Potenzial?

Für ungeklärte(!) Fragen zum Bonsai-Einstieg und den Anfangsjahren. SUCHEN, LESEN, DENKEN und nur POSTEN,
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boarcastle
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Potenzial?

Beitrag von boarcastle »

Mein Nachbar hat seinen Kirschbaum rausgehauenen, da er jedes Jahr vom Pilz heimgesucht wurde und daher nicht getragen hat.
Ich habe ihn gebeten mir den Stumpf in einen Topf zu pflanzen. Nun ist er tatsächlich nochmal ausgetrieben. Sollte er tatsächlich auch im nächsten Frühjahr austreiben, würde ich zur Säge und Fräsmaschine greifen.
Was meint ihr? Kann daraus mit den Jahren ein schöner, großer Bonsai entstehen?

Liebe Grüße,
Marcus

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achim73
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Re: Potenzial?

Beitrag von achim73 »

gegenfrage : warum willst du dir das antun ? der pilz ist ja immer noch im baum, und wenn er jetzt mit krassestem wurzelschnitt etc. stark geschwächt ist, ist überaus fraglich, ob er überhaupt überlebt. ferner ist es ein gerader stumpf ohne verjüngung, kirschen sind eh schwierig wegen mangelnder verzweigungswilligkeit etc...
seh da ehrlich gesagt kein pro-argument.
Gruss, Achim
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boarcastle
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Re: Potenzial?

Beitrag von boarcastle »

Danke Achim. Genau deswegen frage ich nach euren Meinungen. Jetzt würde ich eh noch keine Mühe investieren.


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Hippo
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Re: Potenzial?

Beitrag von Hippo »

Salü Marcus,

Das Ding hat gutes Potenzial für hübsche Schnitzereien. :-D

Keine Ahnung wie lange Du noch zu leben gedenkst ............. aber so 10-15 Jahre wirst Du schon investieren müssen um was Gescheites daraus zu machen.
Den Pilz müsste man wohl als Dringlichstes in Angriff nehmen.
Danach ein paar Jahre wachsen lassen und dann zeigt sich schon bald wo man am Stamm rumschnitzen kann.

Gruss George
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Tofufee
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Re: Potenzial?

Beitrag von Tofufee »

Kirschen mögen all solche drastischen Maßnahmen nicht, die man bei schnittverträglichen Arten ohne weiteres machen kann. Wie Achim schon schrieb, wird das Ergebnis eher ein Lazarett als ein vielversprechender Rohling sein. Da gibt es bestimmt lohnenderes Material, das die Mühe auch lohnt.
Grüße
Monika
Andreas Ludwig
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Re: Potenzial?

Beitrag von Andreas Ludwig »

Fragen: «Der Pilz» - wurde der näher beschrieben? War es bloss Mehltau oder einer der zahlreichen anderen? Sind (bei Kirschbäumen ebenfalls häufige) Virenerkrankungen ausgeschlossen? Welche Art «Kirschbaum» ist es eigentlich? Warum sollte bereits beim Austreiben geschnitzt und gefräst werden? Eilt es?
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boarcastle
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Re: Potenzial?

Beitrag von boarcastle »

Nein, eilen tut es überhaupt nicht.
Ich vermute mal, daß er die süsskirsche nicht wegen Mehltau weg haben wollte. Wird schon ein anderer Pilz gewesen sein.


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Hippo
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Re: Potenzial?

Beitrag von Hippo »

Was vielleicht noch relevant für die Art sein dürfte;
Vermutlich war das ein Halbstamm- oder Hochstammbäumchen.
Folglich dürfte die Veredlungsstelle über dem Sägeschnitt gelegen haben.
Ergo hast Du jetzt vermutlich auch keine Edelsorte sondern eine "Unterlage".
Als Solche werden in der Regel robuste Sorten gewählt.
Entsprechend dürfte der neue Austrieb auch keine Kulturform sein sondern eine "Wildform".
Falls sie generativ vermehrt wurde, kann die Reife bis zur ersten Blüte etliche Jahre dauern.
Deshalb nicht verzweifeln falls sie in den nächsten Jahren noch nicht blüht.

Wobei, wenn ich die Verdickung Unten betrachte, könnte das eventuell die Veredlungsstelle sein und Du hast Glück mit der Edelsorte. Aber wer weiss?
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Andreas Ludwig
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Re: Potenzial?

Beitrag von Andreas Ludwig »

Kurz noch zu den Pilzen: Es gibt die «Sprühfleckenkrankheit» bei Kirschbäumen. Die Blätter kriegen Pusteln und fallen vorzeitig ab. Dann etwa die «Pfeffinger Krankheit», ein Virus, der die Triebe nach ein paar Jahren absterben lässt. Es gibt auch die «Monilia-Spitzendürre», diverse Schlauchpilze und eine Menge Bakterienerkrankungen. Wenn du da eine etwas präzisere Beschreibung kriegst, sogar Bilder, wäre das schon hilfreich. Gepropft wird wegen der Probematik selbststeriler/selbstbefruchtender Arten/Sorten, was die allermeisten sind. Die Wüchsigkeit der Unterlage ist angepasst oder eher geringer als die des Propflings. Da Bonsai nur selten kulinarisch genutzt werden, dürfte das aber egal sein.
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Olaf_Gd
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Re: Potenzial?

Beitrag von Olaf_Gd »

Also diverse Blattpilze sind bei Bonsai im vergleich zu großen Bäumen relativ leicht in den Griff zu bekommen. Da würde ich mir keine Gedanken machen.

Gruß Olaf
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Mirjam
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Re: Potenzial?

Beitrag von Mirjam »

Andreas Ludwig hat geschrieben: 14.09.2021, 14:11 Kurz noch zu den Pilzen: Es gibt die «Sprühfleckenkrankheit» bei Kirschbäumen. Die Blätter kriegen Pusteln und fallen vorzeitig ab. Dann etwa die «Pfeffinger Krankheit», ein Virus, der die Triebe nach ein paar Jahren absterben lässt. Es gibt auch die «Monilia-Spitzendürre», diverse Schlauchpilze und eine Menge Bakterienerkrankungen. Wenn du da eine etwas präzisere Beschreibung kriegst, sogar Bilder, wäre das schon hilfreich. Gepropft wird wegen der Probematik selbststeriler/selbstbefruchtender Arten/Sorten, was die allermeisten sind. Die Wüchsigkeit der Unterlage ist angepasst oder eher geringer als die des Propflings. Da Bonsai nur selten kulinarisch genutzt werden, dürfte das aber egal sein.
Das möchte ich unterstreichen, dass es vielfältige Erkrankungen gibt, die aber ein Laie, normaler Gartenbesitzer, Gärtler nicht immer richtig betitelt, bzw. keine wirkliche Ahnung davon hat. Mit 'wegen Pilz nicht getragen' kann der Kirschbaumbesitzer schlicht gemeint haben, dass der Baum zwar Kirschen ausgebildet hat, die dann aber wegen des rel. nassen Wetters angefangen haben, zu schimmeln. Und schon ist von Pilz die Rede, ohne dass der Baum an sich irgendeine plötzliche Erkrankung hat/te. Die Situation kenn ich leider auch.
(Von wegen Unwissenheit noch ein kleines Beispiel: in meiner Kindheit redeten die Leute von 'Melta', pfälzisch für Mehltau. In Wirklichkeit waren aber Blattläuse gemeint, also was gänzlich anderes.)
LG
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boarcastle
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Re: Potenzial?

Beitrag von boarcastle »

Danke für die zahlreichen und informativen Beiträge. Auch wenn wir etwas vom eigentlichen Thema abgekommen sind. Mir ging es weniger um die mögliche Pilzerkrankung, sondern viel mehr hat mich eure Meinung interessiert, ob man, falls der Baum überlebt und gesundet, aus dem Stumpen etwas ansehnliches gestalten kann.
Und da scheint die Mehrheit skeptisch zu sein. Ich werde ihn jetzt trotzdem nicht entsorgen, sondern einfach mit geringer Erwartungshaltung als Übungsbaum hernehmen.


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Andreas Ludwig
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Re: Potenzial?

Beitrag von Andreas Ludwig »

boarcastle – am 3. Tag nach einer Geburt macht man bei Babys doch keine Begabungstests... Ob sich da was gestalten lässt, siehst du in einigen Jahren. Bis dahin gibt es ausser dem «chinese hack-back-style» nicht viel zu machen – Krone aufbauen, verdichten. Vielleicht ein bisschen an den Wurzeln arbeiten, aber Totholzgestaltung würde ich lassen. Da wirst du froh sein, wenn eine gut versorgte Krone später mal zügig eine (hübsche und kirschentypische) Überwallung der Randbereiche hinkriegt – haust du zu früh eine Kerbe in den Stamm, ist das evtl. nicht gewährleistet.

Trost: Es gibt nicht sehr viele Bonsai, die nach Plan gearbeitet wurden und auch gelangen. Manche krepieren schon unterwegs, andere entwickeln sich ganz anders als gedacht. Die eigenliche Kunst ist nicht die «malerische Bildkomposition», sondern die Fähigkeit, mit dem Material umzugehen, das der Baum schafft.
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