Allgemeines zu Pflege - Wie erlange ich einen "grünen Daumen" ?

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zopf
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Allgemeines zu Pflege - Wie erlange ich einen "grünen Daumen" ?

Beitrag von zopf » 18.05.2006, 08:46

Allgemeines zur Pflege

Viele junge Bonsai-Freunde haben den Wunsch, einen genauen Zeitplan eine "Bedienungsanleitung" für Ihre Bonsai zu erhalten. Meines Erachtens nach ist dies leider nicht möglich. Unterschiedliche Vegetationsperioden, unterschiedliche Klimaverhältnisse und ganz besonders unterschiedliche Pflegegewohnheiten können nur allgemeine Richtlinien vorgeben, die für den Individual-Fall mehr oder weniger modifiziert werden müssen.

Substrat

Sehr oft taucht die Frage auf

"Welches Substrat soll ich benutzen ?".

Um die Frage beantworten zu können müsst Ihr Euch selbst erst einige Fragen beantworten und könnt danach das Substrat mischen das Euren Ansprüchen und den Ansprüchen der Pflanze gerecht wird. Auf die unterschiedlichen Wasserbedürfnisse der Pflanzen (Laub,Nadelbaum) möchte ich nicht weiter eingehen, da dies leicht zu recherchieren ist.

Wie alt ist die Pflanze ?

Junge Pflanzen ( bis ca 10 Jahre ) gedeihen besser in einem Substrat das einen hohen organischen Anteil besitzt. Die Gefahr der Wurzelschädigung durch Überwässerung ist geringer da das Wurzelsystem einen höheren Infektionsschutz besitzt. Auch die Korngrösse des Substrats kann in Abhängigkeit zum Alter der Pflanze gesetzt werden. Sehr junge Pflanzen entwickeln sich in einem feinkörnigen Substrat zunächst besser und können dann im Laufe Ihrer Entwicklung in immer grobkörniges Substrat gepflanzt werden.

Wie sind meine Giessgewohnheiten ?

Ist das tägliche Giessen - auch in meiner Abwesenheit - gewährleistet oder muss die Pflanze auch mal 2-3 Tage ohne Giessen auskommen ? Könnt Ihr wirklich jeden Tag giessen, könnt Ihr eine besser drainierende Substratmischung verwenden. Der Vorteil des gut drainierenden Substrats liegt zum ersten in der guten Versorgung der Wurzeln mit Sauerstoff und zweitens in der höheren Düngerversorgung. Der Dünger kann / sollte öfters, aber nicht höher dosiert gegeben werden und die Gefahr der Überdüngung kann durch häufige Wassergaben verringert werden.

Wie stark soll mein Bonsai wachsen ?

Wenn der Baum noch stark wachsen soll, sollte das Substrat gut drainieren. Gut drainierendes Substrat muss aber oft gegossen werden und sollte oft gedüngt werden.

Wie ist das Mikroklima bei mir zu Hause ?

Mikroklima ist die Bezeichnung für die "Wetterverhälnisse" in kleinstem Gebiet. Schon der Unterschied zwischen Südost- und Südwestlage kann Unterschiede im Mikroklima hervorrufen obwohl die Luftlinien-Entfernung nur 20m beträgt.
Als Beispiel für meinen Garten :
Pflanzen in reiner Südlage benötigen ein Substrat das Wasserhaltiger ist (z.B. höherer Torfanteil ). Pflanzen in Westlage (bei mir Wetterseite) sind in besser drainierendes Substrat gepflanzt da einerseits die Regenmenge grösser ist andererseits durch verringerte Sonnenscheindauer keine so grosse Verdunstung stattfindet.

Wie sehen die Wurzeln aus ?

Bevor wir das Ziel eines gesunden, kompakten Wurzelballens erreichen steht meist eine Sanierung des Wurzelballens an. Was ich damit meine ist.
KEINE Pflanze gestalten, die über einen schlechten Wurzelballen verfügt. Habt Ihr eine Pflanze erworben steht meist als erstes das Umtopfen an. Bei den meisten Pflanzen sind die Wurzelspitzen hell/weiss und die Erde sollte einen erdigen/waldigen Geruch haben. Zeigen sich bei der ersten Überprüfung viele dunkle Wurzelspitzen und riecht die Erde muffig, sollte ein gut drainierendes Substrat genommen werden, da ein luftiges Substrat eine gute Kur für geschädigte Wurzeln ist.


Moos

Die Verwendung von Moos als "Verschönerung" der Erdoberfläche ist ein von vielen gehegter Wunsch und wird oft in die Tat umgesetzt. Unter dem Gesichtspunkt der Pflanzengesundheit sieht es aber anders aus. Moos in dichten Polstern auf die Erdoberfäche gepflanzt behindert den so dringend benötigten Luftaustausch in der Schale. Der Feuchtigkeitsgehalt der Erde kann nur sehr schlecht beurteilt werden. Im Winter sollte man sowieso die Moosschicht entfernen um den Wurzeln das "Atmen" zu erleichtern und eine dauernd nasse Erdoberfläche zu verhindern.
Eine leichte Mossbedeckung um den Stamm im Wurzelbereich kann sich dahingegend positiv auf den Wurzelhals auswirken. Dann sollte allerdings dafür Sorge getragen werden das das das Moos nicht den Stamm hochwächst, da es vor allen Dingen bei rauher Borke schwer zu entfernen ist und die dauernde Feuchtigkeit am Stamm auf Dauer die Rinde zerstört.
Sphagnum-Moos nach dem umtopfen und als Schutzschicht im Sommer dient der Pflanze und nicht der Schönheit.

Dünger

Ein genauso unerschöpliches Thema wie die Frage nach dem Substrat ist die Frage

"Wann und wie soll ich düngen ?"

Gedüngt werden soll nur, wenn die Pflanze wächst, also frühestens wenn die erwachenden Knospen Wachstum zeigen. Wenn die Knospen sich strecken, könnt Ihr davon ausgehen das ca 2 Wochen vorher das Wurzelwachstum eingesetzt hat. Beim Ahorn gegen Ende Februar bis Mitte März bei der Kiefer Mitte März bis Mitte April nur um Beispiele zu nennen. Düngt Ihr also bei beginnendem Wachstum mit mineralischen, also schnellwirkenden Düngern werden sich die Internodien strecken und Ihr werdet eine Vielzahl von schmächtigen, dünnen Trieben bekommen. Düngt Ihr bei beginnendem Wachstum mit organischen Düngern, die erst aufgeschlossen und damit pflanzenverfügbar werden müssen, beginnt die Zufuhr von Nährstoffen erst nach ca 2 Wochen. Dieser Zeitpunkt der Nährstofffreisetzung entspricht schon mehr Unseren Wünschen. Aber, liegen die Temperaturen nicht um 12-15 Grad werden organische Dünger nicht von den Bodenorganismen aufgeschlossen und sind somit nicht pflanzenverfügbar.
Ein Mittelweg wäre also 2-4 Wochen nach Knospung leichte mineralische Flüssig-Düngung und zeitgleiches Auflegen eines Organischen Düngers. Die Frage ob man organisch oder mineralisch düngen soll, ist eigentlich leicht zu beantworten. Wenn Ihr es Euch leisten könnt düngt organisch. Die Gefahr der Überdüngung ist viel geringer und Pflanzen die langjährig organisch gedüngt wurden, sind meist widerstandsfähiger gegenüber Pflanzen-Schädlingen. Vor allen Dingen bei mineralischen Substraten sollte organisch gedüngt werden da einige organische Substanzen (z.B. Huminsäure) für die Nährstoff-Aufnahme und Verwertung wichtig sind und diese in rein mineralischen Substraten nicht vorhanden sind.

Flüssig- oder Festdünger ?

Eine weitere Frage die sich vielleicht jemand stellt.
Gut drainierendes Substrat muss mit Festdüngern gedüngt werden, da der Flüssigdünger dauernd zugefügt werden müsste um einen gleichmässigen Nährstoffgehalt des Substrats zu gewährleisten. Nach eigenen Erfahrungen ist allerdings in gut drainierenden Substraten mit fast täglicher Flüssigdüngung (in sehr niedriger Dosierung) bei einigen Laubbäumen ein sehr starkes Wachstum möglich.

Wasser

Eine der schwierigsten Künste zur Erzielung eines schönen Baumes ist das Giessen. Man kann Giessen um den Baum am Leben zu erhalten oder das Giessen als "Gestaltungs-Massnahme" betrachten. Das Schwierige am richtigen Giessen, ist den Moment einzuschätzen bis zu dem man mit dem Giessen warten kann. Zu früh gegossen strecken sich die Internodien und die Blätter/Nadeln werden zu gross. Zu spät gegossen und die Pflanze kann vertrocknen. Als Faustregel kann man sagen das wenn in 1cm Tiefe
der Boden trocken ist und dann durchdringend gegossen wird, ist man auf der sicheren Seite. Wenn man das einigermassen beherrscht sollte man Schritt für Schritt, das Substrat etwas mehr austrocknen lassen um sich dem optimalen Zeitpunkt zu nähern, bei dem gegossen werden muss.
Ein grosser Fehler der oft gemacht wird ist das oberflächliche Giessen. Die Folge ist ein Wurzelballen, der sich meist nur dicht unter der Erdoberfläche befindet, da die tiefer liegenden Wurzeln schon im dauernd nassen Substrat erstickt sind. Giessen bedeutet also durchdringendes Wässern des Substrates von allen Seiten, bis das Wasser durch die Wasserlöcher läuft. Und sicherheitshalber dasselbe noch mal von Vorne.

Über das Grün

Es mag seltsam sein, zu lesen, das die genaue Betrachtung der Blatt/Nadel-Farbe so wichtig ist. Aber wie viel lässt sich aus der Blattfarbe einer Pflanze ablesen. Über und Unterdüngung, das Fehlen einzelner Nährstoffe, die Wahl des richtigen Standortes und vieles mehr lassen sich aus der Beurteilung des Grüns schliessen. Fotos sind nicht aussagekräftig, nur die direkte Betrachtung jedes einzelnen Baumes erlaubt Euch im Laufe der Zeit, Rückschlüsse auf den Gesundheits-Zustand Euer Bäume zu ziehen. Als kleines Beispiel lässt sich der frühe Spinnmilben-Befall eines
Wacholders an der Farbe der Spitze ablesen. Das leichte Grün-Gelb ändert sich in ein fahleres Gelb-Grau. Zu diesem Zeitpunkt schon eingegriffen ist unter Umständen der Einsatz leichterer Mittel erfolgversprechend und Ihr könnt auf den Einsatz harter Chemie verzichten.

Steine und Dekoration

Sehr oft sehe ich hier auf Bildern, das auf die Erde Steine zu Dekorationszwecken aufgelegt werden. Dies ist der Pflanzengesundheit abträglich, da die Erde unter dem Stein "tot" ist. Dringend benötigter Sauerstoff-Austausch ist an diesen Stellen nicht möglich und durch mangelndes Abtrocknen der Erde unter dem Stein ist es ein möglicher Fäulnisherd ständig gegeben. Kleinere Dekorationsobjekte die keine grösseren Teile der Erdoberfläche abdecken sind hingegen kein Problem.


Sollten weiter allgemeine Pflegepunkte hier aufgeführt werden, schreibt es mir, wie gesagt die Artikel sind offen und nur ein Beginn
cogito ergo pups


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