Düngerlehre

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Holger
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Re: Düngerlehre

Beitrag von Holger »

Hallo Holger,

auf die Gefahr hin, dass ich berechtigterweise wieder korrigiert werden muss (dieses Mal aber nicht wegen eines Verschreibers, sondern wegen eines fehlerhaften Gedankenganges...), versuche ich mich mal am Vitamin B1 und was der Baum damit anfängt.

Bekannt ist, dass jede Pflanze über die Photosynthese Kohlendioxid und Wasser in Zucker und Sauerstoff umwandelt. Für diese Umwandlung sind Enzyme notwendig, um diesen Prozess zu ermöglichen. Vitamin B1 ist ein solches Enzym, so dass eine Zuführung diesen Prozess unterstützt bzw. verstärkt und damit auch das Wachstum gekräftigt bzw. verstärkt wird.

Ich hoffe mal, ich war nicht ganz auf dem falschen Dampfer...

Gruß
Holger
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Marco Manig
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Re: Düngerlehre

Beitrag von Marco Manig »

holgerb hat geschrieben:...
By the way, ich denke Holger hat sich zwar nur verschrieben, aber organische Dünger sind definitiv langsamer verfügbar als mineralische. Je nach Zusammensetzung sind mineralische Dünger sofort verfügbar, es gibt allerdings auch mineralische Depotdünger.
...
Holger hat sich nur verschrieben. Ich hab die Düngerlehre vorher andersherum aufgefasst, danke für die Aufklärung.
Gruß, Marco

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Marco Manig
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Re: Düngerlehre

Beitrag von Marco Manig »

Zu den Vitaminen hab ich bei WIKI gefunden:

Vitamine sind Vorläufer von Coenzymen,Vitamin B1 ist (für den Menschen) wichtig für den Kohlehydratstoffwechsel (Quelle:hier). Enzyme helfen beim Aufschließen der Nährstoffe, Nährstoffe (organische) werden für die Pflanzen durch Mikroorganismen aufgeschlossen. Also helfen die Vitamine und Enzyme eigentlich nicht direkt der Pflanze sondern den Mikroorganismen und indirekt damit der Pflanze.

"Hormone sind biochemisch wirkende pflanzeneigene organische Verbindungen, die als Botenstoffe Wachstum und Entwicklung der Pflanze steuern" (Quelle: hier) Bei Pflanzen heißen die Dinger Phytohormone. Durch Hormonzufuhr versucht man sozusagen aus einer 16 K-Leitung einen DSL16000 zu machen.
Zuletzt geändert von Marco Manig am 11.09.2009, 17:01, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß, Marco

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sloe
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Re: Düngerlehre

Beitrag von sloe »

Danke für die Links, Marco.
Der Artikel über die Phytohormome weckte dunkle Erinnerungen an einen Thread hier im Forum, in dem "Weidenwasser" zum Bewurzeln empfohlen wurde. http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... de#p205251

So wie ich es verstehe, sind Hormone und Vitamine Stoffe, die die Pflanze selbst produziert und an die Organe verteilt, die sie benötigen. Im Falle von VB1 Sind die Wurzeln die Bedürftigen, es soll ja die Nährstoffaufnahme verbessern.
Wenn man/frau also den Wurzeln etwas Gutes tun will, kann man durch eine Zusatzdosis im Giesswasser das natüliche Vorkommen erhöhen.

Und jetzt komme ich wieder mit meinem dynamischen Gleichgewicht: Wenn mann durch VB1-Doping die Nährstoffaufnahme erhöht, müssen auch genug Nährstoffe vorhanden sein. Und Wasser auch, da sind die ja drin gelöst. Und die anderen Wachstumsbedingungen (Licht, Temperatur, etc.) müssen auch passen. Was soll der Baum denn sonst mit den ganzen Nährstoffen?
Gruss - Wilma
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holgerb
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Re: Düngerlehre

Beitrag von holgerb »

Hallo *wink* ...

wie soll das Vitamin in die Wurzeln gelangen????

Das Molekül ist viiiiiieeeeeeeeeeeeeeeel zu groß.

Das ist ungefähr so, als würdest Du mit einem 40-Tonner in eine PKW-Garage wollen! No way! Das geht nicht!

Haben wir schon über den casparischen Streifen gesprochen, hab's nicht mehr auf dem Haken...
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holgerb
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Re: Düngerlehre

Beitrag von holgerb »

Denkt an die Firma Baum...

Pflanzen sind Produzenten!
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der1
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Re: Düngerlehre

Beitrag von der1 »

Hier mal meine VB1-"Theorie".

Ich könnte mir vorstellen, dass das Vitamin von den gleichen Mikroorganismen zersetzt wird, die organsiche Dünger aufspalten. Vielleicht erhält der Baum dadurch andere Bausteine (Aminosäuren oder sowas vielleicht?), die er dann für Wachstum nutzen kann.

Liebe Grüße

Christian
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sloe
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Re: Düngerlehre

Beitrag von sloe »

Okay, okay.
Der casparische Streifen (http://de.wikipedia.org/wiki/Caspari%27scher_Streifen) ist also das Garagentor...

Ich bleibe jetzt aber mal beim VB1, weil ich es selber gerade teste:
Die "Firma Baum" kann u.a. auch Vitamine produzieren, z.B. im Fruchtfleisch. Damit werden dann die "Logistikunternehmen" bezahlt, die den Samen transportieren sollen. Macht Sinn.

Aber was sollen dann die Vitamine im Substrat? Bezahlung für Mykhorizza oder andere Mikroorganismen? Dann wäre VB1 im Giesswasser quasi Bestechung. Wir erkaufen damit Dienstleistungen, die der Baum sich nicht leisten kann...
Gruss - Wilma
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der1
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Re: Düngerlehre

Beitrag von der1 »

Hallihallo,

da das Thema "Vitamin B1" an anderer Stelle ebenfalls heiß diskutiert wird, komme ich mal auf eine ganz banale Düngerfrage zurück.

Das Thema NPK-Werte kennen wir ja bereits. Ich stelle mir allerdings die Frage, worauf sich die Werte beziehen. Auf den Inhalt der Düngerflasche oder auf die fertige Lösung? Beispielhaft gehe ich mal von folgendem fiktiven Anhaltspunkt aus:

- Dünger A: NPK 8-8-8, Dosierungsempfehlung 5ml auf einen Liter Wasser
- Dünger B: NPK 8-8-8, Dosierungsempfehlung 20ml auf einen Liter Wasser

Auf beiden Flaschen steht noch der Hinweis, man möge die Dosierung bei starkzehrenden Pflanzen verdoppeln. Nun ist es ja so, dass die NPK-Werte Prozentwerte der entsprechenden Stoffe darstellen. Rein logisch / mathematisch betrachtet, kann das aber niemals für die angesetzte Lösung gelten, denn 5ml Dünger auf 1000ml Wasser sind gerade mal eine 0,5%ige Lösung, 20ml auf 1000ml eben eine 2%ige. Nix mit 24%.

Anders herum betrachtet kommen die Dosierungsempfehlungen ja auch nicht von ungefähr. Habe ich denn, wenn ich beide Dünger nach Dosierungsempfehlung verdünne am Ende zwei identische Lösungen (von den "Nährwerten" her gesehen)? Oder ist der Hersteller von Dünger A zu zimperlich? Oder der Hersteller von Dünger B wahnsinnig? Gebe ich mit 40ml Dünger A auf einen Liter Wasser meinen Pflanzen den goldenen Schuss?

Wie man unschwer erkennen kann, habe ich schon bei dieser relativ einfachen Ausgangslage Schwierigkeiten. Einfach deshalb, weil es hier erstmal nur um mineralische Flüssigdünger geht. Kommen organische Bestandteile dazu wirds noch haariger. Bezieht sich dann der NPK-Wert nur auf die mineralischen Bestandteile oder werden die organischen Bestandteile auch noch reingerechnet? Auch bei organischen Düngern wie Biogold oder Saidung werden uns NPK-Werte präsentiert. Und um die Verwirrung richtig komplett zu machen, handelt es sich bei den Beispielen auch noch um Feststoffdünger.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto verzwickter wirds... :?

Liebe Grüße

Christian
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Re: Düngerlehre

Beitrag von holgerb »

Hallo Christian.

In der Regel sind die Nährsalzangaben auf den Flaschen die Prozente in dem Dünger (also nicht in der fertigen Lösung).

Möglicherweise hängen die Dosierungsangaben mit den Trägerstoffen zusammen, die den Nährstoff enthalten.

Wie Du ja auch im Forum bemerkst gibt es zu dem Thema tausend Meinungen und Empfehlungen....

Welche jetzt nun die richtige von Deinen beiden fiktiven Düngern ist, kann ich Dir nich sagen...
Sicher fährt man eigentlich immer, wenn man die Düngermenge halbiert und dafür eben doppelt so oft düngt...
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Re: Düngerlehre

Beitrag von der1 »

holgerb hat geschrieben:...Welche jetzt nun die richtige von Deinen beiden fiktiven Düngern ist, kann ich Dir nich sagen...
Darum gings mir eigentlich gar nicht. Ich war lediglich irritiert über die Dosierungsangaben. Ganz konkret geht es dabei um meinen Compo-Dünger und Wuxal. Nochmal ein paar (diesmal "echte") Zahlen:

- Compo: NPK 4-5-6, Dosierung 14ml auf 1 Liter Wasser, 1x wöchentlich düngen
- Wuxal: NPK 8-8-6, Dosierung 20ml auf 10 Liter Wasser, alle 8-14 Tage

Also: Sieben mal mehr Compo als Wuxal. Betrachten wir der Einfachheit halber mal nur den N-Anteil, dann habe ich in der Compo-Lösung immer noch 3,5mal mehr davon im Gießwasser als in der Wuxal-Lösung...
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Re: Düngerlehre

Beitrag von holgerb »

Es kommt darauf an, wie der Stickstoff gebunden ist, und wie oft man das Mittelchen anwenden soll.

Als Beispiel:

Nitratstickstoff ist sofort pflanzenverfügbar, Ammmoniumstickstoff muss erst vom Bodenleben umgesetzt werden zu Nitrat.
Bei Isobutyldiendiharnstoff dasselbe, dauert nur noch länger...

Deswegen achte ich bei Düngern ganz speziell auf die Zusammensetzung der Stickstoffquellen...
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Re: Düngerlehre

Beitrag von holgerb »

Hallo Klasse.

Ich versuche diese Woche noch das Thema aufzuarbeiten, mir fehlt im Moment die Zeit, große Baustelle, lange Arbeiten und so... Sorry, wenn es ein bißchen dauert, ich habe euch nicht vergessen.....
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Re: Düngerlehre

Beitrag von holgerb »

Na, da bin ich wieder....

Wir waren ja stehengeblieben bei der möglichen Aufnahme von Vitaminen und ähnlichen Makromolekülen...
Und vielleicht habt ihr ja die Diskussion mit Martin_S verfolgt...

Sein Einwand, daß ja durchaus auch Pflanzenschutzwirkstoffe über die Wurzel aufgenommen werden ist nicht ganz von der Hand zu weisen... Ich bin mir aber ziemlich sicher, daß die Wirkstoffe einen "Trick" verwenden, um doch "eingelassen" zu werden. Ähnliches wäre dann auch für Vitamine möglich, könnte ich mir vorstellen...
Ich hoffe, Martin kann zu dieser netten Dame mal einen Kontakt aufbauen, vielleicht kriegen wir ja neue Erkenntnisse...
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Marco Manig
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Re: Düngerlehre

Beitrag von Marco Manig »

Vielleicht sagt euch der Begriff Plasmodesmos etwas. Dies ist lt. WiKi ein durch Plasmamembranen begrenzter Kanal zwischen den Zellen. Vielleicht ist dieser Kanal soweit "dehnbar", dass auch größere Moleküle passieren können. Natürlich nur mit so einer Art Schalter, evtl. vorstellbar wie bei den T-Zellen. Also sowas in der Art wie: Das Vitamine oder bestimmte Moleküle einen "Schlüssel" für das Plasmodesmos haben und somit auch für den casparischen Streifen. Ich persönlich vertrete die Auffassung, dass Vitamine oder ähnliche Hilfsstoffe nur den Mikroorganismen im Boden nutzen, und dadurch schneller Nährstoffe für die Pflanze aufbereitet werden.

Nur mal so in die Diskussion geworfen. 8)

Übrigens, der Thread den Holger meint steht hier.
Gruß, Marco

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