Akadama - zerbröselt

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Lenhart
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Akadama - zerbröselt

Beitrag von Lenhart » 14.09.2018, 16:20

Ganz kurze Frage: ist es normal, dass man feuchtes Akadama zwischen den Fingern zerbröseln kann oder bin ich da an was billiges geraten?
Irgendwann habe ich mal was von „gebranntem“ Akadama gelesen.

Was gibt es da für Unterschiede?

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mydear
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Re: Akadama - zerbröselt

Beitrag von mydear » 14.09.2018, 16:23

Früher oder später bröseln sie alle, egal ob sie doppelt gebrannt oder normale Qualität haben. Nauf jeden Fall niemals feucht lagern.

Grüße
Rainer

Lenhart
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Re: Akadama - zerbröselt

Beitrag von Lenhart » 14.09.2018, 16:29

Das was ich habe ist 1 Monat in Gebrauch und ich habe jetzt zufällig gemerkt, dass ich das zerbröseln kann.
Okay, dann ist das halt so und kein Zeichen von billiger Qualität. Dann muss ich etwas beimischen, was strukturstabil bleibt...
Danke

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Heike_vG
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Re: Akadama - zerbröselt

Beitrag von Heike_vG » 14.09.2018, 17:55

Hallo, Ihr Lieben,

seit einigen Jahren wird Akadama von manchen Leuten geradezu verteufelt. Das halte ich nicht für gerechtfertigt, denn bei richtiger Handhabung ist es ein hervorragendes Substrat, mit dem nicht nur in Japan sehr viele Bonsaianer beste Ergebnisse erzielen. Ich benutze es selbst auch seit vielen Jahren und sehe keine Veranlassung, etwas anderes zu nehmen.
Zu bedenken ist:

1. Eine harte Akadama-Qualität zu kaufen zahlt sich aus. Kostet vielleicht 2 Euro mehr pro Sack.
2. Beim Umtopfen das Akadama nicht zu fest andrücken und nicht zu wild mit Stäbchen stochern, also nicht gleich mutwillig die Körnchen zerdrücken.
3. Frostfreie Überwinterung (Kalthaus) schützt vor frostbedingtem Zerfall der Körnchen.
4. Wenn man alle 2 - 3 Jahre oder jedenfalls nicht wesentlich seltener umtopft, kriegt man eh kein Problem durch zerfallendes Akadama, das dauert länger.
5. Die Substratoberfläche ist zuerst betroffen, wenn das Akadama zerfällt und verdichtet. Man kann die Substratoberfläche abtragen und durch frisches Akadama ersetzen, so dass das Problem bis zum nächsten Umtopftermin weitgehend behoben oder wenigstens entschärft ist.
6. Selbst wenn das Akadama schon zerfallen und verdichtet ist (findet man z.B. manchmal vor, wenn man einen importierten Baum kauft, der sehr lange nicht umgetopft wurde), funktioniert es in der Regel trotzdem noch erstaunlich gut und die Bäume geraten nicht gleich in Schwierigkeiten. Wenn das Wasser nicht gut einsickert, kann man aus Klebeband o.ä. einen erhöhten Schalenrand anbringen, oder mit einem Schaschlikspieß Löcher in den Wurzelballen stechen, in denen das Wasser einsickern kann. So kann man eigentlich immer die Zeit bis zum Umtopfen noch gut überbrücken.

LG, Heike
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Markus_56
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Re: Akadama - zerbröselt

Beitrag von Markus_56 » 15.09.2018, 16:37

Das (aktive) zerbröseln ist eine der wichtigen Eigenschaften von Akadama. Gewünscht ist, dass die feinen Wurzeln das Röhrchensystem (kommt nur bei Akadama vor) durchziehen und beim Verdicken den Tonbrösel zerteilen und sich dann in feinere Wurzelhaare verzweigen. Wird Akadama gebrannt, verliert es diese Eigenschaft. Ebenso leidet beim Brennen die Fähigkeit von Akadama, Nährstoffe für Pflanzen zu speichern und wieder abzugeben. Akadama, wie es in Japan benutzt wird, ist ungebrannter Ton. Unerwünscht ist der Zerfall durch Witterungseinflüsse (anhaltender Regen, Frost bei Sättigung mit Feuchtigkeit usw.). Dagegen hilft eine Schicht aus Moos, welche die Lebensdauer stark erhöht und auf Akadama leicht zu kultivieren ist. Eine Düngung mit mineralischen Düngern beschleunigt den Zerfall von Akadama stark, weshalb üblicherweise nur organischer Dünger verwendet wird.

Gruß
Markus

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Re: Akadama - zerbröselt

Beitrag von Heike_vG » 15.09.2018, 18:14

Es stimmt, dass der Wurzelballen sehr fein werden kann in Akadama. Allerdings habe ich mit dem harten Akadama in all den Jahren überhaupt keine schlechten Erfahrungen gemacht.
Ob es wirklich gebrannt wird, würde ich wirklich gerne mal wissen, es hat ja mal dieses alte Missverständnis gegeben durch Leute, die nicht richtig Englisch konnten und "Double line brand" mit "doppelt gebrannt" übersetzt haben, anstatt "die Marke mit der doppelten Linie" (zwei rote Linien auf dem Sack).
Moos wächst von alleine sehr gut auf Akadama, ich nehme es aber im Herbst vor dem Einwintern üblicherweise ab, wenn die Schicht sehr dick wird und wie ein nasser Schwamm auf dem Substrat liegt. Im Winter finde ich es wünschenswert, dass das Substrat besser mal abtrocknet und dass man - ohne Moos - die Feuchtigkeit auch besser überprüfen kann.
Zusätzlich zum organischen Dünger nehme ich seit vielen Jahren auch mineralischen Flüssigdünger (Wuxal) und konnte nur positive, keine negativen Auswirkungen auf die Bäume feststellen. Meiner Ansicht nach hat der mineralische Flüssigdünger keine Auswirkungen auf den Körnchenzerfall gezeigt.

LG, Heike
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Marco_H
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Re: Akadama - zerbröselt

Beitrag von Marco_H » 16.09.2018, 09:41

Wie Markus richtig schreibt ist Akadama nicht "gebrannt". Das kann man auch sehr leicht erkennen, wenn man sich einen Sack mit Akadama genau anschaut: darin befinden sich häufig auch noch kleine, unveränderte organische Reste, z.B. Wurzelstückchen. Soweit ich erfahren habe, hätte Akadama - wäre es wirklich gebrannt - auch eine andere Farbe und würde seine positive Eigenschaft der Fähigkeit zur Nährstoffspeicherung CEC verlieren.

Wie Heike habe ich auch nur gute Erfahrungen mit Akadama gemacht, wenn es richtig verwendet wird! Und ich werde es wohl beibehalten, solange ich nichts adäquates und billigeres finde.
Gruß aus dem Westerwald

Marco

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