Keirincx, Alexander (1600-1652) - Der barocke Wald

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gunter

Keirincx, Alexander (1600-1652) - Der barocke Wald

Beitrag von gunter » 21.03.2006, 10:26

von Gunter Lind

Alexander Keirincx wirkte zunächst in seiner Heimatstadt Antwerpen, übersiedelte dann jedoch in die nördlichen Niederlande und wurde Bürger von Amsterdam. Er malte überwiegend Waldlandschaften, scheint jedoch zuletzt das Malen zugunsten seiner Tätigkeit als Kunsthändler aufgegeben zu haben.

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Auf der Landschaft mit Hirschjagd von 1630 wird der größte Teil der Fläche des Bildes vom Wald eingenommen. Nur in der Mitte gibt es einen Durchblick über einen Waldweg in die Ferne. Auf dem Weg spielt sich auch die Jagdszene ab, deren winzig kleine Figuren die mächtigen Bäume des Waldes noch größer erscheinen lassen. Auch der niedrig angesetzte Blickwinkel betont die Baumhöhe.

Man kann die Waldlandschaften auf den Bildern der damaligen Zeit ganz grob in zwei Typen einteilen: 1. der mythische Urwald mit einer Fülle von Pflanzen und dem ganzen üppigen Reichtum der Natur, ein Wald, in dem die Augen des Betrachters ihren Weg durch das Dickicht suchen müssen, und 2. der Wald als Ort der Schäferdichtung, als parkartige Landschaft, eine idyllische Wiese umrahmend, für galante Feste bestens geeignet.

Keirincx Waldlandschaft mit Hirschjagd ist ein Musterbeispiel des ersten Typs, ein barocker Wald, voller Affekte und ziemlich weit entfernt von den Wäldern in der Natur. Riesige oberirdische Wurzeln, ja Wurzelgebirge, gewundene, sich drehende, ineinander verflochtene Stämme, üppige, schwere Kronen, die wegen der minutiös gezeichneten Blätter trotzdem nicht massig wirken. Alles scheint ein wenig übertrieben, zu wild wuchernd, weit entfernt vom klassischen Gleichgewicht, ein Wald für die Phantasie.

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Keirincx Allegorie des Überflusses gehört zum zweiten Landschaftstyp: Wiese, Wasser, ein ländliches Haus, einzelne Bäume im Vorder- Mittel- und Hintergrund, ganz in der Ferne der geschlossene Wald, in der Mitte unter dem zentralen Baum das glückliche Schäferpaar, ein schönes Klischee und in der kriegerischen Zeit sicher der Wunschtraum vieler Menschen. Dem Thema entsprechend zeigt die Natur üppige Formen, Blumen, Früchte in Fülle. Auch die Bäume sind üppig, stattlich, schön. Kein Anklang an die verwunschene Atmosphäre der Landschaft mit Hirschjagd. Die Idylle wird dekorativ gerahmt von Bäumen und Blumen. Der Landschaftspark ist nicht von den Gärtnern erfunden worden, sondern von den Malern.

Bildquellen:

1. Wilfried Seipel (Hrsg.): Die flämische Landschaft 1520-1700, Ausstellungskatalog des kunsthistorischen Museums Wien. Lingen (Luca) 2003
2.www.artunframed.com/images/artmis17/keirincx99.jpg

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