Guten Morgen,
Andreas Ludwig hat geschrieben:Thierry - natürlich, gerne! Vielleicht hats schon jemand gemerkt - bei Eiben bin ich sehr diskret. Ich habe das am Grab derer versprochen, die ich abgemurkst habe.
Ja, habe ich gemerkt, und das ehrt dich !
Aber Andy, du vergisst etwas : im Gegensatz zu 90% (?) der User/innen, die hier im Forum nach Hilfe suchen, beherrschst du die "Grundprinzipien der Bonsaikultur" perfekt. Und ich rede nicht nur von "Allgemeinwissen" sondern auch von Erfahrung (aus der du sehr viel gelernt hast). Und das reduziert das Risiko beträchtlich ! einen Fehler zu machen.
Wie Walter sehr zutreffend bei der Baumbesprechung in Saarwellingen sagte : Wir (die kleine Bäume pflegen) müssen nicht nur verstehen, wie ein Baum wächst (Photosynthese, usw), wie er gedeiht (Rolle von Licht, Wasser, usw), wie er auf jene Technik reagiert (Wurzelschnitt, usw), oder die Zusammenhänge, sondern wir müssen das viel besser als jeden qualifizierten Gärtner wissen !
Und nicht nur wissen, sondern aus eigener Erfahrung verstehen denn, was wir mit unseren Bäumen versuchen zu machen geht weit darüber hinaus, was 99% der Gärtner mit ihren Bäumen machen :
- wir wollen einen sehr stark wachsenden/vitalen Baum in einem kleinen Volumen (erster "Paradox" für Laien und was 99% der Gärtner niemals in ihrem Leben machen/kennen werden denn sie gehen von anderen Maßstäben aus, als wir...)
- wir müssen sehr schnell handeln können wenn ein Problem auftritt (Befall von irgendeinem Pilz oder von Ungeziefer) weil das ganz andere Konsequenzen hat als bei einem 5m-Baum... (kleiner Lebensraum = schnell, sicher u. gezielt handeln)
- wir müssen die "Apikaledominanz" verstehen u. sie in die Gestaltung einbeziehen weil wir sonst keine schöne Verjüngung erreichen weil zB dann die unteren Äste mit den Jahren von den oberen Ästen dominiert werden
Und ich könnte noch eine Stunde so weiter machen...
Verstehst du worauf ich hinaus will ?
Ich verstehe deine vorsichtige Haltung bzgl. Eiben (bei denen du bisher noch keine gute Erfahrungen hattest) : wir werden eben vorsichtiger.

Aber mit deinen Ratschlägen machst du zu mindestens 95% nix falsch, ob jetzt bei Eiben oder egal welche andere Frage im Forum, weil eben die enorme Mehrheit das nicht beherrscht, was du perfekt beherrscht (was ich "Grundprinzipien der Bonsaikultur" nannte, obwohl mir dieser Begriff nicht gefällt, weiß aber nicht wie ich das nennen könnte).
Andreas Ludwig hat geschrieben:Ist schon so, Anja, war mir auch sehr bewusst. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass durch Streuung irgendwann Allgemeinwissen entsteht...
Da bin ich leider nicht so optimistisch...
Ich denke, im Gegenteil, dass Anhand der allgemeinen Dekadenz von Allgemeinwissen in unserer Gesellschaft, das genauso in unserem Hobby ist...
Andreas Ludwig hat geschrieben:
Nachtrag:
stereotyp - gehen wir nochmals zu deiner Frage nach Reduktion der Blattmasse. Gut daran wäre, dass es wie erwähnt die Verdunstungsfläche reduziert. Schlecht daran wäre, dass da oben die Energie produziert wird (Photosyntheseprodukte), die den Baum ernähren (jetzt wissen wir, wo Schnuffi das Futter holt!). Deine Idee ist darum schon richtig, besonders bei einem grossblättrigen Ahorn, du musst nur Mass halten. Die grössten, unteren Blätter kannst du abhauen. Aber nicht die Triebspitzen und nicht mehr als vielleicht einen Drittel bis die Hälfte, ja keinen Battschnitt machen!
Auch von mir ein Nachtrag an Stereotyp :
Was Andy dir damit erklärt ist viel subtiler als es aussehen mag (der Anschein trübt) : 1. Zentrale Rolle der oberen Blattmasse im Wachstum eines Baumes ; 2. Rolle der sogenannten Triebspitzen ; und einiges mehr...
stereotyp hat geschrieben:Jetzt sieht es aber leider so aus, als würde er eingehen. Blätter (Zweige hat er noch nicht) fallen zusammen (werden nicht braun) und hängen kraftlos hinunter.
Wenn die Blätter bei einem Ahorn runterhängen heißt das einfach das er durstig ist. Ahorne reagieren sehr schnell darauf und zeigen dir wann sie durstig sind (=großer Vorteil von Ahorne). Deshalb, wenn du viel an den Wurzeln gemacht hast, musst du ihm sein Wasser auf einer anderen Art geben : beispielsweise durch sehr regelmäßiges Besprühen, direkte Sonne vermeiden, usw. Aber ich denke mit den vielen Ratschlägen/Tipps (siehe oben) die dir gegeben wurden, weißt du genau was zu tun ist.
