Fragen Birnbaum

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nesbit
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Fragen Birnbaum

Beitrag von nesbit »

Hallo zusammen
ich war letztes Wochenende in einem grossen Bonsaifachgeschäft, wo viele Bonsais, aber auch Rohmaterial angeboten wird.
Ein kleiner Birnbaum (Pyrus Communis) hat mir sehr gefallen, weil er so hübsch verzweigt war. Den habe ich mitgenommen.
Er ist ca. 25cm hoch und hat einen Stammdurchmesser von ca. 2cm. Die Borke am Stamm beginnt gerade erst, ganz leicht diese typischen rechteckigen Furchen zu bilden. Der Baum ist recht hübsch verzweigt, aber die Zweige waren recht steil, fast senkrecht nach oben gerichtet.
Ich habe mit Spanndrähten die Zweige etwas nach unten gebogen, dabei aber festgestellt, dass sie sehr hart sind. Ich habe jetzt mehrere Fragen zum Birnbaum. In meinem Bonsaihandbuch ("Bonsai Gestalten mit einheimischen Gehölzen") ist der Birnbaum zwar besprochen, aber vielleicht nicht ganz so detailliert wie ich das brauche ;-)
ein paar Fragen also zur Birne.

a) ich habe mich nicht getraut, die Zweige so stark nach unten zu biegen, wie es meiner Meinung nach nötig wäre. Ich habe angst, dass sie abbrechen. Kann ich im Laufe der Zeit, z.B. einmal pro Monat, oder noch seltener, sie immer ein kleines Stückchen weiter nach unten spannen? wird der Baum quasi etwas "nachgeben", sodass die Zweige dann nicht mehr so stark unter Spannung stehen?
b) der Baum treibt grade sehr hübsch aus, und scheint auch kleine Blätter in einer praktischen Grösse zu haben. Muss ich, um die Verzweigung noch mehr zu verbessern, im Sommer einen Blattschnitt vornehmen? ich habe gelesen, dass es bei Äpfeln nicht so viel bringt, ist das bei Birnen auch so?
c) ab wann ist eigentlich circa damit zu rechnen, dass der Baum mal Blüten hat? ich habe einen Apfel, der etwa eine vergleichbare Grösse hat, und der ist im Moment voller kleiner Blümchen.
d) das einzige was mir an der Birne noch nicht so gut gefällt, ist, dass der Stamm recht gerade ist. Aber weil das Holz so hart und zäh ist, bin ich nicht sicher, ob man da noch was machen kann. Was würdet ihr mit einem Birnbaum mit geradem Stamm machen?
e) letzte Frage, wisst ihr etwas über Wurzelschnitt und so? sollte man das machen, oder lieber nicht, vertragen das die Birnen? auch hier wieder der Vergleich mit dem Apfel, ich habe an meinem Apfel einen Wurzelschnitt gemacht und gut die Hälfte entfernt, und er wächst wunderbar. Ob das bei der Birne auch so sein würde?

Danke vielmals für jegliche Tipps!
hwolf
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von hwolf »

Hi,
wenn Du uns Deinen Namen verrätst, wird das Ganze etwas persönlicher. Wir sind hier alle recht familiär ;)

a) Jetzt gerade sind die Bäume besonders brüchig, weil der Saft aus den Wurzeln nach oben gedrückt wird, um die Knospen zu öffnen. Wenn der Baum Ende Mai fertig mit dem Frühjahr ist, wirst Du alles sehr viel leichter biegen können. Manche Sorten wie etwa die Birke kann man am besten im November nach dem Blattfall biegen, das musst Du ausprobieren.
b) Blattschnitt macht man nur bei sehr reifen Bäumen, bei deiner Birne wird es wahrscheinlich sehr viele Jahre noch nicht nötig sein und ein gewöhnlicher Rückschnitt im Sommer reicht aus, um Licht ins Innere zu bringen.
c) 10-15 Jahre
d) Drei Optionen: Einen Baum mit geradem Stamm entwickeln - "Besenform" oder "streng aufrecht", wenn Du so willst, oder Draht um das Stämmchen wickeln (zB 2x 6mm Alu) und übers Knie biegen, oder aber den Stamm auf einer netten Höhe bei einem dünneren Ast kappen und damit die erste Biegung erzeugen.
e) Wurzelschnitt muss man früher oder später bei allen Bonsai machen, also auch bei Birnen. Ich wäre da mit einer Birne eher vorsichtig als rabiat. Aber nutze doch mal die Suchfunktion, hier im Forum werden einige schöne Birnen gezeigt, dabei teilen die meisten auch ihre Pflegetipps.

Viel Spaß
Heinrich
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Tofufee
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von Tofufee »

Hallo nesbit
zu Heinrichs Ausführungen möchte ich noch ergänzen, dass Birnen natürlicherweise einen recht aufrechten Wuchs und eine eher schlanke Sihouette haben, deshalb mit dem Herunterbiegen der Zweige vielleicht nicht übertreiben.
Fotos wären hilfreich, falls du mit deiner Frage auch auf Tipps zur Gestaltung gezielt haben solltest.
Grüße
Monika
Heiner B.
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von Heiner B. »

Hallo nesbit,

wie bei den meisten Obstbäumen, und Monika schon schrieb, wachsen die Äste recht aufrecht und erst die Früchte biegen die Äste in einem weiten Bogen nach unten (also ganz langsam und behutsam über die Zeit der Fruchtreife gesehen). Drähte wachsen teilweise recht schnell ein, da muss man schon ziemlich mit aufpassen und häufig kontrollieren.

Obstbäume blühen und fruchten übrigens nur am diesjährigen Holz, deswegen werden Kernobstbäume (Apfel, Birnen etc.) auch jenachdem entweder im Spätsommer oder im Winter geschnitten. Genaue Informationen dazu sucht man sich am besten im Internet raus. Bei Obstbäumen als Bonsai entfernt man meistens die Blüten nach dem diese verblüht sind, da das Obst ziemlich an den Kräften des Baumes zehrt.

Ich habe z.B. 2 kleine Nashibäume auf dem Balkon, die ich aber als Obstbaum ziehe und nicht als Bonsai. Das Obst bleibt also bis zur Reife dran, man muss dann jedoch entsprechend düngen. Und bitte nicht Nashi-Birne sagen, da Nashi mit Birne übsetzt wird (Birne-Birne hört sich seltsam an) :-D . Leider hat nur einer davon dieses Jahr geblüht. Jetzt kann ich nur hoffen, das in den Nachbarsgärten irgendwo Birnbäume als Bestäuber stehen.
Liebe Grüße
Heiner
Hippo
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von Hippo »

Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass Birnbäume mitunter ziemlich Sonnen- und Wärmebedürftigen Obstbäume unserer Gärten sind.
Ich hatte zwei Birnbäume in einem Osthang und der Zweite hat sich letztes Jahr, nach langem Dahinserbeln, auch verabschiedet. Den Kirschen und Äpfeln gehts verhältnismässig gut. Die vertragen die Lage besser.

Ach ja, und man sollte sein Herz nicht allzusehr an Birnbäume hängen weil der Gitterrost sich immer die schönsten Bäumchen aussucht.
Manchmal ist man der Hund und manchmal der Baum.
nesbit
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von nesbit »

Hallo zusammen

vielen Dank für eure Tips und Hinweise!
Zu den Blüten habe ich noch eine Frage. Mein Apfelbonsai, den ich habe, ist sicher nicht 10 Jahre alt, aber blüht dennoch fleissig. Letzten Herbst war er sogar voller kleiner Äpfel. Ist es tatsächlich so, dass das bei der Birne einfach länger dauert, oder ist es Zufall, dass der Apfel halt schon aktiv ist?

Zu den Spanndrähten. OK ich wusste nicht, dass ausgerechnet jetzt die Zweige am brüchigsten sind. Werden die Äste also demnach im Laufe des Frühlings noch etwas weicher werden, sodass ich nachspannen kann?

Wegen der Sonne habe ich nicht so Bedenken, ich habe zwar keinen Garten sondern nur einen Balkon, aber dieser bekommt recht viel Sonne ab. Das sollte also passen. Weil ich allerdings berufstätig bin, habe ich schon noch ein wenig Respekt davor, dass mir die Bäume im Sommer vertrocknen könnten, weil ich unmöglich 3x am Tag giessen kann. Bei den anderen Pflanzen ist das nicht so ein Problem, weil die ja in grossen Töpfen sind, da trocknet nichts so schnell aus, aber die Bonsai in den Schalen halt schon. Muss mir da noch was überlegen.

Was mir auch noch nicht klar ist, ist wie ich die Birne schneiden muss, um noch bessere Verzweigung zu bekommen. Ich dachte immer, dazu macht man einen Blattschnitt. :-D

Bilder werde ich gerne hochladen, aber nicht jetzt, der Baum sieht grade nicht so hübsch aus und ich habe das Gefühl alle die Profis hier würden mich auslachen, weil es so ein kümmerlicher kleiner Zwerg ist ;-) (in meinen Augen ist der Baum zwar recht gut, aber wenn ich mir anschaue, was andere in dem Forum hier für Bäume haben...... dann kann ich meinen Birnbaum gleich auf den Kompost bringen! :-D)

Danke & Grüsse
Oliver
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achim73
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von achim73 »

keine sorge, jeder hat mal angefangen...die meisten so ähnlich wie du ;)

die birnen scheinen tatsächlich erst in höherem alter mit dem blühen anzufangen. ich habe einen ca. 15-jährigen rohling und der macht auch noch keine anstalten. aber wenn man mit dem hobby eines lernt, dann geduld... 8)
Gruss, Achim
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von Hippo »

nesbit hat geschrieben: 08.04.2022, 10:09 Ist es tatsächlich so, dass das bei der Birne einfach länger dauert, oder ist es Zufall, dass der Apfel halt schon aktiv ist?
Salü Oliver,

Es kommt darauf an wie das Bäumchen vermehrt wurde.
War es ein Steckling? Dann kann er nach wenigen Jahren schon blühen.
Wurde es veredelt? Dann kann es bereits im zweiten/dritten Jahr schon blühen.
Wurde es aus Samen gezogen? Dann kann es 35 Jahre dauern bis er das erste mal blüht. Manchmal auch schon früher oder später.

Gruss George
Manchmal ist man der Hund und manchmal der Baum.
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Georg
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von Georg »

achim73 hat geschrieben: 08.04.2022, 10:16 keine sorge, jeder hat mal angefangen...die meisten so ähnlich wie du ;)
die birnen scheinen tatsächlich erst in höherem alter mit dem blühen anzufangen. ich habe einen ca. 15-jährigen rohling und der macht auch noch keine anstalten. aber wenn man mit dem hobby eines lernt, dann geduld... 8)
Du hast zwar im Allgemeinen recht, nur bei dem Thema Geduld....... :lol:
Gruß
Rüdiger
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nesbit
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von nesbit »

Also ich lasse den Baum mal fertig austreiben, und lade dann mal ein Foto hier hoch. Im Moment mit den ganzen Drähten ist es nicht besonders ansehnlich!
Wie der Baum gezogen wurde, weiss ich natürlich nicht. Also ob es ein Steckling ist oder aus Samen.
Ich glaube nicht, dass er veredelt ist. Er hat zwar an der Basis eine Verdickung, aber das sieht mir eher nach einem unschönen Wurzelanasatz, als nach einer Veredelunsstelle aus. Wie letztere aussehen, glaube ich eigentlich zu wissen, da ich sowas auch schon gesehen hatte.

Bin auch sehr gespannt, wie gross die Blätter werden. Als ich den Baum gekauft habe, lagen im Topf auf der Erde noch ein paar alte Blätter vom letzten Herbst, die sind circa 2cm lang und 1.5cm breit, also eigentlich eine ganz aktzeptable grösse.
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Tofufee
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von Tofufee »

nesbit hat geschrieben: 08.04.2022, 13:29 Also ich lasse den Baum mal fertig austreiben, und lade dann mal ein Foto hier hoch. Im Moment mit den ganzen Drähten ist es nicht besonders ansehnlich!
Hallo Oliver,
Um den Baum beurteilen und ggf. Tipps zum weiteren Vorgehen zu geben, ist ein Foto ohne Laub wesentlich hilfreicher, weil die Struktur der Pflanze nicht von den Blättern verdeckt wird. Ist ja klar, dass ein Rohling mit Draht usw. noch nicht so dolle aussieht, aber die Bilder sind ja nicht für eine "Ausstellung" gedacht, sondern für uns, damit wir überhaupt mal sehen, wovon wir hier sprechen (schreiben). Also: nur Mut!
Grüße
Monika
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von nesbit »

Hallo,
also, bitte nicht auslachen. Ich habe die Drähte durch Fäden ersetzt, weil ich noch ein paar mehr Äste korrigieren wollte und nicht genug Draht hatte. Ausserdem vermute ich, dass die Fäden weniger Verletzungen geben als Drähte weil sie weich sind.
Der Stamm ist vielleicht nicht optimal. Dicke im Moment etwas weniger als 2cm. Ich hoffe er legt etwas zu, wenn ich den Baum im Topf lasse und den Sommer über gut versorge.
Woanders wurde mir empfohlen, die Spitze neu aufzubauen und diese dazu in der näheren Zukunft ggf zu kappen und einen Ast hochzudrahten, sodass man mehr Bewegung in den Stammverlauf bekommt und eine bessere Verjüngung.
Für die Profis hier drin wird der Baum natürlich Spielzeug sein, aber ich mag ihn eigentlich recht gut, er hat eine sehr hübsche Verzweigung meiner Meinung nach und die Blätter sollten auch nicht allzu gross werden.
Ich glaube, man müsste auch noch dafür sorgen, dass sich mehr Verzweigungen ergeben. In meiner Nähe hat es ein paar alte Birnbäume, die ich mir angeschaut habe, und deren Wuchsform sieht eigentlich recht ähnlich aus wie von diesem kleinen Baum. Die grossen Brüder sind wesentlich höher als Breit, und haben leicht hängende Äste. "Meine" Äste sind zur Zeit noch vergleichsweise zu steil, glaube ich.
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ania
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von ania »

Ich bin kein Profi, finde den aber schon ganz nett, er hat durchaus Ähnlichkeiten mit der älteren Birnen-Dame bei uns im Garten. Bei dieser hängen die älteren Äste nach außen immer mehr durch, da sie jahrelang schwer tragen mussten, die Ansatzwinkel sind teilweise aber ähnlich steil wie bei deiner, und offensichtlich hatte der frühere Gartenbesitzer eine Vorliebe für Doppelstämme bei Obstbäumen.... Ich versuche die hängenden Partien durch Schnittmaßnahmen etwas zu verjüngen.

Die Spitze würde ich bei deiner neu aufbauen, vielleicht aus dem rechten steilen Ast, die unteren Äste nur verfeinern und deren Winkel weiter anpassen.
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mydear
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von mydear »

nesbit hat geschrieben: 07.04.2022, 13:34 Ein kleiner Birnbaum (Pyrus Communis) hat mir sehr gefallen
Den Fotos nach könnte es auch eine Prunus mahaleb sein.

Grüße
Rainer
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Re: Fragen Birnbaum

Beitrag von nesbit »

Hallo ania,

danke ☺ wo würdest du denn die Spitze kappen, und soll man das jetzt machen oder später?

Rainer,
ich weiss es natürlich nicht, gut möglich dass du recht hast. Beim Händler war das Regal "Birne (Pyrus Communis)" angeschrieben, aber ich gebe dir insofern recht, dass diese Nomenklatur wohl nicht so günstig ist, weil es von den Birnen ja zahllose Sorten gibt, ich weiss aber nicht wie sehr das hier eine Rolle spielt.
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