Peter Warren - ein Porträt des englischen Bonsai-Profis

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Heike_vG
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Peter Warren - ein Porträt des englischen Bonsai-Profis

Beitrag von Heike_vG » 22.05.2014, 20:32

Eine englische Version mit den Original-Antworten von Peter Warren findet sich im Anschluss an die deutsche Version.
An English version with Peter Warren's original answers can be found below the German version.


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Persönliche Daten:

Name: Peter Warren

Adresse: London, UK

Tel./Fax: +44 7847147847

E-mail: saruyama@gmail.com

Internetseite: http://www.saruyama.co.uk

Geburtstag: 29.09.1978

Familienstand: verheiratet

Erlernter/ausgeübter Beruf: Bonsai

Hobbys: Suiseki!, Fußball, Lesen, Denken.

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Wann und wie bist du mit Bonsai in Kontakt gekommen?

Nach meinem Studium wollte ich gerne einige Zeit im Ausland leben und da ich sehr an japanischen Dingen interessiert war, ging ich für ein Jahr nach Japan. Auf einer Besichtigungstour durch die Bonsaigärtnereien verliebte ich mich in Bonsai.
Dann belegte ich Kurse in Herrn Kobayashis Gärtnerei und ging dort später in die Lehre.
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Ab wann hast du dich ernsthaft mit Bonsai beschäftigt?
Seit 2002.

Wie sah Dein Werdegang im Bezug auf Bonsai aus?

Meine Lehrzeit dauerte 5 – 6 Jahre. Etwa vier Jahre Vollzeit, dann ein oder eineinhalb Jahre in Teilzeit, als ich anfing, mein eigenes Geschäft aufzubauen, das ich Saruyama (Affenberg) benannt habe.
Im Jahr 2009 bin ich zurück nach England gezogen. In London habe ich einen kleinen Garten, der nicht öffentlich zugänglich ist. Dort pflege ich etwa 200 Bäume, die meisten sind Rohmaterial.
Da ich viel reise, pflegen meine Frau und jemand aus der Nachbarschaft, der dafür bezahlt wird, die Bäume in meiner Abwesenheit.
Etwa die Hälfte der Zeit arbeite ich in England und Europa, sonst reise ich in Japan oder den USA. Jedes Jahr fahre ich zur Kokufu-ten und zur Taikan-ten und wohne in der Zeit bei Herrn Kobayashi. Während der Ausstellungen arbeite ich mit Minoru Akiyama an einem Händlerstand im Green Club.
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Was bedeutet Bonsai für dich persönlich?

Es ist ein sehr interessantes Fachgebiet, eine technische und kulturelle Herausforderung und die Freude, etwas Schönes zu erschaffen. Es ist ein Beruf, in dem ich jede Menge interessante Leute treffe und in dem ich Menschen helfe, Bonsai zu genießen.

Beschäftigt sich noch jemand aus deiner Familie mit Bonsai?
Nein.
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Hattest du einen Lehrmeister?

Kunio Kobayashi war mein Meister. Ich lernte von ihm, indem ich ihn beobachtete und nachmachte, was er tat. Er kritisierte meine Arbeit, aber erklärte oder zeigte mir kaum etwas. Es ist kein Lehren wie in Europa!
Mein Sempai (ranghöherer Lehrling), Minoru Akiyama, brachte mir viel bei und zeigte mir eine Menge Dinge.
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Nimmst du an nationalen und/oder internationalen Ausstellungen teil?

Ja, aber nicht mit meinen eigenen Bäumen. Ich bereite die Bäume meiner Kunden für die Ausstellungen vor und bringe sie dorthin, so dass die Eigentümer einfach nur kommen und die Show genießen können.
Ich möchte nicht mit meinen Kunden in Konkurrenz treten und ich denke, eigentlich brauchen wir getrennte Ausstellungen für Profis und Amateure. Obwohl es schwierig ist, Profis und Amateure zu definieren und es gibt gute Amateure und schlechte Profis...

Gibt es Veröffentlichungen von Dir?

Ich arbeite viel für das Bonsai-Focus Magazin. Zurzeit erscheint ein Buch von mir, ein Anfängerbuch.

Hast du Schüler?

Ja, etwa 50 Schüler unterrichte ich regelmäßig.
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Wieviele Bäume hast du in deiner Sammlung?
Nur drei oder vier, die ich nicht verkaufen würde. Ein Profi muss verkaufen!
Die Bäume müssen sich immer verändern und es ist gut, wenn der nächste Eigentümer sie auf seine eigene Art weiterentwickelt. Man muss an 10.000 Bäumen arbeiten, um ein Meisterstück hervorzubringen.
Wenn ich einen sehr guten Baum finde, verkaufe ich ihn am liebsten an einen guten Kunden, der mich daran arbeiten lässt.

Hast du einen Lieblingsbaum? Wenn ja, warum?

Mir gefallen ungewöhnliche Arten, mit denen man nicht so oft arbeitet, wie zum Beispiel Rosmarin.
Es gibt einen Wacholder in Japan, den ich sehr mag. (Bild)
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Was ist für dich das Wichtigste bei der Bonsaipflege und –gestaltung?

An den Baum zu denken. Man muss seinen Charakter zum Vorschein bringen, das was besonders an ihm ist. Versetze dich in den Baum hinein, sei mitfühlend!

Wie würdest du deine Art der Gestaltung beschreiben, gibt es eine Grundeinstellung zu Gestaltungen?

Es gibt für mich zwei Arten. Bei den Kundenbäumen ist es eine Kombination aus den Wünschen des Kunden und den besten Techniken, um das Ziel zu erreichen.
Für mich selbst arbeite ich am liebsten mit minimaler Einwirkung, man sollte nicht das Unmögliche versuchen, den Baum nicht übermäßig bearbeiten. Wenn dramatische Veränderungen notwendig sind, dürfen sie nicht zu offensichtlich sein, sie sollten verborgen bleiben.

Bewunderst du andere Bonsaigestalter und Bonsaischalentöpfer?

Von den zeitgenössischen Bonsaikünstlern schätze ich Ryan Neil und Michael Hagedorn. Michael ist sehr feinfühlig und hat seine ganz eigene Art. Lorenzo Agnoletti gestaltet sehr korrekt.
John Pitt ist ein großartiger Töpfer, ich arbeite seit fünf Jahren mit ihm. Vor einigen Jahren ist John nach Japan gegangen und hat dort die japanische Art Bonsaischalen zu töpfern kennen gelernt. In der Folge hat er seine Arbeit komplett verändert und sich sehr verbessert.
Ron Lang (USA) ist ebenfalls sehr gut und die unglasierten Schalen von Peter Krebs sind phänomenal.
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Wie beurteilst du die Bonsaiszene und die zukünftige Entwicklung in Europa und weltweit?

In Europa hat Bonsai ein Plateau erreicht. Mit dem Ginkgo Award ging es vor Jahren aufwärts. Nun gibt es nur sehr wenig Verbesserung, nur kleine Fortschritte in den letzten Jahren. Europa hat noch einen weiten Weg vor sich.
Die Profis sollten mehr zusammenarbeiten. Die etablierten Bonsaiprofis fühlen sich von ihren jüngeren Kollegen bedroht.

In Japan sinkt das Interesse an Bonsai jedes Jahr. Bonsai schrumpft und schrumpft... Eines Tages in der Zukunft breitet es sich vielleicht wieder aus.
Es ist jetzt sehr schwer in Japan, von Bonsai zu leben. Die älteren Profis haben den Fehler gemacht, sich nur auf ihre vorhandenen Kunden zu konzentrieren und nicht an zukünftige Kunden zu denken. Es wäre eine gute Idee gewesen, eine Nachfrage bei jüngeren Leuten zu erzeugen und ihnen zu zeigen, wie sie Bonsai genießen können, trotz dass sie in kleinen Apartments in Großstädten leben.

Hast du spezielle Projekte für die Zukunft geplant?

Ich möchte eine schöne Bonsaigärtnerei aufbauen, weniger reisen und die Leute dazu bringen, zu mir zu kommen.

Welche Tipps würdest du einem ambitionierten Bonsaigestalter mit auf den Weg geben?

Wähle Deinen Lehrer sorgfältig aus. Schau dir seine Bäume an, achte nicht so sehr darauf, was er erzählt. Die Bäume lügen nie! Finde jemanden, dessen Stil du magst und dann höre auf alles, was er dir sagt, bleibe fünf Jahre und mache alles nach, bis du die Techniken beherrschst.

Welche Tipps würdest du einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Lerne deine Bäume am Leben zu erhalten und sie gut zu pflegen. Betrachte den Baum als einen lebenden Organismus, er ist keine Modelliermasse. Es ist durchaus möglich, billige Massenware in ausstellungsreife Bonsai zu verwandeln!

Und sonst noch, persönliche Bemerkungen oder ein Motto?

Sei offen für Bonsai, offen für den Geschmack anderer Leute. Es gibt immer noch viele andere, verschiedene Wege. Manche Aspekte werden nicht genügend wertgeschätzt, wir sehen nur einen kleinen Teil des Ganzen.
Aber bleibe dem treu, was Bonsai ausmacht, entferne dich nicht zu weit davon!
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Alle Fotos von Peter Warren, Rechte vorbehalten.


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Personal Data:

Name: Peter Warren

Address: London, UK

Tel./Fax: +44 7847147847

E-mail: saruyama@gmail.com

Website: http://www.saruyama.co.uk

Birthday: 29.09.1978

Family status: married

Profession (former / actual): Bonsai

Hobbys: Suiseki!, football, reading, thinking.
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When and how did you first get in contact with bonsai?

After university I wanted to live somewhere abroad for some time and as I was interested in Japanese things, I went to Japan for a year. On a bonsai nursery tour I fell in love with bonsai.
Then I took classes at Mr Kobayashi's nursery and later became an apprentice.
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Since when do you seriously work with bonsai?

Since 2002.

How did your development go with bonsai?

I have been an apprentice for 5 – 6 years. About four years fulltime, then one or one and a half years part time, when I began to start my own business called Saruyama (monkey mountain). In 2009 I moved back to England. In London I have a small garden which is not open to the public. There I grow about 200 trees, most of them raw material.
As I'm travelling a lot, my wife and someone local, who is paid for his work, care for the trees when I'm not there.
About half of the time I work in England and Europe and otherwise I am travelling in Japan or the USA. I go to the Kokufu-ten and Taikan-ten every year and then I'm based at Mr Kobayashi's. During the shows I work with Minoru Akiyama on a sales stand at the Green Club.
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What does bonsai mean to you?

It is a very interesting subject, a technical and cultural challenge and enjoyment in creating something beautiful. It's a job in which I meet lots of interesting people and I help people enjoy bonsai.

Does anybody else in your family work with bonsai?
No.
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Did / do you have a teacher (or several)?

Kunio Kobayashi was my master. I learned from watching him and copying. He criticised my work, but hardly explained or showed me anything. It's no teaching like in Europe!
My sempai (superior apprentice), Minoru Akiyama, taught and showed me a lot of things.
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Do you take part in national or international exhibitions?

Yes, but not with my own trees. I prepare my customers' trees for the exhibitions, take the trees there, so that the owners of the trees can just come and enjoy the show.
I don't want to compete with my clients and I think, we need separate shows for professionals and amateurs. Although it is difficult to define professionals and amateurs and there are good amateurs and bad professionals...

Are there publications by you? Which?

I do a lot of work for the Bonsai Focus magazine. Lately I have written a book, quite basic, a beginners book.

Do you have students?

Yes, about 50 regular students.
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How many trees do you have in your collection?

Only three or four I wouldn't sell. A professional must sell!
The trees must always be changing and it is good, when the next owner develops them in his own way. You have got to work on 10.000 trees to make one masterpiece!
When I find a very good tree, I like to sell it to a good client who lets me work on it.

Which is your favourite tree? Why this one?

I like unusual species you don't work with very often, like rosemary for example.
There is a juniper in Japan I really like. (picture!)
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What do you think is most important in the care and styling of bonsai?

To think of the tree. You must bring out its character, what is special about it. Put yourself in the tree's position, be empathic!

How would you describe your way of styling bonsai?

There are two ways. With clients' trees, it is a combination of what they want and the best techniques to achieve that goal.
For myself, I prefer to work with minimal impact, not doing the impossible, not overworking the tree. If dramatic changes are necessary, they must not be too obvious, they should be hidden.

Do you admire any bonsai artists and bonsai potters?

Of the contemporary bonsai artists I admire Ryan Neil and Michael Hagedorn. Michael is very sensitive and has his special way.
Lorenzo Agnoletti does very correct styling.
John Pitt is a great potter, I have been working with him for five years. A couple of years ago, John went to Japan and experienced Japanese bonsai pottery. Then he changed his work completely and improved very much.
Ron Lang (USA) is also very good and Peter Krebs' unglazed pots are phenomenal.
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What do you think about the development and the future of bonsai in europe and the world?

In Europe, bonsai has reached a plateau. With the Ginkgo Award years ago bonsai went up. Now there is little improvement, only a small progression during the last years. Europe still has a long way to go.
Professionals should cooperate more. Established bonsai professionals feel threatened by their younger colleagues.
In Japan, the level of interest in bonsai is dropping every year. Bonsai shrinks and shrinks... One day in the future it might expand again.
It is very hard to make a living from bonsai now in Japan. The older professionals made the mistake to just concentrate on their current clients and did not think about future clients. It would have been a good idea to create a demand among younger people and show them how they could enjoy bonsai although they live in small apartments in big cities.

Do you plan special future projects?

I would like to have a proper nursery, travel less and make people to come to me.

- What advice would you give to ambitious bonsai artists?

Choose your teacher very carefully. Look at his trees, don't listen to what he says. The trees will never lie! Find someone whose style you like and then listen to everything he tells you, stay for 5 years and copy until you master the techniques.

- What advice would you give to bonsai beginners?

Learn how to keep your trees alive and grow them efficiently. Think of your tree as a living organism, it's not plasticine. It is always possible to turn cheap, mass-produced material into show quality bonsai trees!

- Personal remarks or motto?

Be open-minded to bonsai, open to other people's taste. There are always a lot more different ways. Some aspects don't get appreciated, we see only a small part of the whole thing.
But stay true to what bonsai is, don't go too far away!
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All photographs copyright by Peter Warren.
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland

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