Der Shimpaku-Wacholder: Seine geheimnisvolle Geschichte (D)

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Heike_vG
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Der Shimpaku-Wacholder: Seine geheimnisvolle Geschichte (D)

Beitrag von Heike_vG » 11.05.2012, 17:24

Der Shimpaku-Wacholder: Seine geheimnisvolle Geschichte

Copyright © Bonsai Focus 2012 - Kindai Shuppan 2003
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Englische Übersetzung © WBFF 2003;
Original japanischer Text und Photos © Kindai Shuppan Co. 2003
Deutsche Übersetzung: Heike van Gunst

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Anmerkung des Herausgebers: Es ist erstaunlich, dass der in der Bonsaikultur so beliebte Shimpaku-Wacholder erst vor etwas mehr als einem Jahrhundert in Japan entdeckt wurde. Aber in dieser kurzen Zeit sind die wild wachsenden Shimpaku durch übermäßiges Sammeln verschwunden!
Wann und wo wurden die Shimpaku entdeckt? Wer sammelte sie von den Bergklippen und wie wurde dies bewerkstelligt? Was passierte während dieser 100 Jahre mit den gesammelten Meisterwerken? Haben japanische Bonsaigärtnereien noch gesammelte Shimpaku-Wacholder im Verkaufssortiment?
Diese und viele andere „Geheimnisse“ über den Shimpaku werden in diesem faszinierenden Artikel gelüftet. Er wurde von Kazuki Yamanaka geschrieben und auf Japanisch in der Juni 2003-Ausgabe des Kindai Bonsai Magazins veröffentlicht. Dank einer großzügigen Spende von Daizo Iwasaki, dem damaligen Vizepräsidenten der WBFF, erhielt diese die Genehmigung des Verlags, den Artikel ins Englische zu übersetzen und auf der WBFF-Webseite zu veröffentlichen. Wir danken Ikuyo Shisaka für ihre feinfühlige und sinngetreue Übersetzung des japanischen Originaltexts ins Englische. Der englische Text wurde für die nicht japanischen Leser überarbeitet und chronologischer geordnet.


Kapitel I. Die Entdeckung des Shimpaku-Wacholders

Heutzutage stehen die wild wachsenden Shimpaku-Wacholder in Japan kurz vor der Ausrottung. Diese Wacholder existieren, soweit man weiß, nur auf Hokkaido und den Yakeshima-Inseln und ihr Aussterben ist als unausweichlich zu betrachten, wenn nicht sehr strenge Maßnahmen ergriffen werden.
Der Shimpaku ist eine Varietät des Chinawacholders (Juniperus chinensis, Ibuki oder Byaku-shin auf Japanisch). Sein lateinischer / botanischer Name ist Juniperus chinensis „Sargentii“, benannt nach C.S. Sargent, der ihn 1892 auf Hokkaido entdeckt hat.
Der japanische botanische Name des Shimpaku ist Miyama-Byakushin.
Er gehört zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae), zu der auch die Hinoki-Zypresse (Chamaecyparis obtusa) gehört.
Da es sich um eine kalkliebende Pflanze handelt, findet man sie auch manchmal in Gegenden, die reich an dem Mineral Peridot sind.
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Dieser Baum heißt „Shimpaku des vornehmen Satake“. Er war ein so seltenes Exemplar, nachdem er gesammelt wurde, dass er anfangs „Rauch des Vulkans“ genannt wurde. Dieser Name beschrieb realistisch seinen kraftvoll verwirbelten Stamm und Shari. Dieser war einer der besten Shimpaku-Bonsai, aber bedauerlicherweise starb er während der verheerenden Zeit nach dem zweiten Weltkrieg.

Heutzutage ist es unmöglich, einen Shimpaku mit solchem Charakter zu finden, weil praktisch alle natürlich gewachsenen Shimpaku ausgebeutet sind.
So viele berühmte Bäume sind verloren gegangen, aber gleichzeitig entstanden viele Geschichten über Shimpaku-Wacholder.
Im „Bonsai Gahou“ Magazin Nr. 5 (Ausgabe vom September 1907) gibt es eine Diskussion über den Ursprung des Shimpaku-Bonsai.
Es heißt darin, dass ein Bonsailiebhaber namens Rokurou Ohta im Jahr 1889 einen Wacholderbonsai erhielt, der seine Bewunderer an ein berühmtes Gemälde von
"Kanzankokai" erinnerte (eine alte japanische Zypresse auf einem winterlichen Berg). Es verbreitete sich das Gerücht unter den Händlern, dass dieser Baum die authentische (=shin) Eiche (=paku) wäre. Daher wurde der Wacholder „Shinpaku“ genannt. (Wegen der Konventionen japanischer Wordzusammensetzung, wurde „Shimpaku“ daraus)
Dieses Wort existierte bis dahin weder in der chinesischen noch in der japanischen Sprache und so wurde es in der Bonsaiwelt als der Name einer neuen Wacholdersorte bekannt.

Shimpaku-Wacholder sind seit den 1890er Jahren beliebt, aber einige Zeit wurden sie der Kinseijyu-Gruppe zugeordnet wie die Rohdea Japonica (Omoto), oder man hielt sie für zu dick und schwer in ihrem Erscheinungsbild.
Dennoch hat diese Wacholdersorte seit ihrem ersten Erscheinen eine außergewöhnliche Popularität erreicht. Diese Beliebtheit hat enthusiastische Sammler wie Tason Ohata auf den Plan gerufen und von Anfang an haben fast alle bedeutenden Bonsailiebhaber sich mit ganzem Herzen diesem Wacholder gewidmet.
Tatsächlich wurde der Shimpaku-Wacholder bereits um 1900 herum als eine der klassischen Arten für Bonsai akzeptiert.
Während der frühen Jahre seiner Beliebtheit war das Angebot an Shimpaku extrem knapp, besonders wenn man es mit den damals gängigen Baumarten vergleicht, die man für Bonsai verwendete, wie die japanische Rotkiefer (Akamatsu), japanische Schwarzkiefer (Kuromatsu) und japanische Zeder (Sugi).
Aus diesem Grund konnte man damit prahlen, ein Exemplar zu besitzen, egal welche Qualität. Wenn ein Shimpaku von wirklich guter Qualität war, kostete er ein Vermögen und die exorbitant hohen Preise, die sich aus der Seltenheit des Shimpaku ergaben, schienen sein Schicksal zu sein.
Viele der besten Shimpaku lebten nur in den unzugänglichsten Klippengegenden und waren deswegen sehr schwer zu sammeln. Hinter der Fassade der brillianten Popularität der Shimpaku-Bonsai riskierten Sammler ihr Leben. Shimpaku, der faszinierende Baum, hat eine unbekannte Geschichte, die in diesem Artikel erzählt wird.


Kapitel II. Der erste Shimpaku: "Ishizuchi Shimpaku"

Es wird erzählt, dass der erste Shimpaku, der in der Natur gesammelt wurde, aus der Ishizuchi-Bergregion auf der Insel Shikoku kam. Dies ist eine Gegend, in der Sammler seit langem japanische Rotkiefern (Akamatsu) und japanische Schwarzkiefern (Kuromatsu) als Bonsaimaterial gesammelt haben.
Unter diesen Sammlern waren Experten in Sachen Sammeln am Berg, die umfangreiche Erfahrung und das Wissen besaßen, wie man gesammelte Bäume einpflanzte und neues Wurzelwachstum anregte.
Es war einer dieser Sammler, der in den Bergen erstmals eine Form des chinesischen Wacholders fand, die man später Shimpaku nennen würde. Chinesische Wacholder, in Töpfe gepflanzt, wurden schon lange geschätzt. Wenn der chinesische Wacholder, den er gefunden hatte, geeignet war, in einen Topf gepflanzt zu werden, dann hatte er das Gefühl, keinen Fehler machen zu können.

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Der Mt. Ishizuchi ist der höchste Gipfel auf der Insel Shikoku.

Der Sammler verschwendete keine Zeit, grub den Wacholder aus, pflanzte ihn in einen Topf und brachte ihn dann zu einem Bonsaihändler in der Stadt Takamatsu, die auf die Seto-Inlandsee an der Nordküste von Shikoku blickt.
Zu dieser Zeit war Takamatsu eines der Zentren für Bonsaimaterial auf Shikoku und Händler kamen nicht nur aus Kyoto, Osaka und Kobe um dort einzukaufen, sondern sogar aus dem weit entfernten Tokyo.
Die Chinawacholder-Varietät, die als Shimpaku bekannt wurde, wurde zuerst in der Kansai-Region populär und ihre Beliebtheit erreichte bald Tokyo. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ein kundiger Händler aus dem Kunpu-en Garten gute Exemplare anzubieten hatte, die die Leute mit Geschmack beeindruckten.

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Das nördliche Shikoku – die Lage von Takamatsu

Die goldene Zeit der Ishizuchi Shimpaku war zwischen der Meiji-Periode von etwa 1868 bis 1878. Der ästhetische Sinn der Leute dieser Zeit bezüglich des Shimpaku war vollkommen anders als heute. Um es kurz zu beschreiben, sie sehnten sich nach einem Geschmack der Berge. Die Jin und Shari dieser Shimpaku wurden nicht besonders geschätzt; stattdessen waren die Menschen tief beeindruckt von der natürlichen Gestalt dieser Wacholder, die ihnen ihr Aufwachsen in den Bergen verliehen hatte. Diejenigen mit extremen Drehungen und Biegungen waren nicht in Mode, sondern man suchte nach denen, die auf subtile und geschmackvolle Weise (shibui) Alter ausdrückten.
In der Tat zeigen die Bilder aus der Meiji-Periode, dass es fast keine Spur von Astformung gab. Man beschränkte sich darauf, die Shimpaku so stark wie möglich zu stutzen und verzichtete darauf, die losen Rindenstreifen zu entfernen oder die Stämme zu polieren.

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Shimpaku-Bonsai in der Meiji-Periode

Man schätzte die Shimpaku ähnlich wie man Antiquitäten in Ehren hält. Ishizuchi-Shimpaku, verglichen mit den Itoigawa-Shimpaku, die später kamen, hatten eine ungezähmte, aber gefällige Form und da man sie einfach in einen Topf pflanzen und genießen konnte, wurden sie sehr beliebt. Viele hatten eine mittlere Größe und waren daher perfekt für Bonsai geeignet.

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Die Shimpaku-Bonsai von Shikoku wurden für ihre alten Stämme geschätzt, die nicht zu viel Bewegung besaßen.


Kapitel III. Das Sammeln der Ishizuchi-Shimpaku

Am Beginn ihrer Popularität waren überall in der Ishizuchi-Bergregion Shimpaku und man brauchte nicht viel Werkzeug. Viele Shimpaku waren zu finden und leicht auszugraben. Als die Nachfrage sich erhöhte, begann ein exzessives Sammeln. Zu dieser Zeit gab es keine Beschränkungen für die Entnahme von Pflanzen aus den Bergen und Sammler von ganz Shikoku kamen scharenweise in die Berge. Es waren nicht nur die professionellen Bergjäger, sondern auch Bonsailiebhaber und sogar gewöhnliche Leute, die einen schnellen Profit witterten.
Das Resultat war, dass in nur 20 Jahren die Ishizuchi-Shimpaku in ihrem natürlichen Lebensraum praktisch ausgerottet wurden. Man begann dann, auch die Bäume zu nehmen, die auf der Hinterseite der Besshi-Bergregion übrig geblieben waren und jene, die auf den Klippen wuchsen.

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Shimpaku-Bonsai in der Meiji-Periode

Die Sammler gingen zu zweit in die Berge. Jeder nahm zwei dünne und zwei dicke Seile und eine spezielle Spitzhacke mit, wie sie hier abgebildet ist. Die Spitzhacke ist ein sehr funktionales Instrument, aber es konnte sich in ungeschickten Händen als gefährliches Werkzeug erweisen.
Als erstes band einer der beiden – der Jäger – ein Seil um einen Baum oben auf der Klippe und kletterte dann abwärts, das Seil als Sicherung benutzend.
Der andere – der Sucher – schaute mit einem Fernglas die Klippe hinunter, um zu sehen, ob er einen lohnenden Shimpaku finden konnte. Hatte er ein gutes Exemplar entdeckt, so informierte er den Jäger, indem er eine rote Flagge schwenkte.
Entsprechend den Anweisungen des Suchers, benutzte der Jäger dann seine Spitzhacke, um sich an der Klippenwand zu bewegen. Manchmal schwang der Jäger seinen Körper in die Luft, von der Wand weg, um eine entfernte Ecke der Bergwand zu erreichen. Dieses Vorgehen war sehr gefährlich, denn wenn das Seil riss, konnte es den Tod des Jäger bedeuten.
Erreichte der Jäger den richtigen Baum, brach er hinderliche Felsen auseinander, legte die Baumwurzeln frei und benutzte die Kante der Spitzhacke, um die Wurzeln zu durchtrennen und den Baum frei zu bekommen.

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Shimpakujäger-Werkzeug

Während der Jahre 1903 – 1908, gab es Berichten zu Folge Unfälle, bei denen beide, der Sucher und der Jäger, die Klippen hinunterrutschten, einer nach dem anderen. Die meisten dieser Opfer waren entweder Minenarbeiter aus den Kupferminen in Besshi, Angestellte von wohlhabenden Kaufleuten oder andere, die keine Bonsai-Profis waren.

In der ersten Dekade der 1900er Jahre, kostete der Ishizuchi-Shimpaku zwischen 200 ¥ und 1000 ¥. Heute müsste man dies in einen Wert von mehreren Millionen Yen bis zu einigen Zehnmillionen Yen umrechnen. (Heute ist eine Million Yen ungefähr 9583,-€).
Es war kein Wunder, dass mancher seinen Verstand verlor, wegen des hohen Werts der Shimpaku. Aber es gab auch Sammler, die Bonsai schätzten und ihre gesammelten Shimpaku nicht verkauften, sondern selbst behielten. Dadurch gab es zahllose wunderbare Exemplare, die man in den Anwesen von gewöhnlichen Menschen in Takamatsu, Niihama, Saijyou und Imabari finden konnte.

Auch wenn Kuransouke Fujita aus Niihama, Tahei Suzuki aus Doi und andere als die berühmten professionellen Jäger bekannt waren, gab es zahllose semiprofessionelle, die mit Einheimischen im Geschäft waren, die einen Sinn für Bonsai hatten, oder mit Großhändlern in Takamatsu.
Gegen Ende der Meiji-Ära (1912) jedoch, als die Ishizuchi-Shimpaku ausgebeutet waren, suchten einige Leute koreanische Shimpaku, wofür sie das Meer überquerten. Um 1908 herum waren unter den in Takamatsus Umgebung verkauften Shimpaku immer auch koreanische Exemplare. Diese wurden dennoch „Shikoku“-Shimpaku genannt, weil ihre Qualität so gut war und sie von den Shimpaku-Wacholdern aus Shikoku kaum unterschieden werden konnten.
Die Menschen verbreiteten die Exemplare nach Kyushu, Yamato, Kishu, Koushu und so weiter.
Wenn sich die Neuigkeit herumsprach, dass gesammelte Shimpaku erhältlich waren, waren die Sammler und Händler von Shikoku gewöhnlich die ersten, die ankamen. Einige von ihnen reisten außerdem herum, um nach unbekannten Gegenden zu suchen, wo vielleicht immer noch wilde Shimpaku lebten. Diese Gruppe von Sammlern und Händlern kannte den Wert des Shimpaku und hatte auch die Kenntnisse erworben, wie man ihn am besten sammelte.
Sammeln in den Bergen ist dem Jagen ähnlich. Wenn sie erst einmal Geschmack daran gefunden hatten, war es für einige Menschen nicht mehr möglich, je wieder in solide Berufe zurückzukehren, wie zum Beispiel in die Landwirtschaft, oder ein Einzelhandelsgeschäft.
Sie hatten immer wieder das Verlangen, auf die Pirsch nach Beute zu gehen.
Was die Shimpaku-Wacholder betraf, so war der Versuch sie zu sammeln, indem man ziellos in den Bergen herumkletterte in den frühen 1900er Jahren fast so wie der Versuch nach den Wolken zu greifen. In dieser Zeit gab es fast keine Möglichkeit, irgendeinen wild gewachsenen Shimpaku in der Natur zu finden.
Aber es gab einen Mann, der ein außerordentliches Glück hatte.


Kapitel IV. Der berühmte Sammler Tahei Suzuki

Dieser vom Glück begünstigte Mann wurde 1865 unmittelbar vor der Meiji Restauration geboren, in Doi in der Ehime-Provinz (heute Doi-cho, Ehime-Präfektur). Doi liegt an einer Pilgerroute zwischen Kawaone und Niihama und ist eine Post-Stadt seit der Edo-Ära (1603 – 1868).
Auch wenn man sagen kann, dass Doi auf die Seton-Inlandsee schaut, gibt es einige niedrige Berge, die seinen Meerblick blockieren. Da die Gegend keine offenen Ebenen hat, konnte man dort nicht viel Reis anbauen, deswegen war das Hauptnahrungsmittel dort stattdessen Yam. Zusätzlich boten die Berge den Menschen so wertvolle Gaben wie essbare Wildpflanzen, Pilze und Feuerholz.
Ab dem späteren Teil der Edo-Periode, als Bonsai in Kyoto, Osaka und Kobe populär wurden, begannen die Leute als zusätzliche Einnahmequelle Präbonsai-Material zu sammeln. Sie sammelten erfolgreich junge Bäume der japanischen Rotkiefer (Akamatsu) und japanischen Mädchenkiefer (Goyomatsu) in den benachbarten Bergen, wie am Mt. Kumataka, Mt. Akagi und der Akashi-Bergkette, was den Sammlern angenehme Verdienste bescherte.

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Tahei Suzuki

Im Westen der Stadt Doi gab es eine Gemeinde namens Sekigawa, in der eine Menge Familien lebten, die den Namen Suzuki trugen. Während der Meiji-Ära gab es viele Bonsaihändler unter den Suzukis, die Sämlinge der Rot- oder Mädchenkiefern aus den Bergen brachten und sie an Händler in Takamatsu verkauften oder an Bonsaifreunde.
Während der ersten Dekade der 1900er Jahre wanderte Tahei Suzuki (siehe Foto) durch ganz Japan, auf der Suche nach Shimpaku-Wacholdern. Während er per Schiff auf der Rückreise von der Insel Hokkaido war, sah er den Mt. Kurohime in den nördlichen Japanischen Alpen. Der Mt. Kurohime besteht aus Kalkstein und er fand dort Shimpaku-Wacholder im Überfluss. Diese Geschichte wurde über die Jahre immer wieder erzählt.
Vom Berg Mt. Kurohime über die Aikomi-Ebene bis zum Hiyodori-Teich wanderte er auf dem Bergrücken und erreichte den Gipfel des Mt. Myouji. Er war erstaunt über die Aussicht, die sich ihm unterhalb bot. Dort war eine riesige Kolonie von Shimpaku, die den Mt. Kurohime umgab. Was er sah, waren unzählbare Mengen von Shimpaku, die dicht gedrängt an der Bergwand standen, wobei sie ihre rein weißen Shari zeigten.

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Taihei's erster gesammelter Shimpaku.

Alle Shimpaku, die in dieser gesamten Gegend gesammelt wurden, werden Itoigawa-Shimpaku genannt, eine Referenz an die Stadt Itoigawa (die in der heutigen Niigata-Präfektur an der Westküste von Honshu liegt), wo diese Shimpaku gehandelt wurden.
Wenn man den Mt. Kurohime von der Seite des Himekawa-Flusses sieht, sieht er aus wie eine Frau, die ein weites Gewand trägt. Der Berg wurde Kurohime (Schwarze Prinzessin) nach der historischen Prinzessin Nunagawa genannt, die bekannt für ihre Intelligenz und Schönheit war. Am Gipfel des Mt. Kurohime gibt es einen kleinen steinernen Schrein, der dieser Prinzessin gewidmet ist und viele Leute erklimmen den Berg am Tag des jährlichen Festivals am 24. April.
Am Fuß des Berges auf der östlichen Seite, gibt es eine große Kalksteinhöhle namens Fukugakuchi (was bedeutet „wo das Glück liegt“) und die Legende behauptet, dass hier die Prinzessin lebt.

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Der Mt. Kurohime von Shimizukura aus gesehen, wo Taihei lebte.

Tahei Suzuki wird die Legende der schwarzen Prinzessin bald erfahren haben. Er hatte natürlich ein Glück, das er sich nie erträumt hätte, solch einen immensen Vorrat an Itoigawa-Shimpaku zu finden, den er niemals ausschöpfen, niemals komplett sammeln konnte. Taheis intensive Leidenschaft für die Shimpaku-Wacholder führte sogar zu Spannungen mit anderen, die ihn den „exzentrischen Tahei“ zu nennen begannen. Es wurde erzählt, dass er sich beim Sammeln in den Bergen so lange an die Felsen klammerte, dass seine Arme und Beine ganz verkrümmt wurden, so dass er Schwierigkeiten bei ganz gewöhnlichen Tätigkeiten wie essen und schlafen bekam.
Mt. Myouji und Mt. Kurohime, die am Gipfel verbunden sind, bestehen aus Kalkstein und haben eine ähnliche Vegetation. Beide haben außerdem die besten Jadetäler in ihren Flanken. Der Mt. Myouji reicht etwas mehr als 1000 m über den Meeresspiegel, wie auch der Mt. Kurohime, und ist weniger eindrucksvoll als die anderen Gipfel, die sich in den Japanischen Alpen befinden.
Der Mt. Myouji ist nicht schwer zu erklimmen, wenn man den Weg kennt. Wenn man im Herbst einen der Bergtrails nimmt, kann man das Knistern der trockenen Blätter unter den Schuhen genießen, wenn man den Berg hinaufgeht. Aber dieser Mt. Myouji ist kein gewöhnlicher Berg. An seiner Südostseite hat er eine Wand, die aussieht, als hätte man sie mit einem Messer geschnitten. Sie ist fast immer mit Wolken bedeckt und bekommt sowohl eine Menge Schnee als auch Regen ab. Diese Wand ist gut sichtbar von der Bergroute, die vom Takanami-no-ike-Teich nach Otaki führt. Von diesem Aussichtspunkt
aus wirken die Felsenkletterer, die an den Wänden hängen, wie kleine Ameisen.
Weltberühmte Bergsteiger wie Tsuneo Hasegawa (1947 – 1991) trainierten an den Wänden des Mt. Myouji und machten die Südostroute bekannt.
Es muss jedoch betont werden, dass die ersten Leute, die die Herausforderung dieser Wand angenommen haben, nicht die abenteuerlustigen Alpinisten wie Tsuneo Hasega waren, sondern die Shimpaku-Jäger. Auch heute noch erwähnen manche Felsenkletterer, die den Mt. Myouji erklimmen, in ihren Webseiten-Tagebüchern das Wort „Shimpaku“. Auch berichten sie, dass sie immer noch Reste von alten Kletterhaken und verschlissenen Seilen in den Kalksteinwänden finden, die von Shimpaku-Sammlern zurückgelassen wurden. Erfahrende Kletterer haben ihr Erstaunen ausgedrückt, wenn sie manchmal solche Überbleibsel in nach ihrer Meinung unzugänglichen Überhängen mit mehr als 90° Gefälle entdecken.

Die Mentalität eines Shimpaku-Jägers und eines Bergsteigers sind verschieden. Beide tragen nur das Notwendigste bei sich, aber die Shimpaku-Jäger mussten in der Lage sein, einen Shimpaku auf ihrem Rücken zu tragen. Der Shimpaku-Jäger war mehr auf das Geschäft des Sammelns fokussiert, während der Bergsteiger nur des Abenteuers wegen klettert. Aber die Dinge sind niemals so einfach. Auch die Sammler riskierten ihr Leben und sie haben die Shimpaku auch nicht nur wegen des Profits gejagt.

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Mt. Kurohime und Mt. Myouji bestehen aus Kalkstein.


Kapitel V. Das Sammler-Team von Tahei und seinem Bruder Fukuji

Als Tahei Suzuki seinen jüngeren Bruder Fukuji das erste Mal mit zum Mt. Myouji nahm, dachte Fukuji, er würde träumen. Aber da waren sie. Shimpaku-Wacholder soweit das Auge reichte.
In den ersten Jahren schickten er und sein Bruder die gesammelten Bäume nach Shikoku zurück und versuchten sie dort zu bewurzeln. Aber weil die Bäume von der langen Reisezeit traumatisiert wurden bevor sie eingepflanzt wurden, war ihre Erfolgsrate gering.

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Mt. Myouji um etwa 1925.

Um 1912 herum, als sie realisierten, dass sie etwas machen mussten um die Überlebensrate ihrer gesammelten Bäume zu erhöhen, zog Tahei nach Shimizukura, das am Fuße des Mt. Kurohime liegt, und Fukuji zog nach Kotaki am Fuß des Mt. Myouji, so dass sie die Itoigawa-Shimpaku sammeln und vor Ort einpflanzen konnten.
Sie luden Aikichi Ozaki aus ihrer Heimatgemeinde ein, um ihnen beim Gestalten der Bäume zu helfen, nachdem sie neue Wurzeln gebildet hatten. Auch engagierten sie mehrere ortsansässige Leute, ihnen beim Sammeln der Exemplare zu helfen. Ein junger Mann namens Kumeji Ito aus Kotaki half ihnen vom Anfang an und verbesserte seine Fähigkeiten im Laufe der Zeit enorm.

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Taiheis Werkstatt.

Währen der Taisho-Ära (1912 – 1926) waren die Suzuki-Brüder wegen der Fülle an Itoigawa-Wacholdern in der Lage, nur die allerbesten Exemplare zu bergen. Während viele Bonsaimeisterwerke überlebten, gab es aber auch viele, die starben. Einer der Gründe dafür war, dass die Shimpaku-Wacholder auf den Klippen saßen und ihre Wurzeln tief in die Felsspalten gewachsen waren. Es war ein Glücksfall, wenn man die Felsen entfernen und auch nur ein wenig Wurzelmasse retten konnte, aber in den meisten Fällen wurden die Bäume nur als abgerissene Stämme gesammelt.
Ein weiteres Problem war, dass der Zeitpunkt für die Verpflanzung oft nicht der beste war. Da der Shimpaku ein robuster Baum ist, reicht manchmal sogar ein einziges Stückchen Wurzel, um ihn weiterleben und wachsen lassen. Aber wenn die Bäume während der Ruhezeit im Winter verpflanzt werden, können sie die Veränderung nicht bewältigen und haben eine geringere Chance zu überleben.
In den damaligen Zeiten war man sogar während des Winters auf der Suche, wenn Schnee in den Bergen lag, und die Bäume wurden ausgegraben und diesen harten Winterbedingungen ausgesetzt.
Auch gab es ein Problem mit der Erde, die für das Eintopfen und Anwachsen verwendet wurde. Tahei zum Beispiel hatte eine große Menge Sand aus Kiryu bekommen (einer Stadt in der Nähe von Kanuma, wo Akadama- und Kanuma-Bonsaisubstrate produziert werden), aber dieser Sand ist ein wenig sauer. Weil Itoigawa-Shimpaku aber natürlicherweise in kalkhaltiger Erde wachsen, hatten die Bäume Schwierigkeiten, sich an ihre neue Erde anzupassen.
Der Itoigawa-Shimpaku unterschied sich vom Ishizuchi-Shimpaku, der in einer Gegend mit Olivin-Felsen wuchs.
Als erkannt wurde, dass der Shimpaku profitabel war, gingen auch diejenigen sie in den Bergen suchen, die nicht so viel über Pflanzen wussten, und dies war ein weiterer Grund dafür, dass viele gute Exemplare verloren gingen.
In manchen Fällen wurden Wacholder, die weniger wertvoll aussahen, einfach weggeworfen.
„Wenn der Itoigawa-Shimpaku 30 Jahre später entdeckt worden wäre,“ sagte Michio Kataoka, „wäre die Sache vielleicht anders ausgegangen.“
Viele erstklassige Meisterwerke verschwanden gnadenlos.
(1910 sammelte Tahei durch Berichte belegt den berühmten Shimpaku, der später als „Fudo“ bekannt wurde und zwischen 600 und 1000 Jahre alt war. 1970 wurde Fudo von Kyuzo Murata an den Brooklyn Botanic Garden verkauft und starb unglücklicherweise kurz nach seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten. Siehe hierzu den Artikel von Robert Baran auf http://www.phoenixbonsai.com/KMurata.html.)


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Shimpaku beißt in den Kalkstein.



Kapitel VI. Die geheimnisvolle Verbindung zur Jade

Tahei Suzuki fand die ersten Itoigawa-Shimpaku-Wacholder auf dem Mt. Kurohime um 1908 herum.
Wie Tahei auf Jade stieß, als er auf dem Weg zur Sammelgegend einen Fluss überquerte, wird wie folgt beschrieben:

"Der Fluss war so klar wie er nur sein konnte und er war fast furchteinflößend. Der Mann ging durch die schnelle Strömung am Ende der Regenzeit. In der Mitte des Stroms fiel er beinahe und als er das Gleichgewicht verlor, griff er in den Flussgrund. Das Wasser ging ihm bis zum Kinn, aber als er schließlich die andere Seite erreiche, fand er etwas Hartes in seiner Hand. Seine Oberfläche war so blau und glatt gewaschen im Fluss. Er steckte den Jadestein in sein Hemd, kletterte wie eine Spinne die felsige Klippe hinauf und plötzlich waren Shimpaku-Wacholder überall um ihn herum!“

Am westlichen Fuß des Mt. Kurohime (um die Stadt Hashidate herum) und am südlichen Fuß des Mt. Myouji (um die Stadt Kotaki herum) gibt es Orte, die die Jadetäler genannt werden, und auch heute noch kann man riesige, schwere Jadefelsen dort liegen sehen.
Man würde die Jade nicht erkennen, wenn einem niemand sagen würde dass sie da ist. Wie Kalkstein oder Peridot sieht sie aus wie ein ganz normaler Felsen.
Als Tahei und Fukuji Suzuki ihr heimisches Iyo (der alte Name für die Ehime-Präfektur auf Shikoku) verließen und in die Nördlichen Japanischen Alpen zogen, waren ihre neuen Wohnorte am Fuß des Mt. Kurohime und am Fuß des Mt. Myouji – und beide Orte sind ganz in der Nähe der Jadetäler. Auf dem Grund des Oumi-Flusses und des Kotaki-Flusses, die beide nahe an ihren Häusern vorbei flossen, müssen eine Menge Jadesteine gewesen sein, die stromabwärts gespült wurden.

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Auch wenn die Brüder von den Shimpaku-Wacholdern angezogen wurden und nicht von den Steinen, könnten sie manchmal einige Steine aufgesammelt haben.
Der Farbton der Shimpaku und der Jade ist auf mysteriöse Weise einander ähnlich.
Das Weiß der Shari, das Rot der Stämme und das Grün der Nadeln, all dies findet sich in den Farben der Jade wieder. Bei Jade wird generell an einen opaken Stein von grüner Farbe gedacht („Hi“ in dem japanischen Wort „Hisui“ bedeutet grün), aber tatsächlich gibt es sogar schwarze oder sogar lila Jade. Darüber hinaus gibt es auch reinweiße Jade. Die meiste Jade hat grüne Punkte, die undeutlich auf weißem oder blass grünem Untergrund sind.
Wie auch immer, weil die Oberfläche oft mit einer schmutzig braunen Oxidschicht bedeckt ist, ist es schwer für den Laien, den Stein zu erkennen.

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Der Mt. Myouji heute.

Auch heute noch ist es erlaubt, die Jadesteine am Ufer zu sammeln, aber meistens täuscht man sich und man findet nur falsche Jade, genannt Kitsune-ishi (Fuchsstein), der einem vergebliche Freude macht. Wenn man einen Stein von der Größe eines Fingernagels findet, so könnte er echt sein, aber man wird kaum Jade finden, die einen wertvollen Schmuckstein hergibt.
Diese Tatsache ähnelt der geringen Wahrscheinlichkeit, einen natürlich gewachsenen Shimpaku in der Natur zu finden.
Ein Jadesammler erzählte mir folgendes über die Shimpaku-Wacholder, die in den Jadegegenden wachsen: „Ja, die Baumwurzeln verbeißen sich in den Steinen und wickeln sich drumherum. Wir schneiden die lästigen Bäume einfach ab.“
Auf den Klippen des Mt. Myouji scheinen die Shimpaku-Wacholder ihre Wurzeln um die riesigen Steine herum zu schlingen. Auf natürliche und vollkommene Weise vereinigen sich ein seltener Baum und ein Stück kostbarer Stein. Der Shimpaku wird von den Jadesuchern gefunden, Jade von denen, die Shimpaku suchen – beide sind wertvolle Geschenke der Natur. Zwei Leute, die über ihren Wert nachdenken, kommen vielleicht zu völlig gegensätzlichen Ergebnissen.
Als ich dem Jadesammler erzählte, was Shimpaku-Wacholder in der Bonsaiwelt für einen Wert haben, lachte er und antwortete: „Du meine Güte, vielleicht sollte ich von jetzt an die Steine wegwerfen!“ Aber natürlich wird er auch nächstes Mal die Steine wählen.
Stein oder Baum, in beiden Fällen geht die Anziehungskraft tief und ist nur wenig von Geld beeinflusst.
In der Itoigawa-Gegend gab es noch andere wertvolle Dinge zu finden. Während der Periode zwischen 1878 und etwa 1898 wurde Gold im Kanayama-dani-Tal gefördert (die Mine wurde 1906 geschlossen). Zu dieser Zeit war das kleine Tal sehr produktiv und ein Minentunnel von 80 km Länge wurde gegraben. Tausende von Minenarbeitern lebten in dem Tal und sogar ein Theater wurde dort eröffnet.
Im Tal wurde außerdem Diamantspat, Granat, Nephrit etc. gefördert. Was jedoch den größten Wohlstand einbrachte, war der Kalkstein, der in unbegrenzten Mengen vorhanden zu sein schien. Sowohl vom Mt. Kurohime als auch vom Mt. Myouji kann man sagen, dass sie aus Kalkstein bestehen und von der Meiji-Ära bis heute wird dieser hier abgebaut.
Hier kann man auch Suiseki vom Himekawa-Fluss finden. Sie haben die Textur des Hakkai-zan-ishi (Mt. Hakka-Stein), der eine tief dunkle Farbe mit geschmackvollen Formen der unebenen Oberfläche hat.

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Mt. Myouji ist der Gipfel auf der linken Seite.


Kapitel VII. Das Drama des Itoigawa-Shimpaku

Die Wacholder, die in diesem Artikel Itoigawa-Shimpaku genannt werden, waren noch nicht unter diesem Namen bekannt, als das Sammeln anfangs begann. Vor dem zweiten Weltkrieg wurden sie „Jyouetsu“-Shimpaku genannt.
Später wurden sie als Itoigawa-Wacholder bekannt, weil sie am Jikishi-in Tempel oder dem Kiraku-Frisörladen in Itoigawa gehandelt wurden.
Der Mt. Kurohime gehörte zu der Stadt namens Oumi-cho und der Mt. Myouji zum Dorf Otaki-mura (in der alten Zonengliederung). Tatsächlich wuchsen diese Shimpaku nicht nur auf den zwei Bergen, sondern auch in großen Mengen in der Tiefe der Kurobe-Schlucht weiter westlich, in den Bergen um Kaitani und Togakushi im Osten, auf der Hakuba-Bergkette im Süden und entlang der Küse der Sado-Insel im Norden.
Die Shimpaku aus all diesen Gegenden wurden als Itoigawa-Shimpaku bekannt.
Der „Shimpaku des vornehmen Satake“, der am Anfang dieses Artikels gezeigt wurde, ist bekanntermaßen in Kaitani gesammelt worden. Die Wacholder mit Kaitani-Herkunft haben weiches Laub.
Diese Bäume, die in der Tiefe der Kurobe-Schlucht gesammelt wurden (genannt „Uozu Shimpaku“), sollen genauso gut sein wie wie die vom Mt. Myouji, was die Qualität ihres Laubs und den künstlerischen Wert ihrer Stämme betrifft. (Die Kurobe-Felsschlucht ist die tiefste Schlucht in Japan, sie erstreckt sich über 80 km. Ihre Gipfel fallen 1500 bis 2000 Meter bis zum Grund ab.)
Im Gegensatz hierzu werden die Bäume, die vom hohen Korenga-dake Berg aus der Shirouma-Bergkette kommen, „Renpaku“ genannt, ihr Laub hat eine grobe Beschaffenheit und eine weißliche Farbe. Auch wenn die Itoigawa-Shimpaku eine charakteristische gute Laubbeschaffenheit haben, gibt es keine Einförmigkeit. Es gibt nur wenige Exemplare, die all die gewünschten Eigenschaften haben – die beste Farbe, dichtes Laub und Feinheit.
Es gibt einen Unterschied zwischen dem Itoigawa-Shimpaku und dem Shikoku-Shimpaku, wenn man die Kunstfertigkeit ihrer Stämme betrachtet.
Im Allgemeinen hat der Shikoku-Shimpaku einen Stamm, der mit einer zahmen Form Ruhe ausstrahlt. Er wird für die einfachen, aber tiefsinnigen Formen geschätzt.
Es gibt nicht viele große Shikoku-Shimpaku, aber sie sind sehr attraktiv in Schalen.
Im Gegensatz dazu haben Itoigawa-Shimpaku kraftvolle Bewegungen in ihren Stämmen und großartige Shari und es gibt viele sehr große Exemplare.

Die Entdeckung des Itoigawa-Shimpaku revolutionierte die Ansichten der Bonsai-Enthusiasten über Shimpaku völlig. Nachdem sie in der Szene erschienen, wurden die Shari des Itoigawa-Shimpaku ihr meist bewundertes Merkmal, während sie vorher bei den Shikoku-Shimpaku nicht besonders geschätzt wurden.
Bonsailiebhaber waren fasziniert von den herrlichen natürlichen Formen und die Sammler suchten emsig nach neuen raren Exemplaren.

Varianten des Itoigawa-Shimpaku, die nahe des Itoigawa-Flusses gesammelt wurden:

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1. Sado Küstenlinie
2. Kurohime und Myouji
3. Kaitani
4. Uozu
5. Renpaku
6. Togakushi

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Itoigawa-Shimpaku-Meisterwerke während der goldenen Zeit

Ungefähr um 1930 waren anscheinend alle guten Itoigawa-Shimpaku in leicht zugänglichen Gegenden verschwunden. Die Bäume, die bis dahin gesammelt worden waren, waren in terrassenartigen Bereichen oder leicht ansteigenden Hängen gewachsen.
Schon diese Exemplare zu bekommen bedeutete vertikale Kletterpartien und es war ganz klar, dass ein falscher Tritt den Jäger das Leben kosten konnte. Jeden Morgen, bevor sie auf ihre Jagdausflüge gingen, beteten Tahei und Fukuji Suzuki an ihrem hauseigenen Shinto-Altar und dankten Gott nach ihrer Rückkehr.

Der Bestverdienende während der Taisho-Periode (ab 1912) und in den frühen Jahren der Showa-Periode (ab 1926) war Kumeji Ito, ein Einheimischer aus Kotaki, der den Suzuki-Brüdern in früheren Zeiten geholfen hatten und ein begabter Kletterer war. Kumeji ging oft Wände hinab, die den Füßen keinen Halt boten. Er sammelte die Bäume, indem er die Felsen mit einem Hammer und Meißel zerschlug, ein kleines bisschen Wurzelmasse ausgrub und dann die dicken Wurzeln mit einer Säge abtrennte.

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Kumeji Ito am Seil beim Sammeln (vor dem zweiten Weltkrieg).

Als das Material knapp wurde, stiegen die Preise für Shimpaku. Ein Shimpaku, den Fukuji Suzuki in den späten 1920er Jahren sammelte, wurde für 3000¥ verkauft. Von dem Geld aus diesem Verkauf ließ sich Fukuji eine Villa ganz aus Hinoki-Zypressenholz bauen und diese mit Lackfarbe streichen.
Bis ungefähr 1937, dem Ausbruch des japanisch-chinesischen Krieges, stieg der Marktpreis der Shimpaku-Wacholder weiterhin. Der steigende Wert des Shimpaku veranlasste viele, nach ihnen zu suchen. Aber in den späten 1930ern waren die leicht zu erreichenden Exemplare schon gesammelt. Viele, die versuchten, die noch verbliebenen Shimpaku zu erreichen waren unvorsichtig, was zu zahllosen Kletterunfällen führte.
Dennoch häuften sich diese tragischen Unfälle von Jahr zu Jahr immer mehr, weil die wohlhabenden Familien in Tokyo und anderen Gegenden bereit waren, die geforderten Preise zu bezahlen, egal wie hoch sie waren.

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Shimpaku-Jagd im Schnee (vor dem zweiten Weltkrieg)

Alle Sammelaktivitäten hörten auf, als der zweite Weltkrieg ausbrach. Tahei Suzuki verließ sein Haus in Shimizukura und kehrte in seinen Heimatort auf Shikoku zurück. Da er bereits Mitte 70 war, beschloss er, die Shimpaku-Jagd aufzugeben und nach Berichten von Leuten, die ihn in seinen späteren Jahren besuchten, behielt er nur wenige Bonsai.
Er und sein Bruder Fukuji haben das Glück genutzt, das ihnen hold gewesen ist; sie genossen beide ein langes Leben, ausgefüllt mit der Sammeltätigkeit in den Bergen, und starben am Ende auf Tatami-Matten.


Kapitel VIII. Vorrat verringert, Gefahren vergrößert

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurden um 1949 die Shimpaku-Sammelaktivitäten in den Bergen wieder aufgenommen.
Obwohl es keine Garantie gab, dass die nach dem Krieg gesammelten Shimpaku sich für die Vorkriegspreise verkaufen lassen würden, wurden wieder gute Exemplare gesammelt. Jedoch war es für das Sammeln am Mt. Myouji nun notwendig, einen Vertrag mit der Behörde des Dorfs zu schließen und es war auf die Zeit zwischen der Schneeschmelze und dem Myouji-Festival beschränkt. Die Sammelsaison wurde begrenzt, weil viele der Unfälle durch das Ausrutschen im strengen Winter und durch Lawinen im zeitigen Frühling verursacht wurden.
Aus diesem Grund gab es nur sehr wenige Leute, deren alleiniger Lebensunterhalt davon bestritten wurde, Bäume in den Bergen zu sammeln.

Um 1955 herum gab es nur noch verschwindend wenige Shimpaku, die das Sammeln lohnten. Die, die früher wegen schlechterer Qualität stehen gelassen worden waren, wurden jetzt gesammelt. Und nun, als die Bonsaiwelt sich wieder belebte, kam auch die Beliebtheit des Shimpaku zurück.
Bis 1975 gab es mehr als 10 Bergsammler und 1979 wurde die Itoigawa-Sammler-Vereinigung gegründet. Diese Vereinigung bezahlte eine Gebühr für die Genehmigung die Berge betreten zu dürfen an die Kotaki-Produktions- und Forstgesellschaft und ihre Mitglieder durften zwischen dem 12. April und dem 15. Juni hinauf.
Der Vorsitzende der Sammlervereinigung, Tetsuya Nakamura, begann die Sicherheit als Priorität zu betrachten. Als das Kindai Bonsaimagazin die Informationen für einen Artikel für die November 1985-Ausgabe über die Itoigawa-Shimpaku sammelte, wies Herr Nakamura darauf hin, dass er sehr darauf achtete, dass keine Sammler verletzt wurden.
Hajime Umesawa (vom Himekawa-en Garten), der mit Herrn Nakamura befreundet war, erzählte: „Er war feinfühlig und vorsichtig. Er war eine so vorsichtige Person, dass er vor dem Betreten die Steine einer Steinbrücke abklopfte, um ihre Haltbarkeit zu prüfen. Dadurch gab es so wenige Unfälle und die anderen Bergsammler hatten Vertrauen zu ihm.“

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Foto links: Shinichi Nakamura (links) und Tetsuya Nakamura (rechts)
Foto rechts: Tetsuya Nakamura

Ein weiterer aktiver Sammler in dieser Zeit war Shinichi Nakamura. Herr Umesawa erinnert sich: „Er war der Typ, der einfach so herumlaufen konnte, wo andere auf allen Vieren kriechen mussten. Weil er viel älter als Tetsuya war, riet ich ihm bei jeder Gelegenheit, in den Ruhestand zu gehen. Aber jedes Mal antwortete er: 'Welch ein Unsinn! Ich wäre der glücklichste Mann, wenn ich in den Bergen sterben könnte. Ich habe längst entschieden, dass die Berge der Ort sind, wo ich sterben möchte.' Es war als wäre er besessen. Obwohl sowohl Shinichi als auch Tetsuya den Familiennamen Nakamura hatten, waren sie nicht verwandt. Zusammen bargen sie erfolgreich in großartiger, enger Teamarbeit das letzte Meisterwerk „Hiryu“ (Fliegender Drache), das auch „Gottes Baum“ genannt wurde.

Trotz dass die Bergsammler nur minimale Ausstattung hatten, wurde ein Helm als unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand betrachtet. Dies kam teilweise durch die Anzahl von Sammlern, die das Selbstvertrauen hatten, das Klettern am Mt. Myouji zu versuchen, mit der erhöhten Gefahr durch Steinschlag.
Schon kleine Steine konnten ernsthafte Verletzungen verursachen, wenn sie Kletterer auf ihrem Weg trafen. Anders als „Hiryu“ waren die meisten in dieser Zeit gesammelten Exemplare kleine bis mittelgroße Stämme. Die Sammler trugen in ihren Rucksäcken ein oder zwei Bäume dieser Größen gleichzeitig und nur größere Exemplare wurden auf die Shoiko (hölzerne Gestelle zum Tragen von Lasten auf dem Rücken) gebunden.

Nachdem die Bäume gesammelt waren, wurden sie noch am selben Tag versteigert. Die Wurzelansätze waren mit Gräsern zusammengebunden, so dass der Zustand der Wurzeln nicht erkennbar war. Außerdem schien es eine schweigende Übereinkunft der Bieter zu geben, nicht nach dem Zustand der Wurzeln zu fragen.
Die Preise variierten, aber der Erlös, der während der dreimonatigen Saison, während der das Sammeln erlaubt war, erzielt wurde, war offensichtlich nicht genug und die meisten Sammler hatten noch andere Jobs, um ihre Verdienste aus der Shimpaku-Sammelei zu ergänzen. Wenn man die zu zahlenden Gebühren und die Gefährlichkeit der Arbeit bedenkt, so war dies nicht die Art von Job für Leute mit wenig Überzeugung.
Sogar Tetsuya Nakamura ging einmal 1983 in den Ruhestand. Nur vier Jahre später, im Frühling 1987, fiel er am Mt. Myouji zu Tode. Am 4. Mai des Jahres hatte er wie üblich an seinem hauseigenen Schrein gebetet und war mit seinen Steigeisen (eine Vorrichtung mit Krallen, die man sich über die Stiefel zog, um das Ausrutschen auf Eis zu vermeiden) zum Berg gegangen. In den Felsmulden lag noch Schnee.
„Er hatte zu neuen Steigeisen gewechselt, mit denen er noch nicht vertraut war und ich glaube, das ist der Grund, warum der Unfall geschah.“ sagte Herr Umesawa.

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Die südöstliche Wand des Mt. Myouji.

Ungefähr vier Wochen später, am 4. Juni 1987, wurde Herr Yamanakajima aus Kaitani, ebenfalls ein Bergsammler, bei einem Unfall getötet.
"Es war ein schreckliches Jahr" erinnert sich Herr Umesawa. Und dann, 1998, starb der letzte Bergsammler, Shinichi Nakamura, in den Bergen. Herr Umewasa merkt nur an: "Dies war seine Bestimmung." Was die Umstände von Shinichis Tod betrifft, so äußerte die Polizei von Itoigawa, dass die Sterbeurkunden bei Selbstmorden nur für kurze Zeit aufbewahrt wurden.
Vor nur etwa einem Jahrzehnt gab es noch einige Fälle von illegaler Baumjagd, aber inzwischen nicht mehr. Heute gibt es nur noch die Bonsaidiebstähle. Die Geschichte des Sammelns von Itoigawa-Shimpakus in den Bergen endete mit dem Tod Shinichi Nakamuras und dem Verschwinden der Shimpakus aus den Bergen.
Schätzungsweise 20 bis 30 Menschen starben beim Sammeln der Shimpakus, aber diese Zahl beinhaltet nicht diejenigen, die die Berge heimlich betraten und nie wieder gesehen wurden.
In gewissem Sinne sind die Itoigawa-Shimpaku, die in den Bergen gesammelt wurden und heute noch leben, eine Ehrung derjenigen, die sie gesammelt haben und nun für immer gegangen sind.


Kapitel IX. Der letzte und beste Shimpaku vom Mt. Myouji

Das Meisterwerk "Hiryu"

Er wurde von den Bergsammlern des Shimpaku „Gottes Baum“ genannt, auch schon als er noch an der Felswand des Mt. Myouji lebte. Er bekam den Namen „Hiryu“ (Fliegender Drache) und die Stammbasis ist ungefähr 60 cm breit. Der Stamm von Hiryu ist von den unbarmherzigen Einflüssen der Natur ausgehöhlt, was ihm eine geheimnisvolle Form gibt, die jenseits jeder menschlichen Kunst ist. Verglichen mit den vielen hervorragenden Itoigawa-Shimpaku, die auf dem Berg Mt. Myouji gefunden wurden, demonstriert die imponierende Mächtigkeit des Hiryu, dass er wahrhaftig ein Meisterwerk ist.
Es war im Jahr 1983 als Hiryu vom Berg heruntergebracht wurde. Tetsuya Nakamura, einer der Leiter der Bonsai-Sammlervereinigung, spielte eine zentrale Rolle bei der Bergung dieses Shimpaku. Gemeinsam mit mehreren anderen Leuten versuchte er, diesen Baum von der Klippe zu holen, aber wegen dessen Größe und Gewicht, waren sie anfangs trotz der gemeinsamen Anstrengung erfolglos. Obwohl es zu schwierig erschien, entwickelten sie schließlich einen detaillierten Plan und mit einem starken Willen hatten sie schließlich Erfolg.

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Der Itoigawa-Shimpaku namens "Hiryu."

Bedenkt man die Tatsache, dass bis zu den 1980er Jahren alle natürlich gewachsenen Shimpaku-Wacholder weitestgehend aus der Wildnis verschwunden waren, war es ein Wunder, dass ein so außergewöhnliches Exemplar wie Hiryu noch in den Bergen war. Es mag daran gelegen haben, dass man ihn für zu groß für einen Bonsai hielt.
Natürlich gab es Gründe dafür und dagegen, Hiryu vom Berg herunter zu holen. Der Name „Hiryu“, Fliegender Drache, scheint von seinem rauen Stamm und gedrehten Shari zu kommen, die erstaunlich lebendig wirken.
Nach seinem erfolgreichen Einpflanzen durch Naoji Itoh in Kotaki, wird der Baum noch heute von Shoshin Nakagame in der Shinzuoka-Präfektur kultiviert und beschnitten. Man kann sich auf den Tag freuen, an dem er auf der Hauptbühne der Bonsaiwelt erscheinen wird.

Hiryus Geschwisterbaum

Abgemoost von der Spitze des Originalbaums, wächst Hiryus Geschwisterbaum in einer Holzkiste. Der Himekawa-en Garten von Oumi ist auf die aus den Bergen gesammelten Shimpaku von Itoigawa spezialisiert und bewahrt eine erhebliche Menge dieser Wacholder, die zu den letzten gehören, die in den Bergen gesammelt wurden. Hiryus Geschwister ist auf dem folgenden Foto abgebildet.

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Hiryus Geschwisterbaum.

Auch wenn der obige Shimpaku nicht so gut ist wie Hiryu, wenn man das künstlerische Niveau und Shari betrachtet, so ist die eindrucksvolle Mächtigkeit des Stammes doch nicht zu verachten. Da sowohl die Vorder- als auch die Rückseite ungewöhnlich viel Potenzial haben, ist es etwas schwierig sich zu entscheiden, aber mir wurde gesagt, dass die Eigentümer die Seite als Ansichtsseite zeigen möchten, auf der die Wurzeln kraftvoll aus der Erde kommen. Sie wollen den Baum so in eine Schale pflanzen, dass die Front wie gehabt erhalten bleibt, aber der Stamm soll etwas nach links und vorne geneigt werden. Auch wurde mir berichtet, dass sie den oberen Teil abschneiden werden und ihn zu etwa drei Jin-Ästen gestalten wollen, die wie lodernde Flammen aussehen.
Dieser Baum hat wahrhaftig das Potenzial ein wichtiges Werk zu werden, als der letzte Itoigawa-Shimpaku.
Man kann mit Recht sagen, dass Hiryu und sein Geschwisterbaum zwei verschiedene Bäume sind, die den Vorhang fallen lassen, nach der 100jährigen Geschichte des Sammelns der Itoigawa-Shimpaku-Wacholder in den Bergen, die im ersten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts begann.
Um Bonsai genannt werden zu können, werden beide noch weitere Gestaltung benötigen, aber sie haben dennoch eine sehr große Bedeutung.


Kapitel X. Der Shimpaku-Bewahrer: Sennichirou Ikehara

Auch wenn Itoigawa-Shimpaku prestigeträchtig sind, gibt es heute absolut keine mehr wild in den Bergen zu finden. Da dort früher so viele von ihnen wuchsen, dachte ich einst, dass es noch möglich wäre, einige früher nicht entdeckte Shimpaku dort zu finden. Nachdem ich jedoch die Berge besucht habe, wo sie einmal in Massen wuchsen, war ich erstaunt herauszufinden, dass dort tatsächlich überhaupt keine mehr übrig sind.
Aber was ist mit all den Itoigawa-Shimpaku geschehen, die in der Vergangenheit gesammelt wurden?
Als ich schon fast aufgegeben hatte, die Antwort jemals zu erfahren, gab mir Michio Kataoka (vom Kataoka-Garten) eine wertvolle Information. „Es gibt einen Bonsai-Enthusiasten – Sennichirou Ikehara – der die Bäume niemals verkauft hat, die er sammelte.“ sagte er. „Wenn du in den Bergen gesammelte Itoigawa-Shimpaku sehen möchtest, warum gehst du dann nicht zu ihm?“
Ich lernte Herrn Ikehara als einen freundlichen Menschen mit einer lebhaften Stimme kennen. Er verschwendete keine Zeit und führte mich dorthin, wo seine Bonsai aufgestellt waren. Ich war ganz verblüfft. Vielleicht sind seine Itoigawa-Shimpaku lokal bekannt, aber der Außenwelt sind sie definitiv unbekannt und ich fand, dass er erstklassiges Material reihenweise dort vor meinen Augen stehen hatte. Die Strukturen der Stämme waren nach vielen Jahren in den Bergen herausgearbeitet worden und die wunderbaren Shari waren erfüllt von der Brillianz, die nur die natürlich entstandenen haben.
Herr Ikehara ist 77 Jahre alt, mit 40 Jahren Bonsaierfahrung und einem glasklaren Verstand. Er kümmert sich um alles selbst, umtopfen, beschneiden und drahten – mit großem Fachwissen. Er ist ehrlich und nicht arrogant, aber er ist auch nicht leicht zu überreden, was eine bewundernswerte Eigenschaft ist.
„Es gibt nichts, was sich lohnt dir zu zeigen.“ sagte Herr Ikehara, aber dies ist natürlich weit entfernt von der Wahrheit. Mir war erzählt worden, dass Kennichi Oguchi aus der Nagano-Präfektur einst vorgeschlagen hatte, dass Herr Ikehara ein Shimpaku-Museum eröffnen sollte, um seine Schätze zu zeigen.
Als ich Herrn Ikehara fragte, ob er diesen Vorschlag befolgen würde, kratzte er sich am Kopf und antwortete: „Ich habe nicht die Mittel (das Geld) dafür.“ Er fügte hinzu: „Nein, ich werde sie nie verkaufen.“ Deswegen gibt es noch so viele, deren Existenz nur lokal bekannt ist.


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Herr Ikehara

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Kapitel XI. Bonsai-Gärtnereien, die man besuchen kann

Sehen, lernen und hören über die echten Exemplare, das war mein Anliegen. Hier habe ich sie gefunden, während ich die Informationen für den Artikel sammelte: die örtlichen Bonsaigärten, wo die in den Bergen gesammelten Itoigawa-Shimpaku bewahrt werden.


HIMEKAWA-EN GARTEN

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Herr Umesawa

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3036 Ohaza Suzawa Oumi-cho,
Nishikubiki-gun (entlang des Himekawa Flussufers)
Tel: 0255-62-5558

Eigentümer: Herr Hajime Umesawa. Eine bescheidene und ehrliche Person. Er hat sich total den in den Bergen gesammelten Shimpaku gewidmet und Sie werden die Abmoosung von “Hiryu” hier sehen.
Herr Umesawa wohnt an der Uferseite des Oumi-cho nahe am Mt. Kurohime. Um den Garten zu finden, schauen Sie nach einer großen Plakatwand an der Brücke, die über den Himekawa-Fluss entlang der Autobahn Nr. 8 führt. Hier finden sich viele Shimpaku vom Mt. Myouji, große über mittlere bis kleine Größen.
Weil er glaubt, dass die Shimpaku heutzutage „zu künstlich gemacht“ sind, gibt er sich viel Mühe, die natürliche Ausstrahlung dieser Bäume aus den Bergen nicht zu verderben. Der Garten hat außerdem viele Suiseki, die im Himekawa-Fluss gefunden wurden.



KATOAKA GARTEN

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421-Ohaza Ohno
Itoigawa Stadt
Tel:/Fax: 0255-52-7814
Wohnhaus: 0255-52-3247

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Herr Kataoka

Eigentümer: Herr Michio Katoaka. Aktiv und sehr freundlich. Er machte mich mit einem Amateur-Bonsailiebhaber bekannt, Herrn Ikehara. Herr Kataoka stellte mir außerdem viele seiner alten Fotos und Dokumente für diesen Artikel zur Verfügung.
Sein Garten liegt an der Autobahn Nr. 148 vom Itoigawa-Fluss in Richtung Omachi. Zusätzlich zu dem in den Bergen gesammelten Material hat er viele Arbeiten aus Stecklingen bis zu Veredelungen. Hier kann man lernen, wie man das Laub in bester Verfassung hält.
Er arbeitet schon sehr lange mit Shimpaku und man kann viel profitieren von seinem enormen Wissen und Erfahrung.


SHOUFUU EN GARDEN

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343 Ozaz Nekoya, Itoigawa Stadt
Tel: 0255-58-2201
Fax: 0255-58-2214

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Herr Ohta

Eigentümer: Herr Shigeki Ohta. Ein warmherziger, aufrichtiger Mann, der viel über die Geschichte des Shimpaku weiß. Er arbeitet daran, die Verbreitung der Jyouetsu Goyo (Himekomatsu: japanische Mädchenkiefer) zu fördern, ebenso wie die des Shimpaku.
Von seiner Gärtnerei aus kann man den Mt. Kaitani und andere Berge in der Entfernung aufragen sehen.
Der Garten liegt ein wenig östlich von „Nechi“ an der Autobahn Nr. 148. Es ist ein in dritter Generation geführter Bonsaigarten und die Familie hatte einen Laden bei Ogikubo in Tokyo vor dem zweiten Weltkrieg. Dieser Garten hat eine tiefe Beziehung zur Geschichte des Itoigawa-Shimpaku. An der Wand hängt ein Bild des „Tsuro no mai“ (Tanzender Kranich), gemalt von Gyofuu Souma. Hier hält man die natürlichen Charakteristika der in den Bergen gesammelten Shimpaku in Ehren und widersteht Änderungen an diesem Stil. Man besitzt viele der wohlbekannten Steine des Himekawa-Flusses.
Der Garten liegt nahe Kaitani und hier bekommt man weitgehend unbekannte Anekdoten zu hören.

Das Bonsai-Fachforum bedankt sich bei Bonsai-Focus für die freundliche Genehmigung, diesen Artikel in deutscher Sprache verwenden zu dürfen.
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Zuletzt geändert von Heike_vG am 27.11.2012, 18:07, insgesamt 9-mal geändert.
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