kleiner dicker Dreispitzahorn (Acer buergerianum) durch Abmoosen

Kleine Bäume ganz groß. Für alle Winzlinge, die schon Baum sind und nicht Sämling, also einen gewissen Entwicklungsgrad haben. Treu dem Motto "der kleinst mögliche Baum".
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mydear
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kleiner dicker Dreispitzahorn (Acer buergerianum) durch Abmoosen

Beitrag von mydear » 27.09.2019, 00:04

Hallo zusammen,

diesen Dreispitz habe ich sein 2013. Er hat einige Fehler die mich stören. Seit Jahren bessere ich immer wieder nach, doch die Gabelung im Gipfelbereich würde ich wohl nie entschärfen können. Andererseits gefielen mir schon immer kleine, dicke Mini-Dreispitzer. Warum nicht selbst einen abmoosen? Seit 2017 reifte der Gedanke, 2019 gab es kein zurück mehr, auf geht's.

Grüße
Rainer

2019-02-25.jpg
Feb 2019: bei dieser Ansicht fällt die Gabelung nicht so stark auf
2019-02-25.jpg (341.15 KiB) 590 mal betrachtet
2019-03-12  Kopie.jpg
12. März 2019: ok auch genügend Fehler, doch einen Versuch ist es mir wert. Der konische Ast reizt mich, auch wenn kaum Platz zum Abmoosen vorhanden ist. Der Ringspalt muss rechts von der Schnittwunde sein, sonst wächst das nie zu. Zudem ist der Durchmesser weiter rechts größer (bigger is better)
2019-03-12 Kopie.jpg (293.29 KiB) 590 mal betrachtet
2019-03-12 -2.jpg
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2019-03-12 -1.jpg
diese Seite würde mich immer stören, verstecken hilft da auch nichts
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2019-03-12 -3.jpg
Problem: je dünner der Ringspalt, desto größer die Gefahr, dass er von Kallus überbrückt wird
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2019-03-12 -4.jpg
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2019-03-12 -5.jpg
2019-03-12 -5.jpg (256.17 KiB) 590 mal betrachtet
2019-03-12 -6.jpg
schön nicht gerade, doch die Frisur sitzt !
2019-03-12 -6.jpg (292.38 KiB) 590 mal betrachtet
2019-06-26 .jpg
26. Juni 2019: 3 Wurzeln spitzen...
2019-06-26 .jpg (325.94 KiB) 590 mal betrachtet


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mydear
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Re: kleiner dicker Dreispitzahorn (Acer buergerianum) durch Abmoosen

Beitrag von mydear » 27.09.2019, 00:27

weiter geht's:

2019-08-06 -1.jpg
06. Aug 2019: Ernte
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2019-08-06 -2.jpg
Am Gipfel wurde 2x eingekürzt, die Abmoosung durfte frei wachsen. Seit 2 Wochen setzt verstärktes Wachstum ein. Ich befürchtete, dass der Ringspalt zugewachsen sein könnte. Ich entschloß mich zum Absägen.
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2019-08-06 -3.jpg
wegen der großen Schnittwunde habe ich oben keine Bewurzelung erwartet. Es waren nicht übermäßig viele Wurzeln, seit Mitte Juli bildeten sich auch keine neuen Wurzeln mehr.
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2019-08-06 -4.jpg
alles klar, der Kallus hat den Ringspalt überbrückt. Trotzdem haben sich noch frische Wurzelspitzen aus dem Kallus entwickelt.
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2019-08-06 -5.jpg
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2019-08-06 -6.jpg
wie die Säge setzen, dass der Hauptbaum nicht verstümmelt wird ?
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2019-08-06 -7.jpg
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geschafft, leider recht einseitige Wurzelentwicklung
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die empfindlichen Wurzeln wurden mit Draht fixiert und vor der Säge geschützt
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2019-08-06 -10.jpg
eine einsame Wurzel - die wird dringend für das künftige Nebari gebraucht ! Vooooooorsicht !
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Re: kleiner dicker Dreispitzahorn (Acer buergerianum) durch Abmoosen

Beitrag von mydear » 27.09.2019, 00:42

weiter...

2019-08-06 -11.jpg
der Sägeschnitt ging gerade noch gut durch. Der Hauptbaum wird allerdings lange brauchen um das zu überwachsen
2019-08-06 -11.jpg (293.55 KiB) 583 mal betrachtet
2019-08-06 -12.jpg
leider nur einseitige Wurzeln
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2019-08-06 -13.jpg
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2019-08-06 -14.jpg
einige Wurzeln haben sich erstaunlich hoch gebildet
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2019-08-06 -15.jpg
schöne konische Stammverjüngung
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2019-08-06 -16 Kopie.jpg
erstaunlich, dass die Schnittwunde schon fast zugewachsen ist.
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2019-08-08 -vgl.png
schöner Fortschritt
2019-08-08 -vgl.png (1.15 MiB) 583 mal betrachtet
2019-09-26 -1.jpg
26. September 2019: jetzt heißt es warten und hoffen, dass am Kallus noch einige Wurzeln herauswachsen. Der kleine Dicke steht im Glashaus, bekommt viel spätsommerliche Wärme. Erst mal ein Jahr Zeit geben und dann sehen wie sich der Wurzelballen entwickelt.
2019-09-26 -1.jpg (252.28 KiB) 583 mal betrachtet
2019-09-26 -2.jpg
2019-09-26 -2.jpg (221.15 KiB) 583 mal betrachtet

Michael 86
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Re: kleiner dicker Dreispitzahorn (Acer buergerianum) durch Abmoosen

Beitrag von Michael 86 » 27.09.2019, 07:34

Hallo Rainer

Ich habe bei meiner Hainbuche ja nen Ring aus Teichfolie gebastelt, damit sich die Wurzeln nicht in den alten Pflanztopf verirren. Das hat sich später beim Absägen als praktischer Schutz erwiesen, um keine Wurzeln zu beschädigen. Okay, in dem Fall wäre es noch enger geworden. Hast du nen Drahtring angelegt? Welches Substart zum Abmoosen hast du verwendet?
Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg, dass das Nebari sich noch ausreichend verbessert und brauchbar wird.
Grüße Michael :)

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Re: kleiner dicker Dreispitzahorn (Acer buergerianum) durch Abmoosen

Beitrag von mydear » 27.09.2019, 10:02

Michael 86 hat geschrieben:
27.09.2019, 07:34
Ich habe bei meiner Hainbuche ja nen Ring aus Teichfolie gebastelt, damit sich die Wurzeln nicht in den alten Pflanztopf verirren. Das hat sich später beim Absägen als praktischer Schutz erwiesen, um keine Wurzeln zu beschädigen. Okay, in dem Fall wäre es noch enger geworden. Hast du nen Drahtring angelegt? Welches Substart zum Abmoosen hast du verwendet?

Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg, dass das Nebari sich noch ausreichend verbessert und brauchbar wird.
Danke Michael,

falls sich das Nebari nicht wirklich verbessert werde ich wieder mit Bohrablikationen oder Anplattungen arbeiten. Dazu habe ich seit einem Jahr an etwa 10 Pflanzen geübt und sehr ausführlich dokumentiert. Die Standardfehler sollten langsam weniger werden: Abreißen der Wurzeln beim Durchziehen, zu kleines Bohrloch, abrutschender Bohrer, Abbrechen beim Fixieren mit Elektrotacker oder Holzkeil, zu dünne Wurzeln bei Bohrablikation, zu starre Wurzeln die beim Anplatten abreißen, falsche Lage und Austritt des Bohrlochs, falsche Lage des Messer-Einschnitts an der Rinde, zu langsames Arbeiten mit Gefahr für Trockenschäden, Verdunstungsschutz, zu wenig Licht, zu wenig Hände...

Ich habe mit klein geschnittenem Sphagnummoos gearbeitet, ohne Drahtring. Ich habe relativ tief in das Splintholz geschabt um ja keine Brücke zu erhalten. Oberste Priorität war mir, dass das Substrat im Hochsommer niemals komplett austrocknen darf. Deshalb Safety-first mit dem Moos.

Den Tipp mit der Folie merke ich mir. Hier hätte es wirklich keinen Platz gegeben. Vor allem ging es beim Absägen gerade noch mal gut: ich habe keine Wurzeln abgerissen, bin noch am letzten Rand der Stammrinde herausgekommen, es war extrem knapp. Ich habe mehr als einmal leise geflucht...

Grüße
Rainer
Zuletzt geändert von mydear am 27.10.2019, 17:56, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: kleiner dicker Dreispitzahorn (Acer buergerianum) durch Abmoosen

Beitrag von Herbert A » 27.09.2019, 11:09

Servus Rainer,
das Fluchen wird mit der Zeit weniger, aber es hört nie auf. Vor allem bei Abmoosungen in der Natur ist die richte Schnittführung beim Abmoosring immer wieder eine Herausforderung wenn der Baum wild im Gestrüpp liegt und man sich aber vorstellen muss wie der einmal in einer Schale stehen soll. :-)

lg
Herbert
Schön dass es dieses Forum gibt.

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nemsi
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Re: kleiner dicker Dreispitzahorn (Acer buergerianum) durch Abmoosen

Beitrag von nemsi » 27.09.2019, 11:17

Hallo Rainer,

wieder mal ein interessantes Projekt. Wäre es eine Option gewesen, die vorhandenen Wurzeln stark zu kürzen, den Kallus nachzuschneiden, dann den Bereich wieder gut verpacken und erst im nächsten Jahr abzutrennen?

Schöne Grüße
Robert
Bonsaifreunde Franken e. V.

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mydear
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Re: kleiner dicker Dreispitzahorn (Acer buergerianum) durch Abmoosen

Beitrag von mydear » 27.09.2019, 15:01

nemsi hat geschrieben:
27.09.2019, 11:17
wieder mal ein interessantes Projekt. Wäre es eine Option gewesen, die vorhandenen Wurzeln stark zu kürzen, den Kallus nachzuschneiden, dann den Bereich wieder gut verpacken und erst im nächsten Jahr abzutrennen?
Hallo Robert,

theoretisch wäre es möglich gewesen - aaaaaaaaaber meine Geduld mit Projekten hält sich in Grenzen (es sind viele) und zum anderen bin ich sogar überrascht über die vielen neuen Wurzeln. Ich hätte weniger erwartet. Beim Fortsetzen des Abmoosens ist Erfolg nicht automatisch vorprogrammiert: Kallus entfernen, Wurzeln sorgsam einkürzen, neu in Moos packen und dabei keine Wurzeln schädigen (!), Moospolster über das Jahr kontrollieren. All das garantiert trotzdem nicht, dass es nächstes Jahr besser aussieht

Beim Abmoosen der kleinen Hainbuche -„das häßliche Entlein“ muss ich ja bereits eine Extrarunde drehen. Da werde ich sehen ob es im 2. Jahr klappt.

Grüße
Rainer

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mydear
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Re: kleiner dicker Dreispitzahorn (Acer buergerianum) durch Abmoosen

Beitrag von mydear » 27.09.2019, 15:10

Herbert A hat geschrieben:
27.09.2019, 11:09
das Fluchen wird mit der Zeit weniger, aber es hört nie auf. Vor allem bei Abmoosungen in der Natur ist die richte Schnittführung beim Abmoosring immer wieder eine Herausforderung wenn der Baum wild im Gestrüpp liegt und man sich aber vorstellen muss wie der einmal in einer Schale stehen soll. :-)
Danke Herbert, dein Zuspruch tut gut *prost*
Und du musst ja immer einige Extrameilen gehen mit der Bergung. Hinterher auf den Bildern sieht es so einfach und logisch aus.

Weil es grundsätzlich schnell gehen soll/muss habe ich auch schon einige Abmoosungen an falscher Stelle oder mit ungünstigem Winkel begonnen. Auch dafür gab es einige leise Flüche (über mich selber).

Grüße
Rainer

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Re: kleiner dicker Dreispitzahorn (Acer buergerianum) durch Abmoosen

Beitrag von ania » 27.09.2019, 15:27

Mann kann vorher mit Kreide anzeichnen, dann hat man zumindest Zeit und Ruhe den richtigen Winkel zu wählen.

Was genau will eigentlich der Baum mit dem Kallus erreichen? Nur Überwallung? Oder bildet der Kallus auch leichter Wurzeln als normales Stammgewebe?

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mydear
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Re: kleiner dicker Dreispitzahorn (Acer buergerianum) durch Abmoosen

Beitrag von mydear » 27.09.2019, 15:52

ania hat geschrieben:
27.09.2019, 15:27
Mann kann vorher mit Kreide anzeichnen, dann hat man zumindest Zeit und Ruhe den richtigen Winkel zu wählen.

Was genau will eigentlich der Baum mit dem Kallus erreichen? Nur Überwallung? Oder bildet der Kallus auch leichter Wurzeln als normales Stammgewebe?
Hallo Ania,

der Baum will die offene Stelle abschotten (Codit-Prinzip), dass Fäulnis, Viren und Pilze nichts anhaben können. Siehe die braune Stelle an der Schnittstelle.
Keine Ahnung wie es mit der Wurzelbildung von Kallusgewebe aussieht. Mir sind bisher keine Unterschiede bewußt geworden.

Grüße
Rainer

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bock
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Re: kleiner dicker Dreispitzahorn (Acer buergerianum) durch Abmoosen

Beitrag von bock » 27.09.2019, 17:24

mydear hat geschrieben:
27.09.2019, 15:52
...
Keine Ahnung wie es mit der Wurzelbildung von Kallusgewebe aussieht. ...
Moin Rainer und Ania,

Wurzeln und Triebe entstehen letztlich aus dem Kambium.
Bei der Wurzelentwicklung ist es hilfreich, wenn es feucht ist - und dunkel (ausser Ficus etc.).
Das Kambium im Kallus zeigt eine höhere Zellteilungsaktivität als direkt am Stamm, so dass die Differenzierung zu Wurzeln ungleich wahrscheinlicher ist.
Warum entstehen dann keine Triebe im oberirdischen Kallus?
Weiß ich auch nicht genau, aber die Firma Baum bevorzugt anscheinend den Verschluß der Verletzung - aus dem Astkragen werden aber oft Triebe entstehen. Wer berichtete vor kurzem über die bessere Wurzelbildung von Buchen an Astwunden? Ich glaube, es war Jürg.

:-D
liebe Grüße Andreas
Ein Leben ohne Bonsai ist möglich - aber völlig sinnlos! :faellen:
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