Im letzten Jahr hab ich einen dicken Strunk dieses Strauches aus dem Grünabfall gerettet und eigentlich vor, daraus einen Bonsai auf zu bauen.
Jetzt hab ich eine Bemerkung im Kopf zu dem Schmetterlingsflieder, Sommerflieder, Schmetterlingsstrauch oder Fliederspeer also der Buddleja davidii im Threat "Fachbegriffe ja oder nein" - ich weiß leider nicht mehr von wem sie kam - dass dieser Strauch völlig ungeeignet sei für Bonsai.
Hat jemand von euch Erfahrung damit ? Lohnt es sich oder nicht ? Welche Probleme treten auf und welche sind schlecht lösbar oder nicht oder doch ? Hat jemand schon einmal einen solchen Strauch zum Bonsai gestaltet gesehen ?
saludos
avicenna
Wer hat Erfahrung mit Buddleja davidii ?
- bock
- Freundeskreis
- Beiträge: 5411
- Registriert: 25.02.2009, 14:20
- Wohnort: EU, D, S-H (z.Z. Langenhorn)
Re: Wer hat Erfahrung mit Buddleja davidii ?
moin Dietmar,avicenna hat geschrieben:...
Jetzt hab ich eine Bemerkung im Kopf zu dem Schmetterlingsflieder, Sommerflieder, Schmetterlingsstrauch oder Fliederspeer also der Buddleja davidii im Threat "Fachbegriffe ja oder nein" - ich weiß leider nicht mehr von wem sie kam - dass dieser Strauch völlig ungeeignet sei für Bonsai.
...
das war Andreas Ludwig auf der dritten Seite
http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... 30#p250622
liebe Grüße Andreas
Ein Leben ohne Bonsai ist möglich - aber völlig sinnlos!
besucht mich auf flickr
Ein Leben ohne Bonsai ist möglich - aber völlig sinnlos!
besucht mich auf flickr
Re: Wer hat Erfahrung mit Buddleja davidii ?
Hallo bock,
genau, danke für den Hinweis ...
Ich denke da an ein feines Drahten der neuen Triebe bereits im Stadium der frühsten Entwicklung, an ein fortwährendes Pinzieren, an ein gezieltes wachsen lassen von Blütenruten, an ein völlig frostfreies Überwintern oder ähnliches. Vielleicht lassen sich ja mit solchen Vorgehensweisen die auftretenden Probleme minimieren ?
Die Rindenstruktur, die Wüchsigkeit, die Laubgröße und die Regenerationfähigkeit sprechen eigentlich eher für ein gutes Bonsaimaterial, oder ?
Also !!! Her mit Pic's und euren speziellen Tricks :D .
saludos
avicenna
genau, danke für den Hinweis ...
Ist denn einer hier Spezialist für diesen Strauch ? Vielleicht gibts ja Tricks im Umgang, Pflege, Überwinterung etc.Andreas Ludwig hat geschrieben:man kann sich jetzt entweder um die genaue Bezeichnung streiten oder noch einmal, um dem Besitzer zu helfen, darauf hinweisen, dass das etwa das saublödeste Mistdings ist, das man sich als Bonsai vornehmen kann
Ich denke da an ein feines Drahten der neuen Triebe bereits im Stadium der frühsten Entwicklung, an ein fortwährendes Pinzieren, an ein gezieltes wachsen lassen von Blütenruten, an ein völlig frostfreies Überwintern oder ähnliches. Vielleicht lassen sich ja mit solchen Vorgehensweisen die auftretenden Probleme minimieren ?
Die Rindenstruktur, die Wüchsigkeit, die Laubgröße und die Regenerationfähigkeit sprechen eigentlich eher für ein gutes Bonsaimaterial, oder ?
Also !!! Her mit Pic's und euren speziellen Tricks :D .
saludos
avicenna
Re: Wer hat Erfahrung mit Buddleja davidii ?
Hat nicht Walter einen oder mehrere Schmetterlingsflieder in seiner Sammlung?
Musste mal suchen, irgendwo waren da Fotos.
Musste mal suchen, irgendwo waren da Fotos.
Du musst den Asphalt deiner Annehmlichkeiten verlassen
und dich in die Wildnis deiner Intuition begeben...
Was es dort für dich zu entdecken gibt,
ist etwas Wunderbares - nämlich dich selbst.
und dich in die Wildnis deiner Intuition begeben...
Was es dort für dich zu entdecken gibt,
ist etwas Wunderbares - nämlich dich selbst.
-
Andreas Ludwig
- Freundeskreis
- Beiträge: 5641
- Registriert: 29.03.2005, 16:50
- Wohnort: Schweiz
Re: Wer hat Erfahrung mit Buddleja davidii ?
avicenna - die Probleme sind:
- Hauchdünne Borke, eher ein enganliegender Bast. Das ist kein unüberwindbares Problem, aber ein Handicap, da es kaum Überwallung gibt. Reisst was ein, hat man da eine Dauerwunde.
- ein Strauch, kein Baum - er treibt nicht an den Spitzen nach oben, sondern entwickelt sich eher von unten her. Manchmal geht eine ganze Flanke ein (z.B. wenn sie einreisst...) und unten treibt es neu aus.
- brüchiges im Sinne von längsreissendes Holz. Äste lassen sich kaum drahten, die Basis bricht gerne ein und immer wieder kommt es oben zu diesen «Augen», wenn ein Trieb am Ansatz wegreisst.
- viel zu wüchsig. Einjährige Triebe werden 5 bis 10 Millimeter dick. Gut für Gartensträucher, schlecht für Bonsai.
- viel zu lange Internodien. Feinverzweigung kriegt man fast nur als «Kränze» von Trieben um Schnittstellen herum hin, wie bei Holunder.
- der Hauptpluspunkt, die Blüte, bildet sich ähnlich wie beim Perücksenstrauch an stehengelassenen Langtrieben. Also etwa einen Meter vom Bonsai weg. Das kann in Einzelfällen ein schöner Akzent sein, aber eher eine Tugend aus der Not als ein Punkt, der für Sommerflieder spricht.
Überhaupt sprechen die einzelnen oder auch alle Erscheinungen zusammen nicht total gegen Bonsai. Natürlich kann man was machen. Das wird dann aber was, woran man andauernd rumkorrigiert, was nie so richtig befriedigend aussieht und das wegzugeben man sich kaum traut, denn es wäre eigentlich eine Bestrafung des Erwerbers. Klar wirds einzelne geben, die sowas durchpäppeln - ich werds auch wieder mal tun. Aber erst, wenn ich einen wirklich absolut überzeugenden Stammansatz finde, der so gut ist, dass ein Krönchen als «authentisches Grün» genügt.
So wars gemeint: Stellt mir ein Profi einen tollen Sommerfliederbonsai hin, erkenne ich den Profi und verneige mich. Bietet ein Händler 50 Jungpflanzen als «tolles Material» an, nenne ich ihn einen Gauner.
Deine Vorschläge: Drahtest du grüne Triebe, darfst du wöchentlich neu drahten. Pinzierst du, gibts statt dicken Einzeltrieben dicke Wuschel, das typische «Besenansatzproblem» (Verdickung des tragenden Triebs). Frostfreie Überwinterung - was soll das bringen?
- Hauchdünne Borke, eher ein enganliegender Bast. Das ist kein unüberwindbares Problem, aber ein Handicap, da es kaum Überwallung gibt. Reisst was ein, hat man da eine Dauerwunde.
- ein Strauch, kein Baum - er treibt nicht an den Spitzen nach oben, sondern entwickelt sich eher von unten her. Manchmal geht eine ganze Flanke ein (z.B. wenn sie einreisst...) und unten treibt es neu aus.
- brüchiges im Sinne von längsreissendes Holz. Äste lassen sich kaum drahten, die Basis bricht gerne ein und immer wieder kommt es oben zu diesen «Augen», wenn ein Trieb am Ansatz wegreisst.
- viel zu wüchsig. Einjährige Triebe werden 5 bis 10 Millimeter dick. Gut für Gartensträucher, schlecht für Bonsai.
- viel zu lange Internodien. Feinverzweigung kriegt man fast nur als «Kränze» von Trieben um Schnittstellen herum hin, wie bei Holunder.
- der Hauptpluspunkt, die Blüte, bildet sich ähnlich wie beim Perücksenstrauch an stehengelassenen Langtrieben. Also etwa einen Meter vom Bonsai weg. Das kann in Einzelfällen ein schöner Akzent sein, aber eher eine Tugend aus der Not als ein Punkt, der für Sommerflieder spricht.
Überhaupt sprechen die einzelnen oder auch alle Erscheinungen zusammen nicht total gegen Bonsai. Natürlich kann man was machen. Das wird dann aber was, woran man andauernd rumkorrigiert, was nie so richtig befriedigend aussieht und das wegzugeben man sich kaum traut, denn es wäre eigentlich eine Bestrafung des Erwerbers. Klar wirds einzelne geben, die sowas durchpäppeln - ich werds auch wieder mal tun. Aber erst, wenn ich einen wirklich absolut überzeugenden Stammansatz finde, der so gut ist, dass ein Krönchen als «authentisches Grün» genügt.
So wars gemeint: Stellt mir ein Profi einen tollen Sommerfliederbonsai hin, erkenne ich den Profi und verneige mich. Bietet ein Händler 50 Jungpflanzen als «tolles Material» an, nenne ich ihn einen Gauner.
Deine Vorschläge: Drahtest du grüne Triebe, darfst du wöchentlich neu drahten. Pinzierst du, gibts statt dicken Einzeltrieben dicke Wuschel, das typische «Besenansatzproblem» (Verdickung des tragenden Triebs). Frostfreie Überwinterung - was soll das bringen?
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)
(Thoreau)
Re: Wer hat Erfahrung mit Buddleja davidii ?
Hallo Andreas,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Deine Erfahrungen sprechen ja wirklich nicht für eine schöne Zeit mit dieser Spezie. Ich gehe also jetzt mit ganz anderen Erwartungen in die Gestaltung meines dicken Knubbels vom Grünabfall
.
saludos
avicenna
vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Deine Erfahrungen sprechen ja wirklich nicht für eine schöne Zeit mit dieser Spezie. Ich gehe also jetzt mit ganz anderen Erwartungen in die Gestaltung meines dicken Knubbels vom Grünabfall
Ich dachte bislang, dass das Absterben großer Partien bei Gartenbüschsen dieser Art ein Frostschaden sei. Ein Schneiden solcher im Garten stehender Buddlejen sollte man immer erst im Frühjahr machen, weil ein großer Teil der langen Ruten eh abfriert. Von daher war meine Überlegung, kleine Verästelungen so eher zu retten und deren Austrieb im folgenden Jahr sei dann eben kleiner . Nun ja, es sollte wohl nicht seinAndreas hat geschrieben:Frostfreie Überwinterung - was soll das bringen?
saludos
avicenna


