Tokonoma – die traditionelle Präsentationsform - Was ist eine Tokonoma und was gehört hinein?

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Heike_vG
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Tokonoma – die traditionelle Präsentationsform - Was ist eine Tokonoma und was gehört hinein?

Beitrag von Heike_vG » 28.06.2007, 12:26

Die Tokonoma war in traditionellen japanischen Häusern eine spezielle Nische im Eingangsbereich, die zum Präsentieren von Bonsai oder anderen Kunst- oder Meditationsobjekten diente.
Diese Dekoration wurde meist nur für relativ kurze Zeit (gerade im Fall des Bonsai, der sich draußen wohler fühlt) und stark jahreszeitlich geprägt zusammengestellt.

In Europa wird die Tokonoma-Präsentation vor allem auf Ausstellungen und dort meist nur für ausgewählte, besondere Bonsai genutzt.

In die klassische Tokonoma-Bonsaipräsentation gehören traditionell drei Elemente: Bonsai, Begleitelement (Beistellpflanze, Suiseki oder Figur) und Rollbild.

Der Bonsai symbolisiert den Menschen, der Akzent die Natur und das Bild den Himmel (im philosophischen Sinn).

Der Hintergrund der Tokonoma sollte neutral und schmucklos sein, eine einfarbige Fläche in einem unauffälligen Farbton. Der Boden wird traditionell mit Tatamimatten (Reisstrohmatten) ausgelegt, deren übliche Größe auch die Abmessung der Tokonoma bestimmt hat.
Dazu kommen Tische für Bonsai und Unterleger für die Beistellpflanzen. Diese sind unerlässlich für eine gute Präsentation und müssen auf den Baum, den Beisteller und die Schalen abgestimmt sein.

Tische für Bonsai gibt es in einer fast unendlichen Vielfalt, von bizarren Wurzelstöcken bis zu seidigem Rosenholz und filigransten Schnitzereien. Für Beisteller sind nur flache Unterleger (Jiban), in der Regel jedoch keine Tische mit Füßen oder Beinen angebracht, es sei denn, der Bonsai steht auf einem sehr hohen Tisch.
Es ist möglich Bambusmatten, Steinplatten, Treibholz- oder Rindenstücke zu nehmen, ebenso wie Holzplatten und flache Bretter, mit regelmäßigem oder unregelmäßigem Rand, lackiert, poliert oder naturbelassen.

In Europa hat sich in den vergangenen Jahren eine eigene, europäische Bonsaikultur entwickelt. Man sieht keinen Grund, sich nur sklavisch an alte japanische Regeln zu halten.
So spricht nichts dagegen, etwas zu experimentieren und eigene, europäische Ideen auch in die Tokonoma-Präsentation einzubringen.

Hier einige Beispiele für eine Tokonoma-Präsentation:


Im ersten Bild ist eine Ausnahme der Regel zu sehen, dass nur 3 Elemente in eine Tokonoma gehören.
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Foto: Walter Pall



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Foto: Wolfgang



In diesem Bild handelt es sich nicht um eine geschlossene Tokonoma, aber alle drei Präsentationselemente sind vorhanden.
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Foto: Walter Pall



Tokonoma von Othmar Auer. Hier wurde auf das Begleitelement verzichtet.
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Foto: Wolfgang
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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