Alterungstechniken bei Bonsai.

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Reiner
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Alterungstechniken bei Bonsai.

Beitrag von Reiner » 20.03.2006, 12:09

von Karl Thier – Beitrag erstellt von Reiner Vollmari

Um einen Bonsai glaubhaft zu gestalten, ist es wichtig, auch Techniken zu beherrschen, die einen Bonsai älter aussehen lassen, als er in Wirklichkeit ist.

Die erste Maßnahme um einen Bonsai älter aussehen zu lassen ist natürlich die Aststellung. Bei jungen Bäumen wachsen die Äste typischerweise nach oben, bei alten Bäumen hängen sie eher nach unten.

Das nächste Merkmal eines alten Baumes sind Verletzungen, die er durch Astbruch, Wind, Hagel, Schnee oder Regen erlitten hat. Verletzungen, die eine zu gestaltende Pflanze bereits besitzt, kann man betonen. Eine ältere Verletzung sieht immer natürlicher aus als eine frisch beigebrachte.

Die einfachste Alterungstechnik ist ein Jin. Ein Jin ist ein entrindeter Ast oder Zweig. Jins werden immer an Ästen oder Zweigen gestaltet, die man bei der Gestaltung sowieso entfernen will. Dabei lässt man ein Stück des Astes stehen und entfernt die Rinde. Danach spitzt man das Astende zu. Ein Jin an einem Ast sollte immer nach unten zeigen. In der Natur bricht meist ein alter Ast und der neigt sich in der Regel nach unten wegen des Gewichts.

Man kann aber auch die Spitze des Baumes zum Jin machen oder neben der entrindeten Spitze einen Ast als neue Spitze aufbauen. Dies ist auf den folgenden Bildern gezeigt.
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Noch einen Schritt weiter geht man bei einem Shari. Bei der Sharitechnik entrindet man einen Teil des Stammes, ausgehend immer von einem Ast. So wie vorher beschrieben wird der Ast entrindet und dann wird ein Rindenstreifen am Stamm evtl. bis zum Wurzelansatz entfernt. Über den Wurzelansatz hinaus, also bis in die Erde sollte das Shari nicht reichen, da sonst die Gefahr des Faulens besteht.

Bei solchen Techniken muss man die Pflanze aber genau studieren und den Saftverlauf kennen und bestimmen können. Ansonsten ist die Gefahr des Absterbens gegeben.

Der nächste Schritt währe ein Sabamiki, ein hohler Stamm. Die Anfangsarbeit ist wie vorher beschrieben, nur wird der entrindete Stamm noch ausgehöhlt. Diese Arbeit kann mit einer Fräse gemacht werden.

Meist wird diese Technik angewendet, wenn der Stamm schon Verletzungen hat und das Holz zum Teil schon faul ist. Dann arbeitet man das faule Holz heraus und vertieft dabei die Verletzung etwas mehr.
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Künstliche Jin.

Es gibt aber auch die Möglichkeit eines künstlichen Jins. Ein künstlicher Jin kommt dann zum Einsatz, wenn die Pflanze, an der man Alterungstechniken vornimmt, zu dünn ist, um einen Ast zu entrinden. Würde man einen dünnen Ast entrinden, so bliebe meist nicht viel Material für einen Jin übrig.

In so einem Fall nimmt man einen Ast oder Zweig der gleichen Pflanze oder einer im Wuchs ähnlichen Pflanze und setzt den bearbeiteten falschen Jin ein. Dazu bohrt man vorsichtig mit einem Handbohrer oder einer Bohrmaschine mit niedriger Umdrehungszahl ein Loch und setzt den falschen Jin ein. Bei einer zu hohen Umdrehung des Bohrers wird das Kambium verschmoren und die Rinde um das Bohrloch stirbt ab.

Um einen dünnen Stamm alt erscheinen zu lassen, kann man einen abgestorbenen Stamm so bearbeiten und mit dem dünnen Stamm zusammenführen, als würde ein Teil der Pflanze abgestorben und aus der Wurzel neu nachgetrieben sein.

Ähnliche Täuschungen macht man bei einer Verheiratung. Dabei nimmt man einen abgestorbenen Stamm und bringt ihn mit einer jüngeren Pflanze zusammen, das ist aber eine andere Geschichte.
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