Fichte - Kandelaberliterat (??) oder nur Schrott?

Der richtige Ort Bonsai (Baum in Schale mit gewisser Reife) vorzustellen und zu präsentieren. Der Threadersteller möge bitte im Eröffnungsthread darauf hinweisen wenn allgemeine Kommentare unerwünscht sind. Andernfalls stellt sicher, dass ihr etwaige fachliche Kritik durch die "DREI SIEBE" gesiebt habt!
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Robert S.
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Fichte - Kandelaberliterat (??) oder nur Schrott?

Beitrag von Robert S. » 25.07.2007, 20:45

Hallo zusammen,

ich möchte euch eine Fichte zeigen, die ich letztes Jahr ausgegraben habe.
Heut würde ich sie nicht mehr mitnehmen, da sie m.E. ziemlich aus "der Norm"
fällt und nix für einen Anfänger wie mich ist.
Langer Stamm ohne Verjüngung, ohne Bewegung und dann die drei "Stämme" ,
die mir wiederum sehr gefallen. Abmoosen? Ne, nein, nicht wirklich. Nachdem
ich bei meinen bisherigen Abmoosversuchen die A-Karte gezogen habe trau
ich mich bei diesem Baum zumindest vorerst nicht ran.
Schale? Ich stell mir eine ziemlich kleine, runde Schale vor.
Was sagt ihr zu dem Baum? Ideen? Oder kann das nix werden?

Servus,
Robert
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WaMa
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Beitrag von WaMa » 25.07.2007, 20:53

Hallo Robert,

ich finde den Baum gerade weil er so außergewöhnlich ist sehr interssant. Auch deinen Vorschlag mit der runden Schale kann ich mir gut vorstellen. Wenn der Stamm noch ein klein wenig an Umfang zunimmt und die Krone noch feiner wird finde ich den Baum 1A.

Das ist natürlich auch nur meine Anfängermeinung, aber mir gefällt er.

MfG
Martin

Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig » 25.07.2007, 21:44

Bloss nicht abmoosen! Gerade bei Fichten ist man manchmal froh, an einem Exemplar etwas lernen zu können. Triebe zupfen, Draht entfernen, bevor er einwächst, Wundverschluss ohne Knete - da gibts ja so viel.

Noch liberaler: Einfach sagen: Das ist ein hübscher Baum. Eine runde, eher blasse, unten nach innen verjüngte Schale dazu suchen und diese total überhöhte Form so auf den Punkt bringen. Eventuell unten auf die Schale schreiben: «Dore got, wat is minne?» (Heinrich von Veldeke)

Es muss ja nicht alles ein Bonsai sein.
Oder erst recht - je nachdem, wie man es sieht.

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Walter Pall
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Beitrag von Walter Pall » 25.07.2007, 22:27

Robert,

der ist doch gut! Klar nur für sehr Fortgeschrittene. Für Preise zu gewinnen ist er auch zu einmalig. Ich finde den ganz stark. Im Frühjahr In ein gank kleine, flache Tellerschale damit und fertig.
Besonders gut finde ich das, was sicher am meisten aneckt, nämlich dass er sich ganz ganz oben zu drei fast gleichartigen Drillingsstämmen verzweigt. Stark. RG würde Dich kreuzigen. Das wäre dann so etwas wie ein Ritterschlag.

Britta
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Beitrag von Britta » 25.07.2007, 22:35

Falls eine weitere Laienmeinung erlaubt ist: mir gefällt der Baum ausgesprochen gut, gleich auf den ersten Blick. Ja klar, der lange untere Stammabschnitt ist etwas seltsam. Aber irgendwie hat dieser Baum etwas sehr Stolzes. So ganz anders als ein Literat, oder vielmehr wie ein Literat, der all das nicht hat, was ich an Literaten eigentlich nicht so mag. Er ist schlank wie ein Literat, ohne sich zu verzehren, er windet und krümmt und duckt sich nicht, sondern steht stolz aufrecht und reckt seine wirklich sehr schöne Krone ins Sonnenlicht. Wie drei Brüder, die sich verschworen haben, nichts auf die Meinung der Welt zu geben.

Ein Baum, der meine Vorstellungskraft enorm anregt, wie man sieht! :D

Aber eine andere Schale braucht er unbedingt! Eher klein und flach, würde ich auch sagen.

Edit: Upps ... Mit der "weiteren Laienmeinung" habe ich mich natürlich auf Martin bezogen!

Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig » 25.07.2007, 22:43

Walter Pall hat geschrieben:Ritterschlag.
Hohe Minne.
:wink:

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HorstH
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Beitrag von HorstH » 25.07.2007, 23:06

Mach was draus - optimales Ausgangsmaterial :wink:

Nein, ehrlich, hab schon was Schoeneres gesehn' :lol:

Andererseits, was will uns folgendes G'setzerl sagen?

"....weil schoen gestaltete Baueme den Gestalter beliebt machen, darum kommen kommen nun wieder eine Menge von Baeumen zur Welt, welche nichts als schoen sein wollen, die gar nichts mehr wissen von der urspruenglichen, urweltlichen, heilig-unschuldigen Funktion des Baumes.

Diese Baeume sind von allem Anfang fuer andere gemacht.

Sie sind nicht mehr Traeume oder Tanzschritte oder Schreie einer Seele,
Reaktionen auf Erlebnisse, gestammelte Wuschbilder oder Zauberformeln,
Gebaerden eines Weisen oder Grimassen eines Irren - sie sind bloß noch gewollte Erzeugnisse, Fabrikate, Pralines fuer das Publikum.

Sie sind gemacht worden, um verbreitet und verkauft und von den Kaeufern zur Erheiterung oder Zerstreuung genossen zu werden..."

Anmerkung: Text nur unwesentlich veraendert - Original: Hermann Hesse,
"Ueber Gedichte", Schriften zur Literatur I, Werkausgabe Suhrkamp

Gruß Horst

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Beitrag von onac90 » 26.07.2007, 00:19

die drei äste unten fest zusammen binden evtl wachsen sie ja zusammen und mästen so könnte man evtl das ausgleichen so das der stamm grösser ist als die drei äste zusammen .. warscheinlich fantasier ich wieder ;D

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Beitrag von Karl T. » 26.07.2007, 13:37

Robert, wenn du sie für die Masse gestaltet hättest, so hätte die Fichte keine drei Kronen. :wink: Du hast die Fichte für dich gestaltet und sie ist gestaltungstechnisch gelungen. 8) Gefallen muss sie nicht allen und sie ist mit Sicherheit außergewöhnlich. *z*
Herzliche Grüße aus Wien!
Ihr seit gerne eingeladen in meine http://www.bonsaiwerkstatt.at/
Karl Thier

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Beitrag von Robert S. » 26.07.2007, 17:45

Hallo zusammen!

Ich bin schon ziemlich überrascht über so viel positive Resonanz auf einen
Baum der mir bei Sammeln gefiel (klar, sonst hätte ich ihn nicht ausgegraben),
dann lange Zeit überhaupt nicht gefiel (weil ich erfolglos versuchte den Baum
gängigen Regeln unterzuordnen bzw. eine Gestaltung zu finden die dies zum Ziel
hat) und dann nach dem Durchdrahten gefiel er mir dann richtig gut, obwohl
er nirgends unterzubringen ist.
Als ich den Beitrag hier reingestellt hatte, duckte ich mich weil ich eher mit
einem Verriss als mit Lob gerechnet hatte.
So kann man sich täuschen.
Fast überflüssig zu erwähnen dass ich über beide Ohren gestrahlt hab und
die Rippen leicht krachten (vom geschwollenen Brustkorb) :wink:
Was soll ich noch sagen? Bin sprachlos und muss das erst mal wirken
lassen.
Danke!

Anbei noch ein Bild, kurz nach dem Ausgraben (leider nur die Rückseite) und
eines von einer Schale aus Walters Schalenstube, in der ich mir den Baum
ganz gut vorstellen kann.
Über weitere Schalenvorschläge würde ich mich sehr freuen.
Wenn ich von Wolfgang zurück bin mach ich noch Fotos vor neutralem
Hintergrund.

Servus,
Robert
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sulrich
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Beitrag von sulrich » 26.07.2007, 19:43

Hmm, ich stelle mir dafür eher eine flache Schale vor, wie Walter schon sagte, vielleicht in Richtung 'primitiv'-Nanban:

Bild
(von A. Harriman, www.chinamist.co.uk), oder:

http://www.albrightpots.com/pots_nanbans.htm
Viele Grüße,
Stefan

Whenever there is any doubt, there is no doubt. - Sam in 'Ronin'

ThomasG
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Walter Pall - wieder dabei?

Beitrag von ThomasG » 26.07.2007, 21:07

Walter Pall hat geschrieben:Robert,

der ist doch gut! Klar nur für sehr Fortgeschrittene. Für Preise zu gewinnen ist er auch zu einmalig. Ich finde den ganz stark. Im Frühjahr In ein gank kleine, flache Tellerschale damit und fertig.
Besonders gut finde ich das, was sicher am meisten aneckt, nämlich dass er sich ganz ganz oben zu drei fast gleichartigen Drillingsstämmen verzweigt. Stark. RG würde Dich kreuzigen. Das wäre dann so etwas wie ein Ritterschlag.
Gehört nicht zum Thema direkt: Aber ich finde es schön, dass sich Walter Pall wieder beteiligt. Er war lange nicht dabei, ich hatte den Eindruck, dass die Diskussion in einigen Themen ihn abgehalten hat, weiter mitzuwirken. Wenn's nicht stimmt auch egal, Hauptsache er ist wieder mal dabei. Seine excellenten Fotos von seinen sehr schönen Bäumen habe ich jedenfalls seit langem sehr vermisst.

Viele Grüße

Thomas
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Viele Grüße

Thomas

Neuaustrieb
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Beitrag von Neuaustrieb » 27.07.2007, 00:15

Was mich fasziniert ist, dass man hier im Forum einerseits ziemlich in die Mangel genommen wird, wenn man einen "ungewöhnlicheren" Gestaltungsvorschlag stellt ihn begründet und dazuschreibt "so hätte ich ihn gestaltet" und auf der anderen Seite (vor allem wenn die "richtigen" Leute dazu bestärken) man hier auf enorme Toleranz und Gestaltungsfreiheit stößt... (im Prinzip macht doch jeder wie er will) :lol: *huch* *undwech*

soll nur eine Anmerkung sein :roll: :wink:
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zu stehen, obwohl man ausweichen könnte." (Markus M. Ronner)

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Beitrag von achim73 » 27.07.2007, 00:42

hast du da mal ein beispiel ?
Gruss, Achim
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Neuaustrieb
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Beitrag von Neuaustrieb » 27.07.2007, 01:32

Nicht gar vor langer zeit hat jemand (nicht ich, ich habs nur verfolgt) mal einen Baum ins Netz gestellt. Da haben dann ein paar Leute was dazu geschrieben. Dann hat sich noch jemand gemeldet und gesagt: was hältst du davon, den stamm zu trennen und (zwei äste gingen links und rechts auf der selben höhe ab) den linken als Stammverlängerung und den rechten als Hauptast zu nehmen - ich fand die Idee ganz gut, aber in der Antwort kam eine (für meine Begriffe) ablehnende Haltung, im Sinne von "wie kannst du nur" weil dadurch der Stamm und der erste Ast die selbe Dicke hätten.
War natürlich jetzt nicht der Weltuntergang aber da ich ein Verfechter der konstruktive Kritik bin (denn Kritik ist der Kernpunkt jeder Wissenschaft und wissenschaftlichen Arbeitens) wollt ich es nur (mit etwas Spass im Schlepptau - siehe Smiles) erwähnen und an eine Gesprächspolitik im Sinne von "gefällt mir nicht, weil...; find ich gut, weil..." erinnern. Dogmatische Bonsairegeln für den einen gelten nich unbedingt für den anderen (wobei eine Person natürlich auch unterschiedliche Stile haben kann) - womit ich wieder bei ihnen wäre Herr Pall - ich habe ihren Beitrag in der letzten Bonsai-Art genossen...
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