Bjorn Bjorholm - Ein Portrait des Bonsai-Profis aus den USA

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Heike_vG
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Bjorn Bjorholm - Ein Portrait des Bonsai-Profis aus den USA

Beitrag von Heike_vG » 28.11.2015, 13:30

Eine englische Version mit den Original-Antworten von Bjorn Bjorholm findet sich im Anschluss an die deutsche Version.
An English version with Bjorn Bjorholm's original answers can be found below the German version.


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Persönliche Daten

Name: Bjorn Bjorholm

Adresse: Osaka-fu, Mino-shi, Segawa 1-6-51, Japan

Tel./Fax: 080-4011-7261

E-mail: info@bjorvalabonsaistudio.com

Website: http://www.bjorvalabonsaistudio.com

Geburtsdatum, Geburtsort: 23.4.1986, Knoxville, TN, USA

Familienstand: verheiratet

Beruf: Bonsai Profi

Hobbys: Reisen, Musik, Videofilme produzieren

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Wann und wie bist Du mit Bonsai in Kontakt gekommen?

Das erste Mal habe ich Bonsai wahrgenommen, als ich mit zwölf Jahren die “Karate Kid”-Filme ansah. Zu meinem 13. Geburtstag wünschte ich mir meinen ersten Baum und von da an wurde Bonsai zur Besessenheit, wie bei so vielen von uns.

Ab wann hast Du Dich ernsthaft mit Bonsai beschäftigt?

Im Alter von 16 Jahren begann ich ernsthaft mit Bonsai zu arbeiten, als ich bei der Gründung der Knoxville Bonsai Society mitwirkte und bei der Regionalen Tennessee Bonsai-Ausstellung. Nach meinem Universitätsabschluss reiste ich nach Japan, um als Bonsai-Lehrling bei Meister Keiichi Fujikawa in der Kouka-en Bonsaigärtnerei in Osaka anzufangen. Ich blieb dort als Lehrling von 2008 bis zum April 2015, als ich meine Lehre abschloss und als zertifizierter Bonsai-Profi bei der Japanischen Bonsai-Vereinigung registriert wurde.

Wie sah Dein Werdegang in Bezug auf Bonsai aus?

Während meiner ersten Jahre der Beschäftigung mit Bonsai experimentierte ich mit jeder Baumart, die ich finden konnte, was natürlich dazu führte, dass ich viel zu viele Bäume minderer Qualität ansammelte (wie es viele von uns tun). Erst während meiner Lehrzeit in der Kouka-en Bonsaigärtnerei begann ich die Bonsaikunst wirklich zu verstehen. Ich verdanke meine gesamte Einstellung zu Bonsai meinem Oyakata (väterlichen Lehrer), Herrn Fujikawa, dessen Stil eher leise, einfach und vor allem verfeinert bis zum höchsten Qualitätsstandard ist.

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Der preisgekrönte Shimpaku-Wacholder, der von Bjorn für die Taikan-ten Ausstellung 2013 in Kyoto vorbereitet wurde.


Was bedeutet Bonsai für Dich persönlich?

Bonsai bedeutet für mich als Profi meinen Lebensunterhalt. Wie bei vielen Dingen, die als Hobbys beginnen und sich zu einer Karriere entwickeln, hat sich die Bedeutung von Bonsai für mich über die Jahre verändert. Sehr leicht kann man die anfängliche Leidenschaft für Bonsai verlieren, wenn man es zum Beruf macht. Dies ist jedoch bei mir nicht geschehen. Ich habe mir das gleiche hohe Level an Leidenschaft für Bonsai bewahrt (vielleicht ist sie sogar noch größer geworden), die ich als Kind schon hatte. Ich glaube, wir alle kommen zu Bonsai, weil wir ein gewisses Maß an Genuss und Spaß daran finden, damit zu arbeiten. Ich nehme meine Arbeit und meine Einstellung zur Kunst sehr ernst, aber ich versuche mich selbst nicht genauso ernst zu nehmen. Bonsai macht Spaß und das sollte auch so bleiben.

Beschäftigt sich noch jemand aus Deiner Familie mit Bonsai?

Als ich mit 13 anfing, mich mit Bonsai zu befassen, entschloss sich mein Vater, mitzumachen, als Vater-Sohn-Hobby. Er ist nun der Präsident der Knoxville
Bonsai Society und unterhält eine beeindruckende Sammlung in Tennessee.

Hattest Du einen bzw. mehrere Lehrmeister?

Mein erster Lehrer war Warren Hill, der frühere Kurator des US National Bonsai Arboretum in Washington D.C. Jedoch verdanke ich mein gesamtes heutiges Können meinem Oyakata, Mr. Fujikawa, von der Kouka-en Bonsaigärtnerei. Während der vergangenen sieben Jahre, die ich mit Herrn Fujikawa gelebt und für ihn gearbeitet habe, hat sich zwischen uns eine familiäre Beziehung entwickelt.
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Bjorn und Herr Fujikawa während Bjorns erstem Lehrjahr im Sommer 2008.


Nimmst Du an nationalen und/oder internationalen Ausstellungen teil?

Ich habe Bonsai für die Kokufu-ten, Taikan-ten und Sakufu-ten Ausstellungen in Japan gestaltet und vorbereitet, genauso wie für die US-Amerikanische Nationalausstellung. Auch war ich bei diversen nationalen Ausstellungen in der Jury, wie bei der UBI-Ausstellung in Italien.

Gibt es Veröffentlichungen von Dir? Wenn ja, welche?

Artikel von mir wurden im Kinbon Magazin, in Bonsai Focus, International Bonsai und im ABS Journal veröffentlicht. Aktuell veröffentliche ich auch eine Kolumne für GSBF Golden Statements in Kalifornien.
Darüber hinaus produziere ich die bekannte Video-Reihe “The Bonsai Art of Japan” auf YouTube und habe die als Download käuflichen Masterclass-Videos über Wacholder und Ahorne und den Film “Continuum” über das Bonsaijahr in Japan veröffentlicht.
In Zusammenarbeit mit Bonsai Empire habe ich einen Bonsai-Onlinekurs entwickelt, der erst seit kurzer Zeit zugänglich ist und sich schon großer Beliebtheit erfreut.

Hast Du Schüler?

Ich bin der Mitbegründer und Schulleiter der Fujikawa International School of Bonsai in der Kouka-en Bonsaigärtnerei in Osaka. Wir beherbergen Schüler aus der ganzen Welt im Verlauf des Jahres. Auch reise ich etwa sechs Monate im Jahr und leite Workshops in Asien, Europa, Australien und den USA.

Wieviele Bäume hast Du momentan in Deiner Sammlung?

Das ist schwer zu sagen, weil ständig Material in meinen Besitz kommt und wieder geht. Insgesamt besitze ich vielleicht 200 Bäume an mehreren Orten in der Welt.

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Hast Du einen Lieblingsbaum? Wenn ja, warum?

Am liebsten arbeite ich mit der Japanischen Aprikose (Prunus mume). Der Kontrast zwischen den einfachen, zierlichen Blüten und der knorrigen, rauen Borke kann unglaublich stark und faszinierend sein. Wir pflegen einige der weltbesten Exemplare in der Kouka-en Bonsaigärtnerei in Osaka.

Was ist für Dich das Wichtigste bei der Bonsaipflege und –gestaltung?

Am wichtigsten finde ich es, die Vorgänge hinter dem zu verstehen, was wir bei der Gestaltung und Pflege der Bonsai tun. Viel zu oft liegt der Fokus auf der Kunst und den Design-Aspekten, aber für mein Empfinden muss größerer Wert auf die wissenschaftlichen und praktischen Elemente gelegt werden.
Das Verständnis der evolutionären Geschichte der Baumarten, mit denen wir arbeiten, gibt uns die Bandbreite von Optionen vor, die wir beim Gestaltungsprozess und bei der Pflege verwenden können.

Wie würdest Du Deine Art der Bonsaigestaltung beschreiben?

Man hat mir gesagt, dass mein Stil (der meines Erachtens komplett den Stil von Herrn Fujikawa widerspiegelt) verfeinert und elegant sei. Es gibt einen schmalen Grat zwischen fein ausgestalteten Bonsai und den schrecklich künstlich wirkenden “Plastik”-Bonsai. Ich möchte glauben, dass ich diese Gratwanderung ganz gut schaffe.

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Gibt es Bonsaikünstler und Bonsaischalentöpfer, die Du bewunderst?

Ich bin ein großer Fan von Shinji Suzukis Stil.
Es ist meiner Meinung nach schwierig, mit der Qualität der antiken chinesischen Kowatari und Nakawatari Schalen zu konkurrieren. Wenn man jedoch die heutigen Töpfer betrachtet, finde ich, dass Leute wie Tom Benda ihr Handwerk wirklich zu neuen Höhepunkten bringen. Ich mag seinen Ansatz, wie er Kunst und Handwerk der Keramik ins Gleichgewicht bringt.

Wie beurteilst Du die Entwicklung und die Zukunft von Bonsai in Europa und der Welt?

Dies ist wahrscheinlich die aufregendste Zeit, um in Bonsai involviert zu sein, da die Bonsaikunst gerade einen globalen Boom an Interesse und Herangehensweise durchmacht. Die Yamadori, die jetzt in Europa und den USA gesammelt werden, haben genauso viel Potenzial wie die in Japan, und der Fokus auf Technik und künstlerischem Anspruch verstärkt sich überall rapide. Es ist ein Privileg, Teil dieser Entwicklung zu sein.

Hast Du spezielle Projekte für die Zukunft geplant?

Einige große Projekte habe ich gerade in Arbeit, unter anderem die Einrichtung einer Bonsaigärtnerei und Bonsaischule in den USA ab 2017. Wenn alles nach Plan läuft, werde ich in dem Jahr von Japan zurück in die USA ziehen, um dort meine Bonsaigärtnerei und -schule zu betreiben, zusätzlich zu meinem globalen Reisepensum.

Welche Tipps würdest Du einem ambitionierten Bonsaigestalter mit auf den Weg geben?

Um einen Slogan von Nike zu klauen: Do It. Mach es. Ich glaube, man neigt sehr leicht dazu, sich selbst zu entmutigen und zu glauben, dass die eigenen Vorstellungen und Wünsche, in der Bonsaikunst weit zu kommen, illusorisch und unerreichbar sind. Während der Schulzeit habe ich Bonsaibücher mit mir herumgetragen, was zwangsläufig dazu führte, dass ich regelmäßig deswegen fertiggemacht wurde. Aber das Thema Bonsai weiterzuverfolgen war für mich das Wichtigste auf der Welt. Ich möchte auch sagen, dass in der Bonsaiwelt kein Platz für große Egos sein sollte. Es ist doch so, als Bonsaikünstler retten wir nicht die Welt oder heilen Krankheiten... wir spielen mit kleinen Bäumen, also bewahrt Euch den Spaß dabei und haltet Eure Egos im Zaum!

Welche Tipps würdest Du einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Arbeite den Onlinekurs für Bonsai-Anfänger auf Bonsai Empire durch oder schau Dir die Videoreihe “The Bonsai Art of Japan” auf YouTube an! Ist natürlich (zum Teil) spaßig gemeint. Ganz im Ernst dagegen, gehe es langsam an, übertreibe es nicht und konzentriere Dich auf Qualität und nicht auf Quantität.


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Personal Data:

Name: Bjorn Bjorholm

Address: Osaka-fu, Mino-shi, Segawa 1-6-51, Japan

Tel./Fax: 080-4011-7261

E-mail: info@bjorvalabonsaistudio.com

Website: http://www.bjorvalabonsaistudio.com

Birthday, place of birth: 4/23/86, Knoxville, TN, USA

Family status: Married

Profession (former / actual): Bonsai Professional

Hobbys: Travel, music, videography

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When and how did you first get in contact with bonsai?

I was first exposed to bonsai when I watched the Karate Kid movies at the age of twelve. I asked for my first tree for my thirteenth birthday, and from then on bonsai became an obsession, as it does with many of us.

Since when do you seriously work with bonsai?

I really began to seriously work with bonsai at the age of sixteen, when I helped found the Knoxville Bonsai Society and establish the regional TN bonsai exhibition. Upon graduation from university, I travelled to Japan to become a bonsai apprentice at Kouka-en nursery in Osaka under master Keiichi Fujikawa. I remained as an apprentice from 2008 until April 2015, at which point I graduated and became certified as a bonsai professional by the Japanese Bonsai Association.

How did your development go with bonsai?

My first few years of involvement in bonsai were spent experimenting with every species I could find, which of course meant I eventually ended up with too many trees of insignificant quality (as many of us do). It wasn’t until I started my apprenticeship at Kouka-en that I truly began to understand bonsai art. I owe my entire approach to bonsai to my Oyakata, Mr. Fujikawa, whose style is rather quiet, simple, and above all refined to the highest standard of quality.

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The award winning Shimpaku juniper Bjorn styled for the Taikan-ten exhibition 2013 in Kyoto.


What does bonsai mean to you?

Bonsai, for me as a professional, is my livelihood. As with many things that begin as hobbies and transition into careers, the meaning of bonsai has changed for me over the years. It would be very easy to lose that initial passion for bonsai having made this transition to a career choice; however, this has not happened for me. I still maintain the same level of passion (perhaps even more) for bonsai that I had as a kid. In my opinion, we all seem to get into bonsai because we find some level of enjoyment and fun in working with them. I take my work and my approach to the art very seriously, but I try not to take myself the same way. Bonsai is fun and should remain that way.

Does anybody else in your family work with bonsai?

When I began bonsai at thirteen, my father decided to join me as a father-son hobby. He is now the president of the Knoxville Bonsai Society and maintains an impressive collection in TN.

Did / do you have a teacher (or several)?

My very first teacher was Warren Hill, former curator of the US National Bonsai Arboretum in Washington D.C. I, however, credit my entire current approach to bonsai to my Oyakata, Mr. Fujikawa, of Kouka-en nursery. Mr. Fujikawa has become more like extended family over the past seven years of living and working under him.

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Bjorn and Mr. Fujikawa during Bjorn's first year as an apprentice in the summer of 2008.


Do you take part in national or international exhibitions?

I have styled and prepared bonsai for the Kokufu-ten, Taikan-ten, and Sakufu-ten exhibitions in Japan, as well as for the US National Exhibition. I have also judged several national exhibitions including the UBI show in Italy.

Are there publications by you? Which?

I have been published in Kinbon, Bonsai Focus, International Bonsai, and ABS Journal. I currently publish a column for the GSBF Golden Statements in California as well.
In addition to that I have published the video series “The Bonsai Art of Japan” on YouTube, the masterclass-videos about junipers and maples and the movie “Continuum” about the bonsai year in Japan (available for download on my homepage).
In cooperation with Bonsai Empire I have developed a bonsai online course for beginners which was recently launched and is a great success already.

Do you have students?

I am the co-founder and head instructor of the Fujikawa International School of Bonsai at Kouka-en nursery in Osaka. We host students from around the world throughout the year. I also travel about six months out of the year to conduct workshops with students in Asia, Europe, Australia, and the US.

How many trees do you have in your collection?

It is difficult to say, as material is constantly passing through my possession. In all, I own perhaps 200 trees at any given time in several locations around the world.

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Which is your favorite tree? Why this one?

My favorite species to work with is the Flowering Apricot (Prunus mume). The contrast between the simple, dainty flowers and the gnarly, harsh bark can be incredibly powerful and stunning. We maintain some of the finest examples of Apricot in the world at Kouka-en in Osaka.

What do you think is most important in the care and styling of bonsai?

Understanding the science behind what we do in creating and maintaining bonsai is what I find most important. All too often, the focus tends to be on the art and design aspects of bonsai, but to me there needs to be a greater emphasis on the scientific and practical elements. Understanding the evolutionary history of the species with which we happen to be working will inform the range of options we can utilize in the creation and maintenance processes.

How would you describe your way of styling bonsai?

I’ve been told that my style (which I think is completely reflective of Mr. Fujikawa’s style) is refined yet elegant. There is a fine line between creating refined bonsai and the dreaded “plastic-y” bonsai. I would like to think I walk that line well.

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Do you admire any bonsai artists and bonsai potters?

I am a huge fan of Shinji Suzuki’s style, and of course I find it difficult to compete with the quality of kowatari and nakawatari antique Chinese pots. Regarding modern potters, though, I think folks like Tom Benda are really pushing their craft to new heights. I enjoy his approach to balancing the art and craft elements of ceramics.

What do you think about the development and the future of bonsai in europe and the world?

I think this is perhaps the most exciting time to be involved in bonsai, as the art is seeing a global boom in interest and approach. The yamadori that are now being collected in Europe and the US have just as much potential as those of Japan, and the focus on technique and artistry is rapidly increasing across the board. It’s a privilege to be a part of this movement.

Do you plan special future projects?

I have a few major projects in the works right now, not the least of which is establishing a nursery and school in the US in 2017. If all goes to plan, I will be relocating to the US from Japan that year to create a bonsai nursery and school, in addition to maintaining my global tour schedule.

What advice would you give to ambitious bonsai artists?

To steal a slogan from Nike: Do It. I think it’s very easy to psych yourself out and convince yourself that your ideas about pursuing bonsai art are far-fetched or out of reach. I used to carry bonsai books around with me in middle and high school, which inevitably led to getting beat up on a regular basis; but pursuing bonsai has made all the difference in the world for me. I would also like to say that there really should be no room for egos in the bonsai world. After all, as bonsai artists, we’re not saving the world or curing disease…we’re playing with little trees, so keep it fun and keep your ego in check.

What advice would you give to bonsai beginners?

Enroll in The Bonsai Beginner’s Course online through Bonsai Empire or watch The Bonsai Art of Japan on Youtube! I’m only (partly) kidding. In all seriousness, though, take it slow, don’t overdo it, and focus on quality not quantity.
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland

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