Rostige Drahtnarben - ein Laie wundert sich...

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Stefan72
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Rostige Drahtnarben - ein Laie wundert sich...

Beitrag von Stefan72 » 07.11.2016, 22:27

N' abend allerseits.

Mich beschäftigen schon seit längerem rostige Drahtnarben. Ich meine hier nicht die "Korkenziehermuster" die ich in den Theads zum Thema "Drahtnarben" allenthalben sehe und die wohl durch Druck des Drahts entstanden sind, sondern die tiefen Einschnitte durch dünnen Draht, wie sie alle günstigen Massenwaren wohl haben. Ich glaube jeder, der mit Bonsai anfängt, hat hier ein paar Exemplare zu Hause und weiß auch ohne Fotos, was ich meine. Diese Drahtreste habe ich jeweils mit einer Zange vorsichtig entfernt und zurück blieben dann eben diese rostigen Schnitte / Risse / usw.

Wo ich jetzt auf dem Schlauch stehe, ist folgendes *les* :
Diese Narben scheinen sich an meinen Bäumen (Ficus ret., Ulmus parvi.) nicht auszuwachsen; beide Bäume habe ich etwa 4 Jahre. Wenn die Schnitte, was ich teilweise vermute, da der Draht wirklich tief drin war, das Kambium verletzt haben, dann sollte sich als Reaktion doch eigentlich Kallus bilden, also das ganze wülstig vernarben oder auswachsen. Tut es aber nicht! Wenn die Rinde aber nur oberflächlich eingeschnitten wäre, dann müßten die rostigen Streifen doch erkennbar schwächer werden. Da sich die Rinde bzw. Borke doch von innen heraus über das Kambium nach aussen erneuert, sollten zumindest die rostigen Streifen verschwinden? Von den Schnitten mal abgesehen.

Braucht das ganze vielleicht einfach viel viel länger als man laienhaft vermutut oder ist immer noch Eisen in der Rinde und der Baum rostet fröhlich weiter (klingt komisch, könnte aber sein?). Jedenfalls wäre ich interessiert an Erfahrungen oder vielleicht sogar Lösungen. Wenn es ein Geduldsproblem ist: Okay, dann ist es so - Geduld hab' ich. Wenn man hier etwas tun muss / kann / oder auch nicht: Bitte auch mitteilen.
Merci vielmals!
LG Stefan

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Re: Rostige Drahtnarben - ein Laie wundert sich...

Beitrag von Anja M. » 07.11.2016, 23:53

Bild

Seit über 15 Jahren noch vorhanden. Den Rand anschneiden und mit Wundknete bedecken hätte vielleicht zum zuwachsen geführt.
73 Anja

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Holger
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Re: Rostige Drahtnarben - ein Laie wundert sich...

Beitrag von Holger » 08.11.2016, 08:19

... wie ich schon an anderer Stelle feststellte: Besonders der Ficus tut sich im Regelfall schwer damit, irgendetwas zu überwallen, aber ansonsten ist es insgesamt schon wichtig darauf zu achten, dass man keine Pflanzen mit Drahtverletzungen kauft - oder selbst den Draht zu lange dran lässt, selbst wenn es überwallt wird ist es selten optimal.

Gruß
Holger
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Re: Rostige Drahtnarben - ein Laie wundert sich...

Beitrag von Heike_vG » 08.11.2016, 08:49

Hallo Stean,
an Bäumen, die kein nennenswertes Dickenwachstum machen, verändern sich Drahtnarben und auch andere Wunden über viele Jahre kaum. Wenn z.B. exotische Indoors in den hiesigen Wohnungen in ausgelaugtem Substrat stehen, wenig Dünger erhalten, unter Lichtmangel und trockener Luft leiden und jedes neue Trieblein gleich wieder zurückgeschnitten wird, passiert da einfach nicht viel.
Dagegen wird ein Baum, der optimale Wachstumsbedingungen hat und mit sehr langen Trieben frei durchwachsen darf, sich merklich verdicken und dabei auch Drahtspuren und Schnittstellen viel schneller und besser schließen.
Liebe Grüße,
Heike
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Stefan72
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Re: Rostige Drahtnarben - ein Laie wundert sich...

Beitrag von Stefan72 » 08.11.2016, 10:46

Guten Morgen Heike, hallo Holger,

danke Euch für die schnellen Antworten!
Holger hat geschrieben:... wie ich schon an anderer Stelle feststellte: Besonders der Ficus tut sich im Regelfall schwer damit, irgendetwas zu überwallen, aber ansonsten ist es insgesamt schon wichtig darauf zu achten, dass man keine Pflanzen mit Drahtverletzungen kauft - oder selbst den Draht zu lange dran lässt, selbst wenn es überwallt wird ist es selten optimal.

Gruß
Holger
@ Holger: Natürlich kauft man keine Pflanzen mit Drahtverletzungen! *ironie* Sowas ist ein typischer Anfängerfehler. Man hat keine Ahnung und tut dummes Zeug. Genau deshalb steht mein Thread auch beim den Basics. Weil´s eben fast jeder am Anfang schon gemacht hat, aber hinterher keiner mehr zugibt. Wäre vielleicht sogar eine Umfrage wert. Nein, mach´ich nicht - das Ergebnis kenne ich schon! Dass es zuwächst bei Ficus ret. stelle ich aber trotzdem fest. Die Wunde eines bleistiftdicken Aststumpfs, den ich vor 3 Jahren mit einer Knopsenzange amputiert habe, ist heute mit Kallusring geschlossen. Ob das nun schnell ist oder langsam, kann ich nicht beurteilen.

@Heike: Der Hinweis mit dem "frei durchwachsen lassen" wird es wahrscheinlich sein; austreiben tun sie nämlich recht ordentlich! Substratfehler würde ich eher keine ermuten. Meine Pflanzen stehen alle in einer Mischung aus vulkanischem Gesteinssplitt und Kokosfasern, Tongranulat als Drainage und teils auch Akadama (zu teuer eigentlich). Die Wasserführung scheint gut, das Substrat ist feucht, aber nie nass. Gedünkt wird eher mager, dafür aber mit jeder Wassergabe oder organisch. Die Bäume stehen ab 15° C ganzjährig draussen. Der Ficus überwintert unter dem Dachfenster bei 20° C und 60% bis 70% Luftfeuchte bei meinen Gitarren, die auch keine Trockenheit mögen. Die Ulme steht in der zugemachten Pergola bei Temperaturen um -5° C bis 10° C. Wurzelballen samt Schale bis zu den unteren Ästen in Rindenmulch. Die Ulme könnte entgegen des Schildchens auch eine Ulmus pumila sein, da sie einen leichten Flaum auf der Unterseite der Blätter hat. Im Zweifel habe ich sie wie eine U. parv. überwintert, da diese eben nur bedingt frostig stehen mögen soll.

Jetzt lass´ich die Pflanzen tatsächlich mal einfach wachsen und schneide nicht schon nach 15 cm Austrieb wieder auf 2 Blattpaare zurück. Wahrscheinlich habe ich bisher einfach den Ist-Zustand erhalten. Vielleicht mache ich auch Fotos und vergleiche in einem Jahr nochmal. Wenn´s das tatsächlich war, kann ich sie ja einstellen?
LG Stefan

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Re: Rostige Drahtnarben - ein Laie wundert sich...

Beitrag von Michael 86 » 08.11.2016, 12:48

Fotos vorher und nachher sind immer gut *daumen_new*
Grüße Michael :)

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Holger
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Re: Rostige Drahtnarben - ein Laie wundert sich...

Beitrag von Holger » 08.11.2016, 14:06

Hallo Stefan,

war nicht böse gemeint, es ist halt das Problem des Anfängers, dass man es nicht sieht oder denkt, es ist nicht so schlimm...

Mit dem Überwallen ist es je nach Art des Ficus sehr unterschiedlich, und selbst bei ein und demselben Ficus manches Mal so, dass es überwallt, manches Mal eher nicht. Es ist dort halt nur erheblich schwieriger, nicht unmöglich, und je größer die Wunde...

Gruß
Holger

P.S. Und in der Anfangszeit habe ich halt auch mal vergessen, den Draht rechtzeitig abzunehmen, ist auch ein typischer Anfängerfehler, besonders wenn man verschiedene Bonsai hat, dann denkt man zuerst, man kann den Draht überall gleich lang dran lassen - böser Irrtum....
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Re: Rostige Drahtnarben - ein Laie wundert sich...

Beitrag von Heike_vG » 08.11.2016, 14:49

Das ist nicht nur ein Anfängerfehler! Es kann auch dem gestandenen Bonsai-Fachmann leicht passieren, dass in der dichten Baumkrone mal ein Draht vergessen bzw. übersehen wird. Und wenn das Laub dann abfällt, hat man auf einmal die böse Bescherung und denkt, es trifft einen der Schlag! Ich krieche im Frühling / Frühsommer schon immer von unten halb in die Kronen, um alle paar Tage genau zu schauen. Trotzdem kann es passieren.
LG, Heike
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Re: Rostige Drahtnarben - ein Laie wundert sich...

Beitrag von hwolf » 08.11.2016, 18:01

... und dann muss man es ja auch rechtzeitig erkennen können...

Lieben Gruß
Heinrich
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Re: Rostige Drahtnarben - ein Laie wundert sich...

Beitrag von Stefan72 » 02.12.2016, 19:58

So, hier wären dann noch die Bilder von den Narben. Bin gespannt, wie es sich in 2017 entwickelt, wenn ich den Ficus ret. einfach mal durchtreiben lasse. Wenn man das so groß fotographiert, scheint es gar nicht so tragisch. Die Rinde ist wohl intakt und es wird wohl tatsächlich auswachsen. Die Jahre werden es dann zeigen, was noch aus ihm wird.
Dateianhänge
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LG Stefan

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Re: Rostige Drahtnarben - ein Laie wundert sich...

Beitrag von Stefan72 » 17.10.2017, 20:41

So, fast ein Jahr später....
Fast nix verändert, der Kallus scheint zu wachsen. Geduld.... Geduld.....
narbe_ficus_2017.JPG
LG Stefan

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