130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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Herbert A
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130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von Herbert A »

Servus an alle

ich experimentiere schon ca 6 Jahre mit dem abmoosen von Bäumen. Speziell die Pinus Mugo hat es mir angetan. Vor 2 Jahren fand ich eine Mugo bei der aufgrund der Bodenverhältnisse ein ausgraben unmöglich gewesen wäre.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie so eine alte und dicke Mugo abgemoost. Der Stammdurchmesser wird so an die 20 cm betragen. Im April 2009 habe ich die Rinde kurz oberhalb des Bodens in einem ca 6 cm breiten Streifen abgeschält.

Heute fast 2 1/2 Jahre danach habe ich den Baum vo Berg geholt.
Abtrennung
Abtrennung
Das Gewicht des Baumes beträgt ca 40 kg. 1 Stunde musste ich den Baum irgendwie einen 50 Grad steilen Hang hinunterschleppen. Für diese Strecke benötige ich normalerweise 5 Minuten. Vor dem Transport wurden die neuen Wurzeln mit Tüchern geschützt und fest mit einem Seil zusammengebunden damit sie möglichst nicht beschädigt werden.
Wurzelballen in Tüchern
Wurzelballen in Tüchern
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Herbert A
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von Herbert A »

009.JPG
Nach dem abmoosen topfe ich die Bäume in eine möglichst kleine Anzuchtschale. Vorher entferne ich noch so viel Sphagnummoos als möglich aus den Wurzeln damit keine Wurzelfäule entstehen kann.
frische Wurzeln
frische Wurzeln
Sphagnum entfernen
Sphagnum entfernen
Immer wieder wird das Moos gewässert. Es trocknet teilweise stark ein und wird hart. Da würden zu viele Wurzel beim herauszupfen beschädigt.
020.JPG
026.JPG
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Herbert A
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von Herbert A »

Ungefähr 2 Stunden später ist das meiste Moos entfernt. Diese Arbeit sollte man sehr vorsichtig und langsam machen, da sonst zu viele Wurzeln beschädigt werden.
029.JPG
Die Wurzelbildung auf der anderen Seite des Stammes.
035.JPG
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Herbert A
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von Herbert A »

Jetzt wird noch der Stamm knapp unterhalb der Abmoosstelle abgeschnitten damit der Baum in einen kleinen Anzuchttopf passt.
031.JPG
Jetzt passt er rein.
An der Schnittstelle hat der Baum 130 Jahresringe. Sein Dasein begann also ca 1881. Das war als Sitting Bull gegenüber der US Armee kapitulierte. Ich finde das passt. Der Baum wird jetzt Sitting Bull heissen.
035.JPG
Mit einem starken Seil wird der Baum in der Schale fixiert. Das ist wichtig da er erstens sonst nicht alleine stehen würde und zweitens sonst die neue Wurzelbildung durch die ständige Bewegung durch Wind etc. erheblich erschwert wird.
037.JPG
Jetzt fehlt nur noch das Substrat. Ich verwende je zu einem Drittel Akadama, Bims und Zeolith.
038.JPG
Zuletzt geändert von Herbert A am 30.08.2011, 23:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Herbert A
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von Herbert A »

Als ich nach 3 Stunden mit dem eintopfen fertig war, hatte ich leider kein Licht mehr um den Baum in der Schale zu fotografieren.

Hier noch Aufnahmen schöner Todholzstellen.
012.JPG
011.JPG
002.JPG
Ich hoffe dass der Baum anwächst. Die Ausfallquote beim abmoosen ist relativ gering (ca 20%). Die Nagelprobe wird das nächste Frühjahr. Dann wird sich zeigen ob er alles gut überstanden hat. Danach wird der Baum so lange in der Schale stehen bis er wieder einen Neuzuwachs von mindestens 2 cm hat. Das wird nochmal 1 - 2 Jahre dauern. Erst dann beginne ich bei abgemoosten Bäumen mit der Gestaltung. Wobei das auch für ausgegrabene Bäume gilt.

Servus und ciao
Herbert Aigner
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achim73
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von achim73 »

absolut beeindruckende doku, vielen dank dafür !
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit
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Kränzle S.
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von Kränzle S. »

Hervorragende Aufzeichnung!
Es ist dir und dem Baum zu wünschen, dass sich deine Arbeit lohnen soll.
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Heike_vG
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Herbert,

das ist wirklich eine spannende Geschichte! Das Alter von 130 Jahren war in diesem Fall dann ja sicher auch sehr exakt zu bestimmen, denn Du konntest den Stamm ja absägen und die Jahresringe zählen, was bei den meisten anderen Bäumen zu Lebzeiten nicht möglich ist...

Was mich interessiert: Kiefern gelten ja als schwer abzumoosen und in diesem Fall hat es ja auch immerhin zweieinhalb Jahre gedauert. Ist die Mugo-Kiefer besser abzumoosen als andere Kiefernarten und gibt es bestimmte Randbedingungen, die für den Erfolg entscheidend sind?

Liebe Grüße,

Heike
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Herbert A
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von Herbert A »

Hallo Heike

die Mugo ist von allen Kiefern am besten und schnellsten abzumoosen. Bei jüngeren Bäumen mit einem Stammdurchmesser von 4-5 cm kann ein im März/April abgemooster Baum oftmals schon im Herbst getrennt werden (rd 50%). Bäume mit einem dickeren Stamm bilden im ersten Jahr meistens noch zu wenig Wurzeln. Den Winter überstehen die Wurzeln problemlos im Sphagnummoos und im darauffolgenden Jahr macht der Baum ausreichend Wurzeln.

Wenn der Baum auch im 2. Jahr nicht ausreichend Wurzeln gebildet hat, wird er das abmoosen nicht überstehen. Das deshalb, weil der Baum seine aktivsten Saftbahnen in den letzen 3-5 Jahresringen hat. Da der Baum durch das entfernen des Kambiums keine neuen Jahresringe und damit auch keine Saftbahnen mehr ausbildet, veröden von innen her die Saftbahnen bis eben meistens im 3. Jahr eine ausreichende Versorgung des Baumes mit Wasser nicht mehr gegeben ist.

Voraussetzung ist bei allen Abmoosungen dass der Baum kräftig ist. Schwache Bäume haben auch nur eine schwache Wurzelbildung.

Bisher ist es mir noch nicht gelungen eine Rotkiefer am Stamm abzumoosen. Derzeit habe ich gerade ein paar Versuche laufen bei denen ich versuche die Wurzeln der Rotkiefern abzumoosen.

Auch bei Lärchen habe ich gerade ein paar Versuche laufen, bei denen ich Abmoosungen am Stamm versuche. Bisher ist es mir nur gelungen eine Lärche an den alten dicken Wurzeln abzumoosen. Das ging ebenfalls problemlos.

Schwarzkiefern wachsen bei uns nicht, daher habe ich da keine Erfahrung.

ciao
Herbert Aigner
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Bodo.P.
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von Bodo.P. »

Hallo Herbert

Toll was du uns gezeigt hast.
Die Fragen von Heike hätte ich auch,speziell die Frage nach der Versorgung wärend der langen Zeit.
Wie man bei dir sehen kann lohnt es sich wenn man etwas ausprobiert auch wenn andere sagen es geht nicht(oder es dauert viele Jahre)

mfg
Bodo.P.
PS: Gerade sehe ich das du die Fragen schon beantwortet hast .DANKE
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Heike_vG
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Herbert,

vielen Dank für diese interessanten Informationen! Das ist mal ein Highlight, so etwas zu erfahren. *daumen_new*

Wie oft besuchst und kontrollierst Du diese Abmoosungen bis zur Abtrennung? Befeuchtest Du das Moos regelmäßig oder hält sich die Feuchtigkeit von selbst unter der Folie? Benutzt Du Wurzelhormon oder irgendein anderes Hilfsmittel?

Liebe Grüße,

Heike
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camaju +
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von camaju + »

Hallo Herbert,

Sorry wenn ich mich als Laie hier mal einklinke
Herbert A hat geschrieben:Den Winter überstehen die Wurzeln problemlos im Sphagnummoos
Nur das Sphagnummoos wird ja ein durchfrieren der Wurzeln nicht verhindern. Bietet da die vermutlich vorhande Schneedecke diesen Schutz ? Ansonsten könnte ich mir das, wie gesagt als Laie, nicht so richtig vorstellen.
Gruß Jürgen *wink*

Wer nicht mit Pflanzen und Tieren kann, kann auch nicht mit Menschen.

Ich moderiere in blau, der Rest ist nur meine Meinung
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Herbert A
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von Herbert A »

@ Heike
ich binde das Plastik am oberen Ende nicht fest zu und lasse ausserdem etwas Moos herausstehen. Wenn es Regnet und das Wasser am Stamm runterläuft wird das Moos im Plastikmantel wieder feucht. Man braucht also nicht mehr zusätzlich wässern.

Bei zweijährigen Abmoosungen packe ich im Frühjahr des 2. Jahres noch eine Schicht Sphagnummoos dazu. Dann sind nämlich meistens die Wurzeln schon durch die erste Schicht durchgewachsen und stehen am Plastik an.
Wurzelhormon habe ich noch nie benutzt.

Sonst mach ich nix ausser ganz fest hoffen dass es klappt ;-)

@ Camaju
Selbstverständlich frieren die Wurzeln durch. Das macht ihnen aber nichts.
Im Winter ist ja eine Bonsaischale ein einziger Eisblock und braucht daher ein paar Tage bis das Substrat auftaut. Im Gegensatz dazu nehme ich an wird das Sphagnummoos sehr rasch abtauen und die Wurzeln werden nicht beschädigt.
Schutz durch Schnee ist bei Mugos in Felsen meistens nicht gegeben. Dort weht der Wind den Schnee weg und bei Sonne taut der Schnee rasch ab.

ciao
Herbert Aigner
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Thierry
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von Thierry »

Sehr interessant, danke Herbert! *daumen_new*
Viele Grüße,
Thierry

"A juniper without jin is like a dog without fleas : not natural..." - John Naka
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Martin_S
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Re: 130 Jahre alte Pinus Mugo abgemoost

Beitrag von Martin_S »

Schwer beeindruckt hocke ich hier vor meiner Glotze und die äusserst selten von mir vergeben 3 * "Doppel Daumen hoch" sind dir sicher!

Das das gehen könnte, hatte ich mir ja schon gedacht (warum auch nicht?) aber das es mal jemanden gelingt und er das dann auch zeigen kann, war mir bislang noch nicht unter gekommen.
Toll!
M
Beste Grüße
Martin

Lieber Querlüften als Querdenken!
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