Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

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Bonsette
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Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von Bonsette » 19.10.2014, 19:21

Liebe Bonsaifreunde und Pflanzenkenner,
in meinen Blumenkästen landen immer die geschenkten Pflanzen, und im Frühjahr werden die Kästen neu gestaltet. Jetzt habe ich dabei auch zwei "Gehölze" und möchte euch fragen, ob sie wohl Bonsai-Potenzial haben.
Es handelt sich um eine Zierkirsche und eine Heidelbeere. Die Zierkirsche hat unten am Stamm leider eine etwas dünne Stelle (da war ein Schild) aber schon in alle Richtungen kleine Zweige. Die Heidelbeere ist ein Mehrfachstamm. Beide haben viele Knospen für das nächste Jahr und sahen dieses Jahr immer sehr gesund aus. Eigentlich wäre es schade, diese Pflanzen auszusortieren, aber ich habe keine Erfahrung mit diesen Sorten und weiss nicht, ob sie sich zur Bonsai-Gestaltung überhaupt eignen. Und aus allen Pflanzen möchte ich nun auch keinen Bonsai machen - das wäre mir zu viel Arbeit, und dann wären meine Regale schnell überfüllt.
Eure Meinungen zur Bonsaitauglichkeit würden mir da sehr weiterhelfen.
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2014-10-19_.jpg
Neben der Zierkirsche ist eine andere Kirsche gewachsen, die ein Vogel in den Blumenkasten gebracht hat.
Viele Grüße
Stefanie

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Anja M.
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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von Anja M. » 19.10.2014, 20:12

Bei der Zierkirsche schau mal nach Prunus incisa, das kommt hier öfter vor. Von Heidelbeeren hab ich auch schon gehört und wohl auch in Fachzeitschriften gelesen. Beides also nutzbar.
73 Anja

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Bonsette
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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von Bonsette » 15.12.2014, 15:57

Danke für die Info, Anja.
Inzwischen habe ich auch schon ein paar Zierkirschen- und Heidelbeer-Bonsais gesehen. Ich denke, ich werde sie also doch weiterpflegen und Schritt für Schritt versuchen, ihnen eine Bonsai-Gestaltung zu verpassen.

Noch eine Frage an die Experten: Ich habe hier irgendwo im Forum mal gelesen (weiss aber nicht mehr wo), dass man eine dünne Stelle am Stamm verdicken kann, indem man dort die Rinde mehrfach einritzt. Ich nehme mal an vertikal, oder war es horizontal?

Viele Grüße
Stefanie

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Waya
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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von Waya » 15.12.2014, 16:43

Wenn Anritzen, dann im Bereich von schlafenden Augen, damit diese austreiben und sich durch das Wachstum der Knospe bzw. des entwickelnten Triebes sich der Stamm verdickt.

http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... de+knospen
Gruß, Claudia

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Erwin
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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von Erwin » 15.12.2014, 20:47

Stefanie,
es ist mal versucht worden, durch senkrechte (!) Schnitte einen zu dünnen Stammansatz oberhalb des Wurzelansatzes zu verbessern. Durch die Bildung von Wundkallus sollte sich der eingeritzte Bereich verdicken. In Grenzen hat das wohl funktioniert, aber mir ist nicht bekannt, ob sich diese Technik durchgesetzt hat. Der Nachteil ist nämlich, dass man dann eine Schnittwunde neben der anderen hat und das verheilt nicht unbedingt so schön..... Das nennt man dann "Verschlimmbessern".
Mit dem Einschneiden über schlafenden Augen hat das nichts zu tun.
Wie gesagt, nur im Bereich des Stammansatzes, also nicht auf halber Höhe. Zumindest ist mir das nicht bekannt.

Erwin
sorry, "schalenstudio.de" existiert nicht mehr...neue HP in Vorbereitung

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Stephan mit ph
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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von Stephan mit ph » 19.12.2014, 13:58

Hallo
Da ich ein neugieriger, noch dazu ungläubig Mensch bin, versuche ich es immer am liebsten selbst.Ausgeführt habe ich dieses Schnittchenverfahren an drei Baumarten. Buche (solltet Ihr mich jetzt für verückt erklären, akzeptiere ich es in diesem Fall) - sprich war ein Schuss ins Rohr; Kiefer , hab ich jetzt nur ein Bild. Hat aber schon beim einmaligen Einsatz super hingehauen. Verdickt und verwächst ganz, ganz toll. Myrthe; hier von sind auch die Bilder.Fuktioniert bedingt.Die optische Veränderung empfinde ich als gut. Mit der Verdickung tut sich die Myrthe sehr hart. Bei ihr habe ich 2x gestochen/geschnitten. Aus meiner Sicht ist diese Anwendung für Birne, Apfel, Eiche, vieles was grobborkig ist, gut geeignet.Schau Dir Kirschbäume an und entscheide dann, ob ja , ob nein. Sei Dir bewusst: Es kann auch schief gehen. Ich würde es machen.
Viele Grüße
Stephan
Dateianhänge
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Kiefer, kurz nach dem Bearbeiten
comp_130112 (13).jpg
Myrthe, vor dem Bearbeiten 2011
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Myrthe beim zweiten mal Stechen/Schneiden
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Vergleichsbild, vor und nach dem ersten Stechen/Schneiden
comp_91014 (3).jpg
Myrthe 10/2014
comp_91014 (4).jpg
Detailansicht

Eva Warthemann
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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von Eva Warthemann » 19.12.2014, 19:10

Hallo Stefanie!
Ich hab auch gute Erfahrungen mit dieser Methode gemacht. Eine meiner Schwarzkiefern hatte nach dem Ausgraben im unteren Beich einen deutlich dünneren Stammteil als oben. Die Einschnitte habe ich so gesetzt, das sie später nicht mehr oder kaum sichtbar sind. Heute hat dieser Stammteil sich so angepasst das man keinen Unterschied mehr sieht.
Bei einer Kirsche würde ich eher mit einer Nadel Einstiche machen, Schnitte würde man noch lange sehen.
Liebe Grüße Eva Warthemann
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Stephan mit ph
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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von Stephan mit ph » 20.12.2014, 13:41

Hallo
Liebe Eva
Ich weiß wie gut Du es mit Deinem Ratschlag meinst und würde mich sehr über ein Bild, welches Deine Erfahrung mit dieser Methode, bei einem Laubbaum, freuen.
In den letzten 15 Jahren habe ich versucht mit folgenden Maßnahmen den Stamm zu verdicken: Einfach wachsen lassen;Nadelstichmethode; Setzen von kleinen Schnitten; Abschnüren; Totalwicklung; Klopfen mit Zwischenlage; Klopfen ohne Zwischenlage.
Ausdrücklich betone ich, daß ich dies an Laubbäumen ausgeführt habe. Nadelbäume ist eine ganz andere Welt - (habe ich teilweise auch da getestet).
Nadelstichmethode führte bei mir nachweislich zu dem Stammbild eines "Warzenbaumes". Es entsteht eine runde Verletzung. Dort bildet sich rundverlaufender Kallus. Darüber deckt sich nach einer gewissen Zeit, tellerähnliche, runde Rinde.Egal wie eng oder wie weit man die Stiche voneinander setzt. Es bleibt das Bild einer Warze oder eines Tellers.
Daher habe ich, Stefanie, diese für mich und aus meiner gemachten Erfahrung, beste (einzige) Methode beschrieben. Man könnte gerade bei einer Kirsche noch viele andere Faktoren mit "eindenken". Auf Kaffeesatzlesen laß ich mich aber nicht ein.Mir hat sich jedoch gezeigt:Selbst gemachte Erfahrungen können anders verlaufen, als Geschriebenes,Gehörtes, Gelesenes.Selbst bei drei gleichen Pflanzen, mit drei mal der gleichen Behandlung, führt es nicht immer zum gleichen Erfolg/Misserfolg.
Schöne Feiertage
Viele Grüße
Stephan

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Bonsette
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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von Bonsette » 20.12.2014, 14:16

Hallo Stephan und Eva,
vielen Dank für die Mitteilung und genaue Beschreibung eurer Erfahrungen! Da ich gerne dazu lerne und experimentierfreudig bin, werde ich das Einstechen bei meiner Zierkirsche im Frühjahr ausprobieren und das Ergebnis hier später zeigen.

Schöne Festtage!
Viele Grüße
Stefanie

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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von MonaMour64 » 17.06.2015, 04:43

Hallo Stefanie,

was ist denn aus deiner Zierkirsche und Heidelbeere geworden ?
Hast du es bei der Kirsche mit dem Einschneiden versucht ?
LG, Sabine (aka Mona)

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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von Bonsette » 25.06.2015, 21:32

Hallo Sabine,
deinen Beitrag habe ich erst jetzt gesehen, aber die Heidelbeere und die Zierkirsche leben noch. :-D
Den Hauptstamm der Zierkirsche habe ich im Frühjahr noch einmal ein Stück zurück geschnitten und einen Ast zum neuen Hauptstamm hochgedrahtet. An der dünnen Stelle habe ich den Stamm unten eingestochen, das hat bis jetzt kaum Verdickung gebracht. Woher die braunen Blattränder dieses Jahr kommen, weiß ich nicht.
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Hier ist auch noch mal ein aktuelles Bild von der Kirsche, die mir letztes Jahr aus einem vom Vogel (?) in meinen Blumenkasten gebrachten Kirschkern gewachsen ist. (Sie ist auch auf dem Bild weiter oben.)
2015-06-23.jpg
Die Heidelbeere habe ich wohl zu früh in eine kleine Schale gesetzt. Sie hatte dieses Jahr jedenfalls nur Energie für viele Beeren und hat nicht viele neue Triebe und Blätter gemacht. Sie kommt nächstes Jahr wieder in einen großen Blumenkasten.
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LG
Stefanie

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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von MonaMour64 » 25.06.2015, 22:46

Freut mich dass es den beiden gut geht. :)
Schade dass das Einstechen nichts gebracht hat.

Meine Fuji-Kirsche lass ich erstmal in Ruhe durchtreiben, sie sah nicht ganz so fit aus als ich sie bekommen habe.
In den letzten Tagen hat sie sich offenbar sehr über das feuchte Wetter gefreut, überall kommen jetzt frische Triebe.

Bei deiner Heidelbeere könnte ich mir vorstellen, dass sie lieber blüht und fruchtet, wenn man sie lässt, als groß neue Triebe zu machen.
Ich glaube ich würde sie zum passenden Zeitpunkt zurückschneiden, damit sie neu treibt - viele Neutriebe geben auch mehr Blattmasse.
Und ich würde sie in der nächsten Saison nicht blühen lassen, damit nicht die ganze Energie, wie du ja auch schon gemeint hast, in die Blüten- und Fruchtbildung geht.
Aber mein Gedankengang kann natürlich auch falsch sein. ;)
LG, Sabine (aka Mona)

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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von Bonsette » 14.03.2016, 11:21

Am Wochenende habe ich die Zierkirsche und die Heidelbeere umgetopft. Bei der Zierkirsche sah ich das erste mal den Wurzelansatz – ein hässlicher Knickfuß. Also habe ich eine Abmoosung gestartet, in der Hoffnung, dass sie das überlebt und irgendwann mal einen schönen Wurzelansatz bekommt. Außerdem habe ich an zwei Stellen Äste ablaktiert – diese Experimente mache ich jetzt das erste mal und bin wirklich gespannt auf den Ausgang.
2016-03-13-abmoosen.jpg
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Der Heidelbeere habe ich nur einige Äste gekürzt und die Stämme ein wenig in Form gebracht. Wenn sie sich gut entwickelt und sich hoffentlich gut verzweigt, hätte ich demnächst mal eine schöne Schale von Erwin für sie, die von der Farbe gut zu den Früchten passen würde.
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LG
Stefanie

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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von Bonsette » 16.11.2017, 18:15

Hier möchte ich noch die Ergebnisse meiner Eingriffe an der Zierkirsche im Frühjahr 2016 zeigen.
Das Abmoosen hat nicht funktioniert, aber dafür hat der sich neu gebildete Kallus den Stammansatz etwas verdickt, was ich mit den Messerstichen ja nicht so gut hinbekommen hatte. :-D
Mit dem nicht so schönen Wurzelansatz muss ich jetzt also leben und habe ihn im Frühjahr radikal bearbeitet. Das hat die Zierkirsche mir zum Glück nicht übel genommen.
Einer der beiden ablaktierten Äste ist übrigens auch angewachsen. :-D
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LG
Steffi

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Re: Heidelbeere und Zierkirsche - lohnendes Material?

Beitrag von Bonsette » 20.03.2018, 19:10

Die letzten vier Tage und frostigen Nächte hat die Zierkirsche im Flur am Fenster verbracht, weil sie die Knospen schon geöffnet hatte. Jetzt steht sie fast in voller Blüte - hier mal ein Bild von diesem netten Anblick: :-D
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LG
Steffi

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