Chinesische Ulme aus dem Internet

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tahlganis
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Chinesische Ulme aus dem Internet

Beitrag von tahlganis » 20.05.2019, 11:58

Guten Tag Liebe Bonsai-Community,

ich bin seit einer Woche stolzer Besitzer einer kleinen chinesischen Ulme die ich von exotenherz.de erworben habe. Der Baum ist meiner Meinung nach in einem sehr vitalen Zustand. Ich möchte gerne von den Experten hier wissen ob es Ratsam ist jetzt Mitte Mai den Baum umzutopfen. Ich habe einerseits gehört, dass die sehr feste lehmige Erde sofort weg muss, andererseits ist es wohl nicht mehr die richtige Jahreszeit. Desweiteren stellt sich mir die Frage ob ich erstmal für 1-2 Jahre bei dieser Schale bleiben kann oder direkt eine größere genutzt werden sollte und natürlich wie viel von den Wurzeln wegzuscheiden ist (die Wurzeln wachsen bereits um den Topf herum). Ich entschuldige mich für die Anfängerfragen und verbleibe mit freundlichen Grüßen.
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Stefan72
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Re: Chinesische Ulme aus dem Internet

Beitrag von Stefan72 » 23.05.2019, 10:48

Hallo tahlganis,
willkommen bei den Baumverbesserern.
Auch wenn ich kein Experte bin, kann ich ja mal scheiben, was ich tun würde. Irgendwie habe ich gut Erfahrungen damit gemacht, neue Bäume erst im folgenden Jahr zu gestalten und erst mal nur wachsen zu lassen und sie zu beobachten. Im ersten Eifer ist schnell was wegschnitten, was sich vielleicht als brauchbar herausgestellt hätte. Bei Ulmen kann man nie wissen. Wenn Du nach einer größeren Schale fragst, hoffst Du vielleicht auf schnelleres Wachstum. Das ist richtig und könnte hier Sinn machen. Ich würde den Baum, der tatsächlich gesund und wüchsig aussieht, aber nicht mehr mit tiefem Wurzelschnitt umtopfen, sondern eher nur umsetzen; z.B. in einen Teichpflanzkorb. Das ist besser als in der Schale und nur wenig schlechter, als ihn direkt in den Garten zu graben. Dazu müsstest Du das alte Substrat so weit es geht auswaschen und besonders den Bereich unter dem Stamm vom Lehm befreien. Wenn es dort zu feucht ist, kann der Stamm faulen. Die Wurzeln würde ich nur soweit schneiden, dass die ganz langen bleichen weg sind und sonst alles bis 15cm dranlassen. Der Baum steht jetzt ziemlich in der Ecke der Schale, was wohl bedeutet, dass der Wurzelansatz nicht gleichmäßig ist. Solange auf der "schwachen Seite" nicht viele Wurzeln sich gebildet haben (2-3 Jahre), würde ich von großen Eingriffen an der Hauptwurzel absehen. Auch obenrum eher wuchern lassen und nur eingreifen, wenn mehrere Triebe aus einem Auge kommen. Das würde mit der Zeit dann eine Verdickung geben und das sieht man auf der Nolanders nicht so gern... Das Thema Substrat wird diskutiert wie die Jungfräulichkeit Mariä und ist noch nicht abschließend geklärt. Da müsstest Du Dir Deinen Weg suchen. Eine durchlässige Mischung aus Bims und Kokoserde wird es genauso tun, wie eine fertige Erdmischung vom Sponsor. Wenn Du jemanden kennst, der gerade einen Sack Trockenbauschüttung (1-5 mm) offen hat, kannst Du die nehmen und mit Kokosfasern mischen. Wenn der Baum dann mittig steht (im Korb mit Draht fixieren), ins Freie und langsam an die Sonne gewöhnen. In vier Wochen kann er dann vollsonnig stehen. Sollten sich die weichen Triebe rötlich verfärben oder auch die Blätter, dann ist das eine natürlich Reaktion (google: Anthocyane...) auf die UV-Strahlung und vergeht im Lauf des Sommers wieder.
Während der Baum wächst, kannst Du hier im Forum stöbern und Dir ein paar Grundlagen anlesen... und: der Trend geht zum Zweitbaum.
Freundliche Grüße, Stefan

Manchmal genügt es nicht Konfetti zu werfen, manchmal muss es auch der Locher sein....

systic
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Re: Chinesische Ulme aus dem Internet

Beitrag von systic » 24.05.2019, 11:33

Hallo thalganis,

mir geht es da gerade genau so wie dir!
Hast du deine Ulme denn umgetopft?

tahlganis
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Re: Chinesische Ulme aus dem Internet

Beitrag von tahlganis » 12.06.2019, 12:03

Hallo,

also ich habe den Baum in eine etwas größere Schale gesetzt, dazu habe ich mir Akama und Bimsstein etwa 2:1 gemischt und als Substrat verwendet. Es ist etwas seltsam den Baum in so einen lockeren haufen kleiner Steine zu setzten aber, da es mit Erde wie ich es kenne nicht viel zu tun hat aber offenbar bekommt es dem Bäumchen sehr gut, denn die ersten zarten Blätter treiben schon wieder. Auch finde ich das Substrat sehr gut um das Wasser zu dosieren, da das Substrat nur eine fest definierte Menge Wasser aufnimmt und der Rest direkt durchläuft. Das führt dazu dass ich etwa alle 1-2 Tage gieße.
Beste Grüße
Tahlganis

Jürgen*
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Re: Chinesische Ulme aus dem Internet

Beitrag von Jürgen* » 12.06.2019, 12:38

Hy,
es ist wirklich reine Vertrauensache die Umstellung von Erde vs. Substrat.
Heute ist mein Vertrauen u. die überwiegenden Vorteile so gross, das ich sogar im Substrat Kerne ziehe.

Zum Umtopfen, auch wenn die Zeit falsch ist, denke ich das es dem Bäumchen besser tut, wenn man ihn vorsichtig umtopft, als wenn er in der Erde kümmert.

Weg von der Erde in das Substrat, allein das ich ihn nicht übergiessen kann, ist der grösste Vorteil.
Staunässe ist meist der Tod!

Kräuter aus dem Supermarkt ( mit Erde ) raus, ab ins Substrat - schon seit Jahren in der Küche.
Aber nur mehrjährige :lol:

Habe sogar schon Yamadoris im Dezember erfolgreich geborgen und eingetopft, blieben aber bis es frostfrei war ungeheizt drinnen. ( nicht die Regel - war Notmassnahme auf einer Baustelle )
Auch das mit dem Auswaschen der Erde des Ballens - ich hatte noch nie Probleme, nur vorsichtig sollte man dabei vorgehen - Hochdruck ist nicht angebracht.

Wenn ich abends meinen Kontrollgang mache, beobachte ich beim gießen jeden Baum genau ( Entspannung pur für mich ), und wenn es notwendig ist oder ich ein auffälliges Verhalten bemerke, dann topfe ich im schlimmsten Fall um - egal was wir für ein Monat haben - besser als den Baum zu verlieren.

Zudem verwende ich nach Möglichkeit durchsichtige Aufzuchtstöpfe, das sehe ich das Wurzelwachstum am Besten und kann reagieren, umtopfen und Wurzeln schneiden tue ich nämlich nur wenn ich muss, oder zur Kontrolle, aber ich halte mich da eher zurück.

Edit: reiche Bild von heuriger Yamadori Buche nach, in durchsichtige Topf ( nat. Substrat ), wo man sieht was sie Wurzeln gemacht hat binnen 1 Monat.

Kann nur sagen - ausgewogenes ist Substrat wesentlich besser, als jede Erde! ( meine pers. Meinung !! )

Kircherl

Re: Chinesische Ulme aus dem Internet

Beitrag von Kircherl » 12.06.2019, 13:26

Was sollen die transparenten Töpfe bringen, außer Algenwachstum?
Anders vielleicht wenn du Pflanzen hast bei denen die Wurzeln Photosynthese machen.
Kenn ich aber nur von Orchideenarten.
Das sind aber nur meine Erfahrungen...

Jürgen*
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Re: Chinesische Ulme aus dem Internet

Beitrag von Jürgen* » 13.06.2019, 09:56

Guten Morgen,
ja das Algenwachstum ist so ein Thema.
Es entsteht aber nur wenn im Substrat organische Teile enthalten sind.

Im diesen Topf ( Bild 2 ) ist ein hoher Anteil von Rinde enthalten, aber die Pflanze ist bereits 2 Jahre im Topf.
Kommt nächstes Frühjahr raus in ein anderes Substrat - war nur Versuch.

Den Vorteil von durchsichtigen Töpfen, sehe ich darin, das ich jederzeit den Gesundheitszustand der Wurzeln und deren Wuchs beobachten kann, ohne die Pflanze umzutopfen.
Im 1. Bild eine Buche von heuer - mit neuen Wurzelwuchs.
Ich hoffe man kann es erkennen?

Zuerst dachte ich das wird nichts, weil ja Wurzeln im dunklen Boden sind, es scheint ihnen aber egal zu sein.
Soweit zu meinen Erfahrungen.
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tahlganis
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Re: Chinesische Ulme aus dem Internet

Beitrag von tahlganis » 24.06.2019, 11:34

Ich habe mal ein kleines Update eingefügt, offensichtlich habe ich bezüglich der Wachstumsbedingungen ein gutes Händchen denn es sprießt und gedeiht an allen Enden. Wie sollte ich weiter vorgehen, erstmal bis nächstes Jahr Wuchern lassen oder würdet Ihr hier schon schneiden?

Beste Grüße
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Stefan72
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Re: Chinesische Ulme aus dem Internet

Beitrag von Stefan72 » 25.06.2019, 16:24

...dass Du den Baum in eine größere Schale gestellt hast, hat sich wohl als gut erwiesen, wie der Austrieb zeigt. Durch den größeren Wurzelraum kann er oben wie unten zulegen und Masse aufbauen. Das passiert aber nur, wenn er eben tatsächlich frei wachsen kann und Du ihn nicht zurückschneidest. Je mehr Grünmasse, desto mehr Fotosynthese, desto mehr Assimilate - desto mehr Wurzelwachstum, desto mehr Austrieb und Dickenwachstum (ganz vereinfacht...). Wenn Du z.B. die Krone aufbauen willst, dann brauchst Du dazu eben auch dickere Triebe, die verholzen und dann später für die Verzweigung wieder austreiben sollen. Die bekommst Du durch freien Wuchs.
Was aber auch zu bedenken ist, wäre, dass Ulmen sehr wüchsig sind und aus allen Poren treiben wenn es ihnen gut geht und man sie lässt. Das könnte dann dazu führen, dass mehrere Triebe sehr eng bei einander stehen oder sogar aus einem Auge entspringen und durch das schnelle Dickenwachstum sich ein Knoten bildet, den man nicht haben mag. Oder zwei Triebe werden sich später kreuzen, wenn sie so weiterwachsen oder ein Trieb wächst entgegen der Wuchsrichtung des Hauptastes zurück Richtung Krone. Das wären alles Dinge, die man beim freien Wachsen beobachten müsste und gegebenenfalls eingreifen. Angesichts der Hitze würde ich jetzt keinen großen Schnitt vornehmen. Der würde zwar zu neuem Austrieb führen aber der könnte die Hitze vielleicht auch nicht überstehen. Eher würde ich die vorhandenen Triebe kontrollieren und solche Kandidaten entfernen, die eben absehbar Probleme machen werden. Wenn Du Dir unsicher bist: Wachsen lassen und nach dem Blattfall im Herbst/Winter das Ganze genauer ansehen, dann wird Vieles sich von selbst zeigen. Im Zusammenhang mit Kronenaufbau und Dickenwachstum ist oft von sog. Opferästen die Rede: Das könntest Du mal nachschlagen...
Freundliche Grüße, Stefan

Manchmal genügt es nicht Konfetti zu werfen, manchmal muss es auch der Locher sein....

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