Indoors für Anfänger

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Holger
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Indoors für Anfänger

Beitrag von Holger »

von Holger Lanatowitz

Indoors - das sind von der Systematik Bonsai, die keinen Frost vertragen und deshalb in den Wintermonaten im Kalthaus oder in der Wohnung gehalten werden.

Unbestreitbar ist es schwieriger, Indoors als Bonsai durch die Jahre zu bekommen als es bei Outdoors der Fall ist - was in erster Linie damit zu tun hat, dass das Zimmerklima (soweit man überhaupt von Klima sprechen kann...) für Pflanzen aller Art eigentlich ungeeignet ist.

Die Grundlagen sind bei den meisten Indoors gleich, so dass sie artenunabhängig zusammengestellt werden können. Am Ende fasse ich meine Erfahrungen mit verschiedenen Indoors zusammen, soweit es individuelle Hinweise angeht, wobei man mir nachsehen mag, dass ich leider nur wenige, dafür aber typische Indoors in meinem Bestand habe.

Standort:

In der frostfreien Zeit sollten sich auch Indoors im Freien befinden, d.h. es wäre gut, wenn ein Balkon oder Garten vorhanden ist. Das bedeutet nicht zwingend, dass Indoors ohne diesen Wechsel nicht überleben, aber nur dieser Wechsel sorgt dafür, dass sie kräftig genug sind, um sich langfristig wirklich gut zu entwickeln. Bzgl. des Zeitpunkts gibt es natürlich kein festes Datum, insbesondere da die Voraussetzungen je nach Region sehr unterschiedlich sein können. Entscheidend sind die Nachttemperaturen, wobei die Einschätzungen sehr unterschiedlich sind. Teilweise wird davon gesprochen, die Indoors nach draußen zu stellen, sobald die Nachttemperaturen dauerhaft über 10 Grad liegen, ich persönlich lege den Maßstab bei 5 Grad an.
Soweit die Temperaturen nach dem Wechsel ins Freie doch noch einmal in Richtung Frost absacken, ist dann halt ein wenig körperliche Betätigung angesagt – zumindest für die Nacht müssen die Indoors dann wieder reingeholt werden. Dabei birgt natürlich meine tieferen Grenztemperaturen eher mal das Risiko tätig zu werden – aber was tut man nicht alles für seine Bonsai… Für den Wechsel in die Wohnung im Spätherbst gilt dann die Temperaturgrenze entsprechend.


Bei dem Wechsel in die freie Natur sollte man beachten, dass je nach Winterstandort ein sofortiger Platz in der Sonne zu Sonnenbränden (gibt es nicht nur bei Menschen ) führen kann - also in der ersten Zeit ein leicht schattierter Ort zum Eingewöhnen an das "rauhe" Außenklima ist kein Fehler.

Was die Pflege angeht sind in dieser Zeit die Indoors genauso zu behandeln Outdoors, so dass hier die grundlegenden Tipps in der Bonsai-Pflege zu beachten sind, die auch in anderen Beiträgen ausführlich behandelt werden.

Ein größeres Problem stellt der geeignete Platz für die Überwinterung dar. Vom Prinzip wären Temperaturen zwischen 5 und 15 Grad (mehr in Richtung 5 Grad...), heller Standort und Vermeidung trockener Heizungsluft angesagt - Anforderungen, die in diesem Umfang in einer Wohnung meistens schwerlich zu erfüllen sind.

In meinen Augen ist der helle Standort direkt am Fenster dabei das wichtigste Kriterium - ich habe einmal versucht, meine Indoors kühl und schattig zu überwintern (also eine komplette Winterruhe einzulegen) - und es ergab sich leider eine hohe Ausfallrate. Dabei wird mit Sicherheit auch eine Rolle gespielt haben, dass meine Indoors noch nicht die kräftigen Bäume waren - aber welcher Anfänger besitzt diese schon und so erspare ich mir erst einmal weitere Versuche in dieser Hinsicht.

Am Unproblematischsten sind unbestreitbar der Ficus und der Jadebaum. Diese beiden Sorten vertragen dann selbst den Wechsel in die gut geheizte Küche.

Winterpflege:

Aufgrund des geringeren Sonnenlichts ist auch bei der Versorgung der Pflanzen einen Gang tiefer zu schalten.

Beim Gießen sollte zwar darauf geachtet werden, dass der Boden nicht durchtrocknet - aber auf keinen Fall sollte eine Dauernässe des Bodens vorhanden sein. Gerade in den Wintermonaten droht eine Schädigung der Indoors durch zu hohe Feuchtigkeit - also Vorsicht beim Gießen. Die Erde sollte auf jeden Fall antrocknen, alles andere könnte im wahrsten Sinne des Wortes tödlich sein. Und Finger weg von festen Gießtagen, weder Zimmerpflanzen noch Bonsai haben Durst an festen Wochentagen. Die Notwendigkeit des Gießens ist unter anderem geprägt von der Raumtemperatur, der Aufheizung durch Sonnenlicht und der Luftfeuchtigkeit. Und seien wir mal ehrlich: Wir trinken doch auch, wenn wir Durst haben – und nicht, weil gerade ein fester Termin dafür ist…

Auf der andern Seite sollte durch regelmäßiges Übersprühen die im Regelfall trockene Heizungsluft ausgeglichen werden. Es sind also zwei gegenläufige Probleme (feuchte Erde - "trockene" Pflanze) in ein Gleichgewicht zu bringen. Beim Übersprühen ist zu beachten, dass bei Benutzung von Leitungswasser mit der Zeit hässliche Kalkflecken auftreten, das ist aber eher ein optisches Problem. Vermeiden kann man das mit Regenwasser oder z.B. dem Kondenswasser aus einem Wäschetrockner, wenn man darüber verfügt.
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Eine Drucksprühflasche - hier die Billigausgabe von Aldi - ist im Winter sowohl beim Übersprühen als auch beim Gießen ein dankbares Hilfsmittel.

Soweit keine absolute Winterruhe eingelegt wird, sollten Indoors alle vier Wochen gedüngt werden - schließlich wachsen sie weiter und brauchen entsprechend ihre Nahrung - wenn auch nur in geringerem Maße.

Darüber hinaus sollte während der Winterpflege im Regelfall kein Rückschnitt im üblichen Sinn vorgenommen werden, da dieses nur die Pflanze zum zusätzlichen Austreiben anregen würde - was ihr nur Kraft kosten würde. Aber es lässt sich z.B. beim chin. Liguster nicht vermeiden, dass sehr lange Neutriebe zwischendurch mal zurückgeschnitten werden.

Allerdings habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, zumindest meine chin. Ulmen und meine einzige noch lebende Serissa... (ich mag diese Pflanze... ) beim Wechsel in die Wohnung kräftig zurückzuschneiden.

Probleme:

Besondere Probleme ergeben sich bei Indoors im Regelfall in der Winterpflege.

Eines der häufigsten Probleme ist der weiße Belag/Schimmel auf der Erdoberfläche, der verschiedene Gründe haben kann:
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Sieht schlimm aus, ist meistens jedoch kein Problem.

1. Moos: Leider hält sich Moos aus verschiedenen Gründen nicht wirklich gut in der Wohnung, deshalb sollte man beim Wechsel in die Wohnung das Moos entfernen (schade drum, manchmal ist ja das Moos das Beste an der Pflanze 8) , aber es lässt sich leider nicht ändern).

2. Zu hohe Feuchtigkeit: Der Schimmel kann ein deutlicher Hinweis sein, dass zuviel gegossen wurde, also ggfls. das Gießen verringern.

3. Lüftung: Leider reicht es nicht aus - wie für den Menschen empfohlen - mehrmals täglich nur eine "Stoßlüftung" vorzunehmen. Hier gilt grundsätzlich: je mehr, desto besser.

Beim Lüften sollte man allerdings darauf achten, dass bei den entsprechenden Außentemperaturen die Indoors keinen Frost abbekommen bzw. sollte auch Zugluft unbedingt vermieden werden. Was für den Menschen nicht gut ist, ist für diese empfindlichen "Lebewesen" entsprechend schlimmer.

Auch bei Beachtung dieser Vorgaben wird sich dieser Belag nicht immer vermeiden lassen. Dann sollte man jedoch nicht mit der chemischen Keule zuschlagen. Die Pflanzen sind im Winter nicht die kräftigsten, und da könnte der Einsatz von Chemie mehr schaden als nutzen.

Wen es wirklich stört (den Indoor stört es in einem gewissen Rahmen nicht wirklich), der sollte die oberste Erdschicht abtragen, und vielleicht mit einer Kiesschicht für die Winterzeit dem Schimmel den Nährboden entziehen. Ansonsten ist auch das regelmäßige Auflockern der Erde z.B. mit einem Zahnstocher hilfreich.

Ein weiteres häufiges Problem, bedingt durch die trockene Zimmerluft, sind Spinnmilben.

Man kann versuchen, durch regelmäßiges Übersprühen diesem Problem aus dem Weg zu gehen. Falls es doch mal zu einem Befall kommen sollte, ist aufgrund der explosionsartigen Vermehrung schnelles Handeln angesagt. Ein Hinweis ist der starke Verlust von Blättern ohne erkennbaren Grund, und gegen das Licht sind feine Spinnfäden an Ästen und Blättern zu erkennen und natürlich daran, dass abfallende Blätter teilweise an unsichtbaren Fäden in der Luft hängen.

Allerdings arbeite ich in der Wohnung äußerst ungern mit giftiger Chemie - deswegen kommt in solchen Fällen immer eine Emulsion aus Niemöl (Bestandteile: Niemöl, Rimulgan als Emulator und ein Tropfen Spülmittel, erhältlich z.B. in Spinnrad-Nachfolgegeschäften) zum Einsatz - zweimal in Abstand von mehreren Tagen gesprüht und dazwischen das normale Übersprühen mit Wasser - und die Spinnmilben sind Geschichte. Nur ist dabei aufzupassen: Sie kommen auch gerne zurück....
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Ein "Rezept" ist auf der Flasche Niemöl angegeben: 5 ml Niemöl, 2 Meßlöffel Rimulgan auf 1 Liter Wasser und dann braucht die Mischung nur noch in eine Sprühflasche gefüllt werden.

Ergänzung: Leider habe ich in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass Spinnmilben mehr als hartnäckig sein können. Deswegen habe ich mir ein entsprechendes Mittel gegen Spinnmilben besorgt. Man sollte nur darauf achten, dass die normalen Mittel gegen Blattläuse oder sonstiges Ungeziefer nicht bei Spinnmilben helfen – also bitte auf die richtige Wahl achten.
Ein weiteres Problem, insbesondere beim Wechsel von draußen in die Wohnung, können Trauermücken sein. Fast jeder, der Zimmerpflanzen sein eigen nennt, kennt die kleinen schwarzen Fliegen, die einem nervig um die Nase herum schwirren.
Trauermücken mögen feuchte Erde, und deswegen kann man das Problem in den Griff bekommen, wenn man die Feuchtigkeit durch das Gießen zurückfährt. Nun ist es aber so, dass nicht jede Pflanze es so trocken mag, wie es dafür notwendig ist. Da haben sich bei mir allerdings fleischfressende Pflanzen als Beisteller bewährt, in erster Linie Fettkraut, das relativ pflegeleicht und öfter mal auch im Baumarkt zu kaufen ist. Als Alternative sind auch Gelbtafeln möglich, Chemie ist hier nicht nötig.

Bei einem Blattfall durch den Wechsel in das Winterquartier ist erst einmal kein Grund zur Panik angesagt, das ist in einem gewissen Rahmen normal.

Sollte ein Indoor in großen Mengen Blätter verlieren, wobei er vorher gut ausgetrieben hat, gesund war und keine Spinnmilben zu erkennen sind, und wie aufgeführt weder Frost noch Zugluft zugeschlagen haben, könnte zu große Feuchtigkeit der Erde (Stichwort: Staunässe) der Grund sein. Leider birgt der Wechsel der Gießnotwendigkeiten die Gefahr, dass man die Indoors in der Winterzeit zu feucht hält - jedenfalls wenn man wie bisher weitergießt.

Dann droht Wurzelfäule, erkennbar am leicht bis stark modrigen Geruch an den Wasseraustrittsöffnungen der Bonsai-Schale. Auch hier ist schnelles Handeln angesagt. Umtopfen, Erde auswechseln, betroffene (matschige) Wurzelstellen entfernen und erst einmal nur sehr vorsichtig gießen - ach ja, und nicht zu vergessen: Daumen drücken - die Chance, dass der Indoor es nicht überlebt ist leider sehr hoch.

Das war dann der Bereich, der allen Pflanzen gemeinsam ist. Und jetzt zu einzelnen Indoors, die ich besitze oder besaß....:


Ficus (Birkenfeige):
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Hier die Blätter einer der unzählig-vielen Ficus-Arten.

Mit Sicherheit ist der Ficus mit Abstand am besten als Indoor-Bonsai geeignet, wobei die Bandbreite sehr groß ist und nicht jeder Ficus gleich geeignet ist.

Nicht geeignet dürfte nun mal allein von der Blattgröße der gute alte Gummibaum sein, und auch der im Augenblick in Baumärkten angesagte Ficus Ginseng (die Art mit den gewaltigen Speicherwurzeln) hat nicht wirklich etwas mit Bonsai zu tun (ist meine persönliche Meinung...). Allerdings kann man mit Stecklingen relativ schnell einen vernünftigen Ficus retusa als Bonsai heranziehen, denn einen Ficus Ginseng gibt es in Wirklichkeit nicht und die Form hat auch nicht annähernd etwas mit Bonsai zu tun.

Ansonsten ist der Ficus in seinen Variationen (z.B. Ficus Benjaminii oder Retusa) sehr gut für Anfänger geeignet, da er ziemlich robust mit Pflegefehlern umgeht (selbst kalte Zug-Luft, die er gar nicht leiden kann, quittiert er im Regelfall nur mit einem vorübergehenden verstärkten Blattabwurf).

Man kann so ziemlich jede Bonsai-Form gestalten, und auch Wald- und Gruppen-Pflanzungen ergeben nach relativ kurzer Zeit ein ansprechendes Bild.

Standort:
Von sonnig bis halbschattig unproblematisch. Selbst Heizungsluft wird im Winter relativ klaglos akzeptiert.

Pflege:
Düngen im Sommer alle zwei Wochen, im Winter alle vier Wochen, Umtopfen wird alle zwei Jahre empfohlen. Schneiden neuer Triebe von 7 bis 8 auf 2 bis 3 Blätter. Der austretende milchige Saft ist dabei unproblematisch.

Beim Drahten ist darauf zu achten, dass aufgrund der Schnellwüchsigkeit der Draht schnell einwachsen kann. Es sollte deshalb eine regelmäßige Kontrolle erfolgen.

Eine Vermehrung erfolgt unproblematisch durch Stecklinge oder Abmoosen.


Chinesische Ulme (Ulmus parvifolia):
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Hier die sehr charakteristischen Blätter der chin. Ulme.

Auch die chinesische Ulme eignet sich relativ gut als Indoor-Bonsai, auch wenn sie nicht ganz so problemlos wie der Ficus ist. Allerdings ist die Stammstruktur in meinen Augen erheblich interessanter. Beim Kauf sollte man jedoch aufgrund der Massenware darauf achten, dass man keine Indoors mit gewaltigen hässlichen Schnittstellen kauft. Leider werden diese in großem Umfang in Baumärkten angeboten.

Standort:
Im Gegensatz zum Ficus würde sich die chin. Ulme im Winter über einen etwas kühleren (10 - 15 Grad) hellen Standort freuen, damit auch eine leichte Winterruhe eintritt. Ansonsten auch hier ein sonniger bis halbschattiger Standplatz.

Pflege:
Düngen im Sommer alle zwei Wochen, im Winter alle vier bis sechs Wochen.

Schneiden der Triebe jeweils auf zwei bis drei Blätter, wobei darauf geachtet werden sollte, dass der Neuaustrieb sich in die Richtung entwickelt, in der das letzte Blatt zeigt. Dadurch kann man allein durch den Schnitt relativ gut gestalten. Im Gegensatz zu anderen Indoors treiben chin. Ulmen auch relativ unproblematisch aus älterem Holz wieder aus. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Baumkrone, soweit vorhanden, zumindest einmal jährlich gelichtet werden sollte, um ein gleichmäßiges Wachstum zu gewährleisten.

Das Umtopfen wird bei jüngeren Pflanzen alle zwei, bei älteren alle drei bis fünf Jahre empfohlen.

Auch hier erfolgt eine Vermehrung relativ unproblematisch über Stecklinge.

Leider ist die chin. Ulme relativ anfällig für Spinnmilben. Hier sollte im Winter besonders bei unerklärlichem Blattabwurf nachgeforscht werden.

Eine Anmerkung noch zur Überwinterung: Chin. Ulmen können leichten Frost vertragen, so dass in gewissen Gegenden (wie hier im Ruhrgebiet) auch eine Überwinterung im Freien möglich ist. Man sollte jedoch zwei Dinge beachten: Zum einen sollte es keine Jungpflanze sein, es sollte also schon etwas "baumähnliches", um nicht zu sagen bonsaiähnliches vorhanden sein, zum anderen sollte man keine chin. Ulme, die erst im Herbst gekauft wurde und sich nicht in Ruhe akklimatisieren konnte, direkt in den Winter schicken....

Ebenso kritisch kann es werden, wenn eine Schönwetterphase mit Sonnenschein und höheren Temperaturen die Ulme zum Austrieb anregt und dann noch einmal eine Minusphase kommt. Hier sollte man sich spätestens überlegen, die Ulme bis zum Frühjahr doch in die Wohnung zu nehmen (genau dieser Ablauf hat mir 2006/2007 eine ziemlich kräftige Ulme gekostet). Wer ob der Unwägbarkeiten auf Nummer sicher gehen will, überwintert drinnen.


Chinesischer Liguster:
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Die typischen Blätter des Liguster

Auch der Liguster ist relativ unproblematisch, was die Haltung als Indoor angeht. Liguster ist schnellwüchsig und damit auch gut für Anfänger geeignet.

Standort:
Es sollte sich um einen hellen Standort handeln. Im Winter sind ähnlich wie bei der Ulme Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad ideal, wobei trockene Heizungsluft nicht optimal ist.

Pflege:
Aufgrund der feinen Blätter und der im Regelfall großen Menge an Blättern ist ein stärkeres Gießen erforderlich, wobei selbstverständlich Staunässe zu vermeiden ist. Gedüngt wird im Sommer in kurzen Abständen (1 bis 2 Wochen, aufgrund des starken Wachstums) im Winter alle 3 bis 4 Wochen.

Die Triebe werden auf ein bis zwei Blattpaare zurückgeschnitten, wobei sich im Regelfall beidseitig neuen Triebe ausbilden.

Das junge Holz lässt sich problemlos drahten. Jedoch sollte aufgrund des starken Wachstums darauf geachtet werden, dass der Draht nicht einwächst (kann im Extremfall bereits nach einem Monat erfolgt sein...).

Umtopfen alle zwei bis drei Jahre (je nach Alter des Baumes).


Junischnee (Serissa foetida):
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Nicht die Blätter einer typischen Serissa. Im Regelfall sind diese vollkommen grün, aber die Form und Größe ist charakteristisch.

Bei der Serissa handelt es sich um einen Indoor, mit dem mich eine Art Hassliebe verbindet. Eigentlich ein Indoor, der alles hat, was man möchte, schön anzusehen, interessante Stammstruktur, und mit schönen Blüten versehen (daher auch der Beiname: Baum der 1000 Sterne). Sie hat nur einen großen Nachteil, sie ist mit Abstand der empfindlichste Indoor, den ich erlebt habe. Sie reagiert auf jeden Pflegefehler sofort, und leider meistens mit dem Absterben der Pflanze (was sich über Wochen ziehen kann, aber selten aufzuhalten ist). Also sollte man als Anfänger unbedingt die Finger von ihr lassen.

Sollte es aber dann doch mal eine Serissa sein (und sei es, weil jemand ein Geschenk gut meinte ? ich kenne das...), folgende Tipps, die aber keine Garantie für das Überleben darstellen.

Standort:
Es sollte ein heller, aber nicht extrem sonniger Standort sein. Im Winter sind kühlere Temperaturen (10 bis 15 Grad) bei hellem Standort sinnvoll. Trockene Luft sollte durch Übersprühen ausgeglichen werden.

Pflege:
Regelmäßiger Rückschnitt auf 1 bis 2 Blattpaare. Ich habe beim Wechsel in das Winterquartier gute Erfahrungen mit einem kräftigen Rückschnitt gemacht, weiß allerdings nicht wirklich, ob ich dieses verallgemeinern kann.

Düngen im Sommer alle zwei, im Winter alle vier Wochen. Umtopfen bei jüngeren Pflanzen alle zwei bis drei, bei älteren 4 bis 5 Jahre.

Und ansonsten heißt es: Daumen drücken....

Jadebaum (Portulacaria afra)
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Der Jadebaum gehört grundsätzlich nicht zu den typischen Bonsai, da er auch eher den Sukkulenten zuzurechnen ist, aber man kann in einem überschaubaren Zeitraum ansprechende Bonsai gestalten. Im Gegensatz zu seinem „großen“ Bruder (Crassula), der auch regelmäßig als Zimmerpflanze genutzt wird, sind hier die Blätter kleiner.

Standort:
Es sollte ein heller, durchaus sonniger Standort sein. Im Winter legt er bei einem kühlen Standort, der durchaus auch schattiger sein kann, eine Winterruhe ein, wobei nach meinen Erfahrungen auch ein Standort am Südfenster bei Zimmertemperaturen unproblematisch ist.

Pflege:
Beim Gießen sollte man an die Nähe zu den Kakteen denken, also dezent gießen, wobei diese Art Bonsai mit Sicherheit auch am unproblematischsten mal eine kurze Trockenphase übersteht. Gedüngt wird während der Wachstumszeit alle zwei Wochen, bei richtiger Winterruhe wird nicht gedüngt, bei Überwinterung in einem warmen Raum alle vier Wochen.

Eine Vermehrung durch Stecklinge (die sich reichlich ergeben) ist unproblematisch. Soweit nicht noch im Aufbau sollte regelmäßig auf ein bis zwei Blattpaare zurückgeschnitten werden. Darüber hinaus ist es kein Problem, im Frühjahr auch zur Gestaltung einen kräftigen Rückschnitt vorzunehmen, da der Jadebaum sehr bereitwillig neu austreibt. Umtopfen alle 3 bis 5 Jahre.

Und als Letztes:
Fukientee (Carmona)
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Mit seinen Blüten und den sich hieraus entwickelnden Blüten ist der Fukientee interessant anzusehen.

Aussehen:
Die Blätter sind klein und oval, dünkelgrün und lederhaft. Er entwickelt kleine weiße Blüten, aus denen sich kleine Beeren entwickeln.

Standort:
Der Fukientee sollte einen hellen Standort besitzen, aber nicht der prallen Sonne ausgesetzt werden (sowohl am Fensterplatz als auch im Freien). Von der Temperatur ist er, ähnlich wie der Ficus, auch im Winter bei Temperaturen oberhalb der 15 Grad anzusiedeln.

Pflege:
Neuaustriebe sollten, sobald sie 8 Blatt erreicht haben, auf zwei Blatt zurückgeschnitten werden. Für das Drahten sind die Bäume nicht so gut geeignet, wobei dieses auch nicht unbedingt erforderlich ist.

Gedüngt wird während des Wachstums und der Blüte alle zwei, ansonsten alle vier Wochen. Umgetopft werden jüngere Pflanzen alle 2, ältere alle 4 Jahre.



Dieses dürften so die typischen (und damit auch meine) Anfänger-Indoors sein, und es sind leider nicht alle so wirklich anfängergeeignet - aber dieses sollte nicht entmutigen, soweit eine Serissa oder ein Fukientee schon vorhanden sind.

Nur bei der Neuanschaffung würde ich mir schon genau überlegen, welchen Indoor ich mir zulege.
Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit.
Beim Universum bin ich mir aber noch nicht ganz sicher
(Albert Einstein)

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