsten Töpfe meistens in andere größere Pötte die mit Torf oder feinem Kies gefüllt sind.
Schützt 1. vor Sonnen-Überhitzung und 2. vor`m Austrocknen....... ist eins so tödlich wie das andere....
2mal am Tag Gießen ist dann aber trotzdem Pflicht.... ( hab übrigens noch kleinere Schälchen )

Gruß Majo
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Berndbonsai
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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von Berndbonsai » 21.02.2017, 06:51

Hallo Majo
Wirklich ein tolles Projekt. Stecklinge von Wacholdern und Cryptomerien habe ich auch in diesem Entwicklungsstadium. Da wollte ich dieses Jahr auch mal dran gehen. Aber Deine Planung und Virtuals kann ich natürlich nicht. Hoffentlich kann ich wenigstens annähernd solche Ergebnisse erreichen wie Du.
Gruß Bernd
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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von Klaus.K.a.A. » 21.02.2017, 09:17

Hallo Manfred,
ja jetzt kommt die Zeit um Material für die kleinen
zu besorgen. Bin schon gespannt was du diesmal
wieder für tolle Shohin zauberst.
Ich beginne diese Woche mit der Überarbeitung
meiner Shohin.
Gruß Klaus
http://www.kleemann-bonsai.at
schau in die etwas andere HP
Gruß Klaus

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Georg
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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von Georg » 21.02.2017, 11:46

Du bringst mich da auch Ideen....und nicht mal platzintensiv *daumen_new*
Danke.
Gruß
Rüdiger
Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben geben, daß Du es sagen darfst(Voltaire)

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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von Volker aus Graz » 21.02.2017, 15:48

Hallo Manfred,
kannst du bitte ein paar Tipps zur Stecklingsvermehrung mit Wacholdern geben,
hab noch nie welche gemacht!
Danke!
liebe Grüsse!

Volker

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Manfred Jochum
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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von Manfred Jochum » 21.02.2017, 16:27

hallo Volker,

Wacholder zu vermehren ist so ziemlich das Einfachste was es gibt.
Im Prinzip kannst du im Mai / Juni / Juli alle Schnittlinge die beim Formschnitt eines Wacholder anfallen, einfach in lockere etwas humose Erde stecken.
Normalerweise gehen da > 50% direkt an.
Die Schnitte mache ich immer etwas schräg, und am Besten direkt unterhalb eines kleinen Seitentriebes.
Will ich einen Einzelstamm, schneide ich den kleinen Seitentrieb ganz am Stamm ab und entferne die feinen Seitentriebe auf die ersten 2-3 cm
Wenn ich einen 2er Stamm möchte, schneide ich knappe 2-3mm unterhalb einer Gabel (schräg) ab lasse den Seitentrieb , und entferne alle grünen Seitentriebchen im unteren Bereich. Dann stecke ich das ganze ca. 2-3cm tief in die frische und lockere Erde ( meistens verwende ich Anzuchterde oder Boncoco --> Kokosfaser-Erde )
Gut angießen, leicht andrücken, und fertig.....
Du kannst es mit allen möglichen Ast-Stärken versuchen.
Ich verwende meistens Äste zwischen 3 und 5mm, es sollten aber auch dickere Äste gehen.
Wenn die Grünmasse jedoch zu viel ist, sollte man den Steckling in ein Mini-Gewächshaus mit hoher Luftfeuchte bringen. Bei den dünnen Ästchen braucht man das nicht.
Interessante Bewegungen an älteren Bäumen, kann man so gut weiter verwenden.
Um die Erde nicht zu schnell austrocknen zu lassen stelle ich das Ganze am Anfang leicht schattiert auf, und aufpassen muss man am Anfang, dass die Erde nicht austrocknet. Bis zum Herbst sind meistens schon die ersten Wurzeln vorhanden.
Überwintern tu ich die Stecklinge wie alle anderen kleinen Topfpflanzen ..... im Folien-Haus bis minus 5°C
Die angewurzelten Stecklinge lasse ich dann meistens 2-3 Jahre ganz in Ruhe, und lichte manchmal nur etwas die gegenständigen Äste aus.

Gruß Majo
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Manfred Jochum
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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von Manfred Jochum » 22.02.2017, 21:42

hallo zusammen,

nachdem ich ein paarmal angeschrieben wurde, hier noch ein paar Ratschläge und Anregungen zu der Stecklings-Gestaltung.
Ich gehe die Sache meistens recht entspannt an, und mache solche Gestaltungen eigentlich immer so nebenbei.
Ich habe gelernt, dass das den Pflanzen sehr zu Gute kommt.
Wer von anfang an zu viel will, und womöglich all seinen Gestaltungsdrang der Pflanze zugute kommen lassen will...... wird oft enttäuscht.
Stecklinge "stecken" zwar einiges weg, was bei älteren Pflanzen oft undenkbar ist, aber ich lasse ihnen trotzdem Zeit, und viele Richtungsänderungen dürfen sie selbst entscheiden.
Nachdem sie bewurzelt sind, lasse ich sie erstmal zu Kräften kommen, was ich am gleichmäßigen Austrieb und Zuwachs erkennen kann. Gedanken über die Gestaltung mache ich mir dabei noch keine.
Grundsätzlich schneide ich nur gegenständige oder zu gerade gewachsene Äste weg.
Was aber auch ganz wichtig ist, ist den Wurzelballen ab dem 2. Jahr immer schön flach und kompakt halten...... das fördert ein schönes Nebari, und erleichtert ein späteres Eintopfen in eine passende Schale.
In den angehängten BilderSerien kann man die Zeitspanne und den Zuwachs, von ein paar meiner Wacholder, in etwa erahnen.
Mit Sicherheit würde das auch schneller gehen..... aber ich sage mir immer..... ich habe doch Zeit, warum also etwas überstürzen...... und bis ein Steckling auch nur den Hauch von Reife ausstrahlen kann..... da gehen locker mal 10-15 Jahre in`s Land...... also muss der geplante Baum auch nicht in 3 Jahren fertig sein...

Meine Devise ist, am Anfang immer gleich:
Wachsen lassen, schneiden, wachsen lassen, schneiden. ( dabei immer gut füttern )
nach 3-4 Jahren beginnen erste Gestaltungs und Formungsunterstützugen wie Drahten und Abspannen.
Erst jetzt gehe ich in Planungen für die Zukunft, und danach geht es dann erst in`s Detail.

Gruß Majo
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steckling Wacholder  - 01.jpg
ein kleine Kaskaden Wacholder
steckling wacholder 03.jpg
das ist der anfänglich gezeigte Wacholder.... ups...sehe gerade der ist schon 4 Jahre und keine 3 Jahre alt
steckling wacholder -02.JPG
ein zusammengepflanzter Baum aus 2 unterschielich alten Stecklingen
Wurzelbearbeitung.JPG
So werden die Wurzeln jedes Frühjahr wieder gestutzt
3er Gruppe 00.jpg
auch 3er Gruppen wachsen so schön zusammen.
3er Gruppe 00.jpg (109.5 KiB) 2069 mal betrachtet
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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von grüner_hesse » 22.02.2017, 22:27

Toller Bericht, Majo!

Meine ersten Wacholder Stecklinge hatte ich zu früh geformt und verloren. Die aktuelle Generation lass ich nun lieber eine Saison länger stehen. Danke für die vielen nützlichen Hinweise, hübsche kleine Burschen hast du da :)

viele Grüße
Benny

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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von Petra K. » 23.02.2017, 08:27

Hallo Manfred, sehr schöne Sachen machst Du da aus deinen Wacholderstecklingen. Ich bin ja auch ein Stecklingsfan gerade was Shohin betrifft. Ich habe schon einige schöne Bäumchen aus Stecklingen gezogen. Vorteil keine großen Schnittstellen und gleich schöne Bewegungen.
Grüße aus München
Petra

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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von Manfred Jochum » 23.02.2017, 09:26

Ich habe schon einige schöne Bäumchen aus Stecklingen gezogen.
hallo Petra,

ich würd mich übrigens über Bilder von anderen Stecklingsgestaltungen auch sehr freuen.....
Ich wurde übrigens vor ein paar Jahren auch in einem anderen (französichen) Forum auf den Geschmack gebracht...

Manchmal sind es einfach 1-2 tolle Bilder und Ideen, und man hat mal wieder was zu tun ;-)

Ich freue mich jedenfalls, wenn die Stecklings-Entwicklung soweit gut ankommt, oder den ein oder anderen vielleicht sogar animiert.

Gruß Majo
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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von Martin_S » 23.02.2017, 09:36

Mensch, Manni!
Du hast einen derart guten Blick für Bonsai! Da kann'se nur bewundern :)
Beste Grüße
Martin

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Carmen_G.
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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von Carmen_G. » 23.02.2017, 20:51

Hi Majo,

super! *daumen_new*
Erstaunlich wie schnell die Stecklinge bei dir zulegen und was da an Wachstum in nur 2 Jahren zu sehen ist!
Was ich von deinen Virtuals und der Umsetzung bis die Bäumchen so aussehen, halte, das weißt du ja sowieso . *daumen_new*
Liebe Grüße
Carmen

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Asya
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Re: Planung eines Wacholder-Steckling

Beitrag von Asya » 24.02.2017, 12:48

Hallo Majo,
ich mache auch viel mit Stecklingen aber nur mit Laubbäumen.
Deine Wacholder Stecklinge machen Lust auch mal auszuprobieren.
Danke fürs zeigen.

Liebe Grüße Dilek
Wer den Weg der Wahrheit geht
Stolpert nicht.

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