Anfängerprobleme aus der Sicht eines Anfänger - Starthilfe

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Holger
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Anfängerprobleme aus der Sicht eines Anfänger - Starthilfe

Beitrag von Holger »

von Holger Lanatowitz

Anfängerprobleme - was tun

Nach drei Jahren als blutiger Anfänger (und nach dieser Zeit hat man diesen Status bei weitem noch nicht verlassen) und einer Menge negativer (aber glücklicherweise auch vieler positiver) Erfahrungen rund um Bonsai versuche ich einfach mal, aus der Sicht eines absoluten Anfängers den Wust von Informationen zu ordnen, die leider alle wichtig sind, aber am Anfang doch die meisten hoffnungslos überfordern.

Diese Erfahrungen habe ich alle selber gemacht, aber selbstverständlich kann manches, je nach persönlichen Verhältnissen, auch anders ausfallen, und ich befürchte, dass der eine oder andere Fortgeschrittene bei manchem Punkt auch nur den Kopf schüttelt - aber die Sichtweisen von Anfängern sind nun mal etwas anders - wenn auch nicht unbedingt richtig.


Indoor/Outdoor(oder auch Bonsai für die Wohnung oder draußen)

Unabhängig von den öfter mal heftigen Grundsatzdiskussionen, die zu diesem Thema geführt werden, stellt sich diese Frage dem Anfänger meist nicht, da er entweder eine Zimmerpflanze zu einem Bonsai gestalten will oder seine erste Käufe Indoors sind.

Auch meine ersten Pflanzen (es hat schon seinen Grund, warum ich nicht von Bonsais spreche) waren Ficus, chin. Ulme, chin. Liguster, Fukientee und Serissa, und bei der Kombination kann einem schon schnell die Lust am Hobby Bonsai verloren gehen.

Da bis auf den Ficus und mit Einschränkungen die chines. Ulme und den Liguster die zur Verfügung stehenden Indoors eigentlich für Anfänger nicht geeignet sind (ist meine persönliche Meinung), sollte man sich eigentlich auf die Bäume konzentrieren, die eine Überwinterung im Freien überstehen (so man die Möglichkeit hat, also zumindest einen Balkon besitzt).

Darüber hinaus sollten eigentlich auch alle Indoors von Frühjahr bis Herbst ins Freie, es sind halt keine Zimmerpflanzen. Dabei ist meine Erfahrung, dass selbst der Ficus keine größeren Probleme hat, wenn er rauskommt, wenn dauerhaft die Nachttemperaturen oberhalb von 5 Grad liegen – es wird immer vielfach die 10-Grad-Grenze angepeilt, aber wichtig ist eigentlich die Sicherheit, dass es frostfrei bleibt.

Ach ja, und noch eine Anmerkung zu dem an Anfänger wohl meistverkauften Indoor-Bonsai, der Serissa - damit diese überlebt, reicht nur ein grüner Daumen nicht aus :oops: , also nach Möglichkeit als Anfänger die Finger davon lassen.

Bei den Outdoors hat man auch den Vorteil einer wirklich breiten Palette für jeden Geschmack, und wenn es doch Indoors sein müssen, sollte man mit Ficus, Liguster oder chin. Ulme beginnen, wobei man sich bei letzterer auf einen regelmäßigen Kampf mit Spinnmilben einstellen sollte - den man, wie später ausgeführt, gewinnen kann.


Hintergrundwissen

Für den Einstieg wird vielfach darauf hingewiesen, erst einmal 1, 2, 3 Bücher durchzuarbeiten, um das nötige Grundwissen zu erhalten.

Nach meiner Meinung ist das nicht für jeden der richtige Weg. Zum einen ist nicht jeder der geborene Bücherwurm, der sich durch diese manchmal doch umfangreichen Werke konzentriert durcharbeiten kann, zum anderen habe ich die Erfahrung gemacht, dass gerade zu Anfang die wichtigen Informationen in der Informationsflut eines Buchs fast unauffindbar versteckt sind - oder manches ist gar nicht vorhanden.

In dieser Hinsicht erheblich hilfreicher sind die Internet-Foren zum Thema Bonsai, so wie dieses. Im Bereich Basics findet man viel Hilfreiches zum Einstieg, über die Suchfunktion ergibt sich mittlerweile zu fast jedem Problem ein Hinweis, vom regelmäßigen Mitlesen wächst auch das Wissen mit - und wenn wirklich nichts zu finden ist, einfach fragen.

Nur: erst einmal suchen - wenn immer wieder die gleichen Fragen kommen, die eigentlich schon beantwortet wurden, wundert man sich schnell, warum keine Antwort kommt - oder die Antwort anders ausfällt als erwartet.


Ausgangsmaterial

Natürlich stellt sich dem Anfänger immer die Frage, wie komme ich am besten an gutes Ausgangsmaterial für meine ersten Versuche - bei denen das Risiko sehr hoch ist, dass es zu Anfang schief geht - und da sollten dann doch keine Riesenbeträge verloren gehen.

Fange ich mal mit den berühmt-berüchtigten Baumarkt-Pflanzen an. Bei den angebotenen Bonsai handelt es sich im Regelfall um Indoors, und, um das noch zu steigern, oft genug um Serissa, so dass, um es nett auszudrücken, die Gefahr des Verlustes nicht gerade gering ist.

Wenn man sich doch entscheidet, eine solche Pflanze zu kaufen, sollte man zum einen darauf achten, dass der Bonsai kerngesund aussehen sollte - die Probleme können auch so noch groß genug werden. Auf keinen Fall sollte man als Anfänger einen Bonsai aus Mitleid holen - angeschlagene Liguster, chin. Ulmen oder ähnliches zu retten ist fast hoffnungslos - selbst mit fortgeschrittenem Wissen ist es nicht unbedingt einfach!

Weiterhin sollte man ein Auge auf die Erde werfen. Bonsai, die in Lehm stehen (dieser wird gerne für den Transport der Pflanzen benutzt), müssen unbedingt in vernünftige Bonsai-Erde kommen - besser wäre es, wenn diese von Anfang an schon vorhanden wäre - ein Umtopfen nach dem Kauf vergrößert auch die Probleme. Und man sollte sich nicht zwangsläufig der Illusion hingeben, weil Erde benutzt wurde, gibt es kein Lehmproblem. Manches Mal der Lehm nur unzureichend oder überhaupt nicht entfernt und dann in einer Schale mit Erde aufgefüllt. Und wenn die Wurzeln des Bonsai nicht bereits bis zum Eintreffen im Baumarkt abgestorben sind, spätestens bei uns ist es dann soweit, wenn der Lehm nicht entfernt wird.
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Ein typischer, falscher Mitleidskauf aus dem Baumarkt: Als ich ihn kaufte, war der Liguster gut mit kräftigen Seitenästen an den richtigen Stellen ausgestattet - nur die Blätter kräuselten sich bereits wegen der "guten" Pflege im Baumarkt und der Liguster stand in Lehm. Mittlerweile ist nur noch ein Teil des Stammes als Totholz übrig, und ich konnte mich nur wegen des Neuaustriebes noch nicht dazu durchringen, ihn zu kompostieren...

Eher habe ich im Baumarkt schon mal die Möglichkeit, eine Ausgangspflanze für einen Outdoor günstig zu erstehen. Allerdings sollte man schon einen Blick dafür haben, ob sich aus der jeweiligen Pflanze auch etwas entwickeln kann - meistens über einen kräftigen Rückschnitt, und ob der Wurzelansatz etwas taugt. Auch hier kann ich schnell viel Zeit verschwenden, und schließlich doch damit nicht glücklich werden.

Am anderen Ende der Palette gibt es natürlich den Bonsai-Fachhandel. Leider habe ich auch da schon durchaus nicht nur positive Erfahrungen gemacht, auch wenn es unbestritten die erste Anlaufstelle für vernünftiges Ausgangsmaterial ist. Aber auch dort werden manches Mal für Anfänger gerne Serissas verkauft, auch wenn diese dann doch meistens in einem besseren Zustand als im Baumarkt sind. Aber gestorben in besserem Zustand ist auch tot…

Die teuren Bäume kommen für den Anfänger nicht in Frage, und dann ist allerdings auch schon der eine oder andere Laden am Ende seiner Möglichkeiten.

Aber es gibt glücklicherweise auch im Fachhandel (auch im Versand) die Möglichkeit, für annehmbare Preise 3 bis 5 jährige Pflanzen zum Weiterentwickeln zu erwerben - und das dürfte mit Sicherheit ein guter Einstieg sein.

Was bleibt noch zu erwähnen? Eine durchaus gute Möglichkeit sind Baumschulen,wo man gut in einem großen Sortiment von Jungbäumen auswählen kann - mit Sicherheit eine lohnenswerte Möglichkeit.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, über Aussaat/Stecklinge selbst Bonsai heranzuziehen. Allerdings ist das nur etwas für Leute mit viiiel Geduld - denn bis etwas Sichtbares in Richtung Bonsai entsteht, gehen mit Sicherheit 10 Jahre ins Feld - aber wenn einem das Motto: Ich bin ja jung, ich kann warten nicht fremd ist, kann man diese Bäume von Anfang an begleiten und gestalten. Man hat hier, wenn die Zeit da ist, einen großen Vorteil: Man kann von Anfang an Einfluss auf die Richtung nehmen, die ansonsten teilweise schon kaum noch abänderlich vorgegeben ist.

Und als Letztes bleibt noch die freie Natur - allerdings ist hier für Anfänger aus vielen Gründen Vorsicht angebracht.

Zum Einen - so ohne Genehmigung einen noch so kleinen Baum in der freien Natur auszugraben, kann ein sehr teures Vergnügen werden - es ist im Regelfall schlicht und einfach verboten. Eine Genehmigung zu bekommen ist meistens gar nicht die große Schwierigkeit, die besteht eher darin, einen Ansprechpartner zu finden.

Darüber hinaus ist es bei vielen klein aussehenden Bäumen gar nicht so einfach, diese so zu bergen, dass sie es überleben. Deswegen sollte dieses besonders bei älteren Bäumen den Fortgeschrittenen vorbehalten sein.

Und man sollte sich keinerlei Illusionen darüber machen, welches Wurzelwerk bereits kleinere Bäume entwickeln – es kann eine ordentliche Plackerei sein, und bei den unvermeidbaren Wurzelschäden ergibt sich halt das Problems des Überlebens – wenn man keine Erfahrung mit der Bergung hat. Auch der Zeitpunkt ist entscheidend, die meisten Jahreszeiten eignen sich nicht oder nur sehr eingeschränkt, und der optimale Zeitpunkt kann auch je nach Art unterschiedlich sein.

Allerdings, wer einen Garten sein Eigen nennt (oder jemanden kennt, der jemanden kennt) wird feststellen, dass dort an einheimischen Bäumen einiges austreibt - man sollte ihnen nur zwei, drei, vier Jahre Zeit geben sich zu entwickeln, bevor sie dann ausgegraben werden.


Erde

Für mich eines der größten Probleme war vernünftige Bonsai-Erde zu bekommen. Vieles, wo dieses drauf steht, ist eigentlich diesen Namen nicht wert.

Eines der wichtigsten Kriterien dürfte die Durchlässigkeit der Erde sein (also für absolute Frischlinge: Keine Blumenerde!), was im Regelfall durch einen mehr oder weniger großen Anteil an Gestein (Bimskies o.ä.) erreicht wird. Hier stellt sich dann wirklich die Frage, ob sich ab einer gewissen Menge an Pflanzen das Selbermischen nicht lohnt ("Kochrezepte" findet manhier und hier).

Also, wie gesagt, die Bonsai-Erde sollte einen gewissen Gesteins-Anteil aufweisen. Darüber hinaus ist es für Anfänger beim Umtopfen sehr hilfreich, als unterste Schicht eine Art Drainage anzulegen, um auch das Problem der Staunässe zu umgehen - ich habe ganz gute Erfahrungen mit Seramis gemacht. Wahrscheinlich erfüllt eine feine Schicht Kies auch diesen Zweck. Dabei ist Staunässe nicht nur ein Problem des vielen Gießens, sondern auch ein Problem der Anfängerschalen. Leider haben viele Schalen, die bei den gekauften Bonsai dazugehören oder die man für billiges Geld kaufen kann, das Problem, dass zum Rand hin Vertiefungen (manchmal so auf den ersten Blick nicht erkennbar) ohne Ablaufmöglichkeit vorhanden sind, in denen sich dann Wasser sammelt. Hier ein guter Tipp, der an anderer Stelle gegeben wurde: Leere Schale auf einen eben Untergrund stellen, Wasser hineingießen – und wenn das Wasser nicht vollständig abfließt, dann hat man halt ein Problem...

Man kann natürlich auch dieses Problem umgehen, indem man eine Substratmischung wählt, die kaum oder keinen Anteil an Humus/Torf enthält. Das ist der Vorteil, das überschüssige Wasser fließt ohne Widerstand durch. Aber Vorsicht, je nach Jahreszeit und Sonneneinstrahlung kommt man dann mit täglich einmal Gießen nicht mehr aus - und wer hat dafür schon immer Zeit und Möglichkeit.
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Die "Dicke" der Drainage hängt natürlich ganz von der Größe der Bonsai-Schalen ab. Bei größeren Gefäßen kann sie ruhig höher ausfallen, zumindest wenn man Seramis nimmt, da es durch die Eigenschaften der Speicherung von Feuchtigkeit in trockenen Zeiten auch ein kleines Zeitpolster bzgl. des Gießens einräumt - man sollte sich allerdings keine Illusionen machen, dass dieses Polster übermäßig lange reicht.

An dieser Stelle dann aber auch ein Wort zum Zeitpunkt des Umtopfens. Im Regelfall sollte das Umtopfen nur im Frühling erfolgen. Für Anfänger gibt es eigentlich nur zwei Ausnahmen: Baumarkt-Bonsai in Lehmerde - diese müssen davon befreit werden, egal zu welcher Jahreszeit, sonst haben sie keine Chance. Man muss allerdings genau darauf achten, dass die feinen Wurzeln nicht beschädigt werden - also am besten mit viel Wasser einweichen.

Die zweite Ausnahme wäre, wenn sich ein Baum im Laufe des Jahres aus einem Gefäß herausdrängt, weil die Wurzelbildung so stark war. Dann allerdings sollte der Baum komplett mit seiner Erde in eine größere Schale kommen - und die Erde lediglich aufgefüllt werden - nun ja, man kann da nicht wirklich von Umtopfen sprechen.

Und im Frühjahr vertragen die Pflanzen dann relativ problemlos den notwendigen Wurzelschnitt - allerdings sollte man sich bis zum nächsten Frühjahr über das entsprechende Stichwort informieren, was alles zu beachten ist. Und gerade zu dem Wurzelschnitt auch eine Anmerkung für Anfänger: Es wird gerne auch mal darauf hingewiesen, dass ein Drittel bis zur Hälfte der Wurzelmasse beim Wurzelschnitt fallen können… Vorsicht, diese Regeln betreffen fortgeschrittene Bonsai, und dann zum Teil bestimmte Arten, und selbst da habe ich mittlerweile schon andere Meinungen gehört. Bei Anfängerbäumen sollte ich mich darauf beschränken, abgestorbenes Wurzelwerk, störende Wurzeln (wenn es eine Hauptwurzel ist ggfls. in Etappen) und die Wurzelspitzen zu entfernen.


Gießen/Feuchtigkeit

Neben der Erde - und auch bedingt durch die Erde - stellt sich die Frage, wann der richtige Zeitpunkt zum Gießen ist - und wie es am Besten geschieht.

So als Einstieg ist wohl der Hinweis angebracht, dass wahrscheinlich mehr Bonsai (und wohl auch Zimmerpflanzen) bei Anfängern verstorben sind, weil sie zu viel (und nicht so sehr - wenn es durchaus auch ein Problem ist - zu wenig) Wasser erhalten haben.

Als Faustregel dürfte gelten, wenn die Oberfläche angetrocknet ist (nicht: die Erde ausgetrocknet ist!) ist Gießen angesagt. Für Anfänger deshalb eher ungeeignet ist dabei Moos als Oberflächenbedeckung, da diese Feststellungen dann nur sehr schwer zu treffen sind.

Es gibt dann natürlich noch Tipps wie z.B. den Zahnstocher in der Erde, dem man die Feuchtigkeit ansieht oder auch anderes, ein bisschen muss hier jeder seinen eigenen Weg finden.

Und wie gieße ich am besten? Ich habe angefangen mit dem Tauchen (bis über die Erde in ein Gefäß mit Wasser und warten, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen). Hier wird aber die Erde im Laufe der Zeit doch ziemlich verdichtet, weil die feine Erde ausgespült wird - eher nicht zu empfehlen.

Gießkanne - nun ja, aufgrund der Gefäße auch nicht immer perfekt, insbesondere bei kleineren Pflanzen und Indoors.

Ich habe in dieser Hinsicht gute Erfahrungen mit Druck-Sprühflaschen (meine stammen für billig Geld von Aldi) in Verbindung mit der Gießkanne gemacht - auch eine gute Sache, wenn die Bäume z.B. durch überdachten Balkon (oder natürlich insbesondere auch bei Indoors) nicht direkt im Freien stehen und dadurch der Regen diese nicht erreicht. Hin und wieder Übersprühen wirkt kleine Wunder - und Indoors hilft es, den Winter zu überbrücken und Spinnmilben zu vermeiden. Also obere Schicht anfeuchten und dann gut gießen, bis unten das Wasser rausläuft. Es ist eine große Falle, eine angetrocknete Pflanze nicht gut zu gießen, man läuft schnell Gefahr, dass nur die obere Hälfte der Erde durchfeuchtet – eine tödliche Falle für die Wurzeln.


Düngen

Fehlendes Düngen führt zum langsamen Tod der Bonsai. Das ist allerdings auch nicht verwunderlich, wie soll der Baum auch aus der wenigen Erde genügend Nahrung erhalten. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, zu viel Dünger oder Dünger zum falschen Zeitpunkt kann zum sofortigen Exitus führen.

Falscher Zeitpunkt:
Nach dem Umtopfen, und besonders wenn die Wurzeln mehr oder weniger zurück geschnitten wurden, sollte man dem Bonsai zwei Wochen ohne Dünger gönnen. Für diese Zeit reicht auch die neue Erde aus, um die benötigten Nährstoffe sicherzustellen (Einschränkung: Man arbeitet nicht mit Bonsai-Erde – es gibt gerade für fortgeschrittene Bäume Mischungen, die keine Anteile Erde im klassischen Sinn enthalten. Da gibt es keine Nährstoffe, die der Baum erst einmal aufnehmen könnte - und entsprechend ist sofortige Düngung notwendig).

Ansonsten hängt es von der Art des Düngers ab, wie oft gedüngt wird, Düngerkugeln werden ersetzt, wenn sie sich aufgebraucht haben, Flüssigdünger zumindest alle zwei Wochen, und ich persönlich nutze eine Art Streu-Dünger, der sich durch das Gießen auflöst und wie der Flüssigdünger alle 1 - 2 Wochen zum Einsatz kommt. In der Hinsicht hat es sich auch bewährt, zwei verschiedene Dünger im Wechsel einzusetzen.

Dieses gilt in der Wachstumsphase vom Frühjahr bis September, danach sollten die Pflanzen, die im Freien überwintern, zur Ruhe kommen, bei den Indoors, die so im Oktober in die Wohnung kommen, sollte je nach Ort (Winterruhe: keine Düngung, warme Überwinterung: alle vier Wochen) gedüngt werden.

Zum Dünger selbst bleibt wohl festzustellen, dass es für Anfänger relativ egal ist, womit er düngt - Hauptsache er düngt -bis auf eine Ausnahme, jedenfalls hatte ich damit meine geregelten Probleme.

Organischer Dünger ist scheinbar insbesondere bei Jungpflanzen mit Vorsicht zu genießen. Ich hatte im letzten Jahr aufgrund einer Empfehlung in diesem Forum es mit entsprechendem organischem Dünger versucht. Mal abgesehen davon, dass es aufgrund des Geruchs und der dazugehörigem Schimmelbildung vielleicht nicht jedermanns Sache ist, bekam es einigen meiner jüngeren Pflanzen nicht sehr gut - war vielleicht zu viel des Guten, ohne dass mir bewusst wäre, dass ich übermäßig viel Dünger verwendet hätte.

Allerdings gibt es bzgl. organischen Düngers eine kostenlose und unproblematische Möglichkeit - soweit man ein Aquarium sein Eigen nennt. Das Wasser ist immer gut angereichert mit organischem Dünger - und wenn man keine Fische sein Eigen nennt - eine Wasserschildkröte reichert das Wasser auch ganz gut an, und dieses Wasser bekommt den Pflanzen ausnehmend gut.


Schneiden

Einer der Bereiche, in denen man als Anfänger eigentlich nur alles falsch machen kann, ist das Schneiden der kleinen Bäume. Entweder man hat zu viel geschnitten, oder man hat zu wenig geschnitten, im Zweifelsfall natürlich das Falsche - und wer jetzt erwartet, dass ich die ultimativen Tipps fürs Schneiden habe - der irrt natürlich, Es gibt sie nicht.

Aber es gibt ein paar Sachen, die man beachten sollte. Grundregel ist natürlich, was einmal ab ist kommt nicht mehr dran. Klingt einfach, ist es aber nicht. Wenn ich meinen neuen Baum habe, dann will ich sofort gestalten, er soll ja toll werden, und dazu muss ich - ihn erst einmal in Ruhe lassen.

Natürlich habe ich Ideen, wenn ich den Bonsai gekauft habe (sonst hätte ich ihn ja nicht gekauft), aber wer sagt mir, dass die Ideen, die ich habe, die einzigen Möglichkeiten sind. Es gibt vielleicht mehrere Möglichkeiten, und die Beste habe ich noch nicht gesehen.

Wenn man den Bonsai ein, zwei, drei Monate in Ruhe lässt (gibt ihm vielleicht auch Gelegenheit, sich erst einmal zu akklimatisieren) und sich nicht jeden Tag vor ihn stellt, merkt man, dass sich der Baum in Gedanken entwickelt - es fällt leichter, in ihm das zu erkennen, was er eigentlich sein soll ein kleiner Baum und keine Zimmerpflanze, und wenn man den Baum erkennt, dann ist man auf dem richtigen Weg. Manches Mal ist es auch notwendig, eine Wachstumsperiode zu warten – im Winterkleid ohne Blätter kann ich die Strukturen des Baumes viel besser erkennen.

Damit zu dem nächsten Punkt, der erst einmal dazu genau gegenteilig erscheint: Der Anfänger schneidet viel zu wenig - beim Erstschnitt. Hierbei rede ich nicht von schon halbwegs entwickelten Bonsai, die man so im Fachhandel gekauft hat, sondern von den Sachen, die man oftmals zu Bonsai entwickeln möchte - die ursprüngliche Zimmerpflanze, das Bäumchen aus dem Garten oder die Rohpflanze aus dem Gartencenter.

Hier ist in der Regel radikalstes Kürzen angesagt, der Hauptstamm und - vielleicht - ein, zwei Seitentriebe, wenn sie zu einem späteren Gesamtbild passen, und gut ist. Und dann - dann habe ich doch einen Stumpf, der hat doch so überhaupt nichts mit Bonsai zu tun?

Das wird schon, Geduld muss man schon haben. Nur eines ist hier besonders wichtig: Solche Kürzungen sollten grundsätzlich im Frühjahr erfolgen, damit der Baum gut und lange neu austreiben kann (Übrigens, bei einem Ficus, der mal eine Zimmerpflanze war, ist im Zweifelsfall immer eine brutal-radikale Lösung angesagt, da bleibt im Zweifelsfall bis auf den Hauptstamm in der richtigen Höhe nichts übrig - macht aber nichts, zwei Monate in der Frühlingssonne, und der treibt wie verrückt wieder aus).

Hier sind wir schon beim nächsten wichtigen Punkt, dem Schneiden dicker Äste am Hauptstamm. Auch hier darf ich nicht zaghaft sein, hier muss ich immer leicht in den Hauptstamm hineinschneiden - und dafür benötige ich eine Konkavzange. Wenn ich das nicht mache, habe ich hier unweigerlich einen Knubbel, der sich noch vergrößert und mich später tödlich ärgern wird. Ich weiß, wovon ich rede, leider habe ich das am Anfang falsch gemacht (weil ich den Baum ja nicht so verletzen wollte), und kämpfe noch heute mit den Folgen. Nach dem Schnitt Wundknete drauf und gut ist (beim Ficus kann man sich im Regelfall auch die Wundknete sparen).

So, und was habe ich jetzt noch vergessen - ach ja, auch beliebt bei allen Anfängern. Ich schneide und schneide und schneide, jeder Neuaustrieb wird eingekürzt (schließlich steht ja auch in den Lehrbüchern, auf drei Blätter oder so zurückschneiden?).

Das ist richtig, wenn ich einen ausgewachsenen Bonsai habe und noch ein bisschen Feinverzweigung aufbauen will - oder entsprechend bei einem schon gut entwickelten Ast Feinarbeit betreibe.

Im Regelfall jedoch muss sich der Stamm noch entwickeln, müssen sich die Äste noch entwickeln (sprich jeweils an Dicke zulegen) und das geht nur, indem ich die Neuaustriebe lang austreiben lasse, so lang, dass mein Baum zwischendurch jedem Punker Konkurrenz machen kann. Und dann schneide ich diese langen Triebe ordentlich zurück - auf diese Art und Weise habe ich vielleicht zwei oder drei Schneideaktionen pro Jahr in der Anfangsphase (wenn überhaupt). Und zu diesen Schneideaktionen gibt es grobe Orientierungspunkte, an die man sich halten kann. Der erste Schnitt erfolgt im Frühjahr vor dem Neuaustrieb, nach Möglichkeit kurz vorher, so dass man anhand der Knospen erkennen kann, wo vielleicht durch Winterschäden schneiden oder nicht angesagt ist. Es ist auch der richtige Zeitpunkt, um den werdenden Bonsai wieder in Form zu bringen.

Der zweite Zeitpunkt ist Anfang Juni, wenn die Neuaustriebe sich kräftig entwickelt haben. Der Baum schiebt noch einmal Knospen, die zwar nicht mehr so kräftig austreiben, aber noch einen zweiten Wachstumsschub beinhalten.

Auf keinen Fall sollten nach August noch große Schnittaktionen vorgenommen werden. Der Bonsai fängt dann irgendwann an, Kraft für den Winter zu sammeln – und da wäre es vollkommen kontraproduktiv, wenn durch Rückschnitte noch neue Austriebe angeregt würden.

Und abschließend auch noch ein Wort, weshalb kräftige Austriebe bei jungen Bonsai nicht nur wichtig sind für eine Entwicklung des Stammes. Verbunden mit einem kräftigen Neuaustrieb entwickelt sich, sozusagen Hand in Hand, ein kräftiges Wurzelwerk, das nun mal das A und O eines gesunden Bonsai ist.


Sonstiges

Was wäre sonst noch wichtig? Nun ja, man kann viel Geld für das richtige Werkzeug ausgeben - nicht, dass es das nicht wert wäre, aber für den Anfänger dürfte eine Nagelschere für die Feinarbeiten und eine Konkavzange für die gröberen Arbeiten erst einmal ausreichend sein.

Am Anfang gehört auch erst einmal eine gehörige Portion Mut dazu, die Frischlinge so kräftig zurückzuschneiden, wie es nötig ist - der Mut wird aber in der Regel belohnt.

Ein Problem sind natürlich auch Schädlinge - es gibt sicherlich für alles ein passendes Mittel aus der Chemie, aber man sollte sich überlegen, ob es immer gleich Gift sein muss. So ist z.B. bei Spinnmilben (im Winter warm gehaltene Pflanzen, besonders chin. Ulmen sind ein beliebtes Opfer) eine höhere Luftfeuchtigkeit z.B. durch tägliches Übersprühen eine gute Vorbeugung. Und wenn es doch mal ein Problem mit Spinnmilben geben sollte, habe ich gute Erfahrungen mit einer Neemöl-Lösung gemacht - zweimal im Abstand von 7 Tagen gesprüht, und die Spinnmilben sind Geschichte - wenn in der Zwischenzeit auf die ausreichende Luftfeuchtigkeit geachtet wird. Und ansonsten, wenn der Bonsai schon ordentlich geschwächt ist oder die Spinnmilben hartnäckig sind, gibt es entsprechende Mittel gegen Spinnmilben im Fachhandel - aber darauf achten, dass es auch das richtige für Spinnmilben ist. Die "normale" Chemie gegen Läuse passt nicht.

Und was gehört noch unter Sonstiges, eigentlich das Wichtigste in Sachen Bonsai, was eigentlich direkt am Anfang stehen müsste: Geduld.

Für Bonsai braucht es eine Menge Geduld (wie heißt es hier so richtig: Ungeduld tötet den Baum!). Und das sollte man wirklich nicht unterschätzen. Da kommt es nicht auf Tage, Wochen oder Monate an, da sind Jahre und Jahrzehnte gefragt.

Als vereinsmäßiger Schachspieler glaubte ich immer, sehr viel Geduld zu besitzen - für Bonsai war es zu Beginn immer noch zu wenig.

Man ist versucht alles gleichzeitig zu probieren, was man hört oder liest, vom Drahten übers Abmoosen bis zum Gestalten der Bonsai (zu einem im Regelfall erst einmal immer viel zu frühen Zeitpunkt?!).

Natürlich ist jedes dieser Themen interessant, aber jedes ist ein Bereich, auf den man sich im Einzelnen konzentrieren sollte, um Erfahrungen zu sammeln. Dabei gibt es allerdings nichts Wichtigeres als erfahrene Ansprechpartner, sei es im Arbeitskreis, im Bekanntenkreis oder halt im Internet. Diese können einem die graue Theorie manches Mal farbig ausgestalten, so dass man es auch als Anfänger verstehen kann.

Ach ja, und ein Wort zum Abschluss zu den Ansprüchen, die jeder an seine Bonsai stellen sollte: Bonsai ist erst einmal das, was mir selbst gefällt. Gerade als Anfänger ist es nicht sinnvoll, mir sofort die faszinierenden Bäume der Profis als Ziel vorzunehmen - ich sollte einfach nur das Beste aus dem machen, was ich habe - und damit für mich selbst zufrieden sein.

Allerdings kann ich dabei dann nicht erwarten, dass ich mit einem zweijährigen Sämling Szenenapplaus der Profis erhalte - aber vielleicht mal zwanzig Jahre später?
Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit.
Beim Universum bin ich mir aber noch nicht ganz sicher
(Albert Einstein)
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