Inges Rosmarin

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holgerb
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Inges Rosmarin

Beitrag von holgerb »

Leider, leider war die Zeit am We doch nicht so üppig, ich fange erstmal mit Inges Rosmarin an (einige haben ja doch mehrere Bäume im Visier:

Bild

Ein schöner Gartenrosmarin, den Du da ins Auge gefasst hast, der wohl schon so einige Jährchen auf dem Buckel hat....

Aber, wie fängt man an?


Zunächst also erstmal warten bis das Dingen anfängt auszutreiben, genauer gesagt, die Knospen geschwollen sind....

Dann schneidest Du soweit das gute Stück zurück, daß Du vernünftig arbeiten kannst....(keine Angst R. ist ein Halbstrauch, der treibt auch aus dem alten Holz gut wieder aus). Tote Partien kannst Du herausschneiden ( scharfe Rosenschere)

Die Schwierigkeit bei Deiner Buddelei besteht darin, daß der Kandidat recht nah an der Hauswand steht und Du dort wenig Platz zum Umstechen haben wirst....

Das Wichtigste: einen granatenscharfen Spaten, was überigens für alle gilt.

Befreie den Boden vom Rindenmulch und zieh soviel Boden ab bis Du an die ersten Wurzeln stößt (Stichwort: NEbari freilegen)

Dann fängst Du an zu graben und das ist jetzt schwierig in Worte zu fassen:

Normalerweise würde ich sagen, der Ballen so groß, wie die Krone ist, aber dann hättest Du einen Riesenplaneten auszugraben. Es ist besser etwas weiter anzufangen und sich dann vorzuarbeiten...
Du stichst als erstes um den R. einen "Graben", wichtig dabei, daß das Spatenblatt nach aussen zeigt, als nicht in Richtung Pflanze, sondern davon wegstechen... Du wirst dann sehen wieviel Wurzeln da schon sind und dementsprechend kannst Du näher ran (ja, ist nicht einfach zu vermitteln. Alle Erde, in der keine Wurzeln steckt kann ab. An der Hauswandseite kannst Du nur gerade nach unten stechen... bis Du den R. freigelegt hast. Der Graben dient um Platz zu haben unter die Pflanze zu stechen. Das machst Du dann. Wichtig: Möglichts nicht an der Pflanze ziehen oder hin und her ruckeln, das löst den Ballen und er bröselt auseinander. Wenn Du alle Wurzeln abgestochen hast sollte der R. leicht zu bergen sein.
Dann transportfähig verpacken (in ein Tuch wickeln oder eine Tüte um den Ballen o.ä., wenn Du nicht vor Ort potten kannst).

Den Rosmarin pflanzt Du dann in einen passenden Topf, mit durchlässigem Substrat. Wenn Du viele Wurzeln bergen konntest, kannst Du den Ballen schon flacher schneiden, beim Topfen auch die bisherige Erde vorsichtig herauslösen und mit Substrat füllen. Möglichst flach in den Topf oder Staudenkiste oder sowas pflanzen.
Ich habe jetzt keine Ahnung wie firm Du im Umtopfen schon bist. Ich würde nicht mehr als 1/3 der Wurzeln entfernen, allerdings nur, wenn viele dran sind, wovon ich ausgehe. Das weitere sehen wir dann.

Wenn Du fragen hast, frag....

Vorsicht bei der Arbeit, Gärtnern ist nicht immer rückenfreundlich, von meiner Krankengymnastin habe ich gelernt: immer schön Bauchmuskeln anspannen und Rücken gerade halten...(nur so pro forma)

Als Substrat geht prinzipiell alles, aus Zeitgründen nehme ich auch zur Not reinen Torf. Aber wir haben ja noch keine Zeitnot und ein durchlässiges Substrat sollte zu kriegen sein.

Angiessen nach dem Pflanzen nicht vergessen, damit die Wurzeln "Bodenschluss" haben.


Fragen?
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inge
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von inge »

Soweit habe ich Alles verstanden. Beim Ausgraben hilft mir mein Mann :wink:
Umtopfen werde ich hinkriegen. Fürdas Substrat hätte ich folgende Stoffe :
Blähtonschüttung 2-4mm
Rheinkies 2-8mm
Blumenerde ( statt Torf )
Kompost ( aus dem eigenen Garten )
Scharfer Sand
Mal sehen ob ich für den Rosmarin eine Kiste baue. Maurerkübel wäre meiner Meinung nach zu groß?
Das wars für`s Erste.
lg
inge
Das mit dem Rücken kenn ich schon. Ich muss noch 4 Stunden den Garten umgraben. Immer mal in die Gegendehnung gehen, dann kommt kein Schmerz auf.
Zuletzt geändert von inge am 03.03.2009, 11:50, insgesamt 1-mal geändert.
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holgerb
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von holgerb »

Ja. Mauererkübel ist viel zu groß, denke ich.

Ah, Moment mal, da kriege ich gerade eine Eingebung. Ich erinnere mich an eine Faustformel: Ballengröße entspricht ca. 8-fachem Stammdurchmesser, das sollte so ungefähr passen, der Rest nach Gefühl. Kannst auch etwas kleiner machen. Kommt eben drauf an, wieviel Wurzeln dran sind...
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Uwe_Kl
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von Uwe_Kl »

Danke
Inge für das Zeigen des Rosmarins. Viel Erfolg beim Ausgraben und beim anschliessenden Einwurzeln.

Danke
Holger für den Nebensatz (und natürlich die anderen "Neben"-säzte): " Du stichst als erstes um den R. einen "Graben", wichtig dabei, daß das Spatenblatt nach aussen zeigt, als nicht in Richtung Pflanze,....".
Dieser Nebensatz ist zwar beim drüberlesen logisch, aber man/Frau muss erst drauf kommen... .


MfG Uwe
MarcusT
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von MarcusT »

Hallo zusammen,

ich habe da jetzt aber doch noch Fragen.

Das mit dem Spaten habe ich, glaub ich, nicht ganz verstanden.
Soll das Spatenblatt, also die flache Seite, die beim Umgraben ect. nach vorne zeigt, zur Person zeigen?
Und wenn ja, warum?

Und wenn ein Baum ausgegraben ist, wie weit soll bzw. darf dieser zurück geschnitten werden?
Als Beispiel: Ich habe mir letztes Jahr im Rahmen eines Workshops einen Rohling (Hainbuche) beim Käflein gekauft.
Dieser wurde dann während des Workshops um ca. zwei Drittel gekürzt.
Hätte man das schon nach dem Ausgraben tun können?

Vielen Dank im voraus für klärende Antworten und der Inge viel Spaß und Erfolg beim Buddeln.

Gruß
Marcus
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holgerb
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von holgerb »

Zum Spaten:

Normalerweise sind Spatenblätter leicht gekrümmt, beim Umgraben zeigt die Rückseite zur Person und die Vorderseite ist quasi die Fläche auf der die Erde beim Graben liegt. Diese Vorderseite sollte beim Umgrabem von der Pflanze wegzeigen und zwar aus folgendem Grund:
wenn man zusticht und dann die gegrabene Scholle anhebt, bedient man sich zwangsläufig der Hebelkraft um die Scholle zu lösen, sprich man zieht den Spatenstiel zu sich. Würde man mit der Vorderseite zur Pflanze stechen, würde man erstens keine Scholle lösen können und zweitens würde der Ballen bröselig werden, was bei längerem Pflanzentransport (gerade bei ungünstigen Erntebedingungen) Wurzelmasse kosten könnte. Ein gute Ballen hält die Wurzeln feucht und schützt sie während des Transports gegen Sonne und Wind.
Immer von der Pflanze wegstechen, da sonst der Ballen sich lockert
Immer von der Pflanze wegstechen, da sonst der Ballen sich lockert
Spatenstich.JPG (30.7 KiB) 4252 mal betrachtet

Die zweite Frage nach der Menge des Schnitts ist so eine Gefühlssache ( tut mir Leid, da gibt's keinen festen Wert) und schwer pauschal zu beantworten.
Nach allgemeiner gärtnerischer Weisheit werden z.B. Heckenpflanzen und Rosen vor der Pflanzung im Frühjahr sehr kräftig sowohl an den Wurzeln als auch oberirdisch geschnitten. Die Begründung soll folgende sein: Der Schnitt regt die Pflanze zu stärkerem Wachstum an... Soweit richtig. Aber warum sollte ich eine vorhandene Wurzel- oder Sproßmasse entfernen, wenn sie nicht beschädigt oder im Falsle bei Bonsai nicht ins Gefäß passen oder zur Gestaltung. In meinen Augen ergibt das keinen Sinn Organe zu entfernen die für das Überleben sehr wichtig sind.
Der Gärtner spricht auch oft von einem Gleichgewicht zwischen Wurzeln und Krone. Auch das ist so starr nicht richtig (haben wir ja schon besprochen). Es ist eher mit einer Wippe zu vergleichen, da Wurzeln die Ausbildung von neuen Blättern und Trieben steuern und das oberirdische Wachstum das gleiche mit den Wurzeln macht. Die Steuerung läuft hormonell.
Ja, wieviel schneidet man denn ab?
Das hängt stark von der vorhandenen Wurzelmasse, von der Baumart, von dessen Gesundheit und vom Zeitpunkt des Schnittes ab. Sind viele (Fein-)Wurzeln vorhanden lässt sich sicher einiges Ausdünnen, eine Esche kann man mehr schneiden als eine Yamadorikiefer, ein kranker Baum braucht seine Organe mehr denn je und schneidet man kurz vor der Blattentfaltung die Wurzeln, werden sich sicher schnell neue bilden.
Ich halte absichtlich ein Ungleichgewicht zwischen Wurzeln und Krone, d.h. wenn ich viele Wurzeln schneide, schneide ich wenig Krone (optimale Bedingung: kurz vor Blattaustrieb, anders nach der Blattentfaltung, da muss Blattmasse entfernt werden um Transpiration gering zu halten, dazu später mehr, bitte dann mal erinnern).

Ich entschuldige mich für die vielen verschachtelten Sätze, meine Frau bemäkelt dass auch immer :oops: .
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MarcusT
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von MarcusT »

Hallo Holger,

danke, das mit dem Spaten habe ich verstanden und leuchtet mir ein.

Mit dem zurück Schneiden ist wohl wirklich eine Gefühlssache. Ich bin ja noch am Anfang meiner Bonsai-Karriere
und probiere es einfach aus.

Vielen Dank
Gruß
Marcus
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inge
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von inge »

Holger und alle Klassenkameraden,
der Rosmarin beginnt, dort wo die Sonne hinkommt, zu blühen. Nach Aussage der vormaligen Besitzerin fängt er dann an zu treiben.
Ich würde, wenn dies Sch...ßwetter zu Ende ist, mit dem Ausgraben anfangen. Immerhin wohnen wir in der Toscana Deutschlands. Sehe ich das so richtig?? :?:
lg
inge
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holgerb
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von holgerb »

Dann ran an den Speck.

Ich musste diese Woche auch schon einen Holunder topfen, weil er auszutreiben beginnt.

Versuche so wenig wie möglich Wurzeln zu entfernen, nimm sehr lockeres und mageres Substrat.

In jedem Fall vor Frösten schützen, was auch für die Zukunft gilt, Rosmarin ist bei uns nicht winterhart (jedenfalls nicht in solchen Wintern wie diesen). Aber bei Dir in der deutschen Toscana könnte das gehen. Nach dem Umtopfen nicht gleich zu sonnig stellen, später aber volle Kanne....

Viel Erfolg!!!
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von inge »

DANKE. :)
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von inge »

AN Alle,
der Rosmarin ist ausgegraben und versorgt. Bilder folgen.

lg
inge *banana*
die jetzt ein bißchen geschafft ist.
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von inge »

So jetzt aber. Die Kiste wurde noch mit Fliegengitter ausgelegt und der Rosmarin mit Spanndrähten
fixiert.
Pflanzkiste.jpg
Pflanzkiste.jpg (56.92 KiB) 3948 mal betrachtet
Was sucht er da.jpg
Was sucht er da.jpg (53.08 KiB) 3946 mal betrachtet
Mit Ballen.jpg
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lg
inge :wink:
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sloe
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von sloe »

Hallo Inge,
ich drücke Dir und Deinem Rosmarin alle verfügbaren Daumen! Er ist mein "Lieblingskandidat" von allen vorgestellten. Verwöhn ihn - der wird mal grossartig.
Gruss - Wilma
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inge
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von inge »

Hallo Wilma,
Vielen Dank und ich werde ihn gut pflegen. Ist mir ja schon ans Herz gewachsen.

lg
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Re: Inges Rosmarin

Beitrag von holgerb »

Was für ein Planet! :shock:

Schaut ja ganz gut aus, sieht nach professioneller Arbeit aus!

Das Helferessen überigens auch.... :D

Hast Du die alte Erde ganz entfernt oder so den Ballen in die Kiste gesetzt?
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