Anfängerprojekte

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Holger
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Anfängerprojekte

Beitrag von Holger » 13.05.2015, 18:45

von Holger Lanatowitz

Für Anfänger stellt sich immer wieder die gleiche Frage, sobald das Interesse für Bonsai (meistens im Baumarkt 8) - war bei mir auch so…) geweckt wurde: Welche Sorte nehme ich und was kann ich damit machen – und ich will als Anfänger ja soooo viel auf einmal machen…

Reden wir vor dem eigentlichen Thema erst einmal darüber, welche Mindestvoraussetzungen sollte ich haben, damit ich überhaupt an mehr als einen Kaktus herangehe – wobei ich aus eigener Erfahrung weiß, Kakteen können mindestens genauso schwierig wie Bonsai sein.
Ideal wäre selbst für die Indoors, wenn ich die Möglichkeit besitze, diese in den wärmeren Monaten an Licht und Luft zu bekommen, also Garten oder Balkon. Wenn dieses nicht möglich ist, sollte ich zumindest ein Fenster mit großer Fensterbank besitzen, und dieses Fenster sollte idealerweise viel Sonne bekommen – Südfenster sind natürlich optimal.
Natürlich gibt es auch mittlerweile Pflanzenleuchten, die Tageslicht imitieren, aber das ist in meinen Augen eine Möglichkeit, den dunklen Winter zu überbrücken, aber ansonsten kein Ersatz – von den Auswirkungen auf die Stromrechnung ganz zu schweigen.
Und dann kommen wir mal zu einzelnen Sorten und was man unter anderem mal ausprobieren kann – wobei ich mich auf das beschränke, was ich selber mehr oder weniger erfolgreich erprobt habe. Dabei behandelt der erste Teil den Bereich der Indoors, also der Bonsai, die auch mehr oder minder gut in der Wohnung gehalten werden können. Natürlich sollte man auch hier berücksichtigen, dass jede Art eigentlich nur eingeschränkt wohnungstauglich ist, aber hier kann es funktionieren, weil die klimatischen Verhältnisse in den Ursprungsländern passen:

Indoorprojekte

Ficus ginseng/Ficus retusa
Was kann man mit einem Ficus ginseng machen, außer ihn sofort in die Abfalltonne zu werfen – tut mir leid, wenn ich es so hart ausdrücke, aber ein Ficus ginseng hat so viel mit Bonsai zu tun wie ein Gänseblümchen mit einer Rose. Daran ändert auch nichts, dass er immer als Bonsai verkauft wird.
Nun ergibt sich das Problem, dass man schnell mal einen geschenkt bekommt, sobald jemand mitbekommt, dass man sich für Bonsai interessieren könnte, und dann ist das mit der Abfalltonne nicht so angesagt – kenne ich aus eigener Erfahrung:
bild01.jpg
Grundsätzlich muss man ja erst einmal feststellen, Ficus ginseng als Sorte gibt es nicht wirklich, das ist reines Marketing. In Wirklichkeit handelt es sich um einen Ficus retusa mit hochgezüchteten Speicherwurzeln, aber als Sorte macht ihn das schon wieder interessant für die ersten Gehversuche in Sachen Bonsai. Man nimmt ein paar Stecklinge, nach Möglichkeit im Frühjahr, stellt sie in Wasser und lässt sie wurzeln. Und dann heißt es nur noch gut pflegen und bearbeiten nach der Methode: Cut and grow.
Das bedeutet, zumindest in der Anfangszeit gut treiben lassen und dann ordentlich zurückstutzen. Den Haupttrieb erst einmal gut hochwachsen lassen, wenn man schnell ein wenig Stamm haben will und dann zurückstutzen auf ein Stück kleiner als der gewünschte zukünftige Bonsai sein soll. Entsprechend sollte man auch zu Beginn mit den Seitentrieben umgehen. Der Nachteil ist, dass man am Hauptstamm eine größere Schnittstelle bekommt, aber wenn man zu früh zurückschneidet, um das zu vermeiden, dann ist das Dickenwachstum entsprechend langsam. Und wenn man das so macht, dann kann das Ergebnis nach fünf Jahren so aussehen, und das ist dann doch besser als das Ausgangsobjekt:
bild02.jpg
Und hier noch ein kleiner Tipp insbesondere für Anfänger, der sich bei diesem Ficus auch gut erschließt. Man sollte ruhig zumindest einmal im Jahr, optimal im Frühjahr nach dem Umtopfen, ein Foto seines Bonsai(-projektes) machen. Das gibt einem zum einen die Möglichkeit, die Fortschritte über die Jahre gut zu verfolgen (und man wundert sich, wie es sich entwickelt hat, das hat man immer etwas anders in Erinnerung), zum anderen werden gerade auf Fotos Probleme aufgedeckt, die man oft nicht so sieht, sei es wegen der berühmt-berüchtigten Scheuklappen oder weil der Blick noch nicht so geübt ist. Hier war es die linke Seite, die etwas unterentwickelt war. Das Problem war jedoch mit ein wenig Draht schnell zu lösen, da Äste eigentlich genug vorhanden sind:
bild02a.jpg
Ficus benjamina
Als Grundlage für das Folgende dient der Beitrag zum Abmoosen:http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... 51&t=20252 und zur Waldgestaltung:http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... 55&t=20051
Die Zimmerpflanze der Deutschen neben der Grünlilie ist der Ficus und das hat seine Vorteile, wenn man dort mal ein bisschen Bonsai ausprobieren will. Irgendwo bei Oma, Verwandten oder in der Firma steht ein solchen als hochgeschossener Mehrfachstamm rum, der oben ein paar Blätter trägt und eigentlich nur noch existiert, weil vergessen wurde, ihn zu entsorgen oder weil man Mitleid hat, solange noch ein Blatt vorhanden ist…
Der Vorteil ist, dass meistens schon mehr oder weniger Stamm vorhanden ist und schnell habe ich durch Abmoosen einen guten Steckling gewonnen, und man wundert sich, wie schnell er so richtig gut aussieht, wenn man ihm dann ein wenig neue Erde und regelmäßig Dünger gönnt:
bild03.jpg
Ich weiß, er sieht etwas wild aus, aber das war, bevor er seinen Frühjahrsschnitt in diesem Jahr bekam. Und über den Winter hatte er ganz gut ausgetrieben.
Wenn ich allerdings einen oder besser zwei solcher Ficen ergattern kann, habe ich auch die Möglichkeit, mir über einen Zeitraum von einem Jahr eine gute Grundlage für einen Ficus-Wald zu schaffen. Wenn ich also einen hochgeschossenen Ficus mit vier Stämmen ergattern kann, der in den letzten Jahren bestenfalls als Dünger mal eine Tasse kalten Kaffee erhalten hat oder einfach nur verkahlt ist, weil er z.B. wenig Licht bekommen hat, dann ist im Frühjahr ein Komplettpaket fällig: Umtopfen mit neuer Erde und Abmoosen von vier Oberteilen. Beim Abmoosen sollte man schon mal im Auge behalten, dass man ja einen kleinen Wald plant, also dünne Stämme kürzer und dickere Stämme länger lassen.
Und dann ist einfach viel Sonne, vernünftiges Gießen und regelmäßiges Düngen angesagt. Wenn sich Wurzeln gebildet haben abtrennen und die vier Bonsai-Anfänger in einer Schale als Baumgruppe „zwischenlagern“.
Die „Überreste“ werden weiterhin gut gepflegt und in die Sonne gestellt und man wundert sich, wie die vekahlten Stämme plötzlich im oberen Bereich neu austreiben. Bis zum nächsten Frühjahr hat man dann vier neue, kräftigere Stämme, die man ebenfalls Abmoosen kann und man hat acht Ficen als Grundlage für einen Wald. Dann ist ein bisschen Zusammenstellen angesagt (als Grundlage dient dann der Beitrag über Waldgestaltungen) und danach heißt es wie immer: Cut and grow – gut austreiben lassen und zurückschneiden und dabei versuchen, nach und nach eine einheitliche Silhouette hinzubekommen – ist nicht ganz einfach, aber man wundert sich, dass man nach und nach ein Auge dafür bekommt, was stört und was richtig ist. Man muss nur oft genug drauf gucken und es auf sich einwirken lassen. Und dann kann es so aussehen:
bild04.jpg
Jadebaum, Portulacaria afra
Der Jadebaum war einer der Ersten, bei dem ich in den großen Experimentierrausch kam… und feststellen musste, das Meiste klappte nicht, weil meine Phantasie mehr machen wollte als machbar ist. Der Jadebaum hat einen großen Vorteil besonders für Anfänger, er wächst schnell, verzeiht viele Fehler und lässt sich mit relativ geringem Aufwand in Form bringen.
Allerdings ist er auch eine Art, der sich halt in erster Linie für traditionelle Formen eignet, also so in der Art streng aufrecht. Da kann man allerdings relativ schnell gute Ergebnisse erzielen. So hatte ich im Jahr 2007 einen winzigen Ableger mit vier kleinen Blättern und einem winzigen Stiel ergattert – im Jahr 2008 sah er entsprechend so aus, was allerdings für den winzigen Ableger auch schon ein guter Zuwachs war:
bild05.jpg
7 Jahre später, ist er schon ein ordentliches Exemplar mit einem beträchtlichen Stamm geworden. Ich kämpfe noch ein wenig mit der Krone und der Feinverzweigung, aber das kommt noch. Wichtig ist beim Jadebaum, dass man ihn nach einer Wachstumsphase immer ordentlich zurückstutzt und damit meine ich wirklich ordentlich. Und hier ein Bild, bevor er das letzte Mal ordentlich zurückgestutzt wurde:
bild06.jpg
Ein Vorbild ist natürlich der Jadebaum von Bonsaiheiner, der mich immer wieder sehr beeindruckt. Aber da merkt man natürlich, da steckt schon eine Menge Bonsaierfahrung drin:
bild07.jpg
bild07.jpg (146.63 KiB) 5476 mal betrachtet
Von den Experimenten mit dem Jadebaum ist dann allerdings nur eine Sache übrig geblieben, ein Doppelstamm. Der zeigt dann allerdings auch, wie dankbar der Jadebaum ist, dieser steht bei mir auf der Arbeit, also ganzjährig drinnen, und die Pflege, bis auf gießen, ein wenig düngen und ein bisschen stutzen hält sich dort auch in überschaubaren Grenzen.
bild08.jpg
Efeu
Zum Efeu muss ich vorausschicken, dass es sich nicht mehr wirklich um „Anfängerprojekte“ handelt, da ich mit diesem vor zweieinhalb Jahren angefangen habe zu experimentieren. Allerdings ist der kleinblättrige Efeu, um den es sich hier handelt, durchaus gut für Anfänger geeignet. Er verzeiht fast jeden Pflegefehler, kann mit Draht in so ziemlich jede Form gebracht werden, ohne dass man befürchten muss, dass etwas bricht – und es hat nicht jeder…
Das Problem ist ein wenig an diese Sorte zu kommen, aber wenn man jemanden kennt oder anspricht, der diesen Efeu sein Eigen nennt, dann kann man mit Ablegern totgeschmissen werden, denn jeder abgeschnittene Trieb (und geschnitten werden muss regelmäßig) bildet, um es übertrieben zu sagen, mit einem Tropfen Wasser Wurzeln.
Mein Interesse wurde geweckt, als ich auf einer Ausstellung einen wirklich tollen Bonsai mit tollem Stamm und eindrucksvollen Astetagen gesehen habe. Und an dieser Stelle kommt eine Einschränkung: Bis mal ein ordentlicher Stamm gebildet wurde, das dauert seine Zeit.
Im Augenblick habe ich dann mit dem Efeu drei Projekte angefangen, die auch leicht jeder selbst erproben kann – um sich dann vielleicht auch ein paar Erfahrungen für andere Arten zu holen.
Da wäre erst einmal der „normale“ Bonsai. Es ist relativ einfach, diesen Efeu in die gewünschte Form zu bringen und Astetagen aufzubauen. Es sind genügend Verzweigungen vorhanden, auf die man aufbauen kann – und wenn nicht, dann hat man sehr gute Chancen, dass der Efeu an der genau richtigen Stelle noch einen Austrieb bildet. Und so sieht es dann derzeit aus, zuerst der Ableger vor guten zwei Jahren und dann der heutige Stand:
bild09.jpg
Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit.
Beim Universum bin ich mir aber noch nicht ganz sicher
(Albert Einstein)


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Re: Anfängerprojekte

Beitrag von Holger » 13.05.2015, 18:52

Und hier Teil 2 des Artikels und dort der heutige Stand des Efeu:
bild10.jpg
Als Zweites habe ich mich dann daran versucht, eine Kaskade aus dem Efeu aufzubauen, der Trieb ist gerade mal gut ein Jahr alt und deswegen noch am Anfang, aber man sieht, dass man mit Draht wirklich Einiges machen kann:
bild11.jpg
Und als Letztes habe ich dann mal einen Efeu über Stein gezogen. Auch dafür ist der Efeu sehr gut geeignet, da er sehr schnell sehr lange Wurzeln bildet, die man dann gut aufbauen kann. Ich habe den Efeu bei einem Stein mit zwei unterschiedlich hohen Spitzen zwischen die Spitzen gesetzt, den Stein zum größten Teil in der Erde versenkt, um diesen dann nach und nach höher zu setzen und so die Wurzeln aufzubauen. Die noch frischen Wurzeln in der obersten Etage habe ich mit Bast umwickelt, um sie etwas zu schützen und am Stein zu fixieren.
bild12.jpg
Hier dann das Ergebnis ein gutes Jahr später. Ich habe den Stein höher gesetzt, weil das Wurzelwachstum für die kurze Zeit gut war. Leider hat sich dieses Jahr durch den nassen Juni der Bast sehr schnell verabschiedet, sonst wäre es wahrscheinlich noch besser geworden, aber ich bin durchaus zufrieden.
EfeuStein112016a.jpg
EfeuStein112016b.jpg
Im Frühjahr werde ich die eine oder andere Wurzel auslichten, Moos und abgetrocknetes Wurzelwerk entfernen, alles wieder unter Bast legen und gucken, wie es sich weiter entwickelt.


Outdoorprojekte
Als Zweites hier dann zwei Beispiele für Outdoors, der Bereich also, der auf keinen Fall in der Wohnung gehalten werden kann. Man muss also zumindest einen Balkon oder eine Terrasse sein Eigen nennen, damit es überhaupt klappt:

Hainbuche, Carpinus betulus
Also hier dann das erste Projekt für die "frische Luft". Es war dann mein Projekt vom Sämling zum Bonsai, etwas, dass in vielen Fällen nicht so erfolgreich ist – aus unterschiedlichen Gründen.
Fangen wir mal mit den Dingen an, mit denen ich nicht so gute Erfahrungen gemacht habe, wobei so als abschreckendes Beispiel dann die berühmt-berüchtigten Bonsai-Samen aufgeführt sind. Natürlich gibt es keine Bonsai-Samen, da es halt immer nur „normale“ Samen sind, und dann sind es oft auch noch Arten, die sowieso nicht so einfach sind. Bei mir war es ein Geschenk meiner Tochter, so dass ich es natürlich ausprobieren musste, und es handelte sich um Tamarinde, irgendeine zweite Sorte und als Drittes Granatapfel. Toll war natürlich, dass fast alles keimte – nur nach kurzer Zeit (ein oder zwei Jahren) war auch fast alles kaputt. Übrig ist ein Granatapfel, der aber auch nach 10 Jahren immer noch wie ein besserer Steckling aussieht.
Probiert habe ich auch Kastanie und Haselnuss, aber kann ich auch für einen Anfänger nicht empfehlen. Bei Beiden sind einfach die Blätter viel zu groß, als dass man einen interessanten Bonsai gestalten kann, außer man hat Platz für Bonsai deutlich oberhalb des halben Meters Größe.
Diese Einschränkungen gelten nicht bei der Hainbuche. Natürlich muss man einkalkulieren, dass alles seine Zeit braucht, in diesem Fall waren es zehn Jahre vom Sämling, den ich aus den Ritzen von Terrassenplatten rettete, bis zum heutigen Stand. Aber die Hainbuche treibt immer kräftig aus, verzeiht einige Fehler und man kann besonders in der Anfangszeit schnell noch einmal umgestalten. Und die Zucht vom Sämling zum Bonsai hat den Vorteil, dass man von Anfang an die Wurzeln steuern kann, so dass man später auch eine gute Basis für seinen Bonsai hat.
So sah die Hainbuche ein Jahr nach dem Bergen im Jahr 2006 aus. Ich habe sie erst einmal hoch austreiben lassen, damit sie schnell ein bisschen zulegt:
bild13.jpg
Und auch bei der Hainbuche galt das Prinzip: Cut and grow, und sie entwickelte sich in den Jahren ansprechend. Und so ist der aktuelle Stand:
bild14.jpg

Chinesischer Wacholder, Juniperus chinensis
Mein letztes Anfängerprojekt wurde mir quasi aufgedrängt – und im Nachhinein bin ich aus verschiedenen Gründen dafür sehr dankbar. Bei einem Besuch wurde mir von Dieter (Zopf) ein Steckling in die Hand gedrückt mit dem Bemerken: Da kannst du deine Abneigung gegen Nadelbäume bekämpfen, das Drahten üben und mal eine Kaskade versuchen. Wie würde der Comedian aus dem Stadtteil sagen, in dem ich über 20 Jahre gewohnt habe: Chinesischer Wacholder, jaaa neee, isss klar…
Aber so schnappte ich mir dann das Kinder-Überraschungsei für Bonsaianer (Dreifachspaß in einem…) und versuchte mein Glück. So sah der Wacholder dann nach einem Jahr aus, als ich dann mal meine Versuche begonnen hatte:
bild15.jpg
Der chinesische Wacholder hat ein paar Vorteile, die man ansonsten selten hat. Zum einen sind die Äste sehr lange noch ziemlich beweglich, so dass es auch kein Problem war, als ich in der Folge feststellte, dass so die anfänglichen Serpentinen des Stammes zur Kaskade noch einmal überarbeitet werden mussten. Dafür ist es dann allerdings schon wichtig, dass man nicht zu Beginn zu viele Äste zurückstutzt, sonst hat man bei einer Überarbeitung keine mehr an den dann wichtigen Stellen.
Hier liegt aber ein weiterer Vorteil, im Gegensatz zu anderen treibt der Wacholder auch im Laufe der Zeit mal im älteren Holz aus, so dass man da Alternativen bekommen kann. Natürlich sollte man keine Wunder erwarten, aber manches Mal ist es sehr hilfreich.
Und der dritte Vorteil ist der Vorteil aller Nadelbäume, man muss sich nicht so große Gedanken um den Draht machen. Während bei Laubbäumen der Draht relativ zügig einwachsen kann und damit unschöne Drahtspuren hinterlässt, hat man hier einen erheblich größeren zeitlichen Spielraum – was einen allerdings nicht davon entbindet, das regelmäßig zu kontrollieren.
Und so sieht er dann sechs Jahre später aus. Das mit den Etagen wird noch so seine Zeit dauern, aber er ist auf dem Weg:

Vor dem jährlichen Rupfen…
bild16.jpg
Und nach dem Rupfen…
bild16a.jpg
Durch den Wacholder wurden mir drei Dinge vermittelt. Erstens, es gibt nicht nur interessante Laubbäume (mittlerweile beschränkt es sich auch nicht mehr nur auf den Wacholder), zweitens habe ich dort halbwegs vernünftiges Drahten gelernt (jedenfalls sieht es jetzt nicht mehr so aus wie bei einem Stacheldrahtzaun…) und zu guter Letzt habe ich meine erste Kaskade von Anfang an begleitet.

Ich habe versucht, einige Arten aufzuführen, bei denen man zu Beginn nicht viel falsch machen kann und Anregungen zu geben, was man mal ausprobieren kann. Natürlich kann selbstverständlich jeder auch einen windgepeitschten Jadebaum probieren – man lernt bei allem nur durch Ausprobieren.
Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit.
Beim Universum bin ich mir aber noch nicht ganz sicher
(Albert Einstein)

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