Was braucht ein Baum zum Leben?

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holgerb
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Beitrag von holgerb » 23.11.2008, 07:59

Och, ich finde das ganz spannend. Es darf ruhig auch mal geplaudert werden.

Ja nun, ich denke schon, daß noch jedes kleine Lebeswesen auf dieser Erde seinen Platz hat, auch der Mensch.
Täglich sterben Arten aus und das ist wohl auch gut und richtig so. Die Erde als solche wird das immer als solche kompensieren können, bis sie selbst kollabiert oder Leben auf ihr unmöglich wird. Irgendwann wird auch der Mensch aussterben und auch andere Lebewesen werden vorangehen und folgen, so ist das Leben.
Aber Andreas hat recht. Das, was wir so schön Naturschutz nennen, ist in Wirklichkeit Menschenschutz. Wir haben begriffen, daß wir unsere Umwelt irgendwie bewahren müssen, damit die Talfahrt ins Aussterben nicht gleich ne Schußfahrt wird. Wirklicher Naturschutz in meinen Augen würde mich und meinen Berufstand überflüssig machen. Der Mensch greift aber nun mal in das Geschehen ein. Der Fehler liegt darin, daß der Mensch nicht unbedingt immer sein Handeln gegen die Natur verändert, sondern seine Umwelt auf sein Handeln hin manipuliert.
Ein Beispiel, damit wir wieder zurück zum Baum kommen:

Straßenbäume und Bäume an Häusern werden keinesfalls so gepflanzt, daß sie frei wachsen können, genug Erde haben und sich in alle Richtungen frei entfalten können. Im Wald reguliert sich das von selbst.
Dem Gärtner ist die damit verbundene Notwendigkeit des Schnitts recht, das wird nachwachsende Aufträge genannt (manch einer argumentiert sogar mit: "Kann man doch schneiden).
Für den Straßenverkehr wird der Baum mit jedem Eingriff problematischer.
In der Bonsaikunst hat das nicht diesen Stellenwert, weil ein Bonsai keine statischen Probleme bekommt, wie der Straßenbaum. Aber, wenn man über wichtige Faktoren diskutiert, dann muss man selbstverständlich auch die Schnittmaßnahmen als Faktoren für (mögliche, damit Herr K. nicht wieder alles als Quatsch abtut) schädigende Wirkung auf den Baum berücksichtigen. Dazu kommen wir aber später.

@ Andreas Ludwig:
«Leben bedeutet, mit aller Energie gegen das Gesetz der Entropie eine funktionierende Ordnung aufrechtzuerhalten»
Entropie erkläre ich hier mal so (für alle Nicht-Chemiker und Nicht-Physiker:
Entropie könnte man in diesem Falle mit dem "Bestreben nach größtmöglicher Unordnung" definieren.

Der Satz gefällt mir äußerst gut!
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camaju
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Beitrag von camaju » 23.11.2008, 11:37

MarionS hat geschrieben: Ich gerate damit an den Rand eines ganz gefährlichen Themas.
Mod-Anmerkung

Marion. Genau so sieht es aus. Hier soll es in erster Linie um Bonsai gehen. Falls eine andere Diskusion gewünscht wird, kann das Thema hier abgetrennt werden.



Thema abgetrennt und verschoben in die Plauderecke
Zuletzt geändert von camaju am 24.11.2008, 17:57, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß Jürgen *wink*

Wer nicht mit Pflanzen und Tieren kann, kann auch nicht mit Menschen.

Ich moderiere in blau, der Rest ist nur meine Meinung

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holgerb
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Beitrag von holgerb » 24.11.2008, 07:48

Äh, wir sollten dann doch wieder zum eigentlichen Thema zurückkehren.

Wer noch weiterplaudern möchte, kann ja im betreffebdeb Subforum weiterschreiben....
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Marco Manig
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Beitrag von Marco Manig » 24.11.2008, 12:01

So ich mach mal *back*

Spurenelemente wie Mangan(Mn), Selen(Se), Kupfer?(Cu), Eisen(Fe), Schwefel(S) usw. um die Nähstoffumsetzeung betreiben zu können(Kathalysatoren???)

Weiterhin ist das Erdmagnetfeld wichtig, um dem Baum die Wuchsrichtung vorzugeben, sonst weiss er nicht wo oben und unten ist. *hetz*

Die Vögel und andere Tiere, um durch die Aufnahme der Früchte den Samen zu verbreiten (z.Bsp. Eibe kann nur nach Passieren des Vogeldarms keimen, glaub ich), oder wenn die Samen an Tierfellen haften bleiben und woanders wieder abgestreift werden.
Erhaltung der Art durch extraterritoriale(ich find Fremdwöter so schön) Verbreitung und Mischung mit anderen der gleichen oder ähnlichen Art um eine optimale Anpassung an die vorherrschenden Bedingungen zu erhalten, langfristig gesehen. Optimale Mischung von Gensequenzen zur Standortanpassung. Wird auch von uns Menschen betrieben, heißt nur Veredlung und soll die Pflanze zu von uns vorgegebenen Bedingungen optimieren. Fruchtertrag, Wuchsleistung, Standortanpassung(Weizen in der Wüste).

So nun wieder die anderen, mir fällt nix mehr ein.

Gruß Marco
Gruß, Marco

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Beitrag von Marco Manig » 27.11.2008, 08:40

Ich hab noch Ergänzungen bzw. Korrekturen.

Lt meiner Fachliteratur ist Schwefel kein Spurenelement sondern ein Nährstoff. Selen gehört nicht zwingend zu den notwendigen Spurenelenemten (oder auch gar nicht).
Weitere Spurenelemente sind neben Kupfer(Cu) und Mangan(Mn) auch noch Zink(Zn), Kobalt(Co), Molybden(Mo) und Bor(B). Spurenelemte sind bedeutsam für versch. Stoffwechselvorgänge, für die Chlorophyllbildung(z.Bsp.Fe) und für die Bindung des Luftstickstoffs(Co). Sie werden in der Regel in Form von Ionen oder Ionenverbindungen direkt aufgenommen, Nährstoffe wie N, P, K, Ca, Mg oder S müssen über Mikroorganismen für die Pflanze verfügbar gemacht werden.

So, nun müßte es wieder stimmen. Die anderen noch Ideen?

Gruß Marco
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Beitrag von MarionS » 27.11.2008, 09:04

Als was sollte man Dihydrogenmonoxid bezeichnen? Ist es selbst ein Nährstoff, oder eher eine Art Trägersubstanz, der dieselben in und durch die Pflanze befördert?
Gruß,
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Beitrag von Marco Manig » 27.11.2008, 10:30

Ich würd sagen dass Wasser nur als Träger-, bzw. Lösungsmittel fungiert.

Für eine Pflanze ist es schon schwer, kristalline Stoffe direkt aufzunehmen und zu verarbeiten. Besser sind in Lösung gegeangene Verbindungen oder halt gasförmige Sachen wie Wasserdampf, Sauerstoff, CO2, Stickstoff usw.

Das kann eine Pflanze besser beissen! Alles andre ist zu hart :arrow: *autsch*


Gruß Marco

Es ist zwar Winter aber ich lass mich nicht aus Glatteis führen *nenene*
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Beitrag von MUGO » 27.11.2008, 15:02

Zu viel Wasser ist ja nicht gut sihe Wurzelfäule. jedoch weiden und schwarzerlen wachsen auch im wasser

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Beitrag von BonsaiFanHitdorf » 27.11.2008, 15:13

MUGO hat geschrieben:Zu viel Wasser ist ja nicht gut sihe Wurzelfäule. jedoch weiden und schwarzerlen wachsen auch im wasser
hat unser priestzer auf dem sommerfest gut erklärt: im wasser ist ja auch noch sauerstoff! (und andere sachen)
lG Marcel ;)

Der zentralste Fehler von Verschwörungstheorien jeder Couleur ist, dass man am Ende der einzigste ist, der sich nicht verschwört.

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Beitrag von holgerb » 27.11.2008, 16:50

Hallo zusammen.

Bin im Moment etwas busy.

Am WE hoffe ich wieder Zeit für euch zu haben....

(Arbeitsstress, Weihnachtsstress, Renovierung usw.)

Gruß

Holger
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Beitrag von Marco Manig » 27.11.2008, 17:22

Och, ist nicht so schlimm, wir üben derweil ein bischen "chemischeverbindungenauswendigkennenundschnellsagen".

Wusstet Ihr schon, dass es Chlorophyyl in der Apotheke zu kaufen gibt?
Man kann damit Mund- und Körpergeruch bekämpfen *kotz* .
Außerdem ist Chorophyll ein Nahrungsmittelzusatzstoff mit der Nummer E140. Hab ich grad gelesen *ignore* .

@holgerb:Nur gut dass du busy bist und nicht lazy.

Gruß Marco
Zuletzt geändert von Marco Manig am 28.11.2008, 09:06, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß, Marco

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Beitrag von MarionS » 27.11.2008, 21:50

Marco Manig hat geschrieben:Wusstet Ihr schon, dass es Chlorophyyl in der Apotheke zu kaufen gibt?
Man kann damit Mund- und Körpergeruch bekämpfen *kotz* .
Ja, ganz hervorragend.
Ich habe sie schon mal genommen - danach hat man einen derartigen Geschmack nach "nichts" im Mund, daß es einem leid tut.

Was das Dihydrogenzeuchs angeht, bin ich ziemlicher Spätzünder, ich habe es erst vor einem Jahr oder so gehört. Ich finds herrlich 8)
Gruß,
MarionS

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Beitrag von Marco Manig » 28.11.2008, 09:12

MarionS hat geschrieben: Was das Dihydrogenzeuchs angeht, bin ich ziemlicher Spätzünder, ich habe es erst vor einem Jahr oder so gehört. Ich finds herrlich 8)
Ich find solche Sachen auch super, weil man mal zum Überlegen angeregt wird. Hast du auf einer Koppel schon mal Bumento-Pferde gesehen?
Die standen letztens am Diekuhliefumden-Teich.

Gruß Marco


PS: gehört ja eigentlich nicht hierher, aber wenn der Lehrer mal nicht in der Klasse ist *bouncer* *undwech*
Gruß, Marco

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Beitrag von holgerb » 29.11.2008, 07:08

Marco Manig hat geschrieben:
PS: gehört ja eigentlich nicht hierher, aber wenn der Lehrer mal nicht in der Klasse ist *bouncer* *undwech*
tanzen die Mäuse auf den Tischen, ne is klar....
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Beitrag von holgerb » 30.11.2008, 08:27

Ich fasse also nochmal zusammen:

Überleben:

-die Fähigkeit unter potenziell tödlichen Bedingungen am Leben zu bleiben. (mir fallen da jetzt spontan Büro-Zimmer-Ficus ein, die an unmöglichsten Stellen stehen und trotzdem am Leben bleiben, wo jeder Bonsaificus vermutlich aufgeben würde)

Faktoren des Überlebens:

1. Die genetische Ausstattung

Abgesehen von vegetativ vermehrten Pflanzen (z.B. Stecklinge, eine Art des Klonens), besitzt jedes Individuum unterschiedliches Erbmaterial (siehe Mendel und Vererbungsregeln). Genetisch ist also auch das Vermögen des Baumes zu überleben festgehalten. Dazu gehört das Vermögen Photosynthese zu betreiben, Infektionen abzuwehren oder besser: abzuschotten, usw. usw.

2. Platz

Gerade beim Thema Bonsai ist Platz ein wichtiger Faktor. Ohne regelmäßigen Wurzelschnitt würde der Bonsai kümmern. Aber auch Platz der Krone sich zu entfalten, (Stichwort wäre hier Schattendruck, man wird sehen, teilweise sind die Übergänge fliessend und bedingen sich gegenseitig)

3. Wasser

Einfach gesagt: Ohne Wasser geht nix. Wasser ist das Haupttransportmittel in unseren Bäumen

4. essentielle Elemente

Alex Shigo (wohl einer der bedeutendsten Baumbiologen) formuliert 13 +3 Elemente als essentiell wichtig für Bäume

5. Temperatur

Temperatur ist einer der entscheidenden Faktoren, wenn es um chemische Prozesse geht

6. Zeit

Ich habe erst gestutzt, warum Zeit ein überlebenswichtiger Faktor ist. Bei Bonsai jedoch, ist das ein sehr eindeutiges Überlebenskriterium.

7. Energie

Ohne Energie funktioniert nix, es gibt keine Perpetuum mobile!

8. die Menge der einzelnen Faktoren



Faktoren, die zum Tode führen können


1. Abfluss von Energiereserven

- durch Infektion oder Auszehrung

2. Funktionsverlust von Teilen oder Teilprozessen

- z.B. durch Gifte, die Prozesse lahmlegen

3. mechanische Störung von Teilen und Teilprozessen über den Punkt hinaus, an dem durch Erneuerung und Kompartimentierung (Abschottung der verwundeten Teile) der Schaden begrenzt werden könnte

Und nochmal Shigo: er bezeichnet diese Vorgänge al "D-Dämonen", weil sie im englischen mit "D" anfangen:
die (sterben), death (Tod), decomposition (Abbau), decay (Fäule), dieback (Absterben), decline (langsames Absterben)
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