Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Der richtige Ort Bonsai (Baum in Schale mit gewisser Reife) vorzustellen und zu präsentieren. Der Threadersteller möge bitte im Eröffnungsthread darauf hinweisen wenn allgemeine Kommentare unerwünscht sind. Andernfalls stellt sicher, dass ihr etwaige fachliche Kritik durch die "DREI SIEBE" gesiebt habt!
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Heike_vG
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Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von Heike_vG » 05.05.2014, 11:14

Hallo, liebe Bonsaifreunde,

in diesem Thread will ich Euch die schon über zwei Jahrzehnte dauernde Geschichte eines Acer palmatum "Seigen" erzählen, den ich 1991 geschenkt bekam. Damals war ich schon fast 10 Jahre mit dem Bonsaivirus infiziert, hatte vieles ausprobiert, viel gelesen, hatte eine Menge Pflanzen in Schalen angesammelt und hielt mich schon für ganz schön bewandert (was im Rückblick ganz anders zu beurteilen ist).
Mein damaliger Freund verspottete mich mit meinem Bonsai-Tick ständig, schenkte mir aber 1991 diesen Fächerahorn zum Geburtstag. Ich schwärmte für rote Fächerahorne und war entzückt, nun einen zu bekommen. Um welche Sorte es sich handelte war unbekannt. Angeblich sollte der Ahorn 30 - 35 Jahre alt sein, was ich heutzutage sehr bezweifle. Höchstens 20 Jahre wären vermutlich eher zutreffend.

Seigen_Juni_91_k.jpg
Seigen_Juni_91_k.jpg (60.52 KiB) 3501 mal betrachtet
Dies ist das erste Foto, das ich aufnahm, kurz nachdem ich den Ahorn bekommen hatte. Auch meine Fotokenntnisse waren noch sehr entwicklungsbedürftig. Juni 1991.

Einige Wochen später fiel mir auf, dass an der Stammvorderseite immer komische, dunkle Flecken blieben, auch wenn der Baum vollständig trocken war. Als ich auf die Flecken drückte, fühlte sich der Stamm ganz weich an. Ich kratzte daran und stellte bestürzt fest, dass sich unter dem noch grünen Kambium feuchtes, fauliges Gewebe befand. So griff ich zu Werkzeug und trug die verfaulten Holzteile ab. Offenbar war die Fäulnis von einer abgestorbenen Wurzel hinter der Rinde aufwärts gestiegen.

Seigen_Sommer_91_k.jpg
Seigen_Sommer_91_k.jpg (54.73 KiB) 3501 mal betrachtet
Nun hatte ich einen Fächerahorn mit einem eigentlich weder erwünschten, noch beabsichtigten Shari-Bereich. Der Baum wuchs aber weiter kräftig. Das Foto ist vom Juli 1991.
Übrigens war ich ziemlich enttäuscht, dass der Baum seine Blätter über den Sommer grün färbte! Eigentlich fand ich die Fächerahorne besonders schön, die den ganzen Sommer über rot bleiben (Atropurpureum). Ich war jedoch noch weit entfernt davon, die Sorte bestimmen zu können.

Die billige, blaue, runde Schale gefiel mir nicht und so topfte ich den Ahorn im Frühjahr 1992 in eine andere Schale um, wobei ich die tote Wurzel, die den Fäulnisherd gebildet hatte, gründlich entfernte. Die Schalenwahl war natürlich nicht optimal, aber soweit war ich 1992 auch noch nicht.
Aus dem Jahr 1992 gibt es folgende drei Fotos:

Seigen_Maerz_1992_k.jpg
Seigen_Maerz_1992_k.jpg (69.97 KiB) 3501 mal betrachtet
März 1992

Seigen_Mai_1992_k.jpg
Seigen_Mai_1992_k.jpg (47.21 KiB) 3501 mal betrachtet
Mai 1992

Seigen_Sommer_1992_k.jpg
Seigen_Sommer_1992_k.jpg (38.2 KiB) 3501 mal betrachtet
Sommer 1992

Einige Jahre wuchs der Fächerahorn mal besser, mal schlechter vor sich hin. Häufig gab es im Frühjahr beim Austrieb große Probleme, weil bei Spätfrösten oder frühem Blattlausbefall uns Insektizidspritzung der junge Austrieb komplett schwarz und trocken wurde. Manches Mal war ich fast am Verzweifeln mit diesem Baum, aber er erholte sich immer wieder.
Das schlechte nächste Foto ist aus dem Jahr 1999.

Seigen_Sept_1999_k.jpg
Seigen_Sept_1999_k.jpg (41.01 KiB) 3501 mal betrachtet
Im September 1999 sieht man, dass relativ wenig Entwicklung zu verzeichnen war, aber sich ein deutlicher Kallus an den Rändern des ungewollten Shari gebildet hat.

Seigen_Maerz_2000_k.jpg
Seigen_Maerz_2000_k.jpg (61.75 KiB) 3501 mal betrachtet
Das Foto vom März 2000 offenbart, dass bei den mehrfach aufgetretenen Problemen eine Menge Äste und Verzweigung verloren gegangen sind.

Seigen_Mai_2000_k.jpg
Seigen_Mai_2000_k.jpg (33.08 KiB) 3501 mal betrachtet
Im Mai 2000 erfolgt unverdrossen neuer Austrieb

Seigen_Mai_2000_2_k.jpg
Seigen_Mai_2000_2_k.jpg (64.4 KiB) 3501 mal betrachtet
Etwas später im Mai 2000. Heute gruselt es mich, dass ich damals das widerliche Sternmoos so wuchern ließ.

Seigen_Juni_2000_k.jpg
Seigen_Juni_2000_k.jpg (65.02 KiB) 3501 mal betrachtet
Im Juni 2000 wieder so ein mieses Foto, aber es zeigt den Fortschritt des Austriebs.
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von catwoman25 » 05.05.2014, 11:21

Bin auf die Fortsetzung gespannt! Wie gehts dem Baum heute?

LG
Barbara

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Heike_vG
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Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von Heike_vG » 05.05.2014, 11:31

Wieder ein fürchterlich aufgenommenes Foto, übrigens alle noch analog und später eingescannt.
Seigen_Juli_2000_k.jpg
Seigen_Juli_2000_k.jpg (66.38 KiB) 3485 mal betrachtet
Juli 2000, das Laub ist jetzt wieder grün und sieht recht gesund aus.

Seigen_Maerz_2001_k.jpg
Seigen_Maerz_2001_k.jpg (54.45 KiB) 3485 mal betrachtet
März 2001. Damals hatte ich noch keine Möglichkeit, Bäume frostfrei zu überwintern. Das war mit dem Seigen immer ein Glücksspiel. Die neuen Zweige aus dem Vorjahr sind erhalten geblieben.

Seigen_Sept_2004.JPG
September 2004, der Baum hat sich immer weiter erholt.

Okt_2005_k.jpg
Okt_2005_k.jpg (66.92 KiB) 3485 mal betrachtet
Oktober 2005. Inzwischen war ich frisches Mitglied im BFF, hatte vermutlich inzwischen herausgefunden, dass mein Ahorn ein Acer palmatum "Seigen" ist und unternahm erste zaghafte Versuche, einen einfarbigen Fotohintergrund zu verwenden, hier noch mit sehr bescheidenen Ergebnissen... :lol:

Seigen_Nov_2005.JPG
November 2005. Mein Schalenverständnis hatte sich weiterentwickelt und ich hatte die wunderbare Welt der Onlineshops entdeckt. So hatte ich schon eine schöne, neue Schale von Peter Krebs gekauft, die dem Seigen gut stehen sollte.

Seigen_April_2006.JPG
April 2006. Die Schale passt optisch prima und ich besitze seit neuestem einen ersten Präsentationstisch. Der mittlere Substamm sieht schon etwas schwach aus. Aus heutiger Sicht hätte ich den Baum vielleicht doch in eine größere Schale topfen und möglichst viel Wachstum fördern sollen.

Seigen_Mai_2006_k.jpg
Seigen_Mai_2006_k.jpg (68.82 KiB) 3485 mal betrachtet
Mai 2006. Der Austrieb geht gut weiter und ich experimentiere in Sachen Fotografie.

Seigen_Juli_2006.JPG
Im Juli 2006 steht der Seigen gut da, aber man sieht, dass der rechte Bereich stärker ist als der linke. Ich hätte damals rechts die Blätter auslichten sollen.

Seigen_Aug_2006_k.jpg
Seigen_Aug_2006_k.jpg (64.55 KiB) 3485 mal betrachtet
August 2006.

DSCF1862kk.jpg
DSCF1862kk.jpg (57.51 KiB) 3485 mal betrachtet
Im November 2007 beschäftigte ich mich bereits etwas mit Präsentation und probierte ein bisschen was aus. :oops: Leider hatte sich die Schwächung des mittleren Substamms fortgesetzt, aber ich hoffte noch, diesen wieder vitalisiert zu bekommen.
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Heike_vG
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Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von Heike_vG » 05.05.2014, 11:56

Es kam, was sich bereits abgezeichnet hatte, der mittlere Substamm starb ab. :( Damit noch nicht genug. Während ich 2008 auf dem ersten BFF-Sommerfest war, stand der Seigen im Schatten - vorsichtshalber - und durch diesen Standort abseits der anderen Bäume vergaß mein Mann, gerade diesen Baum zu gießen. Als ich heimkehrte, hatte der Seigen einen kapitalen Trockenschaden und ich konnte mir nicht vorstellen, dass er sich davon noch erholen würde. *autsch* (Ich nahm dies zum Anlass, mir einen weiteren Seigen zu kaufen, den ich in einem anderen Thread hier im BFF bereits dokumentiert habe http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... =4&t=28727 )

Dennoch wollte ich diesen armen, alten Recken noch nicht aufgeben. Und in ihm steckte doch noch ein hartnäckiger Lebenswille.
Was ich viel eher hätte tun sollen, machte ich nun endlich, der Ahorn wurde in eine wesentlich größere Schale (von Silvia Weber) gepflanzt.
DSCF5152kb.jpg
Erst im Mai 2009 nahm ich wieder ein Bild auf, als das knallige Seigen-Rot wieder sehenswert war. Die Besonderheiten und Empfindlichkeiten des Seigen hatte ich inzwischen begriffen und entsprechend gewissenhaft berücksichtigt.

DSCF6508k.JPG
Im Oktober 2009 wurde auch eine tolle Herbstfärbung auf's Foto gebannt.

Seigen_alt_Nov10.jpg
Seigen_alt_Nov10.jpg (190.11 KiB) 3463 mal betrachtet
So stellte sich die Lage im November 2010 dar. Der Baum hat sich sichtlich erholt, viele neue Zweige bekommen und der ungewollte Shari-Bereich ist erheblich weiter zugewachsen. Zwischenzeitlich hatten Holzwürmer Löcher hineingebohrt, die ich wiederholt bekämpft habe. Aber die Form des Baums entzieht sich nun jeder Bonsai-Ästhetik.

Seigen_alt_Okt2011_k.jpg
Im Oktober 2011 ist die Herbstfärbung wieder eine Pracht. Der Baum ist gesund und munter.

Seigen_alt_Nov2011_k.jpg
November 2011, das Laub ist runter, die Verzweigung macht sich. Trotz formaler Mängel hat der Baum seinen eigenen Charme.

Herbstlaub2012_Seigen_alt.JPG
Wieder ein Jahr später, Oktober 2012.

P1070265k.JPG
November 2012.

P1080573k.JPG
Im Juni 2013 ein Foto genau im Übergang der Laubfarbe von pink nach grün.

P1100246k.JPG
Und nun, zum Abschluss, das Bild von heute, 5. Mai 2014. Das Laub ist wieder in seiner Knallbonbon-Farbe. *lieb*

Manchmal denke ich darüber nach, dass ich nach dem vollständigen Zuwachsen des ungewollten Shari vielleicht den linken Kronenteil entfernen könnte, um die störende Symmetrie der beiden auseinander strebenden Hauptäste oder Substämme aufzulösen. Aber ich lasse mir Zeit mit solchen Entscheidungen. Dieser Baum hat schon so viel hinter sich, dass ich ihm durchaus etwas eigenen Willen lasse und ihn mit Nachsicht und Geduld behandle.

Ich bin gespannt auf Eure Gedanken!

Liebe Grüße,

Heike
Zuletzt geändert von Heike_vG am 05.05.2014, 19:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von chris-git@rre » 05.05.2014, 12:02

Hallo Heike,
ein Wunderschöner Baum! *daumen_new*
24 Jahre Pflege! *daumen_new* *respekt*

2006 und 2007 hat er mir vom Stamm her auch sehr gut gefallen!
Zuletzt geändert von chris-git@rre am 05.05.2014, 12:17, insgesamt 1-mal geändert.
lg chris-git@rre

*Bilder sagen mehr als 1000 Worte*

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Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von olli.w. » 05.05.2014, 12:12

Mit Geduld und Spucke.....

Ein schönes Ergebnis zeigst du uns da Heike. Die alte "Liebe" ist schon längst verwelkt, der Bonsai hingegen blüht unter deine Pflege auf !

Ist immer wieder schön zu sehen mit wieviel Herzblut manche Bonsaianer an der ein oder anderen Pflanze hängen. Ich denke mit den heutigen Kenntnissen würde der Seigen nicht lange (wenn überhaupt) auf deinem Regal stehen.

Zum Glück hat sich auch deine Substrat-Wahl verbessert :-D .

Gruß Olli
Mosel-Riesling !

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Andreas D
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Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von Andreas D » 05.05.2014, 12:15

Hallo Heike !
Sehr schöne Dokumentation.
Manchmal denke ich darüber nach, dass ich nach dem vollständigen Zuwachsen des ungewollten Shari vielleicht den linken Kronenteil entfernen könnte, um die störende Symmetrie der beiden auseinander strebenden Hauptäste oder Substämme aufzulösen.
Würde ich persönlich nicht machen - Du nimmst dem Baum einen Teil seines Charakters, den er nicht nur aufgrund seiner Erscheinung, sondern auch durch seinen Werdegang erlangt hat.

Dieser Baum hat schon so viel hinter sich, dass ich ihm durchaus etwas eigenen Willen lasse
... und dazu gehört eben auch die nicht ganz perfekte Symetrie des Baumes.

Ansonsten: ich finde, es ist ein toller Baum !

Gruß,
Andreas

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Georg
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Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von Georg » 05.05.2014, 12:24

Hallo Heike,
mein erster Gedanke war, den linken Zweig kleiner zu gestalten und die rechte Seite den oberen Bereich der linken Seite übernehmen zu lassen. Andererseits spricht dagegen, daß die "Abzweigung" nach links mindestens so dick ist wie diejenige nach rechts. Also auch nicht so berauschend. Wenn man die Abzweigung nach links gestalterisch schmäler und dies auch wuchstechnisch erklärbar bekäme, wäre das eine Variante.
Ganz weg den linken Teil kann ich mir momentan nicht vorstellen. Aber vielleicht fehlt mir auch die Phantasie dazu *kopfkratz* .
Der Baum verdient auf jeden Fall die Beschäftigung mit ihm; besonders auch aufgrund seiner Geschichte.
Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben geben, daß Du es sagen darfst(Voltaire)

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Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von Heike_vG » 05.05.2014, 12:37

Vielen Dank für Eure Kommentare! Es freut mich, wenn diese Dokumentation interessant für Euch ist. :-D


Hallo Rüdiger,

die gleichen Gedanken hatte ich auch schon. Wenn man den rechten Teil der Krone kräftiger und größer werden lässt und gleichzeitig den linken kleiner hält, wird sich der rechte Teil stärker verdicken und es könnte später wieder stimmiger aussehen.
Da kann man nur abwarten und sehen, was der Baum macht.

Liebe Grüße,

Heike
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twotower

Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von twotower » 05.05.2014, 12:52

...
Zuletzt geändert von twotower am 24.06.2014, 22:40, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von Norbert_S » 05.05.2014, 13:28

Heike,
das ist wieder einmal eine deiner schönen Geschichten zu den Bäumen auf deinem Regal, danke.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie gefangen ihr in euren Normen seid.
Den Baum sehen ich jetzt seit 2007 mehrmals jährlich live und erfreue mich immer wieder an seiner Entwicklung und Einmaligkeit.

Erstaunlicher Weise ist der linke Stammteil auch nach Jahren noch kräftiger obewohl nsgesamt weniger beastet als rechts.
Der Gedanke den linken Substamm zu verlieren tut mir schon bei der Vorstellung weh.
Ich persönlich mag ja Bäume, die nicht dem Klischee entsprechen, mit Ecken und Kanten aber klarer Einmaligkeit.
Würde mich der jetzge Anblich stören, gibt es doch verschiedene Eingriffe, die diesen formalen Mangel beheben würden.
Das fängt doch ganz einfach mit einer veränderten Pflanzposition an, leichte Drehungen verändern doch desn sich jetzt weit öffeneden Gesamteindruck - den ich sehr mag - erheblich.
Kappt man jetzt die linke Seite in der Höhe ein odentliches Stück und den rechten Ast von rechten Stamm, dann den linken Stamm durch kippen des Baumes nach links absenken und damit dem rechten die neue Rolle als richte Stammfortführung übergeben und dann einfach wie bisher weiterpflegen.

Ich bräuchte diesen Eingriff nicht, aber bevor der linke Stamm abgeschnitten wird, ist das vielleicht eine Überlegung wert.
Seigen_alt_Nov10-1.jpg
Seigen_alt_Nov10-1.jpg (189.64 KiB) 3379 mal betrachtet

Das ist jetzt nur ein Gedanke und ein paar Striche nur um sch einmal von dem jahrelang bekannten Bild zu lösen. da finden sich sicherlich live viele andere Möglichkeit, wenn man erst einmal anfängt den Baum zu bewegen und seiner aktuellen Position zu berauben.
Norbert

Was starke Wurzeln hat, muss den Sturm nicht fürchten!

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Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von Heike_vG » 05.05.2014, 13:59

Hallo Norbert,

vielen Dank für Deine ausführlichen Gedanken! :-D

Du hast Deine Ideen jetzt in einem älteren Bild eingezeichnet, auf dem Nacktfoto von 2012 sieht man aber schon, dass ich z.B. die linke Seite bereits oben eingekürzt habe.

Eigentlich glaube ich nicht, dass ich "gefangen" bin in irgendwelchen Normen. Mich stört zwar die symmetrische Aufteilung in die zwei Hauptäste, aber es sind lediglich Überlegungen, die ich immer mal wieder anstelle, ohne sofortiges festes Vorhaben. Man denkt ja immer darüber nach, wie man einen Baum verbessern kann, gerade wenn er so augenfällige Dinge aufweist, wie hier nach dem immer noch betrauerten Absterben des mittleren Substamms.
Deswegen habe ich den Baum natürlich schon oft hin- und hergedreht und nach allen Seiten versuchsweise gekippt, aber keine gute Option gefunden.
Wir könnten natürlich bei nächster Gelegenheit mal zusammen schauen. 8)

Liebe Grüße,

Heike
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Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von Herbert A » 05.05.2014, 14:07

Hallo Heike,

eine sehr schöne Entwicklungsgeschichte des Baumes.
Noch schöner finde ich allerdings die Entwicklung von Dir, wie sie parallel im Leben des Baumes stattgefunden hat. Ich glaube in dieser Geschichte können sich sicherlich viele von uns wiederfinden.

Auch ich habe einige dieser Bäume auf meinen Regalen die mir besonders an Herz gewachsen sind obwohl oder gerade weil sie gestalterische oder ästhetische Fehler haben.

Ich bin schon gespannt wie Ihr beide euch weiterentwickelt :-)

Liebe Grüße
Herbert
Schön dass es dieses Forum gibt.

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Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von Martin_S » 05.05.2014, 14:12

Da bin ich bei dir Herbert!

jeder der sich etwas länger damit beschäftigt hat wohl irgendwo diesen ersten, diesen einen Baum, den er damals bekam (wie sei mal dahingestellt) und an dem er genauso viel falsch wie richtig gemacht hat. Das hier ist nun so eine Geschichte und man fühlt sich spontan dazu ermuntert, es Heike gleich zu tun und mal seine "alten" Schätzchen mal zu zeigen, damit die Leute nicht glauben, man habe von vorne herein immer alles richtig gemacht. **super-lol*)
M
Beste Grüße
Martin

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Der eine war ein Geschenk, der andere eine Lektion.

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Re: Die wechselvolle Geschichte eines "Seigen"

Beitrag von Martin_H » 05.05.2014, 14:25

Hallo Heike,

ich finde es sehr beeindruckend, einen Baum so lange Zeit zu pflegen, und auch in schwierigen Zeiten ihn nicht aufzugeben. Für mich als Anfänger ist die Tatsache, 25 Jahre einen Baum zu begleiten, gerade aus den ersten Tagen, eine fast ehrfürchtige Vorstellung. *daumen_new*

Virtuell ist so ein Baum ja gleich mal ein paar Grad gekippt, ob es der Wurzelansatz mitmacht, sei dahingestellt. Dann etwas Zuwachs in der neuen Stammverlängerung, und er könnte so aussehen:
seigen_virt.jpg
seigen_virt.jpg (96.25 KiB) 3344 mal betrachtet
Das geht dann wohl ein wenig in die Richtung, wie Norbert geschrieben hat.

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